35. Sinfonie (Mozart)

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Die Sinfonie D-Dur Köchelverzeichnis 385 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart 1782 in Wien. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 35. Sie wird nach ihrer Entstehungsgeschichte auch „Haffner-Sinfonie“ genannt.

Entstehung

Mozart mit Schwester Maria Anna („Nannerl“) und Vater Leopold, an der Wand ein Porträt der verstorbenen Mutter, Anna Maria. Gemälde von Johann Nepomuk della Croce, um 1780

Aus Anlass der Verleihung des Adelstitels „Edler von Innbachhausen“[1] an Sigmund Haffner d. J., Humanist und Sohn des Salzburger Bürgermeisters Sigmund Haffner d. Ä., wurde von einer unbekannten[2] Person über Leopold Mozart bei Wolfgang Amadeus Mozart eine Serenade in Auftrag gegeben. Mozart hatte sechs Jahre zuvor bereits die „Haffner-Serenade“ (Köchelverzeichnis 250) aus Anlass der Hochzeit von Sigmund Haffners (d. J.) Schwester Marie Elisabeth komponiert.

In Briefen machte Leopold Mozart seinem Sohn Druck, das Werk doch endlich nach Salzburg zu schicken. Wolfgang war jedoch neben der Arbeit an der Serenade c-Moll Köchelverzeichnis (KV) 388 u. a. gerade dabei, seine Oper Die Entführung aus dem Serail für Blasinstrumente einzurichten. Zudem stand seine Hochzeit mit Constanze Weber am 4. August 1782 bevor. Stückweise schickte er das offenbar in Eile[1] komponierte Werk zu seinem Vater. „Mein Herz ist unruhig, mein Kopf ist verwirrt“, schreibt Wolfgang am 27. Juli 1782 in dem Brief, dem bereits der erste Satz beilag.[3]

Einige Monate später bittet Wolfgang den Vater, das Werk aus Salzburg zurückzuschicken: „und daß wenn sie eine gelegenheit finden, Sie die güte haben möchten mir die Neue Sinfonie die ich ihnen für den Hafner geschrieben, zu schicken; wenn ich sie nur bis die fasten gewis habe, denn ich möchte sie gerne in meiner accademie machen“ (Brief vom 21. Dezember 1782).[4][5]

Daraufhin lässt sich nun Leopold Zeit: Erst am 15. Februar 1783 bestätigt Wolfgang in einem Brief den Empfang des Werkes und meint dann überrascht, dass er es vollständig vergessen hatte: „… Die Neue Haffner Sinfonie hat mich ganz surpreniert – dann ich wusste kein Wort mehr davon; – die muß gewis guten Effect machen …“[4]

Auffällig ist, dass Mozart das Werk in den Briefen mit „Sinfonie“ statt „Serenade“ bezeichnet, was darauf schließen lässt, dass die Gattungsbegriffe damals noch nicht festgelegt waren.[1] Für die Wiener Aufführung fügte Mozart Flöten und Klarinetten in den ersten und vierten Satz ein und ließ den Marsch sowie eines der Menuette weg. In dieser Sinfonie-Form, in der es bis heute überliefert ist, wurde das Werk am 23. März 1783 in Wien im ausverkauften Burgtheater aufgeführt.[1]

Alfred Einstein (1953)[6] meint, dass die Sinfonie immer noch einen serenadenhaften Charakter habe: sie sei „in Wirklichkeit nichts anderes als eine zweite Haffner-Serenade“. Sie mache sich am besten als Anfangs- oder Schlussstück einer Akademie. So wurde sie zumindest teilweise auch eingesetzt: Bei der Uraufführung (in der Sinfonieform) am 23. März 1783 bildeten die ersten drei Sätze von KV 385 den ersten Programmteil, der vierte Satz das Schlussstück.[6] Die „Zerstückelung“ einer Sinfonie oder eines anderen Werkes war damals bei den drei bis vier Stunden dauernden „Akademien“ durchaus üblich. Dadurch wird deutlich, dass „die Idee vom Werk als etwas Ganzem noch nicht selbstverständlich war. (…) Der Begriff vom Kunstwerk als einheitlichem, sakrosanktem Gebilde, dessen Würde nicht angetastet werden dürfe, existierte noch nicht.“[1]

Zur Musik siehe auch

Sonstiges

Nach der „Haffner-Sinfonie“ wählte der Publizist Raimund Pretzel 1938 sein Pseudonym „Sebastian Haffner“, unter dem er bekannt wurde.

Siehe auch

Weblinks, Noten

Einzelnachweise, Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Volker Scherliess: Die Sinfonien. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2005, ISBN 3-7618-2021-6
  2. Konrad Küster: Mozarts späte Symphonien. Textbeitrag zu: Mozart – The Symphonies. Gesamteinspielung des English Concert, Leitung Trevor Pinnock; Deutsche Grammophon GmbH, Hamburg 1994.
  3. Theodor Kroyer: W. A. Mozart: Symphony D major K.-V. No. 385 (Haffner). Vorwort zur Taschenpartitur-Ausgabe. Ernst Eulenburg Ltd. No. 437, London / Zürich o. J. 72 S.
  4. 4,0 4,1 Wolfgang Gersthofer: Die Sinfonien KV 385 („Haffner“), KV 425 („Linzer“) und KV 504 („Prager“). In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Das Mozart-Handbuch, Band 1: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007, ISBN 3-8900-7461-8, S. 69–93.
  5. Ludwig Schiedermair: Die Briefe W. A. Mozarts und seiner Familie. 5 Bände, Band 2. München/Leipzig 1914, S. 199–201 ( online. In: Zeno.org.).
  6. 6,0 6,1 Alfred Einstein: Mozart – Sein Charakter, sein Werk. Pan-Verlag, Zürich / Stuttgart 1953, 553 S.


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