Österreich

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Die Republik Österreich ist ein in neun Bundesländer gegliederter demokratischer föderaler Bundesstaat in Mitteleuropa mit derzeit etwa 8,8 Millionen Einwohnern[1] und einer Gesamtfläche von etwa 83.879 km². Die Hauptstadt von Österreich ist Wien mit rund 1,87 Millionen Einwohnern[2].

Der Name Österreich leitet sich von der erstmals 996 beurkundeten althochdeutschen Bezeichnung Ostarrichi ab. 1156 wurde Österreich das eigenständige Herzogtum Österreich im Heiligen Römischen Reich. Die heutige Republik wurde 1918 aus den überwiegend deutschsprachigen Gebieten der mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zerfallenen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gebildet. Diese war 1867 aus dem 1804 von Franz II. begründeten Kaisertum Österreich hervorgegangen. Durch den sog. Anschluss wurde Österreich von 1938 bis 1945 Teil des nationalsozialistischen Deutschen Reichs. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Österreich durch den am 15. Mai 1955 unterzeichneten Staatsvertrag von den Siegermächten als eigenständiger Staat wiederhergestellt und erklärte seine immerwährende Neutralität.

Gemüt und Geistesleben

Das österreichische Gemüt und Geistesleben charakterisiert Rudolf Steiner - selbst gebürtiger Österreicher - wie folgt:

Mystiker, so etwa in dem Sinne, daß die menschliche Seele so recht die Vertiefung in das Innenleben, so recht sich klar zu werden versucht, was da im Innern des Menschen lebt und webt, - solche Mystiker sind in Österreich nicht recht zu rinden. Mystiker, die sich viel mit dem menschlichen Ich befassen, können dort nicht gedeihen. Dagegen in einer gewissen Weise die geheimnisvollen Naturmächte mehr als nur poetisch fühlen, ich möchte sagen, die Gnomen, die Kobolde, die Geister der Natur in ihrer Lebendigkeit fühlen, auch mit einem gewissen Humor, so daß man sich im rechten Augenblick nicht gezwungen fühlt, die volle Realität zuzugeben, sondern im Miterleben der Natur das, was in der Natur lebt und webt, als ein höheres Geistiges zu empfinden, — das ist wiederum österreichisch. Daher wird man Mystiker, die etwa Nachfolger von Eckhart, Johannes Tauler sein könnten, innerhalb des österreichisch-deutschen Volkstums nicht leicht finden können.

Dagegen ist so recht eine österreichische Gestalt der merkwürdige Bauernphilosoph Conrad Deubler, der mitten in den Gebirgen drinnen, in Goisern, 1814 geboren, 1884 dort als Gastwirt gestorben ist, der durchaus ganz Bauer gewesen und geblieben ist; ein Mann aber, der die neueren Ideen des Darwinismus, die Entwickelungsgeschichte, so lebendig ergriffen hat, durchdrungen hat mit seinem Bauernverstand, mit einem gewissen, ich möchte sagen, kurz angebundenen Bauern verstand, - Conrad Deubler, ein solcher Philosoph konnte gedeihen; ein Philosoph, der sich nicht viel einließ auf weitschweifige Begründungen, sondern es gefiel ihm diese Lehre, und nun brachte er aus dem österreichischen Gemüt alles auf, was diese Lehre so plausibel erscheinen lassen konnte. Er brachte aus einem ursprünglichen, elementarischen Bauernverstand heraus eine, ich möchte sagen, ins österreichisch-bäuerische umgesetzte Darwinistische Auffassung zustande, durch die er in einem ausgiebigen Briefwechsel stehen konnte mit dem bedeutenden Theologen und Schriftsteller David Friedrich Strauß, mit Feuerbach, mit Ernst Haeckel und so weiter. Die ganze Weite des Naturbildes mit dem Verstände zu erfassen, liegt dieser österreichischen Seele eher, als sich etwa nur mystisch in das Innere zu vertiefen. Man findet deshalb im österreichischen Bauerntum einzelne Menschen, die jedes Kräutelchen im Gebirge kennen, die auch mit dem ganzen inneren Weben des Kräutelchens seelisch verbunden sind, die sich zum Beispiel auf solche Philosophen wie Ennemoser, wie Eckartshausen einlassen, die mehr in der ganzen Breite ein gewisses tieferes Naturbild geben wollen, die auch den Menschen in dieses Naturbild hineinstellen wollen. Aber man wird innerhalb dieses österreichischen Bauerntums und demjenigen, was aus diesem Bauerntum erwächst, nicht leicht einen reinen Mystiker finden, der sich auf Betrachtung der menschlichen Seele einläßt, mit Abwendung des Blickes von der äußeren Sinnen weit. Denn das unmittelbare Zusammenhängen mit demjenigen, was auf die Sinne Eindruck macht, das ist es, was dem, der es sieht, das Österreichische Gemüt charakterisiert im weitesten Umkreis, - das Sehen von mehr als Sinnlichem, aber das unmittelbare Sehen — das Sehen, was nicht nachzudenken braucht, jenes Sehen, das, ich möchte sagen, zuweilen den Verstand überspringt und unmittelbar in das Herz hineingeht.

Daher kann man sagen, daß aus der österreichischen Poesie ein unmittelbares Zusammenklingen der Seele mit der Landschaft stattfindet, bisweilen in einer so schmerzbewegenden Weise, wie bei Lenau; aber überhaupt dieses Aufgehen mit der ganzen Seele in dem, was unmittelbar von dem Menschen getan, was von ihm vollbracht werden kann, ohne daß es zusammenhängt mit der unmittelbaren Nützlichkeit, - das ist etwas, was zu den Gemütseigenschaften des Österreichers gehört.“ (Lit.:GA 65, S. 111ff)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelnachweise

  1. Stand vom 1. Jänner 2018
  2. Stand vom 1. Jänner 2017