Arius

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Arius (Areios) [aˈriːʊs] (* um 260; † 336 in Konstantinopel) war ein christlicher Presbyter aus Alexandria. Nach ihm ist die Lehre des Arianismus benannt.

Leben und Lehre

Konzil von Nicäa, mit Arius dargestellt unter den Füßen Kaisers Konstantin und der Bischöfe

Nach Epiphanius von Salamis stammte Arius aus Libyia, womit wohl die alte römische Provinz Cyrenaica gemeint war. Arius’ Familie war bereits christlich und auch recht wohlhabend. Arius, der im Platonismus bewandert war, studierte wahrscheinlich bei Lukian von Antiochia, der als Priester in Antiochia am Orontes tätig war.

Zu Beginn von Kaiser Diokletians Christenverfolgung lebte Arius bereits in Alexandria, wo er von Petros von Alexandria zum Diakon und später von Bischof Achillas zum Presbyter geweiht wurde.

Arius vertrat, ausgehend von seiner religions-philosophischen Bildung, die folgenden Lehren bezüglich der Christologie:

  • dass der Logos und der Vater nicht gleichen Wesens seien (Wesensgleichheit)
  • dass der Sohn ein Geschöpf des Vaters sei
  • dass es eine Zeit gegeben hat, als der Sohn nicht existierte; er habe einen Anfang gehabt (Bestreitung der anfangslosen Gleichewigkeit von Vater und Sohn).

Arius vertrat die Lehre, dass es nur einen wahren Gott gebe und dass Jesus Christus ein (besonders ausgezeichnetes) Geschöpf sei. Das Wesen des Vaters sei ihm unerkennbar, kurz: Gott-Vater und Jesus waren nicht gleichen Wesens.

„Die arianischen Christen nahmen an, daß der Gott in jeder Menschenbrust wohne. Daher glaubten die Goten an eine Vergöttlichung des Menschen, wie Christus, der ihnen vorangegangen sei, sie den Menschen gezeigt hatte. Diese Anschauung war verknüpft mit einer tiefen Bildung des Gemütes. Die Goten waren von größter Duldsamkeit gegen jede andere religiöse Anschauung. Zwischen zwei christlichen Religionen, die voneinander so verschieden waren, war keine Verständigung möglich. War die absolute Toleranz eine Eigenschaft dieser Goten, fiel es ihnen nicht ein, einem anderen einen Glauben aufzuzwingen, so tritt uns hierin schon der Unterschied entgegen von der Art und Weise, wie zum Beispiel bei Karl dem Großen und Chlodwig, den Anhängern des athanasischen Glaubensbekenntnisses, das Christentum zu politischen Zwecken ausgebeutet wurde.

Die Arianer sahen in Christus einen Menschen, hochentwickelt über alle anderen Menschen zwar, aber Mensch unter Menschen. Ihr Christus gehörte zu den Menschen und wohnte in des Menschen Brust. Der Christus der athanasischen Christen ist Gott selbst, der hoch über den Menschen thronte.

Athanasius hat gesiegt, dadurch ist die Kulturentwickelung wesentlich beeinflußt worden.“ (Lit.:GA 51, S. 111)

Etwa 318 kam es zu einem Streit zwischen dem Bischof Alexander von Alexandria (313–328) und Arius, wobei Arius Alexander des Sabellianismus beschuldigte. Von einem Konzil, das Alexander daraufhin einberief, wurde Arius verurteilt und verbannt. Arius hatte jedoch zahlreiche Anhänger, und der Streit verbreitete sich von Alexandria über den gesamten Osten, während Arius bei Eusebius von Nikomedia Zuflucht fand.

Da Kaiser Konstantin ein politisches Interesse an einem einheitlichen Christentum hatte, berief er für 325 das erste Konzil von Nicäa ein. Seit seinem Sieg über Maxentius 312 tolerierte und privilegierte er das Christentum.[1] Die Lehre des Arius wurde auf dem Konzil schließlich als häretisch verurteilt. Dem Schlusswort Konstantins folgend legten sie fest, dass Vater und Sohn gleichen Wesens seien (homoousios).

Arius selbst wurde verbannt, aber bereits 328 wurde die Verbannung durch den Einfluss des Bischofs Eusebius von Nikomedia wieder aufgehoben – im selben Jahr, in dem Athanasius Bischof von Alexandria wurde. Besonders im Osten wurde das Nicaenum eher negativ aufgenommen. Die Lehren des Arius wurden abgemildert, und bald schon gewannen die „Arianer“ im Osten die Oberhand. Allerdings ist der Terminus „Arianer“ sehr unscharf, da darunter in der Folgezeit auch Personen erfasst wurden, die mit den Lehren des Arius kaum etwas zu tun hatten.

335 sollte Arius auf kaiserlichen Befehl voll rehabilitiert werden. Er erklärte sich einverstanden, das Ergebnis von Nicäa zu unterschreiben, das er damals abgelehnt hatte. Bevor er jedoch in Konstantinopel die Kommunion erhalten konnte, starb er sehr plötzlich. Andere Quellen gehen davon aus, dass er von seinen Gegnern vergiftet wurde. Nach dem Bericht des Sokrates Scholastikos[2] habe der Metropolit Alexander von Konstantinopel (314–337), durch den kaiserlichen Befehl in einen Gewissenskonflikt gebracht, gebetet, dass entweder er oder Arius aus der Welt entfernt würden, bevor Arius zur Kommunion zugelassen würde.

„Nun, der dogmatische Unterschied zwischen den Arianern und den Bekennern des Glaubens des Athanasius wird Sie heute ja wenig interessieren, aber er hat eine gewisse Rolle gespielt und man muß doch auf ihn zurückgehen. Der dogmatische Unterschied ist eben dieser, daß aus einer bestimmten Weltanschauungsrichtung heraus Arius entgegengetreten ist in Alexandrien im besonderen dem Athanasius. Und zwar war Athanasius der Anschauung, daß der Christus ein Gott ist wie der Vater-Gott, daß es also den Vater-Gott gäbe und vollständig gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater-Gott der Christus-Gott sei, von Ewigkeit mit ihm gleicher Natur und Wesenheit. Diese Anschauung ist dann übergegangen in den römischen Katholizismus, denn der römische Katholizismus bekennt sich heute noch zu dem Glauben des Athanasius. So daß also zu sagen ist mit Bezug auf den römischen Katholizismus, daß dem zugrunde liegt der Glaube, daß der Sohn ewig und gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater ist.

Arius trat dieser Anschauung entgegen. Arius war der Meinung, daß man nur sagen könne, es gäbe einen überragenden Gott, den Vater- Gott, und der Sohn-Gott, also der Christus, sei von dem Vater zwar vor der Zeit, aber doch eben geschaffen. Also er sei nicht gleicher Natur und Wesenheit, sondern etwas, was sich aus dem Vater-Gott erst entwickelt hat, was sich entwickelt hat aus dem Vater-Gott als etwas, das der Menschheit näher steht als der Vater-Gott, als etwas, das gewissermaßen die Vermittlung bildet zwischen dem in Höhen schwebenden Vater-Gotte, der zunächst für die menschlichen Erkenntniskräfte nicht zu erreichen ist, und dem, was der Mensch in sich selber findet.

Ja, so sonderbar das klingt, das scheint zunächst ein dogmatischer Unterschied zu sein. Es ist ein dogmatischer Unterschied nur für den heutigen Menschen, es war kein bloßer dogmatischer Unterschied in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung. Denn das arianische Christentum, das ganz fußte, ganz gebaut war auf der Grundlage, die ich Ihnen eben jetzt auseinandergesetzt habe, von dem Verhältnis des Sohnes zum Vater, dieses arianische Christentum leuchtete instinktiv als etwas Selbstverständliches den Menschen ein, die ich genannt habe, den gotischen, den langobardischen, all den Völkern, die ja zunächst die römische Herrschaft ablösten nach dem Untergange und beim Untergange des römischen Reiches. Sie waren instinktiv Arianer. Sie wissen ja, daß Ulfilas die Bibel übersetzt hat; seine Übersetzung zeigt klar, daß er selber Arianer war. Die Goten noch, die Langobarden und so weiter, als sie nach Italien gekommen waren, sie waren Arianer, und erst als Chlodwig zum Christentum gekommen ist, traten die Franken zum Christentum über. Sie nahmen in einer gewissen Beziehung äußerlich — was ihnen innerlich nicht lag, denn sie waren innerlich früher auch Arianer gewesen -, das Glaubensbekenntnis des Athanasius an. Und als dann das Christentum namentlich unter jene Flagge gekommen ist, deren hauptsächlicher Träger Karl der Große war, da wurde alles zum Glaubensbekenntnis des Athanasius gebracht und damit die Hinüberleitung besorgt zu der römischen Papstkirche. Und ein großer Teil der ursprünglichen Völker, Barbarenvölker, Goten, Langobarden und so weiter, ging ja unter; dasjenige, was nicht volksmäßig unterging, wurde dann durch die Athanasianer vertrieben, ausgerottet. Der eigentliche Arianismus lebte sektenmäßig weiter fort, aber er verschwand in unmittelbarer Wirksamkeit als Volksreligion.“ (Lit.:GA 185, S. 201ff)

Die Auseinandersetzungen brachen mit dem Tod des Arius jedoch nicht ab. Der so genannte arianische Streit sollte vielmehr die Reichskirche noch das gesamte 4. Jahrhundert beschäftigen. In der Folgezeit kam es auch zu einer Zersplitterung der „Arianer“: Die Homöusianer, die mit Arius praktisch kaum noch etwas zu tun hatten, sowie die Homöer, die von den Kaisern Constantius II. und Valens favorisiert wurden, und die in der Forschung bisweilen als „radikale Arianer“ bezeichneten Anhomöer, siehe Aëtios.

„Ein wichtiges Jahr, wenn wir die Evolution ansehen, die hinter Tafel 5 den äußeren Ereignissen vor sich geht, ist das Jahr 333 nach Christus. Dieses Jahr 333 stellt ja denjenigen Zeitpunkt dar, in dem das Ich hereinschlug in die Verstandes- oder Gemütsseele des Menschen, wie sie sich ausgebildet hat zwischen dem Jahr 747 vor Christi Geburt und dem Beginn des Zeitalters der Bewußtseinsseele im 15. Jahrhundert. Dieses Jahr 333 steht da mitten drin. In diesem Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele hat ja eine große Rolle gespielt die Ausbildung der griechischen Geistesart, und diese wirkte nach, bis eben das Zeitalter der Bewußtseinsseele kam. In dieses Zeitalter der Entwickelung der Verstandes- oder Gemütsseele fällt ja das Mysterium von Golgatha.

Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß dieses Hineinschlagen des Ich in die Verstandes- oder Gemütsseele etwas außerordentlich Bedeutsames darstellt. Dieses Hineinschlagen des Ich, das um das Jahr 333 stattfindet, das erschüttert doch in der Tiefe der Seele und in der allerernstesten Weise gerade die Menschheit, die in Betracht kommt für das Empfangen der spirituellen Einflüsse. Von demjenigen, der Anteil haben will am spirituellen Leben und der in der Richtung des spirituellen Lebens wirken will, müssen die äußeren Tatsachen der geschichtlichen Entwickelung durchaus hinorientiert werden auf die spirituellen Hintergründe.

Was haben wir denn in der Zeit, als gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Ereignisse das Hereintreten des Ich in die Menschenseele stattfand, was haben wir denn da für hervorragende äußere Ereignisse, und wie müssen diese alle im Lichte dieses Hereintretens des Ich angesehen werden? Ja, meine lieben Freunde, da beginnt plötzlich für den Menschen das ganze Verhältnis des Göttlichen zum Menschen unverstanden und wankend und strittig zu werden.

Wir haben in diesem Zeitpunkt den bedeutsamen Streit zwischen Arius und Athanasius. Mit dem Hereinschlagen des Ich in die Verstandes- oder Gemütsseele tauchen im Innersten des Menschen, wenn auch noch etwas unbewußt, die Unklarheiten auf und damit die Frage: Wie lebt denn eigentlich das göttliche Ich in der Menschennatur? - In dieser Zeit wurde der Mensch wankend darüber, wie er sich das Verhältnis des Göttlichen zur Welt und zum Menschen selber zu denken hatte. Und da standen sich die beiden Anschauungen des Arius und des Athanasius in schroffer Weise gegenüber. Wir sehen dann, wie in Westeuropa die Ansicht des Athanasius die Oberhand gewinnt, und wie die Anschauung des Arius einem allmählichen Untergang entgegengeht.

Fassen wir diesen Gegenstand jetzt einmal vom spirituellen Standpunkte auf, denn das ist ja vor allem wichtig, wenn wir den inneren Sinn und den inneren Geist von so etwas, wie es die Apokalypse ist, wirklich verstehen wollen. Arius sieht auf der einen Seite den Menschen, wie er immer höher und höher steigt und sozusagen dem Göttlichen immer näher kommen soll, und er sieht auf der anderen Seite die göttliche Wesenheit; und er hat neben diesen großen Weltenprinzipien nun das Mysterium von Golgatha zu verstehen, die Natur Christi. Er will sich die Frage beantworten: Wie steckt in Christus selber die menschliche und wie die göttliche Natur? Hat man in Christus wirklich ein göttliches Wesen zu sehen oder nicht? - Und er beantwortet eigentlich diese Frage mit Nein. Er steht im Grunde genommen auf dem Boden, der dann bei einem großen Teil der europäischen Bevölkerung der allgemeine geworden ist: die Grenzscheide aufzurichten zwischen dem Menschen und Gott, die Innewohnung Gottes im Menschen nicht eigentlich zugeben zu wollen und einen Abgrund zu setzen zwischen Gott und dem Menschen.

Wir müssen uns nun ohne Vorurteil zurückversetzen in jene Zeit der ersten christlichen Entwickelung, die im Grunde nichts gemein hat mit derjenigen des späteren römischen Katholizismus, da später innerhalb des römischen Katholizismus das Christentum in die Dekadenz gekommen ist. Deshalb müssen wir uns auch darüber klar werden, daß ja in der Tat für die Weiterentwikkelung der Menschheit es dazumal notwendig war, die ganze Frage im Sinne des Athanasius zu entscheiden, der in dem Christus eben ein unmittelbar göttliches Wesen sah, der in dem Christus den wirklichen göttlichen Sonnengeist sah, wenn das auch in späterer Zeit wegen der Abneigung, den Christus kosmologisch vorzustellen, in den Hintergrund trat. Aber in der ganzen Geistesart des Athanasius lag das, daß er den Christus wirklich als einen dem Vatergott gleichen Gott ansah.

Diese Anschauung hat dann weitergewirkt, sie hat nur ihre Spitze verloren im Jahr 869 durch das achte Konzil in Konstantinopel, das im Grunde genommen dadurch die Lehre des ersten Konzils von Nicäa zerstört hat, daß die Trichotomie für ketzerisch erklärt worden ist. Damit beginnt dann auch die Dekadenz des kirchlichen Christentums, denn damit war das Hineinwachsen in die Geistigkeit für spätere Jahrhunderte innerhalb der katholischen Kirchenentwickelung durchaus abgeschnitten.

Es ist durchaus jene Erschütterung, die im Innern des Menschen stattfand beim Hereinbrechen des Ich in die Verstandesoder Gemütsseele, welche durch dieses äußere Ereignis koloriert wird und welche diesem äußeren Ereignis den eigenen inneren Sinn gibt.“ (Lit.:GA 346, S. 100ff)

Literatur

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Weblinks

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Anmerkungen

  1. Zu Konstantins Religionspolitik siehe nun zusammenfassend Klaus Martin Girardet: Der Kaiser und sein Gott. Das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen. Berlin/New York 2010. Zum Konflikt mit Arius ebd., S. 144ff.
  2. Sokrates: Kirchengeschichte, 1,38
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