Bartholomäus (Apostel)

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Konrad Witz, Heilsspiegelaltar, Außentafel: Hl. Bartholomäus
Bartholomäus (links) - Detail aus dem Wandgemälde Das Abendmahl von Leonardo da Vinci

Bartholomäus (hebr. בר־תלמי‎ Bar-Tôlmay, aramäisch „Sohn des Tholmai“) soll Anfang des 1. Jahrhunderts in Kana in Galiläa gelebt haben.

Biblische Überlieferung

Nach christlicher Auffassung war Bartholomäus ein Jünger Jesu (vgl. Mk 3,14–19 EU) und einer der zwölf Apostel, der in den Apostellisten der drei ersten Evangelien genannt wird. Sein voller Name könnte Natanaël Bar-Tolmai gewesen sein, vorausgesetzt, dass er mit dem Natanaël gleichzusetzen ist, dessen Berufung in Joh 1,45–50 EU (vgl. auch Mt 10,3 u. ö. EU) erzählt wird. Es kann vermutet werden, dass Natanaël Bar-Tolmai ein Schriftgelehrter oder Schriftgelehrtenschüler war.

Legende (Hagiographie)

Der Legende nach soll er als „Zeuge Christi“ in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien das hebräische Matthäusevangelium gepredigt haben,[1] wo er auch das Martyrium erlitten haben soll. Astyages, ein Bruder des armenischen Herrschers Polymios, soll den Befehl gegeben haben, ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen und ihn anschließend kopfunter zu kreuzigen. Andere Quellen berichten von einer Enthauptung des Heiligen.

Nach späteren Legenden sei der Sarg mit seinem Leichnam an der Insel Lipari bei Sizilien angespült worden, wo man ihn auch bestattet habe. Nach Gregor von Tours sei er 580 von Mesopotamien nach Lipari gebracht worden.[2] Über seinem vermutlichen Grab wurde eine Kirche errichtet, die 831 die Sarazenen zerstörten.

Kirchengeschichte

Kaiser Otto II. ließ die angeblichen Gebeine 983 nach Rom bringen, wo sie seither in San Bartolomeo all’Isola aufbewahrt werden. Darauf wurde Bartholomäus zum Patron vieler deutscher Kirchen. Die angebliche Hirnschale kam unter Kaiser Friedrich II. 1238 in den Frankfurter Kaiserdom, der darauf Bartholomäus als Kirchenpatron erhielt.[3]

Ikonographie und Attribute

Seit Beginn des 13. Jahrhunderts wird Bartholomäus mit Messer und abgezogener Haut in zahlreichen Bildern dargestellt. In Michelangelos Jüngstem Gericht in der Sixtinischen Kapelle in Rom gilt das Antlitz auf der von Bartholomäus getragenen Haut als Selbstbildnis Michelangelos.

St. Bartholomäus auf einer Fahne der Bruderschaft der Metzger, Ravensburg

In jüngerer Zeit finden sich neue Darstellungen des Apostels, so etwa der Bronzeguss von Damien Hirst (2006)[4] oder die großformatige Ölmalerei des Leipziger Malers Aris Kalaizis, die in Konfrontation mit Darstellungen des Heiligen am Kaiserdom St. Bartholomäus 2014/2015 entstand. Im Jahr 2015 errichtete das Kunst- und Kulturforum Stubenberg eine Bartholomäus-Skulptur vor der Kirche von Stubenberg. Der Kopf ist aus Marmor, der Körper aus Magnesit mit glitzernden Glimmereinschlüssen.

Gedenktage

  • katholisch: 24. August
  • evangelisch: 24. August
  • anglikanisch: 24. August
  • orthodox: 11. Juni

Patronate

Patrozinien

Bartholomäus gilt als Patron

Er soll als Heiliger gegen Haut- und Nervenkrankheiten sowie gegen Zuckungen, Dämonen und Geister wirken.[5]

Literatur

  • Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968 (Neuaufl. der WBG, Darmstadt 2015), Spalten 320–334. ISBN 978-3-534-26725-5
  • Christoph Schmitt: Bartholomäus In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 26, Bautz, Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8, Sp. 121–122.
  • Otto Wimmer: Handbuch der Namen und Heiligen, mit einer Geschichte des christlichen Kalenders. 3. Aufl. Innsbruck/Wien/München 1966, S. 143 f.
  • Lexikon für Theologie und Kirche, Band II, S. 9 f.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Bartholomäus (Apostel) - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Albrecht Dihle: Art. Indien. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 18, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart, Sp. 1–56, hier Sp. 46.
  2. Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968, Spalte 322.
  3. Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 5. Herder, Freiburg 1968, Spalte 322.
  4. Saint Bartholomew, Exquisit Pain.
  5. Bartholomäus – Ökumenisches Heiligenlexikon. Website des Ökumenischen Heiligenlexikons. Abgerufen am 24. August 2013.

Siehe auch


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