Baphomet

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Baphomet nach einer Phantasie von Eliphas Lévi (Abbildung in seinem Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (1854)

Mit dem Namen Baphomet wurde in südfranzösischen Protokollen des Templerprozesses eine angeblich von den Tempelrittern verehrte Götzenfigur bezeichnet.

"Bafomet, das ist ein Wesen der ahrimanischen Welt, welches den Leuten erschien, wenn sie gefoltert wurden. Das ist raffiniert gemacht worden. Dann haben sie eine Menge von Visionärem mitgenommen, als sie ins Bewusstsein zurückgekommen sind." (Lit.: GA 300a, S. 130)

Der Baphomet wird von Eliphas Levi auch Bock des Sabbat oder Baphomet und Mendes und von Joachim Stiller auch Bock des Mendes.

Baphomet und die Templer

Das historische Fundament des Baphomet ruht in den Protokollen, die während des Templerprozesses redigiert wurden. Einer der Anklageartikel im Prozess gegen die Templer von 1307 lautete, die Ordensbrüder würden ein „Idol verehren“. Während der unterschiedlichen Verfahren des Prozesses bekannten nur wenige Zeugen eine solche Anbetung. Die Beschreibungen variieren. In den Protokollen der Anklage ist zum Beispiel nach Aussage Larchants von einem „Idol als ein Kopf mit Bart“ die Rede, dem die Templer angeblich huldigten. Manche erklärten es zu einer schwarzen Statue, andere als einen Kopf mit zwei oder drei Gesichtern (vgl.: Ianus, Dreifaltigkeit) oder auch als vierfüßige Gestalt.

Der Terminus „baffomet“ erscheint hierbei nur in einigen Protokollen, die im Süden Frankreichs aufgenommen wurden. Es wurde weder ein Beweis für die tatsächliche Verehrung noch ein existierendes Götzenbild des Baphomet gefunden. Die Aussagen in den Protokollen divergieren derart, dass es bisher nicht möglich ist, daraus einen Beleg für die Existenz und Gestalt des Baphomet zu entnehmen. Zudem wurden diese Aussagen oft unter Folter erzwungen. Zuweilen mag auch die eigene Phantasie der Folternden in die unter der Folter gemachten Aussagen der Tempelritter eingeflossen sein. Daneben flossen auch schlicht erfundene Aussagen in die Protokolle der Templerverhöre ein. [1]

Etymologie

Über die Herkunft und Bedeutung des Wortes „Baphomet“ gab es einige Spekulationen:

  • „Abufihamet“ – soll arabischen Ursprungs sein und „Vater des Verstehens“ bedeuten.
  • „Mahomet“ – soll eine Anspielung auf die Verehrung Muhammads sein. Im Mittelalter wurde Mohammed tatsächlich oft „Mahomet“ geschrieben.
  • „Tem Ohp Ab“ – soll als Ananym laut dem Okkultisten Eliphas Lévi von den Templern verwendet worden sein, um ihre Beziehung zum Tempel Salomons zu verdeutlichen: „Templi omnium hominum pacis abbas“, was soviel heißt wie: „Abt des Tempels des Friedens aller Menschen“.
  • Über die aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammende jüdische Atbash-Umkehrung wird in hebräischer Schrift aus „Baphomet“ (בפומת) „Sophia“ (שופיא), was auf Pistis Sophia hinweisen könnte. Diese Entdeckung machte Hugh J. Schonfield; ein Beleg, dass die Templer sich mit der Atbash-Umkehrung beschäftigten, existiert bislang allerdings nicht.

Textvergleiche mit zeitgenössischer provenzalischer Literatur (und nur in Prozessprotokollen aus dem provenzalisch-sprachigen Raum taucht "Baffomet" auf) favorisieren die zweite These: Denn "Baffomet" (die später oft gebrauchte gräzisierte Form "Baphomet" kommt in den Originalprotokollen nicht vor!) ist nichts anderes als das provenzalische Wort für den Propheten Mohammed, beziehungsweise für das angebliche Idol, welches man den Moslems in einigen Chansons de geste zuschrieb. Zum Beispiel findet man die "Götter Bafum/Bafumet et Travagan" und Mohammed als ihren Abgesandten im provenzalischen Gedicht über das "Leben des Heiligen Honorat", fertiggestellt im Jahre 1300. In der Chanson "Simon de Pouille", geschrieben vor 1235, spricht man von einem sarazenischen Idol genannt "Bafumetz", und bereits der Chronist des Ersten Kreuzzugs, Raimund d'Aigulhers, nennt die Moscheen "Bafumarias". Nach einem Idol befragt, beschrieben die Templer das, was sie über Idole aus den Chansons de gestes oder Heiligenviten wussten. [2]

Eliphas Lévis Baphomet

Der Magier und okkultistische Schriftsteller Eliphas Lévi Zahed zeichnete im 19. Jahrhundert Baphomet erstmalig als Dämon mit gehörntem Ziegenkopf, weiblichen Brüsten und einem Pentagramm auf der Stirn.

Lévis Darstellung entstand aus verschiedenen weitaus älteren Gottheiten heidnischen Ursprungs. So findet man gehörnte Fruchtbarkeitsgötter im alten Ägypten und bei keltischen Darstellungen. Entsprechungen der Armhaltung und Fackelsymbolik können im römischen Mithraskult in dem Brüderpaar Cautes und Cautopates entdeckt werden, den personifizierten knabenhaften Sinnbildern von Morgen und Abend, Leben und Tod mit erhobener oder gesenkter Fackel.

Lévis Baphomet ist heute weit verbreitet und wurde von Satanisten übernommen. Verwendung findet sie in der „Satanischen Bibel“ von Anton LaVey. Seine Faszination erklärt sich durch ihre vielschichtige synkretistische Symbolik. Die Figur vereint Gut und Böse, Mensch und Dämon, Frau und Mann, Mensch und Tier und enthält darüber hinaus Elemente der Alchemie („Solve et coagula! – Löse und verbinde!“).

Der Taxil-Schwindel verursachte die Verschwörungstheorie, die Freimaurer würden Baphomet, wie ihn Lévi darstellte, als Götzen anbeten.

Solche modernen Darstellungen entbehren jeglichen historischen Kontextes mit den Tempelrittern und sind auch nicht mit Funden aus der Zeit der Templer belegbar.

Literatur

  • Rudolf Steiner: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule 1919 bis 1924, GA 300 a-c (1995)
  • Anke Krüger: Schuld oder Präjudizierung? Die Protokolle des Templerprozesses im Textvergleich (1307–1312) in: Historisches Jahrbuch 117/1997, Seite 340–377
  • Anke Krüger: Das „Baphomet-Idol“. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Historisches Jahrbuch 119/1999, Seite 120–133
  • Allan Oslo: Die Geheimlehre der Tempelritter. Königsfurt 2001, ISBN 3-93-393988-7
  • Peter Partner: The Murdered Magicians. The Templars and their Myth. Oxford, New York 1982, ISBN 0-19-215847-3 (vor allem Seite 138 ff. und 164 ff.)
  • Bruno Nardini: Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren, Goldmann TB, München 1994, Kapitel: Das Geheimnis der Tempelritter, S. 169 - 203
  • Eliphas Levi: Transzendentale Magie, Ansata, Bern, München, Wien, 1998, ISBN 978-3-7787-7171-6
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Einzelnachweise

  1. Bruno Nardini: Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren, Goldmann TB, München 1994, S. 185 - 191
  2. Quelle: Krüger, A.: Das Baphomet-Idol. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Historisches Jahrbuch 119 (1999), 120-133.

Weblinks

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