Christian Rosenkreutz

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Christian Rosencreutz

Christian Rosenkreutz, auch Christianus Rosencreutz oder Christian Rosenkreuz (* 1378; † 1484[1]) ist nach Rudolf Steiner einer der höchsten christlichen Eingeweihten und Begründer des Einweihungswegs der Rosenkreuzer, der für das gegenwärtige Bewusstseinsseelen-Zeitalter, und damit auch für die Anthroposophie, von grundlegender Bedeutung ist.

Christian Rosenkreutz und die Schriften des Johann Valentin Andreae

Christian Rosenkreutz

Öffentlich genannt wurde der Name Christian Rosenkreutz erstmals in drei zunächst handschriftlich verbreiteten und dann anonym erschienenen Werken, nämlich der 1614 in Kassel verlegten Fama Fraternitatis (Allgemeine und General Reformation, der gantzen weiten Welt. Beneben der Fama Fraternitatis, deß Löblichen Ordens des Rosencreutzes, an alle Gelehrte und Häupter Europae), der 1615 erschienenen Confessio Fraternitatis (Confession oder Bekandnuß der Societet und Brüderschaft R. C. An die Gelehrten Europae) und in der 1616 bei Lazare Zetzner in Straßburg unter dem Titel Chymische Hochzeit des Christiani Rosencreutz Anno 1459 veröffentlichten Schrift, die den Einweihungsweg des Christian Rosenkreutz in Form eines alchemistischen Romans schildert.

"Im Jahre 1614 erschien die sogenannte «Fama Fraternitatis» und ein Jahr später die sogenannte «Confessio» - zwei Bücher, über die von gelehrter Seite viel gestritten worden ist.(...) Alles, was in die Literatur übergegangen ist, was geschrieben und gedruckt worden ist, sind einzelne Bruchstücke, einzelne verlorene, durch Verrat an die Öffentlichkeit gekommene Dinge, die ungenau und in vielfacher Weise durch Charlatanerie, Schwindel, Unverstand und Dummheit verkehrt worden sind. Die wahre, echte Rosenkreuzerei ist, seitdem sie besteht, stets nur Gegenstand mündlicher Mitteilung an solche gewesen, welche sich eidlich zur Geheimhaltung verpflichten mußten. Daher ist auch nichts Erhebliches in die öffentliche Literatur übergegangen."[2]

Alle drei Werke werden Johann Valentin Andreae und seinem Tübinger Freundeskreis zugeschrieben. Bezüglich der geistigen Urheberschaft dieser Werke sagt Rudolf Steiner:

"Aber kein Mensch, der die Biographie des Valentin Andrea kennt, wird im Zweifel darüber sein, daß der Valentin Andrea, der später ein philiströser Pastor geworden ist und salbungsvolle andere Bücher schrieb, nicht die «Chymische Hochzeit» geschrieben hat. Es ist ein bloßer Unsinn, zu glauben, daß der Valentin Andrea die «Chymische Hochzeit» geschrieben hat. Denn vergleichen Sie nur einmal die «Chymische Hochzeit» oder die «Reformation der ganzen Welt» oder die anderen Schriften von Valentinus Andrea - physisch war es schon dieselbe Persönlichkeit - mit dem schmalzig Salbungsvollen, Fettig-Öligen, was der Pastor Valentin Andrea, der nur denselben Namen trägt, in seinem späteren Leben dann geschrieben hat. Das ist doch ein höchst merkwürdiges Phänomen! Wir haben einen jungen Menschen, der überhaupt noch kaum erst die Schulzeit vollendet hat, der schreibt solche Dinge nieder wie die «Reformation der ganzen Welt», wie die «Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz», und wir müssen uns anstrengen, den inneren Sinn dieser Schriften zu ergründen. Er selber versteht gar nichts davon, denn das zeigt er später: er wird ein salbungsvoller öliger Pastor. Das ist derselbe Mensch! Und man braucht nur dieses Faktum zu nehmen, so muß man plausibel finden, was ich dazumal dargestellt habe: daß eben die «Chymische Hochzeit» nicht von einem Menschen geschrieben ist, oder nur insofern von einem Menschen geschrieben ist, nun ja - wie der stets angsterfüllte geheime Sekretär von Napoleon seine Briefe geschrieben hat. Aber Napoleon war immerhin ein Mensch, der stark mit seinen Füßen, mit seinen Beinen auf dem Boden stand, war eben eine physische Persönlichkeit. Derjenige, der die «Chymische Hochzeit» geschrieben hat, war nicht eine physische Persönlichkeit, und er hat sich dieses «Sekretärs» bedient, der eben dann später der ölige Pastor Valentin Andrea geworden ist." (Lit.: GA 232, S. 143)

Im Gegensatz zu Rudolf Steiner vertritt Gerhard Wehr die These, bei Christian Rosenkreuz handele es sich nicht um eine historische Persönlichkeit, sondern um eine Erfindung durch Johann Valentin Andreae. (Lit.: Gerhard Wehr, Christian Rosenkreuz, S. 24). Diese These verliert aber ihre Wirkkraft anhand der ausführlichen Schilderungen durch Rudolf Steiner (in GA 130), die eindeutig von einer historischen Person, die auch geschichtlich unter dem Namen Christian Rosenkreutz auftrat, berichten.

Die Inkarnation des Christian Rosenkreutz im 13. Jahrhundert

Flor und Blancheflor

Die Initiation des Christian Rosenkreutz, die ihn im Jahre 1459 zur Chymischen Hochzeit führte, wurde durch eine Einweihung in einer früheren Inkarnation im 13. Jahrhundert vorbereitet. Sie fällt in die Zeit um das Jahr 1250, das eine derartige geistige Finsternis über die Menschheit fiel, dass selbst hohen Eingeweihten für eine kurze Weile der unmittelbare Einblick in die geistige Welt verwehrt war. Diese geistige Finsternis war aber nötig, um den Intellekt vorzubereiten, der in unserem gegenwärtigen Bewusstseinsseelen-Zeitalter voll ausgebildet werden soll. In dieser Inkarnation wurde Christian Rosenkreutz erstmals, zwar nicht öffentlich, aber esoterisch mit diesem Namen bezeichnet. Es hatte sich in ihm jene Seele des Flos oder Flor wiederverkörpert, von dem in der Sage von Flor und Blancheflor (Rose und Lilie) gesprochen wird, die um 1230 von Konrad Fleck in Gedichtform gebracht worden war:

„In den Eingeweihtenkreisen sagte man: Dieselbe Seele, die in Flos oder Flor war und die besungen wird in dem Liede, ist wiederverkörpert erschienen im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert zur Begründung einer neuen Mysterienschule, welche in einer neuen, der Neuzeit entsprechenden Weise das Christus-Geheimnis zu pflegen hat, in dem Begründer des Rosenkreuzertums.“ (Lit.:GA 57, S. 422f)

Flor und Blanchflor waren die Bewahrer des esoterischen Christentums und sollen der genannten Sage nach die Großeltern mütterlicherseits Karls des Großen gewesen sein:

„Flor und Blancheflor sind Seelen, in Menschen verleiblicht, die schon einmal gelebt haben. Die Sage bringt sie zusammen mit den Großeltern Karls des Großen. In Karl dem Großen aber sahen die, welche mit den Sagen sich intimer beschäftigten, die Gestalt, die in gewisser Weise in Beziehung gebracht hat das innere esoterische mit dem exoterischen Christentum. Das ist in der Kaiserkrönung ausgedrückt. Geht man zu seinen Großeltern zurück, zu Flor und Blancheflor, so lebten in ihnen Rose und Lilie, die rein bewahren sollten das esoterische Christentum, wie es zurückgeht auf Dionysios den Areopagiten. Nun sah man in der Rose, in Flor oder Flos das Symbolum für die menschliche Seele, die den Persönlichkeits-, den Ich-Impuls in sich aufgenommen hat, die das Geistige aus ihrer Individualität wirken läßt, die bis in das rote Blut hinein den Ich-Impuls gebracht hat. In der Lilie aber sah man das Symbolum der Seele, die nur dadurch geistig bleiben kann, daß das Ich außerhalb ihrer bleibt, nur bis an die Grenze herankommt. So sind Rose und Lilie zwei Gegensätze. Rose hat das Selbstbewußtsein ganz in sich, Lilie ganz außer sich. Aber die Vereinigung der Seele, die innerhalb ist, und der Seele, die außen als Weltengeist die Welt belebt, ist dagewesen. Flor und Blancheflor drückt aus das Finden der Weltenseele, des Welten-Ich durch die Menschenseele, das Menschen-Ich.“ (Lit.:GA 57, S. 438)

Der Dreizehnte in der Mitte von zwölf Weisen

Die vorbereitende Einweihung des Christian Rosenkreutz im 13. Jahrhundert fand nach Aussagen Rudolf Steiners "an einem Orte in Europa, von dem noch nicht gesprochen werden darf" statt (Lit.: GA 130, S. 57ff). Sie fand im Kreis eines Kollegiums 12 hoher Eingeweihter statt, die zusammen die gesamte, seit Beginn der atlantischen Zeit errungene Weisheit repräsentierten. In sieben von ihnen waren die Seelen der sieben heiligen Rishis wiederverkörpert, die schon in der urindischen Zeit die Repräsentanten des geistigen Wissen der sieben atlantischen Entwicklungsepochen gewesen waren. Weitere vier Eingeweihte standen für die Weisheit der ersten vier nachatlantischen Kulturepochen. Zu ihnen gesellte sich noch ein weiterer, der die intellektuellen Fähigkeiten schon bedeutsam ausgebildet hatte, die äußeren Wissenschaften pflegte und so das kommende Bewusstseinsseelen-Zeitalter vorbereiten sollte.

"In diesem Kollegium der Zwölf war zum Teil nur Erinnerungshellsehen und intellektuelle Weisheit vorhanden. Die sieben Nachfolger der sieben Rishis erinnerten sich ihrer alten Weisheit, die fünf andern vertraten die Weisheit der fünf nachatlantischen Kulturen. Somit vertraten die Zwölf die ganze atlantische und nachatlantische Weisheit. Der Zwölfte war ein Mensch, der im höchsten Maße die intellektuelle Weisheit seiner Zeit hatte. Er besaß verstandesmäßig das ganze Wissen seiner Zeit, während die anderen, denen direktes Geistesschauen damals auch versagt war, durch Versenken in die Erinnerungen an ihre früheren Inkarnationen ihr Wissen damals erlangten." (Lit.: GA 130, S. 61)

Christian Rosenkreutz stand, abgesondert von der übrigen Welt, als Dreizehnter in der Mitte dieser zwölf Weisen, die seine Pflege und Erziehung übernahmen und ihm alle Weisheit zuströmen ließen, die sie zu geben vermochten. In Christian Rosenkreutz lebte eine große, fromme und tief mystische Seele, die aber in dieser Inkarnation als schwächliches Kind geboren wurde, sodass die Erziehung der zwölf Weisen bis in seinen physischen Leib hineinwirken konnte.

"Dieser Dreizehnte wurde kein Gelehrter im Sinne der damaligen Zeit. Er war eine Individualität, die inkarniert gewesen war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Er hatte in darauffolgenden Inkarnationen durch ein demütiges Gemüt, durch ein inbrünstiges, gottergebenes Leben sich für seine Mission vorbereitet. Er war eine große Seele, ein frommer, innerlich tief mystischer Mensch, der mit diesen Eigenschaften geboren wurde und sie sich nicht nur erworben hatte. Wenn Sie sich einen jungen Menschen vorstellen, sehr fromm, fortwährend inbrünstig zu seinem Gott betend, so können Sie sich ein Bild der Individualität dieses Dreizehnten vor Augen stellen. Dieser Dreizehnte wuchs ganz und gar auf in der Pflege und Erziehung der Zwölf, und er erhielt von jedem an Weisheit, soviel ihm jeder nur geben konnte. Mit der größten Sorgfalt wurde dieser Dreizehnte erzogen, und es wurden alle Einrichtungen so getroffen, daß niemand als diese Zwölf einen Einfluß auf ihn ausüben konnten. Er wurde von der übrigen Welt abgesondert. Er war ein sehr schwächliches Kind in jener Inkarnation des dreizehnten Jahrhunderts, daher wirkte die Erziehung, die ihm die Zwölf angedeihen ließen, bis in seinen physischen Leib hinein...

Während die geistigen Kräfte dieses Dreizehnten ins Unendliche zunahmen, gingen seine physischen Kräfte ganz zurück. Es kam so weit, daß fast aller Zusammenhang mit dem äußeren Leben aufhörte, alles Interesse für die physische Welt verschwand. Er lebte nur für die geistige Entwickelung, wozu er von den Zwölf die Anregung erhielt. In ihm war ein Reflex der Weisheit der Zwölf. Es kam so weit, daß der Dreizehnte alle Nahrung verweigerte und dahinsiechte. Da trat ein Ereignis ein, das nur einmal in der Geschichte eintreten konnte. Es war eines der Ereignisse, die dann eintreten können, wenn die makrokosmischen Kräfte - der Früchte wegen, die ein solches Ereignis zeitigen soll - zusammenwirken. Nach einigen Tagen wurde der Körper dieses Dreizehnten ganz durchsichtig, und er war wie tot durch Tage hindurch. Um ihn herum versammelten sich nun die Zwölf in bestimmten Zeiträumen. Es entströmte ihrem Mund alles Wissen und alle Weisheit in diesen Momenten. In kurzen Formeln, die wie Andachtsgebete waren, ließen sie dem Dreizehnten ihre Weisheit zuströmen, während der Dreizehnte wie tot dalag. Man kann sich am besten die Zwölf in einem Kreis um den Dreizehnten herum vorstellen. Dieser Zustand endete damit, daß die Seele dieses Dreizehnten erwachte wie eine neue Seele. Eine große Umwandlung seiner Seele hatte er erlebt. Es war in ihr etwas vorhanden wie eine ganz neue Geburt der zwölf Weisheiten, so daß auch die zwölf Weisen etwas ganz Neues lernen konnten von dem Jüngling. Aber auch dessen Körper wurde dadurch in einer solchen Weise belebt, daß diese Belebung des ganz durchsichtigen Körpers mit nichts verglichen werden kann. Der Jüngling konnte nun von ganz neuen Erlebnissen sprechen. Die Zwölf konnten erkennen, daß er das Erlebnis von Damaskus hinter sich hatte: es war eine Wiederholung der Vision des Paulus vor Damaskus. Im Verlauf weniger Wochen gab nun der Dreizehnte alle Weisheit wieder, die er von den Zwölfen erhalten hatte, aber in einer neuen Form. Wie von Christus selbst gegeben war diese neue Form. Was er ihnen da offenbarte, das nannten die Zwölf das wahre Christentum, die Synthesis aller Religionen, und sie unterschieden zwischen diesem wahren Christentum und dem Christentum der Epoche, in der sie lebten." (Lit.: GA 130, S. 61ff)

Christian Rosenkreutz starb in dieser Inkarnation bereits in verhältnismäßig jungen Jahren und die zwölf Weisen machten es sich zur Aufgabe, die von ihm in erneuerter Form wiedergegebene Weisheit in Imaginationen festzuhalten:

"So entstanden die symbolischen Figuren und Bilder, die in der Sammlung des Hinricus Madathanus Theosophus (Lit.: Theosophus) enthalten sind, und die Mitteilungen der H.P.Blavatsky in dem Werke: «Die entschleierte Isis»."

Nach dem frühen Tod des Christian Rosenkreutz in diesem Erdenleben blieb dessen Ätherleib erhalten "und durchdrang dann den Ätherleib des sich wieder inkarnierenden Dreizehnten." Erst diese Inkarnation wurde auch exoterisch mit dem Namen Christian Rosenkreutz bezeichnet, während esoterisch schon die vorige so genannt wurde.

Die Initiation durch Manes - die Chymische Hochzeit Anno 1459

Rembrandts, Mann in Rüstung gilt als Porträt von Christian Rosenkreutz

In der Inkarnation des Christian Rosenkreutz im 14./15. Jahrhundert, in der er nach den Angaben der Confessio Fraternitatis das beachtliche Alter von 106 Jahren erreichte, trug er diesen Namen auch exoterisch. Erzogen wurde er von den Schülern jener zwölf Weisen, die ihn in der vorigen Inkarnation umgeben hatten.

Die Reise in den Orient

1378 am Ufer des Rheins als Sohn gleichwohl adeliger, aber verarmten Eltern geboren, wurde er im 5. Lebensjahr in ein Kloster gegeben, wo er Griechisch und Latein lernte. Auf seine drängende Bitte hin durfte Christian Rosenkreutz seinen Mitbruder P.A.L. auf eine Reise zum Heiligen Grab begleiten, doch der andere Bruder starb in Zypern. Christian Rosenkreutz, damals erst 16 Jahre alt, setzte allein die Reise fort und kam so nach Damaskus, wo er, noch körperlich geschwächt, für einige Zeit blieb. Hier erlebte er, wie uns Rudolf Steiner berichtet, nochmals das Paulus-Ereignis und "wissende Männer" offenbarten ihm manche okkulten Geheimnisse und brachten ihn schließlich auf sein dringendes Ersuchen zu ihrem Ordens-Tempel nach Damkar (Dam-Car), das heißt auf Hebräisch: das Blut des Lammes (Dam = hebr. דָּם Blut; Car = hebr. כר Lamm; als CR zugleich die Initialen von Christian Rosenkreutz). Die dort versammelten Weisen empfingen ihn nicht wie einen Fremden, sondern wie einen, auf den sie lange gewartet hatten. Sie nannten ihn nicht nur beim rechten Namen, sondern zeigten ihm, zu seinem großen Erstaunen, auch sonst manche Geheimnisse aus seinem Kloster an. Nicht nur viele "Wunder" offenbarten ihm die Weisen, sie zeigten ihm vor allem auch, wie sich ihnen die Sprache der Natur enthüllte. Christian Rosenkreutz lernte nun Arabisch, studierte Medizin und Mathematik und ein Jahr später übertrug er schließlich das Liber M, das Liber Mundi, das Buch der Natur, des Naturwissens, des Wissens von Mineralien, Pflanzen und Tieren, ins Lateinische.

Von Damkar aus ging Christian Rosenkreutz nach Ägypten, wo er zwar nur kurz verweilte, aber doch wesentliche Erkenntnisse über die Tier- und Pflanzenwelt erlangte. Nach drei Jahren schiffte er sich schließlich nach Fès ein, wo er für weitere zwei Jahre blieb. Die "Elementarischen Bewohner", wie Christian Rosenkreutz sie nennt, gaben ihm hier eine Vielzahl ihrer Kenntnisse kund, die ihm sehr wertvoll waren und ihn schließlich zur wahren Adeptenschaft führten, obwohl, wie er sagt, "ihre Magie nicht absolut rein und ihre Kabbala durch ihre Religion verändert ist". Christian Rosenkreutz wird von nun an "Vater" genannt.

Von Fès kam Christian Rosenkreutz nach Spanien, um schließlich nach vielen weiteren mühseligen Reisen wieder nach Deutschland zurückzukehren. Im Verlaufe seiner Reise in den Orient hatte er die ganze Weisheit der Zwölf wieder in sich aufgenommen und konnte nun beginnen, seine Lehren zu verbreiten. Doch wurde er zunächst nicht verstanden. Dennoch gilt das Jahr 1413 als "innerer" Gründungszeitpunkt des Rosenkreuzerordens. (Lit.: Viktor Stracke, S. XXIII).

Die Initiation durch Manes

Die Initiation des Christian Rosenkreutz im Jahre 1459, wie sie romanhaft in der Chymischen Hochzeit geschildert wird, erfolgte nach den Angaben Rudolf Steiners durch Manes und war mit einer tieferen Einsicht in das Wesen und die Aufgabe des Bösen in der Welt verbunden:

"Als ein «höherer Grad» wird innerhalb dieser ganzen Strömung die Initiation des Manes angesehen, der 1459 auch Christian Rosenkreutz initiierte: sie besteht in der wahren Erkenntnis von der Funktion des Bösen. Diese Initiation muss mit ihren Hintergründen noch für lange vor der Menge ganz verborgen bleiben. Denn wo von ihr auch nur ein ganz kleiner Lichtstrahl in die Literatur eingeflossen ist, da hat er Unheil angerichtet, wie durch den edlen Guyau, dessen Schüler Friedrich Nietzsche geworden ist." (Lit.: GA 262, S. 24)

"Im Jahre 1459 war es, als eine hohe spirituelle Individualität, verkörpert in der menschlichen Persönlichkeit, die vor der Welt den Namen Christian Rosenkreutz trägt, als Lehrer zunächst eines kleinen Kreises eingeweihter Schüler auftrat. 1459 wurde Christian Rosenkreutz innerhalb einer streng in sich abgeschlossenen spirituellen Bruderschaft, der Fraternität Rosae crucis, zum Eques lapides aurei, zum Ritter des Goldenen Steins erhoben." (Lit.: GA 099, S. 11).

Durch diese erneute Initiation wurde Christian Rosenkreutz als Wächter "über Unverstand, Armut, Krankheit eingesetzt, um mit denselben nach unserm Belieben zu handeln" (im weiteren Sinne zu verstehen als Bewahrer- und Entwickleraufgabe der esoterischen, medizinischen und sozialen Wissenschaftsgebiete) - (Lit.: W. Weber in seiner Übersetzung der "Chymischen Hochzeit", S. 115). Daher ist ihm, nach Auskunft von Hermann Keimeyer die "Soziale Dreigliederung" Rudolf Steiners gegenwärtig ein besonderes Hauptanliegen.

Ordensbegründung

Der Beginn des Bewußtseinsseelenzeitalters (1413) gilt gleichzeitig auch als "innerer" Gründungszeitpunkt des geheimen Ordens vom Rosenkreuz. (Lit.: Viktor Stracke, S. XXIII). "Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitet er (Christian Rosenkreutz) zunächst 13 Jahre allein, um dann 7 Jünger einzuweihen und damit den Grundstein zur Bruderschaft der Rosencreutzer zu legen. Nach Michael Maier wäre somit 1413 die Geburtsstunde des Ordens." (Lit.: Willy Schrödter, S. 10).

Die Vereinigung der alten atlantischen Weisheit mit der des Orients

Die zentrale Aufgabe von Christian Rosenkreutz ist es, die Weisheit der alten Atlantis mit der des Orients zu verbinden:

"Die Quelle all der Weisheit des Ostens wie des Westens, dessen müssen wir uns klar sein, ist Atlantis.

Atlantis war ein Land, das von dichten Wassernebelmassen eingehüllt war. Diese dichten Wassernebelmassen hatten eine ganz bestimmte Beziehung zum Menschen. Der Mensch von damals empfand etwas dabei. Sie machten seine Seele empfänglich für die Sprache der Götter. Im Rieseln der Quellen, im Rauschen der Blätter hörte der Atlantier den Gott zu sich reden. Und wenn er einsam wurde und still in sich gekehrt, so vernahm er einen Laut als Stimme des Gottes der zu ihm sprach. Da brauchte er keine Gesetze und Gebote, der Gott selbst sagte ihm, was er tun müsse. Und jener Laut, der überall in Atlantis tönte und der aus den Herzen der Menschen widerhallte in stillen Stunden der Einkehr, er ward später in Ägypten in Zeichen gesetzt als Tauzeichen: T. Es ist dies auch die ursprüngliche Form des Kreuzes.

Wenn wir uns nun klar sind, wie damals die Wassernebelmassen die Verbindung mit dem Göttlichen herstellten, so dass der Mensch ganz unmittelbar die Weisheit seines Gottes aufnehmen und verstehen kontte, so wollen wir einmal unseren Blick hinwenden auf das Wasser, das in unseren Ländern flutet. Wenn wir dann ein Tautröpfchen im Grase funkeln sehen im Lichtglanz der Morgensonne, dann wird uns andächtig ums Herz. Und dieses strahlende Tautröpfchen ist uns ein Denkmal, ein Denkmal jener Zeiten in Atlantis, wo das Wasser als Nebel das Land umhüllte, und der Mensch die Weisheit der Götter um sich verspürte.

Die Weisheit der Atlantis verkörperte sich im Wasser, im Tautropfen. Tau, unser deutsches Wort Tau, ist nichts anderes als jener alte atlantische Laut. So wollen wir mit Ehrfurcht und Andacht jedes Tautröpfchen betrachten, das am Grashalm blinkt, als heiliges Vermächtnis jener Zeit, wo das Band zwischen Menschen und Göttern noch nicht zerrissen war. Das Tauzeichen, das alte Kreuzeszeichen heißt im lateinischen crux. Und was heißt Tau, Tautropfen? ros. 'Ros-crux' ist unser Rosenkreuz.

Nun erkennen wir seine wahre Bedeutung. Es ist also das Tao der Atlantis, die Weisheit der Atlantis, welche uns heute entgegenstrahlt im Tautropfen. Nichts anderes will uns das Rosenkreuz sagen. Es ist ein Symbol für das neue Leben, das in der Zukunft in geistiger Art erblühen wird.

So blieb unserer nordischen Bevölkerung ein inniger Zusammenhang mit der alten Atlantis. Anders war es bei jenen Bevölkerungsgruppen, die nach Osten gewandert waren und sich zu den vier Kulturepochen der Inder, Perser, Ägypter, Griechen-Römer entwickelten. Sie machten eine selbständige Entwicklung durch. Aber es ist ein Gesetz in der geistigen Welt, dass jede Kultur, die sich selbständig eine Weile emporgerungen hat, zugrunde gehen muss, wenn sie nicht von neuem einen Einschlag erhält aus jenen Gebieten, von denen sie ausging, die ihr Mutterland waren. So war es notwendig für die hohe orientalische Kultur, aus unseren Gebieten einen Einschlag zu erhalten, sich zu verschmelzen mit der geistigen Kultur, die sich in unseren Ländern in der Stille gebildet hatte.

Jene hohe Individualität, die das das erkannte, war Christian Rosenkreutz. Er war es, der im 13. und 14. Jahrhundert das große Werk unternahm, die geistige Kultur des Ostens mit der des Westens zu verschmelzen. Er hat immer unter uns gelebt und ist auch heute noch bei uns als Führer im spirituellen Leben. Die geistige Kultur des Orients, wie sie sich als höchste Blüte der östlichen Weisheit im Alten und Neuen Testament darstellt, brachte er in innige Harmonie mit der alten von Atlantis herstammenden Weisheit." (Lit.: GA 266a, S. 218f)

Die Aufgabe des Rosenkreuzer-Ordens

Den Weg des Christian Rosenkreutz und die zentrale Aufgabe des von ihm begründeten Ordens umreißt Rudolf Steiner so:

"Christian Rosenkreutz ging in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts nach dem Orient, um den Ausgleich zu finden zwischen der Initiation des Ostens und jener des Westens. Eine Folge davon war die definitive Begründung der Rosenkreuzerrichtung im Westen nach seiner Rückkehr. In dieser Form sollte das Rosenkreuzertum die streng geheimgehaltene Schule sein zur Vorbereitung dessen, was der Esoterik öffentlich als Aufgabe zufallen müsse um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts, wenn die äußere Naturwissenschaft zur vorläufigen Lösung gewisser Probleme gekommen sein werde.

Als diese Probleme bezeichnete Christian Rosenkreutz:

  1. Die Entdeckung der Spektralanalyse, wodurch die materielle Konstitution des Kosmos an den Tag kam.
  2. Die Einführung der materiellen Evolution in die Wissenschaft vom Organischen.
  3. Die Erkenntnis der Tatsache eines anderen als des gewöhnlichen Bewusstseinszustandes durch die Anerkennung des Hypnotismus und der Suggestion.

Erst wenn diese materiellen Erkenntnisse innerhalb der Wissenschaft ausgereift wären, sollten gewisse rosenkreuzerische Prinzipien aus dem Geheimwissenschaftlichen in die öffentliche Mitteilung eintreten.

Für die Zeit bis dahin wurde die christlich-mystische Initiation in der Form dem Abendlande gegeben, in der sie durch den Initiator, dem «Unbekannten aus dem Oberland» erfloss in St. Victor, Meister Eckhart, Tauler usw." (Lit.: GA 262, S. 23)

Der rein materialistischen Lösung der genannten drei naturwissenschaftlichen Probleme soll das Wissen von dem wahren Physischen, dem Ätherischen und dem Astralen hinzugefügt und öffentlich verbreitet werden.

Rembrandts, Der Polnische Reiter (Tamalan verfolgt Bajesid vor Istanbul), 1655, gilt nach der Tradition als Porträt von Christian Rosenkreutz in seiner damaligen Inkarnation.

"Im Jahre 1459 hat der eigentliche Begründer der Rosenkreuzerströmung selbst jene Stufe erlangt, durch die er die Macht hatte, auf die Welt so zu wirken, dass von ihm aus jene Einweihung der Welt gebracht werden konnte." (Lit.: GA 098, S. 45)

Dem Jahr 1459 kommt dabei besondere Bedeutung zu; nicht früher und nicht später hätte sich die Initiation des Christian Rosenkreutz in dieser Form vollziehen können. Die Chymische Hochzeit weist uns darauf hin, wie Christian Rosenkreutz durch Beobachtung und Berechnung der Sternenkonstellationen erkannt hat, dass nun der kosmisch bestimmte Augenblick da ist, zu dem diese Einweihung einzig erfolgen kann. Derart tiefgehende geistige Entwicklungsschritte, die für die ganze Menschheit bedeutsam sind, können nur im Einklang mit dem ganzen Kosmos geschehen:

"Bedeutungsvoll für ihn ist, daß er sich sagen darf, diese Verfassung in seiner Menschen-Wesenheit stehe im Einklang mit den Verhältnissen im Weltall. Er hat in «fleißiger Nachrechnung und Kalkulation» seiner «annotierten Planeten» gefunden, daß diese Verfassung bei ihm in dem Zeitpunkte eintreten darf, in dem sie nunmehr stattfindet. Wer das hier in Betracht Kommende im Sinne der Torheiten mancher «Astrologen» ansieht, der wird es mißverstehen, gleichgültig ob er sich als Gläubiger zustimmend oder als «Aufgeklärter» hohnlächelnd dazu verhält. Der Darsteller der «Chymischen Hochzeit» hat aus guten Gründen dem Titel seines Buches die Jahreszahl 1459 hinzugefügt. Er war sich bewußt, daß die Seelenverfassung des Trägers der Erlebnisse zusammenstimmen muß mit der Verfassung, bei der in einem bestimmten Zeitpunkte das Weltwerden angelangt ist, wenn innere Seelenverfassung und äußerer Weltinhalt nicht eine Disharmonie ergeben sollen. Der von der gewöhnlichen Sinneswahrnehmung unabhängigen Seele muß der äußere übersinnliche Weltinhalt in Harmonie begegnen, wenn durch den Zusammenklang der beiden derjenige Bewußtseinszustand entstehen soll, welcher die «Chymische Hochzeit» ausmacht. Wer glaubt, daß die Konstellation der «annotierten Planeten» eine geheimnisvolle Kraft enthält, welche den Erlebniszustand des Menschen bestimmt, der gliche demjenigen, welcher der Meinung wäre, die Zeigerstellungen seiner Uhr hätten die Kraft, ihn zu einem Ausgang zu veranlassen, den er aus seinen Lebensverhältnissen heraus zu einer bestimmten Stunde hat unternehmen müssen." (Lit.: GA 035, S. 345)

Der Einweihungsweg des Christian Rosenkreutz ist nicht der Weg des Mystikers, der nach innen geht und zur Mystischen Hochzeit mit dem eigenen geistigen Wesen führt, sondern er beschreitet den Pfad der Alchemisten, der nach der Vereinigung mit dem Geistigen der Außenwelt strebt, das sich hinter der Sinneswelt verbirgt. Dieser gleichsam objektivere Weg ist unserer Zeit angemessener als der subjektive Weg des Mystikers und ist eine solide Basis für die Erkenntnis der eigenen menschlichen Geistigkeit.

"Die Forschungswege des Mystikers und des Alchimisten liegen nach entgegengesetzten Richtungen. Der Mystiker geht unmittelbar in das eigene Geistwesen des Menschen hinein. Sein Ziel ist, was die Mystische Hochzeit genannt werden kann, die Vereinigung der bewußten Seele mit der eigenen geistigen Wesenheit. Der Alchimist will das Geistgebiet der Natur durchwandeln, um nach der erfolgten Wanderung mit den in diesem Gebiet erworbenen Erkenntniskräften das Geistwesen des Menschen zu schauen. Sein Ziel ist die «Chymische Hochzeit», die Vereinigung mit dem Geistgebiet der Natur. Nach dieser Vereinigung erst will er die Anschauung der Menschenwesenheit erleben." (Lit.: GA 035, S. 341)

Frühere und spätere Inkarnationen des Christian Rosenkreutz

Graf Saint-Germain

Hiram Abiff, der Baumeister des Salomonischen Tempels, der in seiner damaligen Inkarnation bis an die Grenze der Einweihung kam, wurde wiedergeboren als Lazarus, der nach seiner Erweckung durch den Christus den Einweihungsnamen Johannes trug. Lazarus-Johannes wurde im 13. und 14. Jahrhundert erneut wiedergeboren und eingeweiht und trägt seitdem den Namen Christian Rosenkreutz. (Lit.: GA 265, S. 405ff und GA 265, S. 420) Dazwischen liegt die bereits oben erwähnte Inkarnation in Zusammenhang mit der Sage von Flor und Blancheflor.

Nach den Angaben Rudolf Steiners wurde Christian Rosenkreutz im achtzehnten Jahrhundert als Graf von Saint-Germain wiedergeboren.

Als spätere Inkarnation von Christian Rosenkreutz wird von Hermann Keimeyer noch diejenige als deutscher Großmeister des Malteser-Ordens, Ferdinand von Hompesch zu Bolheim (1744–1805) angegeben.[3]

Hohe Eingeweihte wie Christian Rosenkreutz verkörpern sich in jedem Jahrhundert und zwischen ihren einzelnen irdischen Inkarnationen liegen nur kurze Zeiträume. (Lit.: GA 264, S. 238f) Exoterisch dürfen diese Inkarnationen erst hundert Jahre nach dem Tod bekannt werden, um jeglichen Personenkult auszuschließen. (Lit.: GA 143, S. 149)

Der Ätherleib des Christian Rosenkreuz und seine inspirierende Wirkung

Hohe Eingeweihte wie Christian Rosenkreutz wirken nicht nur, wenn sie im irdischen Leib verkörpert sind, sondern auch dann, wenn sie in der geistigen Welt weilen. Nach dem Tod bleibt sein Ätherleib erhalten, von dem die Rosenkreuzer-Bewegung entscheidende Impulse empfangen kann.

"Christian Rosenkreutz ist eine Individualität, welche wirkt sowohl wenn sie inkarniert ist, als auch wenn sie nicht im physischen Leibe verkörpert ist; sie wirkt nicht nur als physische Wesenheit und durch physische Kräfte, sondern vor allem geistig durch höhere Kräfte. Wie wir wissen, lebt der Mensch nicht nur für sich, sondern im Zusammenhang mit der großen Menschheitsentwickelung. Wenn der gewöhnliche Mensch durch den Tod geht, löst sich sein Ätherleib im Weltenall auf. Aber von dem sich auflösenden Ätherleib bleibt immer ein Teil erhalten, und so sind wir durchweg umgeben von Resten der Ätherleiber Verstorbener, zu unserem Heil oder auch zu unserem Schaden. Sie wirken auf uns in gutem oder bösem Sinne, je nachdem wir selbst gut oder böse sind. Umfassende Wirkungen gehen von den Ätherleibern großer Individualitäten in diesem Sinne auf uns aus. So geht vom Ätherleibe des Christian Rosenkreutz eine große Kraft aus, die auf unsere Seele und auf unsern Geist einwirken kann. Es ist unsere Aufgabe, diese Kräfte kennen zu lernen. Und an diese Kräfte appellieren wir als Rosenkreuzer." (Lit.: GA 130, S. 57)

Wie Christian Rosenkreutz seine Schüler beruft

"Diejenigen, die Christian Rosenkreutz zu seinen Schülern machen will, werden von ihm auf eine eigentümliche Weise dazu auserwählt. Es handelt sich dabei darum, daß der also Erwählte achtgeben muß auf ein bestimmtes Ereignis oder mehrere Ereignisse dieser Art in seinem Leben. Es geschieht diese Erwählung durch Christian Rosenkreutz so, daß irgendein Mensch in seinem Leben an einen entscheidenden Wendepunkt, an eine karmische Krise herankommt. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch sei im Begriff, eine Sache zu begehen, die ihn zum Tode führen würde. Solche Dinge können die verschiedensten sein. Der Mensch geht einen Weg, der für ihn sehr gefährlich werden kann, vielleicht bis in die Nähe eines Abgrundes, ohne es zu bemerken. Es geschieht dann, daß der Betreffende vielleicht wenige Schritte vor dem Abgrund eine Stimme hört: Halt ein! - so daß er halten muß, ohne zu wissen warum. Tausend ähnliche Fälle kann es geben. Zu bemerken ist allerdings, daß dies nur das äußere Zeichen ist, aber das wichtigste Zeichen der äußeren spirituellen Berufung. Zur inneren Berufung gehört, daß der Erwählte sich mit irgend etwas Spirituellem, Theosophie oder sonstiger geistiger Wissenschaft beschäftigt hat. Das Ihnen genannte äußere Ereignis ist eine Tatsache in der physischen Welt, rührt aber nicht von einer menschlichen Stimme her. Das Ereignis ist immer so gestaltet, daß der Betreffende ganz genau weiß, daß die Stimme aus der geistigen Welt kam. Es kann zuerst der Glaube herrschen, daß ein Mensch irgendwo versteckt sei, von dem die Stimme herrühre, aber wenn der Schüler reif ist, findet er heraus, daß nicht etwa eine physische Persönlichkeit in sein Leben eingegriffen hat. Kurz, die Sache ist so, daß durch dieses Ereignis der Schüler ganz genau weiß, daß es Mitteilungen gibt aus der geistigen Welt. Solche Ereignisse können einmal, aber auch öfters vorkommen im menschlichen Leben. Wir müssen nun die Wirkung davon auf das Gemüt des Schülers verstehen. Der Schüler sagt sich: Es ist mir durch Gnade ein weiteres Leben geschenkt worden; das erste war verwirkt. -Dieses neue, durch Gnade verliehene Leben gibt dem Schüler Licht in seinem ganzen folgenden Leben. Er hat dieses bestimmte Gefühl, das man in die Worte kleiden kann: Ohne dieses mein Rosenkreuzer-Erlebnis wäre ich gestorben. Das nun folgende Leben hätte nicht denselben Wert ohne dieses Ereignis." (Lit.: GA 130, S. 69f)

Christian Rosenkreutz und das künftige Oriphiel-Zeitalter

"Im Zeitalter des Oriphiel wurde Christus geboren; wenn Oriphiel wieder an die Herrschaft kommt (in einigen Jahrhunderten), dann muss das geistige Licht, das von Christian Rosenkreutz gebracht wurde und nun verbreitet wird, auch eine Schar hellsichtiger Menschen erzeugt haben." (Lit.: GA 266a, S. 169)

Anmerkungen

  1. In der Confessio Fraternitatis werden zum ersten Mal die Geburts- und Sterbedaten des Christian Rosenkreutz (C.R.) (1378–1484) jener Inkarnation erwähnt, in der er die Initiation erhielt, durch die er zum Begründer der Rosenkreuzer-Bewegung werden konnte. In diesem Erdenleben erreichte Christian Rosenkreutz das beachtliche Alter von 106 Jahren.
  2. Rudolf Steiner, Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, 1983, Seite 176f
  3. http://www.hermannkeimeyer.de/index.php?option=com_content&task=view&id=91&Itemid=34

Literatur

  1. Hinricus Madathanus Theosophus: Geheime Figuren der Rosenkreuzer, 1785 [1]
  2. Viktor Stracke: Das Geistgebäude der Rosenkreuzer, Vlg. am Goetheanum, Dornach 1993
  3. Johann Valentin Andreae: Die Bruderschaft der Rosenkreuzer. Esoterische Texte (Diederichs Gelbe Reihe; 53). Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-00793-5 (hrsg. von Gerhard Wehr)
  4. Johann Valentin Andreä: Die Chymische Hochzeit des Christian Rosencreutz, gedeutet und kommentiert von Bastiaan Baan, Verlag Urachhaus, Stuttgart 2001
  5. Johann Valentin Andreae: Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz Anno 1459. Ins neudeutsche übertragen von Dr. Walter Weber. Mit Anmerkungen von Walter Weber und einem Aufsatz von Rudolf Steiner, Zbinden Vlg., Basel 1987
  6. Rudolf Steiner: Philosophie und Anthroposophie, GA 35 (1984)
  7. Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984)
  8. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996)
  9. Rudolf Steiner: Erfahrungen des Übersinnlichen. Die drei Wege der Seele zu Christus, GA 143 (1994)
  10. Rudolf Steiner: Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha, GA 175 (1996)
  11. Rudolf Steiner: Mysteriengestaltungen, GA 232 (1998)
  12. Rudolf Steiner / Marie Steiner-von Sivers: Briefwechsel und Dokumente 1901–1925, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, GA 262 (2002)
  13. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987)
  14. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987)
  15. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266/1 (1995)
  16. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, GA 130 (1995)
  17. Rudolf Steiner: Die Theosophie des Rosenkreuzers, GA 99 (1985)
  18. Paul Regenstreif: Christian Rosenkreutz und seine Mission. Als Studienmaterial auf der Grundlage von Hinweisen Rudolf Steiners zusammengestellt und bearbeitet von Paul Regenstreif, Verlag Die Kommenden, Freiburg i. Br. 1977 (Neu herausgegeben beim Kaspar-Hauser-Verlag, 2014)
  19. Bernard Lievegoed: Über die Rettung der Seele, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1994
  20. Peter Selg: Rudolf Steiner und Christian Rosenkreutz, Vlg. des Ita Wegmann Instituts, Arlesheim 2011
  21. Willy Schrödter: Die Rosenkreuzer, Verlag Baumgartner, Warpke-Billerbeck o.J.
  22. Jostein Saether: Christian Rosenkreutz und die islamische Welt - 400 Jahre Fama Fraternitatis, Tredition, Hamburg 2015
  23. Gerhard Wehr: Rosenkreuzerische Manifeste. Fama Fraternitatis (1614), Confessio Fraternitatis (1615), Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreuz: Anno 1459 (1916), J. W. von Goethe: Die Geheimnisse, Novalis Vlg., Schaffhausen 1980
  24. Rolf Speckner: Christian Rosenkreutz und Rudolf Steiner, ein Vortrag, Hörbuch-CD, ISBN 978-3-03752-034-5

Kritische Literatur

  1. Gerhard Wehr: Christian Rosenkreuz. Urbild und Inspiration neuzeitlicher Esoterik, Aurum Verlag, Freiburg i. Brsg. 1980

Weblinks

  1. Geheime Figuren der Rosenkreuzer, aus dem 16ten und 17ten Jahrhundert (1785)
  2. Geheime Figuren der Rosenkreuzer, aus dem 16ten und 17ten Jahrhundert (1785) als PDF-Dokument (ca. 15 MB)
  3. Johann Valentin Andreae: Chymische Hochzeit des Christiani Rosencreutz Anno 1459
  4. Rudolf Steiner: Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz

Kritische Weblinks

  1. Fama Fraternitatis
  2. Confessio Fraternitatis
  3. Christian Rosenkreutz: Founder of the Rosicrucian Movement