Amshaspands

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Die Amshaspands oder Amesha Spentas (awest. Ameša Spenta „unsterbliche Heilige“ oder „Heilwirkende“) sind nach der persischen Überlieferung geistige Wesenheiten, die den oberen Astralplan bevölkern und im wesentlichen den Erzengeln der christlichen Hierarchienlehre vergleichbar. Sie bilden das unmittelbare Gefolge des Ahura Mazda, dessen verschiedene Wesenseigenschaften sich durch sie offenbaren. Zu seiner Linken stehen die männlichen, zur Rechten die weiblichen Amshaspands. Es gibt 12 Amshaspands, von denen sich allerdings nur 6 oder 7 offenbaren, während die anderen verborgen sind. Ihren äußerern Ausdruck finden sie im Tierkreis. Sie stehen dadurch auch im Zusammenhang mit den erhabenen Tierkreiswesenheiten, den Cherubim. Sie sind Herren der Naturkräfte, der sechs Elemente (Feuer, Metalle, Erde, Wasser, Pflanzen, Tiere) und regeln den Jahreslauf, wobei abwechselnd einer der sechs nicht verborgenen Amashaspands für ein Monat die Führung übernimmt. Ihre unmittelbaren Diener sind die Izards, von denen es 28 bis 31 Gruppen gibt, und ihre ahrimanischen Gegenspieler sind die Daevas.

Die Amshaspands waren die Inspiratoren der urpersischen Kultur:

"Geradeso wie die ägyptischen hellsichtigen Könige und Priester inspiriert wurden von Engelwesen, ebenso wurden inspiriert Zarathustra und seine Schüler von Erzengelwesen, Amshaspands." (Lit.: GA 129, S. 81)

Die sich offenbarenden Amshaspands sind:

  1. Asha Vahishta, die Wahrheit und Gerechtigkeit Ahura Mazdas und Herr des Feuers.
  2. Khshathra Vairiya, die Offenbarung der kommenden Herrschaft des Ahura Mazda, zugleich der, der die Gestirne bewegt und die sieben Metalle regiert
  3. Spenta Armaiti, die Erd- und Muttergöttin und Beherrscherin des Erdelements und Verkörperung der Demut und Ergebenheit gegenüber Ahura Mazda
  4. Haurvatat, die Vollkommenheit des Ahura Mazda und Schutzherrin des heiligen und heilenden Wassers.
  5. Ameretat, die Offenbarung des Lebens und der Unsterblichkeit des Ahura Mazda und Schützerin der Pflanzen.
  6. Vohu Mano, die Weisheit Ahura Mazdas und der Herr der Tiere, insbesonder der Nutztiere.
  7. Spenta Mainyu, der siebente der offenbaren Amshaspands, ist der Herr des Lichts und des Guten und wurde später mit Ormuzd gleichgesetzt, sein Zwillingsbruder ist der finstere Angra Mainyu (Ahriman).

Dem imaginativen Blick zeigen sich die Amshaspands, wie uns Rudolf Steiner schildert, wie ein sehr komplizierter Vogelleib von ungeheurer Schönheit, mit mächtigen flügelartigen Organen begabt und mit einem dem Menschenkopf ähnlichen Kopf:

"Wir wollen aufmerksam werden heute auf ganz bestimmte Wesenheiten, die der hellsichtige Mensch in der astralischen Welt antrifft, zum Teil in der niederen, zum Teil in der höheren astralischen Welt. Da gibt es solche Wesenheiten, die gestaltet sind wie ein sehr komplizierter Vogelleib, aber von ungeheurer Schönheit, mit mächtigen flügelartigen Organen begabt und mit einem dem Menschenkopf ähnlichen Kopf; so erscheinen sie geformt und gestaltet. Das sind durchaus Wirklichkeiten des astralen Planes. Die großen Lehrer der Religionen, die da hineinschauen konnten, waren wohl bekannt mit dieser Art von Wesenheiten. Und wenn man in den ältesten Zeiten versuchte, diese Wesenheiten darzustellen - die Cherubim, oder die etwas weniger richtigen, aber wenigstens in der Absicht richtig gemeinten Greife -, dann malte man solche merkwürdigen Gestalten, die zwischen Genius und Fabeltier in der Mitte stehen.

Wenn man sich an die alten Sagen erinnert, so hat man darin den Versuch der Menschen, diese höheren genienhaften Wesen nachzubilden. Sie sind in der mannigfaltigsten Weise gestaltet, und diejenigen, die in den Geheimschulen gewirkt und sie gekannt haben, die haben diesen Chor der Wesen gleichsam charakterisiert. Diese Art von Wesenheiten gruppiert sich in sechs Klassen. Wie sechs Regenten, wie sechs Anführer dieser Scharen sind solche sechs Hauptgenien vorhanden. In verschiedener Weise wurden sie benannt, diese sechs Hauptgenien des höheren Astralplanes, der goldenen Region. Die persische Geheimlehre nennt sie «Amshaspands», sie spricht von den sechs Amshaspands." (Lit.: GA 101, S. 32f)

Die Amshaspands senden 12 astrale Ströme in das menschliche Gehirn hinein und schufen dadurch die Anlage zu den zwölf paarigen Gehirnnerven. Sie sind es auch, die den Ätherleib des Gehirns bereits auf dem Alten Mond ausgebildet haben:

"Man bekommt nun einen Begriff von einer sehr bedeutungsvollen Lehre — und man lernt diese Lehre in ihrer Wahrheit nach und nach empfinden —, von der Lehre, die insbesondere in den Zarathustraschulen gepflogen worden ist. Diese Lehre sagte, daß der Ätherleib des menschlichen Gehirns von geistigen Wesenheiten, die man Amshaspands nannte, nach und nach aus dem geistigen Kosmos heraus geschaffen worden ist. Und diese Amshaspands, sie wirken so, daß sie gleichsam während der Sommerszeit die Herrschaft führen, und zwar heute noch so die Herrschaft führen, daß sie einander ablösen, der erste sozusagen im Frühfrühling, der zweite im Frühling und so weiter bis zum sechsten und siebenten. Sieben, beziehungsweise sechs solcher geistiger Wesenheiten, sie wirken sich ablösend in der Zeit; und sie sind die schöpferischen Geister, welche — dadurch, daß sie eben sich ablösen, so daß, wenn der eine seine Tätigkeit vollführt hat, der andere eingreift — ein solches kompliziertes Wesen zustande bringen, wie es der Ätherleib, besonders der des menschlichen Gehirns ist. In unser Gehirn also spielen herein sechs bis sieben einander ablösende geistige Wesenheiten, und das physische Gehirn des Menschen wird man erst begreifen, wenn man sich sagen wird: da wirkt ein Geist, der empfunden werden kann insbesondere im Frühfrühling — er strahlt seine Kräfte, die zunächst Ätherkräfte sind, aus; dann kommt im späteren Frühling ein zweiter Geist, der strahlt wiederum seine Kräfte aus.

Da strahlen also die Ätherkräfte dieses zweiten Geistes in denselben Raum hinein. Der dritte Geist strahlt wiederum seine Ätherkräfte hinein, und so bildet sich dieser Ätherteil des menschlichen Gehirns in der Weise, daß in denselben Raum in aufeinanderfolgenden Zeiten Geister, die sich ablösen, ihre ätherischen Kräfte hineinsenden.

Nun müssen wir uns klar sein, daß wir nur fühlen können gewisse Zusammenhänge dessen, was da in unserem Gehirn ist an Verwandtschaft mit diesen Geistern, die außer uns ihre Ätherkräfte heute entfalten. Denn der Okkultismus lehrt uns, daß das, was ich jetzt eben beschrieben habe, sich schon abgespielt hat während der alten Mondenzeit; so daß wir nicht glauben dürfen, daß etwa diese Geister, die, wie wir sagen können, den Sommer regieren, heute noch hineinwirken und etwa Bildekräfte sind. Die Anlagen, die während der alten Mondenzeit wirklich hineingestrahlt sind von diesen Geistern, die hat sich der Mensch schon ins Erdendasein herübergebracht; aber weil er sie so in sich tragt in seinem eigenen Atherleib, verspürt er heute noch — wo diese geistigen Wesenheiten keinen unmittelbaren Einfluß mehr haben auf unseren inneren Ätherleib im Gehirn —, verspürt er heute noch die Verwandtschaft mit ihnen, und das ist es, was man spürt im Sommer. Man fühlt im Frühfrühling den ersten dieser Geister, der heute eine andere Aufgabe hat draußen im Äther; aber man fühlt, daß von ihm herrührt, was man in sich trägt, was man im alten Mond aufgenommen hat; man fühlt sich zu jener Zeit mit ihm verwandt. Das ist jene gewaltige Entdeckung, die der Mensch machen kann im Verlaufe seiner esoterischen Entwicklung: daß er in sich im Laufe der Zeit etwas erlebt wie ein Abbild von geistig wirksamen Wesenheiten, die sogar heute schon eine ganz andere Aufgabe haben als früher, die in der Vergangenheit mitschöpferische Geister an unserer eigenen Wesenheit waren. Während der Erdenbildung ist dann gleichsam das physische Gehirn entstanden wie ein Abdruck, eine Abprägung dessen, was schon wie eine Art von ätherischem Urbild während der alten Mondenzeit sich herausentwickelt hat durch diese geistig-kosmischen Einflüsse." (Lit.: GA 145, S. 66f)

"... aus den zwölf Richtungen des Tierkreises sahen die Schüler des Zarathustra herkommen zwölf Mächte, von denen die eine Hälfte nach der lichten Seite, gleichsam nach der Lichtseite des Tierkreises, da, wo die Sonne oben bei Tag durchläuft, gerichtet war; die andere Hälfte war der finsteren Seite des Tierkreises, dem Ahriman, wie sie sagten, zugewendet. Also von zwölf Seiten des Weltenalls herkommend und in die Menschenorganisation eindringend, so dachte sich der Perser die makrokosmischen Kräfte; die strömten ein in die Menschheitsorganisation, wirkten und arbeiteten in ihr, so daß sie im Menschen präsent, gegenwärtig sind. Daher muß sich der menschlichen Intelligenz das, was sich heranentwickelt durch die Zwölfzahl, auch mikrokosmisch offenbaren, das heißt, es muß sich das durch die Zwölfzahl der Amshaspands (Erzengel) auch im Mikrokosmos ausdrücken, und zwar als eine letzte Manifestation sozusagen dieser zwölf geistigen makrokosmischen Wesenheiten, die schon früher gewirkt haben, die vorbereitet haben, was nur eine letzte Ausbildung während der persischen Kultur gefunden hat.

Die heutige Physiologie könnte wissen, wo die zwölf mikrokosmischen Gegenbilder der zwölf Amshaspands sind. Das sind die zwölf Hauptnerven, die aus dem Haupte entspringen; die sind nichts anderes als etwas, was durch das Hereinstrahlen der zwölf makrokosmischen Mächte in den Menschen entstanden ist und im Menschen sich materiell verdichtet hat. Von den zwölf Seiten des Tierkreises aus wirkten die zwölf Erzengelwesen, so haben die alten Perser es sich vorgestellt, und um allmählich das hervorzubringen, was heute unsere Intelligenz ist, wirkten sie in zwölf Strahlen herein in das menschliche Haupt. Natürlich wirkten sie in der urpersischen Zeit nicht zum erstenmal in den Menschen herein, sondern zuletzt so, daß wir zwölf kosmische Strahlungen, zwölf Erzengel-Strahlungen haben, die sich dann im Haupte des Menschen verdichtet haben zu den zwölf Hauptgehirnnerven, wie wenn sie da drin materiell gefroren wären." (Lit.: GA 126, S. 86f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1987)
  2. Rudolf Steiner: Okkulte Geschichte, GA 126 (1992), ISBN 3-7274-1261-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1992), ISBN 3-7274-1290-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst?, GA 145 (2005), ISBN 3-7274-1450-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org

Weblinks

  1. Rudolf Steiner: Zarathustra - Vortrag in Berlin, 19. Januar 1911