Antonio Tabucchi

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Antonio Tabucchi (2008)

Antonio Tabucchi (* 24. September 1943 in Vecchiano bei Pisa; † 25. März 2012 in Lissabon[1][2]) war ein italienischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer.

Karriere

Tabucchi studierte Geisteswissenschaften in Paris und Pisa. An der Universität Genua wurde er Professor für die portugiesische Sprache und Literatur. Antonio Tabucchi lebte in der Toskana und in Portugal.

Sein Werk Erklärt Pereira (Sostiene Pereira, 1994), das in der Zeit der Salazar-Diktatur spielt, machte ihn bekannt und gilt bis heute als seine wichtigste Arbeit. Es wurde 1995 von Roberto Faenza mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt.

Die Erinnerungswelt der Figuren und die existenzielle Suche, die sie bewegt, spielen eine prominente Rolle in Antonio Tabucchis Werk. In seinen Büchern wird die Beziehung zwischen Fiktion und Realität sowie (wenn auch nicht immer direkt) zwischen dem Leser und dem Schriftsteller in Frage gestellt. Antonio Tabucchi war ein engagierter Intellektueller, der oft im europäischen und internationalen Kontext Stellung bezog und sich für die Menschenrechte einsetzte. Er sah seine Aufgabe darin, seine Leser zum Zweifeln, also zum Nachdenken zu bringen.

In seinen Erzählungen findet man zahlreiche Anspielungen und Zitate, die auf berühmte literarische und philosophische Vorbilder, besonders aber auch auf Kunstwerke, hinweisen. So begleiten Gemälde, Fotos, Skulpturen, Filme, und manchmal sogar Lieder den Leser durch die Geschichten.

Tabucchi kommentierte die italienische Übersetzung des Werkes des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa und gab sie heraus. Eines seiner Bücher, Lissabonner Requiem, schrieb er auf Portugiesisch (ins Italienische ließ er es übersetzen, damit er nicht der Versuchung erläge, den Text zu verändern).

Auszeichnungen

  • 1994: Premio Viareggio
  • 1994: Premio Campiello
  • 1998: Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur

Werke

Alle deutschen Übersetzungen von Karin Fleischanderl:

Verfilmungen

  • 1989: Cinema (Fernsehfilm); Regie: Luigi Magni
  • 1989: Nächtliches Indien (Nocturne indien), Regie: Alain Corneau
  • 1990: Rebus; Regie: Massimo Guglielmi
  • 1993: Fluchtpunkt (O Fio do Horizonte); Regie: Fernando Lopes
  • 1995: Erklärt Pereira (Sostiene Pereira); Regie: Roberto Faenza
  • 1997: La traduzione (Kurzfilm); Regie: Guido Giansoldati
  • 1998: Lissabonner Requiem (Requiem); Regie: Alain Tanner
  • 2001: Dama de Porto Pim; Regie: José Antonio Salgot

Hörspiel

  • Indisches Nachtstück. Textbearbeitung von Matthias Kunkel, Hörspiel-CD, ISBN 978-3-89584-540-6.
  • Lissabonner Requiem – Eine Halluzination: Hörstück mit Musik und O-Tönen der Stadt. Sprecher Ueli Jäggi u. a., Doppel-CD, ISBN 978-3-907877-10-4.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Antonio Tabucchi - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Frankfurter Rundschau: „Antonio Tabucchi gestorben“, 25. März 2012
  2. „Schriftsteller Antonio Tabucchi ist tot“ auf Spiegel.de


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Antonio Tabucchi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.