Digital Natives

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Digital Natives (dt.: digitale Eingeborene) werden Personen bezeichnet, die mit digitalen Technologien wie Computern, dem Internet, Mobiltelefonen und MP3-Player aufgewachsen sind. Als Antonym existiert der Begriff des Digital Immigrant (dt.: digitaler "Einwanderer“ oder digitaler Immigrant) für jemanden, der diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat.

"Mittlerweile wächst eine Generation von Digital Natives heran, die das Leben ohne Facebook und Smartphones gar nicht mehr richtig kennt. Ihr Kulturkonsum ist digital, was nicht bei Google zu finden ist, gibt es nicht. Ebenso wenig eine Trennung zwischen virtueller und realer Welt." (Lit.: Adrian Rosenthal, S. 6).

Vor dem Eintritt der Pubertät sollten Heranwachsende noch nicht dem Sog der auf Smartphones bzw. I-phones gebotenen Inhalte ausgesetzt werden. Es reicht aus über ein einfaches Mobiltelefon ohne Extras verfügen zu können, damit die Kommunikation mit Eltern und Freunden prinzipiell möglich ist.

"Rechtlich betrachtet kommen Kinder unter 13 Jahren als (Facebook)-Nutzer nicht in Frage, und selbst dann noch finden es viele Erwachsene generell unnötig oder immerhin zu früh. Schadet die Nutzung von Facebook unseren Kindern? Physisch betrachtet schränkt Technik uns ein: Sie mag unseren Aktionsradius erweitern, von außen gesehen führt sie einen Menschen nicht selten in einen Zustand der Erstarrung - oder, technisch gesprochen, in einen Standby-Modus -, ob im Auto, vor dem Computer, dem I-Pod/-Pad oder am Telefon. Wer jemals vor dem Fernseher sitzende Kinder betrachtet (oder gar gezeichnet hat), wird bemerkt haben, dass die vertrauten Gesichtszüge eines uns nahestehenden Menschen dann zuweilen wesensfremd wirken. Die Technik, insbesondere die Massenmedien, haben Auswirkungen auf unsere Vitalität. Dieses Phänomen existiert seit Langem, tritt heute aber vermehrt als kollektives Phänomen in Erscheinung. Der "gefrorene Blick" (so ein Buchtitel des Pädagogen und Medienforschers Rainer Patzlaff) hat das Wohnzimmer verlassen und findet sich gehäuft in der Öffentlichkeit - etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo Fahrgäste auf handtellergroße Bildschirmchen fixiert sind und damit in der Welt herumsegeln. Denn das, was sie innerlich erfahren, ist etwas anderes als das, was ihnen äußerlich entgegenkommt." (Lit.: Silke Kirch, S. 15).

"Die Facebook-Kultur, zu der die Smartphones gehören, sind Zeugungen von Faces, die die Über-Zeugungen durch Gesichter verstellen. Seit Gesichter als Faces reproduziert werden, ist die Fähigkeit, Gesicht zu zeigen, verschwunden. Und damit ist die Fähigkeit der individuellen Gestaltung der Lebensverhältnisse zusehends schwieriger geworden." (Lit.: Daniel Baumgartner, S. 7).

Menschen die mit dem Internet aufgewachsen sind haben eine andere Auffassung von Realität. Für sie sind menschliche Kultur und natürliche Umwelt häufig nur vermittels des "Lern"-Angebots im WorldWideWeb (www) relevant. Dies stellt die Erziehung vor völlig neuartige Herausforderungen. Ob diese Trends von der gegenwärtig praktizierten Pädagogik der Waldorfschule schon zur Genüge erkannt und problematisiert werden, das ist heute die Frage. Kinder benötigen von ihrem Himmelswesen her einen pädagogischen Freiraum ohne Medienkonsum (Lit.: Anton Kimpfler, S. 62ff).

"Intelligenz war noch in der ägyptisch-chaldäischen Zeit etwas Gutes, diese Intelligenz ist dann dasjenige geworden, was seine Verwandtschaft eingegangen hat mit den Kräften des Todes. Diese Intelligenz wird eine Verwandtschaft eingehen mit den Kräften des Irrtums, der Täuschung und des Bösen. Das ist etwas, worüber sich die Menschheit eigentlich keiner Illusion hingeben sollte. Die Menschheit sollte unbefangen damit rechnen, daß sie sich zu schützen hat gegen die einseitige Entwicklung der Intelligenz." (Rudolf Steiner, GA 296, S. 90).

Literatur

  • Rudolf Steiner: Die Erziehungsfrage als soziale Frage, GA 296, Dornach 1979
  • Anton Kimpfler: Kinder bringen die Welt weiter - Auch Erwachsene spielen eine entscheidende Rolle dabei, Vlg. Ch. Möllmann, Borchen 2016
  • Adrian Rosenthal: Gekommen um zu bleiben. In: SCHRAEGSTRICH. Mitgliederzeitschrift von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Ausgabe 02/12 (Juni 2012), S. 4 - 6
  • Silke Kirch: Steno für die Blaue Stunde. In: Zeitschrift INFO3, Oktober 2012, S. 14 - 18
  • Ernst Schuberth: Erziehung in einer Computergesellschaft. Datentechnik und die werdende Intelligenz des Menschen, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1990
  • Rainer Patzlaff: Medienmagie und die Herrschaft über die Sinne, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1988
  • Flensburger Hefte, Sonderheft Nr. 3: Computer - Medien, Flensburger Hefte Vlg., Flensburg 1988
  • Heinz Buddemeier: Von der Keilschrift zum Cyberspace. Der Mensch und seine Medien, Urachhaus Vlg., Stuttgart 2001
  • Clifford Stoll: Die Wüste Internet. Geisterfahrten auf der Datenautobahn, S. Fischer Vlg., Frankfurt a. M. 1996
  • Clifford Stoll: LogOut. Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien, S. Fischer Vlg., Frankfurt a. M. 2001
  • Christoph Möller (Hrsg.): Internet- und Computersucht. Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern, Kohlhammer Vlg., Stuttgart 2012
  • Heinz Buddemeier: Zwischen Wirklichkeit und virtuellem Wunderland. Über die problematischen Innenwirkungen von Computerspielen, Menon Vlg., Heidelberg 2011
  • Manfred Spitzer: Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, Droemer Vlg., München 2012
  • Andreas Neider: Aufmerksamkeitsdefizite. Wie das Internet unser Bewusstsein korrumpiert und was wir dagegen tun können, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2013
  • Stefan Bonner / Anne Weiss: Generation Doof. Wie blöd sind wir eigentlich?, Vlg. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 2008
  • Edwin Hübner: Imaginationen im virtuellen Raum. Technik und Spiritualität - Chancen eines neuen Jahrhunderts, Clavis Vlg., Frankfurt a. M. 2008
  • Andreas Neider (Hg.): Flucht in virtuelle Welten? Reale Beziehungen mit Kindern gestalten, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2010
  • Andreas Neider: Medienbalance. Erziehen im Gleichgewicht mit der Medienwelt - Ein Elternratgeber, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2008
  • Andreas Neider: Der <<elektronische Doppelgänger>>. In: Anthroposophie. Vierteljahresschrift zur anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Michaeli III/2012, Nr. 261, S. 193 - 204
  • Johannes Greiner: Den inneren Schatz befreien. In: Wochenschrift "Das Goetheanum" Nr. 6-7 vom 9.2.2013, S. 4 - 5
  • Georg Kühlewind: Sternenkinder: Kinder, die uns besondere Aufgaben stellen, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2009
  • Flensburger Hefte Nr. 109: Leere Seelen. Was treibt sie in den Amok?, Flensburger Hefte Vlg., Flensburg 2010
  • Christoph Möller: Computerspielsucht erkennen und behandeln. In: Erziehungskunst - Waldorfpädagogik heute, Nr. 11/2014, S. 19 - 20
  • Daniel Baumgartner: Verhüllung im digitalen Zeitalter. In: Das Goetheanum Nr. 7 vom 10. Februar 2017, S. 6 - 8
  • Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen, BOD, Norderstedt 2010

Weblinks