Blut

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Das warme Blut (lat. sanguis, griech. αἷμα haima, hebr. דָּם dam) ist der unmittelbare physische Ausdruck des menschlichen Ich. Voraussetzung für die Entstehung des roten Blutes war das Eisen, das der Mars der Erde in ihrer ersten Entwicklungshälfte gab. Es ist ein reines Produkt der Erdentwicklung und in dieser Form in den vorangegangenen planetarischen Weltentwicklungsstufen noch nicht vorhanden. Das warme rote Blut entstand in der lemurischen Zeit und hängt zusammen mit dem luziferischen Einfluss. Luzifer hat unmittelbaren Einfluss auf das Blut (Blut ist ein ganz besonderer Saft - Faust). Die mittlere Bluttemperatur des Menschen liegt heute bei etwa 36–37 °C.

Das Blut als reines Produkt der Erdentwicklung

„Da stellt sich uns das Blut - ich spreche vom Menschen - dar als dasjenige, was in die menschliche Organisation gekommen ist durch die Vorgänge, die im besonderen Erdenvorgänge sind. Das Blut ist durchaus Erdenwesen. Sie wissen ja, daß der Mensch lange, lange bevor es eine Erde gab, durch Saturn-, Sonnen- und Mondendasein vorbereitet worden ist. Was da vorbereitet worden ist, das alles hat das Blut noch nicht in sich. Das Blut, so wie es als menschliches Blut heute durch unsere Adern fließt, ist hinzugekommen durch die Erdenorganisation. Dagegen ist in der Konstruktion, in der ganzen Formung und Bildung des Nervenwesens dasjenige enthalten, was lange, lange vorbereitet worden ist durch den Saturn-, Sonnen- und Mondenprozeß, durch die Vorprozesse unserer Erdenorganisation.“ (Lit.:GA 169, S. 37)

Herz und Blutkreislauf

Physiologie des menschlichen Blutkreislaufs

Das Herz ist keine Pumpe!

Aus dem strömenden Blutkreislauf beginnt sich das Herz schon ab der 3. Woche der Embryonalentwicklung zu bilden und fängt ab dem 23. oder 24. Tag der Schwangerschaft eigenständig zu pulsieren an. Nach Ansicht Steiners ist die Gestalt des Herzens ein Ergebnis der sich stauenden Kräfteströmungen von links-rechts bzw. rechts-links und von oben und unten. Durch den Rückstau dieser Strömungen entstehen Verdickungen, aus denen sich die vier Herzkammern bilden. Aber nicht nur die Gestalt, sondern auch die Tätigkeit des Herzens ist nach Steiner ein Ergebnis der lebendigen Bewegung des Blutkreislauf. Das Herz fungiert seiner Ansicht nach nicht als Pumpe, die das Blut durch den Körper treibt, sondern der Blutkreislauf versetzt das Herz in Bewegung. Die linke Herzhälfte empfängt dabei das sauerstoffreiche Blut aus dem kleinen Lungenkreislauf, die rechte Herzhälfte das sauerstoffarme Blut aus dem großen Körperkreislauf.

"Dieses Herz hat die mechanisch-materialistische Anschauung zu einer Pumpe gemacht, die das Blut durch den menschlichen Körper treibt. Es ist das Gegenteil, dieses Herz: Ein Lebendiges ist die Blutzirkulation - die Embryologie kann es exakt nachweisen, wenn sie nur will - , und das Herz wird durch das innerlich bewegte Blut in Tätigkeit versetzt. Das Herz ist dasjenige, worinnen sich die Bluttätigkeit schließlich statuiert, worinnen die Bluttätigkeit hereingenommen wird in die ganze menschliche Individualität. Die Tätigkeit des Herzens ist eine Folge der Bluttätigkeit, nicht die Bluttätigkeit eine Folge der Herztätigkeit." (Lit.: GA 74, S. 92f)

"Lernt man erkennen das rhythmische System, wie es sich ausprägt in der Gestaltung des Atmungsverlaufes, des Blutsverlaufes, so bricht man mit dem Aberglauben, daß das Herz eine Pumpe ist, die das Blut wie irgendein Gewässer durch den Organismus treibt. Dann lernt man erkennen, daß das Geistige eingreift in die Blutzirkulation, daß also da der Rhythmus den Stoffwechsel ergreift, die Blutzirkulation bewirkt und dann im Verlaufe der menschlichen Entwickelung, schon in der Embryonalentwickelung, das Herz herausplastiziert aus dem, was der Blutkreislauf ist, so daß das Herz aus dem Blutkreislauf heraus, also aus dem Geistigen heraus gebildet ist." (Lit.: GA 203, S. 151f)

Rudolf Steiners Ansicht, dass das Herz keine mechanische Pumpe sei, sondern vielmehr umgekehrt durch das lebendig strömende Blut in Tätigkeit versetzt werde, wurde in der medizinischen Forschung lange Zeit weitgehend ignoriert. Neuere Untersuchungen bestätigen aber seine Aussagen. So resümiert etwa Branko Furst in seinem Buch The Heart and Circulation:

„Zusammenfassend wurde versucht, den aktuellen Status des Druck-Antriebs-Modell der Zirkulation darzustellen und eine Reihe von Unstimmigkeiten hervorzuheben, die entweder wegerklärt oder zugeschnitten wurden, um zu dem traditionellen Modell zu passen. Nach dem mechanistischen (kardiozentrischen) Modell gilt das Blut als inerte Flüssigkeit, die entlang der Gefäße durch den vom Herz erzeugten Druckgradienten getrieben wird. Experimental und phänomenologische Beweise, die in dieser Monographie vorgestellt werden, legen das genaue Gegenteil nahe, nämlich, dass das Blut ein "flüssiges Organ" mit einer charakteristischen inhärenten Selbstbewegung ist. Konzeptionell ist die autonome Bewegung des Blutes nicht anders als die autonome Kontraktion des Herzens, der enterohepatischen Kreislauf der Gallensalzen, oder die Zirkulation der Cerebrospinalflüssigkeit.

... die ontogenetische Herkunft und Morphologie des kardiovaskulären Systems zeigt an, dass es als ein Organ aufgefasst werden kann, dessen Funktion in der rhythmischen Vermittlung zwischen den Polen des Nerven-Sinnes-System und des Stoffwechsel-Systems des Organismus besteht. Seine mobile Komponente, das Blut, erfüllt diese Funktion.“ (Lit.: Furst, S. 217[1])

Der polare Gegensatz von Blut und Nerv

Das Blut bildet den polaren Gegensatz zum Nervensystem:

"Während das Nervensystem eigentlich zum Leben im Kosmos draußen, außerirdisch, bestimmt ist und in uns tot ist, ist das Blut bestimmt, in uns tot zu sein und erlangt ein Leben von außen. Das Nervensystem gibt gewissermaßen sein Leben ab an das Blut, und so ist das Nervensystem verhältnismäßig tot, das Blut verhältnismäßig das Lebendige. So wahr das Nervensystem kosmisch Leben und irdisch Tod hat, so wahr hat das Blut umgekehrt durch sich irdisch Tod und erborgtes, ihm aufgedrängtes kosmisches Leben. Das Leben ist überhaupt nicht von unserer Erde. Daher muß das Nervensystem gewissermaßen den Tod aufnehmen, damit es irdisch werden kann, und das Blut muß lebend werden, damit der Mensch, insofern er irdische Substanz ist, der außerirdischen Welt sich zuwenden kann." (Lit.: GA 169, S. 37)

"Alles Seelische drückt sich aus, offenbart sich im Leiblichen, so daß sich auf der einen Seite alles das im Leiblichen offenbart, was sich ausdrückt in Antipathie, Gedächtnis und Begriff. Das ist gebunden an die Leibesorganisation der Nerven. Indem die Nervenorganisationen gebildet werden im Leibe, wirkt darin für den menschlichen Leib alles Vorgeburtliche. Das seelisch Vorgeburtliche wirkt durch Antipathie, Gedächtnis und Begriff herein in den menschlichen Leib und schafft sich die Nerven. Das ist der richtige Begriff der Nerven. Alles Reden von einer Unterscheidung der Nerven in sensitive und motorische ist, wie ich Ihnen schon öfter auseinandergesetzt habe, nur ein Unsinn.

Und ebenso wirkt Wollen, Sympathie, Phantasie und Imagination in gewisser Beziehung wieder aus dem Menschen heraus. Das ist an das Keimhafte gebunden, das muß im Keimhaften bleiben, darf daher eigentlich nie zu einem wirklichen Abschluß kommen, sondern muß im Entstehen schon wieder vergehen. Es muß im Keime bleiben, es darf der Keim in der Entwickelung nicht zu weit gehen; daher muß es im Entstehen vergehen. Hier kommen wir zu etwas sehr Wichtigem im Menschen. Sie müssen den ganzen Menschen verstehen lernen: geistig, seelisch und leiblich. Nun wird im Menschen fortwährend etwas gebildet, das immer die Tendenz hat, geistig zu werden. Aber weil man es in großer Liebe, allerdings in egoistischer Liebe, im Leibe festhalten will, kann es nie geistig werden; es zerrinnt in seiner Leiblichkeit. Wir haben etwas in uns, was materiell ist, aber aus dem materiellen Zustand fortwährend in einen geistigen Zustand übergehen will. Wir lassen es nicht geistig werden; daher vernichten wir es in dem Moment, wo es geistig werden will. Es ist das Blut - das Gegenteil der Nerven.

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Nerv

Blut

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Das Blut ist wirklich ein «ganz besonderer Saft». Denn es ist derjenige Saft, welcher, wenn wir ihn aus dem menschlichen Leibe entfernen könnten - was innerhalb der irdischen Bedingungen nicht geht -, so daß er noch Blut bliebe und durch die anderen physischen Agenzien nicht vernichtet würde, dann als Geist aufwirbeln würde. Damit nicht das Blut als Geist aufwirbele, damit wir es so lange, als wir auf der Erde sind, bis zum Tode in uns behalten können, deshalb muß es vernichtet werden. Daher haben wir immerwährend in uns: Bildung des Blutes - Vernichtung des Blutes, Bildung des Blutes - Vernichtung des Blutes und so weiter durch Einatmung und Ausatmung." (Lit.: GA 293, S. 38f)

Blut und Ich

Das Blut ist der unmittelbare physische Ausdruck des menschlichen Ich-Trägers. Deutlich wird das z.B. im Phänomen des Eröttens und Erbleichens. Auf ähnliche Weise ist das Nervensystem der Ausdruck des Astralleibs und das Drüsensystem der Ausdruck des Ätherleibs:

„Wenn wir ein Wesen vor uns haben, das wie der Mensch nicht nur den physischen Leib hat, sondern unsichtbare, höhere, übersinnliche Glieder seiner Natur, so finden sich die übersinnlichen Glieder in den niedersten Gliedern ausgedrückt. So wie Ihre inneren Seeleneigenschaften oberflächlich ausgedrückt sind in Ihren Gesichtszügen, in Ihrer Physiognomie, so ist Ihr physischer Leib auch ein Ausdruck für die Arbeit des astralischen Leibes und des Ich. Und der physische Leib stellt nicht nur sich selbst dar, sondern er stellt auch einen physischen Ausdruck dar der physisch unsichtbaren Glieder des Menschen.

So ist des Menschen Drüsensystem und alles, was wir dazu zählen, ein Ausdruck des Ätherleibes im Menschen. Alles, was wir zum Nervensystem zählen, ist ein Ausdruck des astralischen Leibes, und alles, was wir zum Blutsystem zählen, ein Ausdruck seines Ichträgers. Also im physischen Leibe selber haben wir wieder eine Vierheit zu unterscheiden, und nur der, welcher einer grobsinnlichen Weltanschauung huldigt, kann die verschiedenen Substanzen im menschlichen physischen Leibe als gleichwertig bezeichnen. Was uns als Blut durchpulst, ist eine solche Substanz dadurch geworden, daß in dem Menschen ein Ich wohnt. Das Nervensystem ist so gestaltet und von einer solchen Substanz, weil uns im Menschen ein astralischer Leib entgegentritt. Und das Drüsensystem ist so geworden dadurch, daß im Menschen ein Ätherleib ist.“ (Lit.:GA 112, S. 48)

Durch das Gehirn und das Rückenmark spiegelt der Mensch - und bis zu einem gewissen Grad auch die höheren Tiere - die ihn umgebende Außenwelt als eigenes Innenleben. Durch das Blut erlebt er auch seine eigene Gestalt als Innenleben und gestaltet nach Bildern dieses Innenlebens seinen eigenen Leib:

„Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdrucke kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: Die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist «Ich». Ein Wesen mit bloßem sympathischen Nervensystem spiegelt die Außenwelt, es empfindet also diese Außenwelt noch nicht als sich, noch nicht als Innenleben. Ein Wesen mit Rückenmark und Gehirn empfindet die Spiegelung als Innenleben. Ein Wesen aber mit Blut erlebt als seine eigene Gestalt sein Innenleben. Durch das Blut wird mit Hilfe des Sauerstoffes der Außenwelt nach den Bildern des Innenlebens der eigene Leib gestaltet. Diese Gestaltung kommt als Ich-Wahrnehmung zum Ausdruck.“ (Lit.:GA 55, S. 57f)

„Dadurch, daß der Mensch anfing, durch eine Lunge zu atmen, fing die neue Wahrnehmung an. Damit war auch die Blutbildung und die Tätigkeit des Ich im Inneren verbunden.

Ein Rest der Wirkung des Ich auf das Blut ist heute noch vorhanden, wenn wir in Angst erblassen oder in Scham erröten. Darin zeigt sich noch die unmittelbare Tätigkeit des Ich. Dies ist zurückgeblieben aus einer Zeit, in der das Ich auf das Blut mächtig wirkte. Heute äußert sich die innere Kraft des Ich nur in Gesten, im Erröten und Erblassen. Heute können die Menschen im Enthusiasmus mit den Händen gestikulieren, damals konnte das Blut durch den Impuls des Ich Organe aus dem Leibe herausgestalten: So entstanden zum Beispiel die Finger. Am Ende der atlantischen Zeit war der damalige Mensch dem heutigen schon ähnlich.“ (Lit.:GA 97, S. 137)

Das Ich wirkt physisch in der Blutzirkulation:

„Und dann kommen wir zur Blutzirkulation, zu den Ich-Kräften. So, wie das Ich und der astralische Leib wirksam sind bei all dem, was wir durch die Vererbung in der Generationenfolge haben, in der gleichen Weise sind sie nicht wirksam im Kopf des Menschen - vor allem nicht das Ich. Man kann sagen, das Ich ist sehr tätig im Kopf, wenn der Mensch wacht; aber es ist eigentlich niemals so, daß es im Kopfe eine solche innerliche Tätigkeit verrichtet wie im übrigen Leib, im Blute, und das Blut, das zum Kopf geht, ist ja auch vom übrigen Leib abhängig. Deshalb, sagte ich, kann man die Dinge nicht so trennen. Es spielt eines in das andere hinein. Aber dasjenige, was der Impuls des Blutes ist, kommt eben nicht aus dem Kopf, sondern es wird in den Kopf hineingedrängt. Das geht von dem Ich aus, insoferne es vom Leib abhängig ist.

Zeichnung aus GA 170, S. 69

So daß man wirklich sagen kann: Sehen wir uns den Kopf eines Menschen an, so ist das Hervorstechendste, das Wichtigste das, was herausgepreßt ist in den physischen Leib und in den Ätherleib. Sehen wir uns den übrigen Leib an, so ist das wichtigste das, was in ihm pulsiert und ihn erkraftet, das, was vom Ich kommt und vom astralischen Leib. Also, wenn Sie diesen Gegensatz nehmen, einerseits den Kopf und andererseits den übrigen Leib, so würden wir im Kopf hervorstechend haben: physischen Leib und Ätherleib, und relativ selbständig, das durchflutend, astralischen Leib und Ich. Im übrigen Leib würden wir Ich und astralischen Leib haben, die geradezu in den physischen Vorgängen drinnen wirken; und das übrige liegt eigentlich als unsichtbares Gerüst, als physisches und ätherisches Gerüst, das gewöhnlich gar nicht beachtet wird, zugrunde. Es ist wirklich das Ich physisch in unserer Blutzirkulation.“ (Lit.:GA 170, S. 69f)

Blut, Ich und Kohlenstoff

Eine besondere Beziehung hat das Ich zum Kohlenstoff im Blut. Das Welten-Ich wirkt insbesondere auf dem Umweg des Schwefels auf den beständig sich gestaltenden und umgestaltenden Kohlenstoff:

„Ein alter Spruch sagt in bezug auf den Menschen: «Blut ist ein ganz besonderer Saft», und man muß mit Recht sagen, daß das menschliche Ich im Blute pulsiert, auf physische Weise sich äußert. Aber eigentlich ist es im Genaueren gesprochen der webende, waltende, sich gestaltende und seine Gestalt wieder auflösende Kohlenstoff, auf dessen Bahnen, befeuchtet mit dem Schwefel, dieses Geistige des Menschen im Blute sich bewegt, das wir Ich nennen, und so wie das menschliche Ich als der eigentliche Geist des Menschen im Kohlenstoff lebt, so lebt wiederum gewissermaßen das Welten-Ich im Weltengeist auf dem Umwege durch den Schwefel in dem sich gestaltenden und immer wieder auflösenden Kohlenstoff. Es ist so, daß in früheren Epochen unserer Erdentwickelung der Kohlenstoff dasjenige war, was überhaupt abgeschieden worden ist. Erst später kam dann dasjenige dazu, was zum Beispiel das Kalkige ist, das der Mensch dann benützt, um als Unterlage nun auch ein Festeres zu schaffen, ein festeres Gerüste für sich zu scharfen. Damit dasjenige, was im Kohlenstoff lebt, bewegt sein kann, schafft der Mensch in seinem kalkigen Knochengerüste ein unterliegendes Festes, das Tier auch, wenigstens das höhere Tier. Damit hebt sich der Mensch heraus in seiner beweglichen Kohlenstoff bildung aus der bloß mineralischen, festen Kalkbildung, die die Erde hat, und die er auch sich eingliedert, um feste Erde in sich zu haben. Im Kalk in der Knochenbildung hat er die feste Erde in sich.“ (Lit.:GA 327, S. 67)

Absonderungen im Blut ermöglichen das Ich-Erlebnis

Es sind die Absonderungen, die den menschlichen Organismus in sich selbst erlebbar machen. Beständige Absonderungen im Blut ermöglichen erst das Ich-Erlebnis:

„Wenn Sie dasjenige Organ betrachten, welches wir als das Mittelpunktsorgan für den menschlichen Organismus ansehen müssen, das Blutsystem, wenn Sie sehen, wie auf der einen Seite das Blut immerfort durch Aufnehmen von Sauerstoff sich auffrischt, und wenn Sie auf der anderen Seite das Blutsystem als das Werkzeug des menschlichen Ich betrachten, so können wir sagen: Wenn das Blut unverändert durch den menschlichen Organismus hindurchgehen würde, so könnte es nicht das Organ des menschlichen Ich sein, das im eminentesten Sinne das Organ ist, welches den Menschen sich innerlich erlebbar macht. Nur dadurch, daß das Blut in sich selber Veränderungen durchmacht und als ein anderes wieder zurückkehrt, daß also Absonderungen geschehen von verändertem Blut, nur dadurch ist es möglich, daß der Mensch das Ich nicht nur hat, sondern es auch erleben kann mit Hilfe seines sinnlich-physischen Werkzeuges, des Blutes.“ (Lit.:GA 128, S. 100)

Blutarmut

Bei einer Anämie oder Blutarmut (umgangssprachlich auch Blutmangel) sinkt die Konzentration des roten Blutfarbstoffs, des Hämoglobins unter die alters- und geschlechtsspezifische Norm ab, wodurch die Sauerstoffversorgung des Organismus verringert wird. Das äußert sich in typischen Symptomen wie Atemnot, leichte Ermüdbarkeit und häufig auch Kopfschmerzen.

Die am meisten verbreitete Form der Anämie ist die auf dem Mangel an Eisen beruhende Eisenmangelanämie (früher auch als Chlorose[2] oder Bleichsucht bezeichnet)[3]. Ihre häufigsten Ursachen sind Mangelernährung und/oder Blutungen. Sie kann aber auch durch den erhöhten Eisenbedarf während des Wachstums entstehen, was insbesondere auch für die Pädagogik zu beachten ist.

„Bei den Mädchen sieht man ganz leise unter Umständen die Gesamtentwickelung nach der Chlorose, nach der Anämie gehen. Das Mädchen wird blutarm, wie man sagt, im Organismus, bleichsüchtig, anämisch. Das rührt wirklich davon her, daß in diesem 14., 15., 16. Jahre das Geistige herausgesondert wird aus der gesamten menschlichen Organisation; und dieses Geistige, das früher im ganzen Menschen drinnen wirkte, das regulierte das Blut. Jetzt ist das Blut sich selber überlassen. Da muß es ordentlich vorbereitet sein, damit es aus seiner eigenen Kraft heraus das Weitere besorgt. Bei den Mädchen tritt das ein, daß sie blutarm, bleichsüchtig werden, und man muß wissen, daß diese Bleichsucht dann kommt, wenn man nicht genügend Interesse erweckt hat mit den Anregungen, die man den Mädchen vorher gegeben hat. Wenn man die Aufmerksamkeit, das Interesse wach erhält, dann ist auch der ganze physische Organismus in der Tätigkeit, die durch das Menschenwesen selbst gefordert wird, und dann wird die Bleichsucht nicht in derselben Weise eintreten.

Bei den Knaben ist das Gegenteil der Fall. Bei den Knaben kommt eine Art Neuritis zustande, eine Art von zu viel Venenblut im Gehirn haben. Dadurch funktioniert gerade in diesen Jahren das Gehirn so, als ob es blutüberfüllt wäre. Bei den Mädchen hat man es mit Blutarmut im Leibe, im Körper zu tun, bei den Knaben mit einer Art Blutüberfüllung, leiser Blutüberfüllung, namentlich mit einer Art unrichtigern Arterien- und Venenblut, namentlich im Kopfe zu tun. Das rührt davon her, daß man die Knaben mit Eindrücken überreizt hat, Eindrücke so an die Knaben herangebracht hat, daß sie von Eindruck zu Eindruck eilen mußten und nicht zur Ruhe kommen konnten. Und man wird sehen, wie die Unarten bei den Vierzehn-, Fünfzehn-, Sechzehnjährigen eben durchaus so auftreten und im Zusammenhange stehen mit der ganzen physischen Entwickelung.“ (Lit.:GA 305, S. 150f)

Zu achten ist darauf, dass die Schüler nicht einseitig durch den nur auf das Äußere gerichteten abstrakten Intellekt belastet werden, denn das zieht Kräfte, die für die Ernährung wichtig sind, vom eigentlichen Stoffwechselsystem ab und lenkt sie nach dem Kopf. Zum Ausgleich sind geeignete Bewegungsspiele förderlich, die das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System in richtiger Weise anregen.

„Dasjenige, was dann hier noch besonders in Betracht kommt, ist, daß wir die Gesamtgesundheitsveranlagung des Kindes auch durch geistige Überbürdung beeinträchtigen. Wenn wir das Kind nicht in der richtigen Weise ins Bewegungsspiel hineinbringen, dann versorgen wir in schlechter Weise seinen Stoffwechselorganismus. Wenn wir das Kind namentlich mit denjenigen geistigen Dingen, die sich auf die äußere Welt beziehen, überbürden, dann rufen wir in dem Kinde einen übertriebenen Stoffwechsel im Kopfe selbst hervor. Der Mensch ist zwar ein dreigliedriges Wesen, aber alle einzelnen Betätigungen, die in einem Organsystem überwiegen, sind in einem gewissen Sinne auch in dem anderen Organsystem vorhanden. Und wenn wir den Menschen nicht mit spirituellen Sachen, sondern mit demjenigen, was die äußere Welt an ihrem Inhalte auf physischem Gebiete bietet, überbürden, dann lenken wir in einem gewissen Sinne die reguläre Verdauungstätigkeit von dem Stoffwechselsystem nach dem Kopfsystem ab, und dadurch rufen wir auf der anderen Seite wiederum eine Art von anormaler Betätigung des ganzen Verdauungssystems hervor.

Es können dadurch ganz ähnliche Erscheinungen, wiederum anämische Zustände, im geschlechtsreifen Alter eintreten.“ (Lit.:GA 303, S. 291f)

Blutsverwandtschaft

Die engen Blutsbande waren die Grundlage für das ehemalige gruppenseelenhafte Bewusstsein der Menschheit und die damit verbundenen alten hellseherischen Fähigkeiten. Bis in die ägyptische Zeit wurde die Nahehe gepflegt, um diese Fähigkeiten zu konservieren. Durch die Fernehe wurde das Blut immer weniger geeignet, zum sich Träger dieser alten Weisheit zu machen. Es wurde statt dessen immer mehr zum Werkzeug des Egoismus, damit aber auch für die Selbstständigkeit des Menschen.

Durch das Blut wurde es dem Menschen ermöglicht, sich immer mehr in das materielle Dasein einzuleben. Es musste aber der Zeitpunkt kommen, wo das überschüssige Blut und damit der überschüssige Egoismus geopfert werden musste. Das geschah durch das Opfer des Christus auf Golgatha.

Im Blut tobt ein fortwährender Kampf zwischen Leben und Tod. Der blaue Blutstrom ertötet in jedem Augenblick das Leben, das im roten Blut dahinströmt. Nur dadurch, indem sich das Blut ständig erzeugt und wieder vernichtet, kann sich unser Ich im physischen Dasein verankern. Das Blut vermittelt dem Menschen das Bewusstsein seines Ich, indem es nur für einen kurzen Moment physisch wird und dann wieder zurückschießt ins Geistige. In diesen Prozess greift Luzifer störend ein.

Lautformen im Blut des Menschen

Siehe auch: Luftlautformen

Untersuchungen des anthroposophischen Arztes Armin Husemann haben gezeigt, dass beim Sprechen auch charakteristische Lautformen in dem zum Herzen zurückströmenden venösen Blut gebildet werden.

„Hat das Kind gelernt, aufrecht zu gehen, so lernt es sprechen. Schließlich beginnt es zu begreifen, was es spricht, und lernt denken, auch ohne zu sprechen. Das Erwachen der Seele im Leib nimmt also den Weg aus den Beinen über die Atemgestaltung im Wort bis zur Gedankenbildung im Kopf - von unten nach oben. Dieser Weg der Ausatmung ist die Fortsetzung des venösen Blutweges, der aus den Füßen bis zum Herz von unten nach oben strömt und sich als Ausscheidungsweg von Kohlensäure und Wasser unmittelbar in die Ausatmungsluft bis zum Kehlkopf fortsetzt. Hier wird diese Luft zu Klang und Sprache geformt. Venöser Blutstrom, Ausatmungsluft und gestaltetes Wort sind drei Lebensprozesse der Sprachbildung.

80 % unseres Blutvolumens strömt in Venen, 20 % in Arterien. Während der arterielle Blutstrom vom Herzen rhythmisiert wird, fehlt dieser Puls im Venenblut. Dieses ist in seiner Strömung ganz von der Atmung abhängig. Hält ein Mensch in Wut die Luft an, so schwillt ihm die «Zornader» (Venen der Stirn- und Schläfenhaut also), weil das venöse Blut von der angehaltenen Atmung gestaut wird. Die Laute der Sprache sind verschiedenartig differenzierte Stauungen der Atmung, was besonders bei den Stoßlauten auffällt. Die Stoßlaute, aber auch andere Konsonanten und sogar die Vokale, stauen deshalb den venösen Blutstrom, formen die venöse Strömung. Mit der Doppler-Ultraschall- Untersuchung der großen Beinvenen kann man hörbar und in einer farblichen Codierung sichtbar machen, wie jeder Laut spezifisch gestaltend in den venösen Blutstrom eingreift...

Wir finden hier, nach innen gespiegelt, ein komplementäres Phänomen zu den Luftlautformen der Sprache: die Lautformen der Sprache im Blut. Eine künftige Forschung wird vielleicht nachweisen können, daß und in welcher Weise die Art der Sprache eines Menschen die feinere Säftezirkulation über den venösen Blutstrom und damit den Stoffwechsel der Organe, besonders der Leber, beeinflußt.“ (Lit.: Zinke, S. 75ff.)

Dass sowohl die gesprochene als auch die gehörte Sprache einen deutlichen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System hat, wurde von dem amerikanischen Psychologen und Physiologen James J. Lynch, der nach neuen Behandlungsmöglichkeiten für Bluthochdruck-Patienten suchte, 1985 in seinem Buch «The Language of the Heart» beschrieben. Zuvor schon hatte er erkannt, dass Bluthochdruck viel mehr von seelischen als rein physiologischen Faktoren abhängt (Lit.: Lynch 1983).

„Dies sollte dazu führen, dass wir eine völlig neue Behandlungsform entwickelten, die auf dem Verständnis der Verbindung zwischen menschlicher Kommunikation und dem Herz-Kreislaufsystem basiert. Denn Computertechnologie ermöglichte uns die Beobachtung, dass der Blutdruck deutlich ansteigt, sobald jemand zu sprechen beginnt, dass das Herz schneller schlägt und mikroskopisch kleine Blutgefäße in den äußersten Körperpartien sich ebenfalls verändern. Umgekehrt sinkt der Blutdruck gewöhnlich und die Herzfrequenz verringert sich - häufig bis unter das normale Ruheniveau-, wenn man dem Sprechen anderer zuhört oder sich in entspannter Weise intensiv auf seine Umgebung konzentriert.“ (Lit.: Lynch 1987, S. 16)

Ätherisation des Blutes

Hauptartikel: Ätherisation des Blutes

Dem hellsichtigen Blick zeigt sich, wie sich das Blut in seinen feinsten Teilen im Herzen beständig ätherisiert, d.h. wieder in den ätherischen Zustand übergeht, aus dem es sich ursprünglich verdichtet hat. Dieses ätherisierte Blut strömt fortwährend vom Herzen nach dem Kopf hin. Diese Herzätherkräfte durchdringen das Gehirn und strahlen sogar über den Kopf hinaus aus (bei genügender Stärke erscheint das dem imaginativen Blick in der Kopfaura als Heiligenschein). Nur durch diese Ätherkräfte sind wir überhaupt in der Lage, Gedanken zu fassen, die nicht völlig an die egoistischen Bedürfnisse des Organismus gebunden sind. Aristoteles hat das noch geahnt. Seit auf Golgatha das Blut des Christus vergossen wurde, kann sich die Christuskraft mit diesem Ätherstrom vereinigen.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. „In summary, an attempt has been made to review the current status of the pressure- propulsion model of circulation and highlight a number of inconsistencies which have been either explained away or tailored in order to fit its mold. According to the mechanistic (cardiocentric) model, the blood is considered an inert fluid, impelled along the vessels by the pressure gradient created by the heart. Experimental and phenomenological evidence presented in this monograph suggests exactly the opposite, namely, that the blood is a “fluid organ”, with self-movement as its inherent characteristic. Conceptually, autonomous movement of the blood is no different than autonomous contraction of the heart, the enterohepatic circulation of bile salts, or the circulation of cerebrospinal fluid ...

    ... the ontogenetic origin and morphology of the cardiovascular system indicate that it can be considered an organ, whose function is rhythmic mediation between the nerve–sense (form) and the metabolic poles of the organism. Its mobile component, the blood, fulfills this function ...“
    (Branko Furst: The Heart and Circulation, p. 217)
  2. Die „Chlorose“ war vom 16. bis 19. Jahrhundert auch ein eigenständiges, nicht unbedingt mit der Eisenmangelanämie zusammenhängendes Krankheitsbild; vgl. etwa I. Loudon: The Diseases Called Chlorosis. In: Psychol. Med. Band 14, 1984, S. 27–36.
  3. Horst Kremling: Zur Entwicklung der klinischen Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 233–261; hier: S. 249.