Der freie christliche Impuls

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Mit dem Begriff "Der freie christliche Impuls" benennt das Forum freier Christen, der Arbeitskreis zu Fragen anthroposophisch kultischen Handelns, der (Förderkreis) Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft und der (Förderkreis) Freies christliches Forum einen ihrer Überzeugung nach durch Rudolf Steiner gegebenen laienpriesterlichen Impuls. Die Initiativ-Träger gehen dafür davon aus, dass die Rituale, die für den Freien Religionsunterricht und für die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung und im Vorfeld ihrer Begründung gegeben wurden, frei für laienpriesterliche Nutzung verfügbar sind und dies auch so von Rudolf Steiner intendiert wurde. Dafür hat Volker Lambertz, der hauptsächlich den freien christlichen Impuls öffentlich vertritt, mehrere Bücher veröffentlicht und betreibt mehrere Webseiten, um diesen Ansatz zu rechtfertigen und zu verbreiten. [1]


Hauptpositionen und Aktivitäten

Die Publikationen zeigen folgende Hauptpositionen in Bezug auf den freien christlichen Impuls auf:

  • Es werden Argumente und Zitate für ein Laien-Priestertum angeführt.[2] Es wird in diesem Zusammenhang auf die Entstehung und auf die mündlichen Äußerungen im Umfeld der Entstehung der Schulhandlungen für den freien Religionsunterricht an der Waldorfschule verwiesen. Diese Handlungen werden als "frei verfügbar" bezeichnet und als progressiver dargestellt, als kultische Handlungen von Kirchen mit geweihten Priestern oder Pfarrern.[3]
  • Es wird der mit Rudolf Steiners Hilfe gegründeten Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung vorgeworfen, die von ihr genutzten Rituale und Sakramente für sich allein zu beanspruchen und dieses in seiner Rechtmäßigkeit bezweifelt.[4] Auch wird kritisiert, dass sie hauptsächlich unter Anthroposophen ihre Anhänger suchen würde. Hierbei bezieht sich Volker Lambertz insbesondere auf einen Vortrag von Rudolf Steiner vom 30.12.1922, in dem Rudolf Steiner eine deutliche Unterscheidung zwischen Anthroposophischer Gesellschaft und der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung forderte, die in den Gründungsereignissen nicht immer eingehalten wurde. An einigen Orten hatten die ersten Priester gerade in den Zweigen der Anthroposophischen Gesellschaft für ihre Gemeindearbeit geworben, so dass eine Unterscheidung zwischen der Anthroposophischen Gesellschaft als wissenschaftlicher Gesellschaft und einer Religionsgemeinschaft immer mehr zu verschwinden drohte. ("Es gibt ganz gewiss keinen Wunsch der so groß sein kann, wie der von mir, dass die Bewegung für religiöse Erneuerung unermesslich gedeihe, aber unter Einhaltung der ursprünglichen Bedingungen. Es dürfen nicht etwa die anthroposophischen Zweige in Gemeinden für religiöse Erneuerung umgestaltet werden, weder in materieller noch in geistiger Beziehung.")[5]
  • Es wird für den laienpriesterlichen "freien christlichen Impuls" innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft geworben[6]. Und die von ihr publizierten Bücher mit den Ritualtexten (inkl. Änderungsvorschlägen für die laienpriesterliche Verwendung) werden beworben und verkauft.[7]

Verwendete Rituale

Verwendet werden erstens die für den Freien Religionsuntericht durch Rudolf Steiner gegebenen Rituale:

  • Sonntagshandlung für die Kinder [8]

Die erste Sonntagshandlung für die Kinder des Freien Religionsunterrichtes wurde am 1.2.1920 in der Stuttgarter Waldorfschule gefeiert. An diesen Handlungen durften nur Kinder des Freien Religionsunterrichtes und deren Eltern teilnehmen, worauf Rudolf Steiner großen Wert legte und Ausnahmen nur mit ihm besprochen und in seiner Anwesenheit zuliess. [9] Sie wurden gehalten von dazu berufenen Religionslehrern des Freien Religionsunterricht. Es stehen jeweils zwei bis drei Handlungshaltende Religionslehrer am Altar.
Bei ihrer Begründung bekam auch "Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" diesen Wortlaut. Hier wird sie von einem Priester (mit zwei Ministranten) gehalten.[10]
Dazu gehört eine spezielle

  • Weihnachtshandlung für die Kinder [11]

- und ein Einschub für die Sonntagshandlung zu Pfingsten [12]

  • Jugendfeier

Diese wurde erstmalig Palmsonntag 1921 in der Stuttgarter Waldorfschule gehalten. Sie wurde wie die Sonntagshandlung wöchentlich von zwei bis drei Handlungshaltenden Religionslehrern gehalten - zwei Jahre lang, also für Schüler etwa der 8. bis 10. Klasse.
Bei ihrer Begründung bekam auch "Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" diesen Wortlaut von Rudolf Steiner, allerdings leicht verändert und fest mit der Menschenweihehandlung verbunden als Sakrament der Konfirmation, das dem Jugendlichen etwa mit 14 Jahren in der Osterzeit einmalig gespendet wird. [13]

Erstmalig fand sie am 25.3.1923 in der Stuttgarter Waldorfschule für die Schüler ab Klasse 9/10 statt. Sie wurde von Rudolf Steiner eingerichtet, da eine Schülerin vor Ablauf der zwei Jahre Jugendfeier ein Bedürfnis nach einer Fortsetzung des Kultus äußerte. Die Opferfeier wurde ebenfalls von zwei bis drei Handlungshaltenden Religionslehrern gehalten und richtete sich zunächst nur an die Schüler der oberen Klassen. [15] Rudolf Steiner bezeichnete die Opferfeier als "Messe-ähnlich". Sie wurde erstmalig am 30.3.1923 auch auf Wunsch der Lehrer innerhalb und für das Lehrerkollegium gehalten. Rudolf Steiner soll nach Überlieferung durch Maria Röschl-Lehrs in diesem Zusammenhang die Opferfeier als "vollziehbar für (alle) Menschen, die sie wünschen" bezeichnet haben.[16]
Die Opferfeier wird im "freien christlichen Impuls" als "Zentralsakrament" bezeichnet, allerdings ist sie nach Ansicht des Impulses kultushistorisch fortentwickelt und handhabt die "direkte Kommunion", in laienpriesterlicher, brüderlicher Verfassung. Die Opferfeier ist - wie die Menschenweihehandlung, die "der Christengemeinschaft, Bewegung für Religiöse Erneuerung" als Messe-Handlung gegeben wurde - gegliedert in 1. Evangelium, 2. Opferung, 3. Wandlung, 4. Kommunion. Die Opferfeier tritt im "freien christlichen Impuls" an die Stelle der Menschenweihehandlung und die ganze Gemeinschaft feiert sie gleichberechtigt durch die drei Handlungshaltenden am Altar.

Bei der Delegiertenversammlung 1923 tauchte die Frage nach einem Kultus auch der Anthroposophische Gesellschaft auf, da man meinte, dass die Christengemeinschaft es mit ihrer Arbeit wegen ihres Kultus leichter habe. Rene Maikowski fragte Rudolf Steiner und erinnerte die Antwort wie folgt: "Er erklärte, daß dies wohl denkbar sei. So habe es vor dem Kriege ja auch die Esoterische Schule gegeben. In der Zukunft werde das (was damals noch in Anlehnung an die Theosophische Gesellschaft entstanden war) in anderer Gestalt gegeben werden. Es käme auch nicht die Form der Christengemeinschaft in Frage. Er charakterisierte darauf, wie auch später in Dornach (30.12.1922), die andersartigen Grundlagen von Anthroposophie und Christengemeinschaft. Eine kultische Arbeit in der anthroposophischen Bewegung muß aus dem selben geistigen Strom hervorgehen wie die Schulhandlungen, gewissermaßen eine Fortsetzung dessen, was in Form und Inhalt in der Opferfeier gegeben war." [17]


Doch zweitens werden auch die folgenden durch Rudolf Steiner "der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" gegebenen Rituale vom "freien christlichen Impuls" beansprucht:

  • Taufe

Wilhelm Ruhtenberg (Lehrer an der ersten Waldorfschule in Stuttgart und ehemaliger evangelischer Pastor) erhielt 1921 von Rudolf Steiner das Sakrament der Taufe, nachdem Eltern darum baten. [18] Bei ihrer Begründung bekam dann "Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" dieses Sakrament durch Rudolf Steiner.
Der "freie christliche Impuls" verwendet eine veränderte Fassung dieses Wortlautes. [19]

  • Lebensschau (Beichte)

Dieses Sakrament wurde durch Rudolf Steiner "der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" im Rahmen der "Vorträgen und Kursen über christlich-religiöses Wirken" (GA 342-346) übergeben. [20]

Sterberitualien:

  • Letzte Ölung

... So auch das Sakrament der Letzten Ölung. [21].

  • Aussegnung / Bestattung

Beide Rituale vollzog Hugo Schuster (Anthroposoph und christkatholischer Priester) erstmals am 14.1.1919 am Grabe von Marie Leyh auf dem Arlesheimer Friedhof (Schweiz). Steiner sprach dabei die Gedächtnisworte. [22] Bei ihrer Begründung bekam dann "Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" diesen Wortlaut. [23]

  • Kinderbegräbnis

Das Kinder-Begräbnis wurde "der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" im März 1923 im Rahmen der "Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken" übergeben. [24]

  • Einfügung für eine Totenweihehandlung

Im März 1923 übergab Rudolf Steiner in den "Vorträgen und Kurse über christlich-religiöses Wirken" in Stuttgart "der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" einen Einschub für eine Menschenweihehandlung für einen Verstorbenen. [25]
Im "freien christlichen Impuls" wird diese Einfügung mit der Opferfeier verbunden.

  • Priesterweihe

Die 1922 in den "Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken" gegebene Priesterweihe ist für die Tätigkeit innerhalb "der Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" gedacht und wurde dieser auch mit ihrer Begründung übergeben.
Der Text wird aber vom "freien christlichen Impuls" - unter dem geänderten Namen "Weihe" - als ein universeller Weihetext angesehen: So soll er auch mit nur wenigen Anpassungen mit dem allgemein-priesterlichen Christusauftrag (Matth. 28,16-20) übereinstimmen. In einem "freien christlichen" Handeln wird die Weihe aber nicht als ein institutionell vollzogener Akt verstanden, sondern als ein intimes Ja durch IHN, durch das der Strebende individuell seine Berufung erfährt. [26]

  • Trauung (Verbindung von Mann und Frau)

Wilhelm Ruhtenberg erhielt im Frühjahr 1922 von Rudolf Steiner das Sakrament der Trauung. Siehe GA 345, S.73 und auch GA 265, S.36. Bei ihrer Begründung bekam auch "Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung" diesen Wortlaut.
Im "freien christlichen Impuls" wird auch eine im Wortlaut veränderte Fassung der Trauung empfohlen. [27]

Geschichte

Pfingsten 1996 begründeten kultisch engagierte Anthroposophen (freie christliche Religionslehrer, Sozialarbeiter, Altenpfleger, Heilpädagogen, u.a.) in Unterlengenhardt (Schwarzwald) den "Initiativ-Kreis Kultus". Aus diesem ist das "Kultus-Handbuch" und die weiteren Foren und Organisationen hervorgegangen.[28]

Organisation

Die "freien christlichen Sakramente in ihrer Siebenheit" werden heute erarbeitet, bearbeitet und gepflegt durch das "Freie christliche Forum", bzw. der "Freien christlichen Arbeits-Gemeinschaft". Hierzu gibt es Förderkreise, dennoch versteht sich das Freie christliche Forum als keine Organisation, keine Institution, kein Verein, sondern als ein Arbeitskreis, ein Netzwerk interessierter und engagierter Anthroposophen, ein "Impuls":

  • In einem "Arbeitskreis zu Fragen anthroposophisch kultischen Handelns" wird die Thematik behandelt.
  • Der "(Förderkreis) Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft" möchte die nötige Kultus-Trageschale bilden.
  • Die Öffentlichkeits- und Verlagsarbeit trägt der "(Förderkreis) Freies christliches Forum",
  • die Idee eines überkonfessionellen, anthroposophisch und sakramental vertieften Christ-Seins versucht das "Forum Freier Christen" zu verbreiten.

Als ein "Impuls" ist das freie christliche Engagement quantitativ und äußerlich schwer fassbar, bis auf wenige Aktive, die sich in obigen Kreisen finden.

Die Arbeit geschieht formal unabhängig von der Anthroposophischen Gesellschaft.[28]

Kritik

Es werden unter anderem folgende Punkte eingewendet:

Begriffsnutzung Sakrament und Zentralsakrament
Opferfeier und Jugendfeier sind von Rudolf Steiner nie als Sakramente bezeichnet worden, schon gar nicht als »Zentralsakrament« (Opferfeier). Dieses Wort ist für einen bestimmten Zusammenhang reserviert und so, wie es hier gebraucht wird, irreführend. [29]

Zur Frage der vermeintlich freien Verfügbarkeit der Schulhandlungen
Hans-Werner Schroeder wendet dazu ein: "Die Schulhandlungen stehen nicht, wie behauptet »letztlich für jeden, der diese wünscht!« zur Verfügung, sondern sind der pädagogischen Bewegung übergeben; ob die Opferfeier da eine Ausnahme bildet, bleibt mindestens fraglich: Jedenfalls nicht im Sinne der »freien Verfügbarkeit«." [29]

Verantwortlichkeit in Bezug auf Handlungshaltende
Die Lehrerkonferenzen zeigen deutlich, dass Rudolf Steiner sehr genau darauf geachtet hat, wer eine Handlung in der Schule halten durfte. So z.B. »Religionslehrer könnte noch so mancher sein, aber die Kultushandlungen könnten kaum von jemand anderem ausgeführt werden, als von den beiden, die jetzt noch genannt sind« (5.12.22). Oder: »Es ist im Lehrerkollegium niemand da. Es ist natürlich eine schwer zu lösende Sache« (15.11.20). Ähnliche Äußerungen finden sich noch mehrfach. Damit ist deutlich, dass er alles andere vor Augen hatte als die Impulsierung einer »laienpriesterlichen Strömung« durch die Stiftung dieser Kultushandlungen. [29]

Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen
Die Aneignung eines der Priestergemeinschaft übergebenen geistigen Gutes wird z.B. mit einem Wort Rudolf Steiners begründet: »Es ist niemals für die Rituale ... etwa ausgesprochen worden, dass sie der Priesterschaft gehören.« Diese Worte finden sich in einer Lehrerkonferenz und beziehen sich, wie aus dem Zusammenhang deutlich zu entnehmen ist, nicht auf die Rituale im Allgemeinen, sondern auf die Schulrituale, für die damals das Missverständnis aufgekommen war, als seien sie ebenfalls – wie die anderen Ritualtexte, die die Christengemeinschaft hat – in die ausschließliche Verantwortung der Christengemeinschaft übergeben worden. Dieses Missverständnis stellte Rudolf Steiner den Lehrern gegenüber richtig. Eine freie Verfügbarkeit auch für die anderen Kultushandlungen daraus abzuleiten, kommt einer bewussten Irreführung gleich. [29]

Zur Frage der vermeintlichen freien Verfügbarkeit der Taufe, Bestattung und Trauung
Die Rituale Bestattung, Taufe und Trauung wurden zwar vor der Begründung der Christengemeinschaft schon gehalten, aber nicht von "Laien", sondern von Hugo Schuster und Wilhelm Ruhtenberg. Schuster war Priester in der altkatholischen Kirche in der Schweiz und Ruhtenberg war evangelischer Pastor und als solcher befugt Taufen und Trauungen zu halten. Da es die Christengemeinschaft noch nicht gab, knüpfte Steiner an die bestehenden kirchlichen Positionen an.[29]
Auch die spätere Aussage Rudolf Steiners in den Karma-Vorträgen schafft zusätzliche Klarheit (GA 236, 27.6.1924): Von der Bestattung, die »schon eingezogen ist in die Gemeinschaft für christliche Erneuerung ..., dieser Kultus ausgebildet im Sinne unserer Christengemeinschaft...«.

Rudolf Steiners beispielhafter Umgang mit Bestattungen
Für seine Ansprache bei der Bestattung von Marie Hahn (der ersten Frau des Stenographen Rudolf Hahn) hatte Rudolf Steiner zur Bedingung gemacht, dass der Ansprache eine kirchliche Bestattungsfeier vorangeht. Da beide Ehegatten ihrer Kirche entfremdet waren, bat Rudolf Steiner den christkatholischen/altkatholischen Priester Hugo Schuster, das Bestattungsritual nach deren Ritus zu halten. Wie Hahn später berichtete, äußerte Rudolf Steiner nach der Bestattung, dass dieses Ritual „gar zu kläglich“ sei.
Wenige Wochen später starb Marie Leyh. Auf dem Friedhof in Arlesheim wurde für sie am 14.1.1919 zum ersten mal von Hugo Schuster das durch Rudolf Steiner gegebene erneuerte Bestattungsritual vollzogen. Wieder hielt Rudolf Steiner im Anschluss die Ansprache. Zwei weitere Bestattungen sind in dieser Form nachzuvollziehen: Johanna Peelen am 12.5.1920 und Caroline Wilhelm am 27.10.1920. Die nächste überlieferte Bestattung mit dem erneuerten Bestattungsritual und einer Ansprache durch Steiner war für Elisabeth Maier am 29.3.1923 in Stuttgart. Das Ritual hielt bereits Gertrud Spörri, Priesterin der am 16.9.1922 begründeten Christengemeinschaft. Die Angehörigen von Elisabeth Maier waren auf Rudolf Steiner mit der Bitte um eine Totenfeier herangetreten und er hatte sie an die Christengemeinschaft verwiesen. Im Zusammenhang dieser Bestattung überlieferte Gertrud Spörri, dass Rudolf Steiner ihr gesagt habe, er wolle gewissermaßen Modellfälle schaffen für das richtige Zusammenwirken der Anthroposophischen Gesellschaft und der Bewegung für religiöse Erneuerung (also der Christengemeinschaft) - es war nur wenige Monate nach dem Brand des ersten Goetheanums und des denkwürdigen Vortrages vom 30.12.1922, der in dieser Frage eine große Verunsicherung sowohl unter Anthroposophen als auch in der Priesterschaft hervorgerufen hatte. Weiter sind so überliefert die Bestattung für Hermann Linde am 29.6.1923 und am 6.5.1924 für Edith Maryon. Hermann Linde war aktiv und verantwortlich in der anthroposophischen Arbeit gewesen und hatte zu der jungen Christengemeinschaft keinerlei Verbindung. Rudolf Steiner bat selbst Friedrich Doldinger, Priester in Freiburg die Bestattung in Basel zu halten, da es in Basel noch keinen Pfarrer gab. Ähnlich handelte auch Rudolf Steiner beim Tod von Edith Maryon, die auch eine repräsentative Persönlichkeit in der Anthroposophischen Gesellschaft und künstlerische Mitarbeiterin Rudolf Steiners gewesen war. Rudolf Steiner schickte Doldinger ein Telegramm „Können Sie Dienstag 11 Uhr Einäscherung Maryon hierherkommen - Rudolf Steiner“. Im anschliessenden Telefongespräch zur Abfolge erklärte Steiner „Den Kultus vollziehen Sie für den Toten als Mitglied der Menschheit, der Kultus muss vorangehen; und dann komme ich und spreche von den besonderen Lebensumständen, die in diesem Fall ja anthroposophische waren.“ [30]
Rudolf Steiner hätte hier - da es keine Mitglieder der Christengemeinschaft waren und sie auch sonst keine konfessionelle Bindung hatten - im Sinne eines laienpriesterlichen Impulses einfach einen Laien bitten können das vermeintlich freie Ritual zu halten. Das tat er aber nicht - obwohl bereits seit 1920 die Schulhandlungen durch von ihm berufene Religionslehrer in der Schule gehalten wurden.

Vermeintliche Änderbarkeit von Kultus
Rudolf Steiner ist nicht müde geworden zu betonen, dass der Kultus nicht menschlicher Willkür unterliegen kann, so z. B. in den Karma-Vorträgen (GA 236, 27.6.1924): »Ein Kultus entsteht nicht dadurch, dass man ihn ausdenkt, denn dann ist er kein Kultus. Ein Kultus entsteht dadurch, dass er das Abbild ist von demjenigen, was in der geistigen Welt vorgeht.« Oder an anderer Stelle: »Es ist jedes Wort abgewogen, nicht nur soweit, dass es als Wort dasteht, sondern es steht auch jedes Wort an seinem richtigen Orte und im richtigen Verhältnis zum anderen Orte« und der Kultus »muss tabu sein«. [29]

Beispiel der Gründungstatsachen der Christengemeinschaft
Hans-Werner Schroeder führt dazu an: "Die Vorgänge, die zur Gründung der Christengemeinschaft 1922 geführt haben, sind inzwischen veröffentlicht. Man kann daran ablesen, mit welcher Sorgfalt Rudolf Steiner die Bildung derjenigen Gemeinschaft inauguriert hat, die der Träger des neuen Kultus werden sollte. An diesen Vorgängen wird deutlich, dass zum Zelebrieren der erneuerten Sakramente, wenn sie rechtmäßig und geistgemäß gehandhabt werden sollen, die Bildung einer esoterischen Gemeinschaft und eine ausdrückliche Verantwortlichkeit und Verpflichtung innerhalb dieser Gemeinschaft als Vorbedingung dazu gehören, was sich dann in der Priesterweihe zum Ausdruck bringt. Angesichts dieser Tatsachen zu der Behauptung zu kommen, die Sakramente seien heute zur freien Verfügung für ein »laienpriesterliches Handeln«, zeugt schon von einer gehörigen Portion Ignoranz und persönlichem Wollen – kaum eine gute Voraussetzung für »christlich-anthroposophisches Handeln«." [29]

Anmerkungen

  1. u.a. http://www.freie-christliche-ag.de http://www.freie-christen.info und http://www.forumkultus.de
  2. http://www.forumkultus.de/warum/--frei--/index.html
  3. u.a. in Lambertz, Volker David: frei + christlich, Freie Sakramente heute, Informationsbuch zum „freien christlichen“ Impuls, BoD Norderstedt, Michaeli 2008, S.85f.
  4. http://www.pro3-verlag.de/khbaus.pdf S.6
  5. http://www.forum-freier-christen.de/informations-texte/zur-christengemeinschaft/zum-verhaeltnis-von-cg-und-ag/index.html
  6. vgl. Werbeanzeigen in der anthroposophischen Zeitschrift „Das Goetheanum“ (Dornach/CH) z.B. in den Ausgaben 2017/17, 2016/51-52, 2016/29-30, 2016/25
  7. http://www.pro3-verlag.de
  8. s.u.a. in: GA GA 269 (1997), S.42-44.
  9. s.u.a.in: GA 269 (1997), S.134
  10. s.u.a. in: GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.315-319
  11. s.u.a.in: GA 269 (1997), S. 47-51, auch 4.10.1921, GA 343 (1993), S.320-323.
  12. s.u.a.in: GA 269 (1997), S. 45-46.
  13. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 343 (1993), 4.10.1921, vormittags, S.324-327, siehe auch GA 269 (1997), S.53-61 und S.111f. Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 5385-5389.
  14. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 269 (1997), S.63-79. Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3553-3541.
  15. s.u.a.in GA 269 (1997), S.113
  16. s.u.a.in GA 269 (1997), S.124f.
  17. Rudolf Steiner, GA 269, (1997) S.133.
  18. GA 265 (1987), S.36.
  19. s.u.a.in: GA 343 (1993), 5.10.1921, vormittags, S. 373-377. Bearbeitet: Initiative Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft, s. Literatur, Kultushandbuch.
  20. s.u.a.in: GA 344 (1994), 20.9.1922, vormittags, S.188.
  21. s.u.a.in: GA 344 (1994), 21.9.1922, S.214-217
  22. (GA 261 [1984], S.225), GA 342 (1993), S.250.
  23. s.u.a.in: GA 343 (1993), 8.10.1921, vormittags, S.520-523.
  24. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 345 (1994), S.128-141. Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3578-3584.
  25. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 345 (1994), S.142-144. Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 3523-3524.
  26. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 344 (1994), 13.9.1922, nachmittags, S. 97-102.
  27. s.u.a.in (handschriftliches Original - Faksimile): GA 345 (1994), S.146-157. Archivnummer der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung: NZ 4964-4969. Bearbeitet: Freie christliche Arbeits-Gemeinschaft, siehe Literatur, Kultushandbuch.
  28. 28,0 28,1 http://www.forumkultus.de/kontakte/wer---was/index.html
  29. 29,0 29,1 29,2 29,3 29,4 29,5 29,6 Hans-Werner Schroeder in der Zeitschrift "Die Drei" 2/1999
  30. Michael Debus, Gundhild Kacer: Das Handeln im Umkreis des Todes - Fragen zur Bestattung, Herausgegeben von der Anthroposophische Gesellschaft Stuttgart für ihre Mitglieder, Stuttgart, 1999, S. 9ff.


Literatur

Kultushandbuch:

  • "Die Sakramente...", Pro-Drei-Verlag, Beuron, herausgegeben vom "Freien christlichen Forum", ISBN 3-00-007899-1

Informationsbuch:

  • "frei + christlich - Freie Sakramente heute?", Selbstverlag und Pro-Drei-Verlag, herausgegeben vom "Freien christlichen Forum"

Weitere Literatur:

  • Steiner, Rudolf: "Ritualtexte für die Feiern des freien christlichen Religionsunterrichtes", GA 269, Rudolf Steiner-Verlag, Dornach, ISBN 3-7274-2690-X
  • Steiner, Rudolf, u.a.: "Zur religiösen Erziehung", (Privatdruck) Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen, 70184 Stuttgart, Heidehofstr. 32
  • Wiesberger, Hella: "Zur Geschichte und aus den Inhalten der Erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule", Band 2, Kapitel "Zur Einführung - Vom geisteswissenschaftlichen Sinn des Kultischen", GA 265, Rudolf Steiner-Verlag, Dornach, ISBN 3-7274-2650-0
  • Steiner, Rudolf: "Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken", zur Begründung der Kirche Die Christengemeinschaft, mit Hinweisen und Texten zu den freien christlichen Handlungen, GA 342-346, Rudolf Steiner-Verlag, Dornach
  • Steiner, Rudolf: "Anthroposophische Gemeinschaftsbildung", GA 257, Rudolf Steiner-Verlag, Dornach, ISBN 3-7274-2570-9
  • Michael Debus, Gundhild Kacer: Das Handeln im Umkreis des Todes - Fragen zur Bestattung, Herausgegeben von der Anthroposophische Gesellschaft Stuttgart für ihre Mitglieder, Stuttgart, 1999
  • Brüll, Dieter: "Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus", Verlag am Goetheanum, Dornach, ISBN 3-7235-0777-8
  • Beckerath, Gerhard von: "Gespräch als Kultus", Verlag am Goetheanum, Dornach, ISBN 3-7235-1238-0
  • Karl, Stefan: "Glaube als Erkenntnisreligion - Für eine neue Sozialästhetik - Der erweiterte Glaubensbegriff, Individualismus und soziale Entwicklung", Privatdruck, Pro-Drei-Verlag, Beuron
  • Barth, Hans-Martin: "Einander Priester sein - Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive", Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-525-56532-1
  • Haag, Herbert: "Worauf es ankommt - Wollte Jesus eine Zwei-Stände-Kirche?", Herder-Verlag, ISBN 3-451-26049-2

Weblinks

Forum Freier Christen (Homepage)