Barbara McClintock

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Barbara McClintock 1947 in ihrem Labor

Barbara McClintock (* als Eleanor McClintock 16. Juni 1902 in Hartford, Connecticut; † 2. September 1992 in Huntington, New York) war eine US-amerikanische Genetikerin und Botanikerin. Sie gehörte zu den führenden Zytogenetikern und entdeckte die Transposons („springende Gene“), wofür sie 1983 den Nobelpreis erhielt.

Springende Gene

Mehrfarbige Maiskolben

Mit den Untersuchungen, die zur Entdeckung der „springenden Gene“ (Transposons) führen sollten, begann McClintock 1944. Dabei ging es anfangs um spontan auftretende Brüche des Chromosoms 9 des Maises, die, wie sich herausstellte, mit instabilen Mutationen zu tun hatten, welche u. a. die Färbung mehrfarbiger Maiskolben beeinflussen können. McClintock beobachtete, dass das Chromosom 9 häufig an einer bestimmten Stelle bricht, die sie Ds (dissociator) nannte. Bei weiteren Untersuchungen kam sie 1948 zu dem überraschenden Ergebnis, dass Ds seine Position auf dem Chromosom verändern kann. Damit hatte sie erstmals ein Transposon entdeckt, einige weitere sollten folgen.

Des Weiteren fand McClintock heraus, dass Transposons wie Ds instabile Mutationen hervorrufen können, indem sie an Stellen des Chromosoms springen, welche z. B. ein Gen für die Produktion eines Pigments enthalten. Durch die Einfügung (Insertion) des Transposons wird das betroffene Pigmentgen funktionsunfähig. Diese Mutation ist jedoch reversibel, da das Transposon mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erneut „springt“ und dabei das Pigmentgen wieder in den funktionsfähigen Zustand versetzt. Das Ergebnis sind gescheckte Maiskörner oder auch komplett gescheckte Pflanzen. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, entwickelte McClintock eine allgemeine Theorie der Genregulation und Zelldifferenzierung, die sie erstmals 1950 publizierte und dann auf dem Cold Spring Harbor Symposion 1951 vorstellte. Damit widersprach sie der herrschenden Vorstellung eines statischen Genoms, und ihre Darstellung war zudem sehr kompliziert. Die Reaktionen der Kollegen reichten von Verwirrung bis hin zu offener Ablehnung, und auch einige folgende Artikel in verschiedenen Zeitschriften brachten keine positive Resonanz. Um ihre Reputation nicht noch weiter zu gefährden, stellte McClintock 1953 jegliche Publikationstätigkeit zu diesem Thema ein, während sie ihre Forschungen jedoch unvermindert fortsetzte und in publikationsfähiger Form dokumentierte.

1957 begann McClintock im Rahmen einer Initiative der National Academy of Sciences, die zahlreichen alten und bedrohten Mais-Sorten in Südamerika auf chromosomaler und morphologischer Ebene zu untersuchen, wobei sie sich besonders für evolutionäre Aspekte interessierte. Als 1961 François Jacob und Jacques Monod ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über die Genregulation bei Bakterien veröffentlichten, machte McClintock auf Übereinstimmungen mit ihren früheren Resultaten aufmerksam. Als schließlich in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren auch bei Bakterien und Hefen Transpositionsvorgänge entdeckt wurden und deren molekulare Grundlagen aufgeklärt wurden, erfuhren McClintocks entsprechende Entdeckungen beim Mais eine späte Würdigung. Im Laufe der 1970er und 1980er Jahre stellte sich heraus, dass Transposons bei Lebewesen allgemein verbreitet und zum Teil in großer Zahl vorhanden sind.

Siehe auch

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • L.F. Randolph, B. McClintock (1926): Polyploidy in Zea mays L. In: Amer. Naturalist. Bd. 60, S. 99–102.
  • B. McClintock (1929): Chromosome morphology in Zea mays. In: Science. Bd. 69, S. 629.
  • H.B. Creighton, B. McClintock (1931): A Correlation of Cytological and Genetical Crossing-Over in Zea Mays. In: Proc. Natl. Acad. Sci. Bd. 17, S. 492–497. PMID 16587654
  • B. McClintock (1950): The origin and behavior of mutable loci in maize. In: Proc. Natl. Acad. Sci. Bd. 36, S. 344–355. PMID 15430309
  • B. McClintock (1951): Chromosome organization and genic expression. In: Cold Spring Harb. Symp. Quant. Biol. Bd. 16, S. 13–47. PMID 14942727
  • B. McClintock (1953): Induction of instability of selected loci in Maize. In: Genetics. Band 38, 1953, S. 579–599.
  • B. McClintock (1961): Some parallels between gene control systems in maize and in bacteria. In: Amer. Naturalist. Bd. 95, S. 265–277.
  • B. McClintock (1984): The significance of response of the genome to challenge. In: Science. Bd. 226, S. 792–801. PMID 15739260

Weblinks

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