Fernehe

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„Das Blut wird vom Nervensystem beeinflußt. Erst indem die manasische Entwickelung weiterdringt, wird das Verhältnis zum Blut anders. In der Urzeit aller Völker haben wir die ganz besondere Erscheinung der sogenannten Nahehe. Wir haben die kleinen Volksgruppen, die alle innerhalb der Blutsverwandtschaft heiraten. Bei jedem Volke treffen wir aber den Übergang zur Fernehe, so daß eine intensive Blutmischung eintritt. Doch wird ein gemeinsamer Ahnherr verehrt, von dem sie alle abstammen, bei den deutschen Stämmen zum Beispiel der Stammvater Tuisto.

Die Sagen bewahren uns in getreuer Weise die Konflikte auf, die durch das Brechen der Sitte der Blutsverwandtenehe entstanden. In der Nahehe war Manas bloß in der Verstandesseele ausgebildet. Das wirkt auf das Blut durch die niederen Partien des Nervensystems. Wo die Fernehe kommt, wird die Möglichkeit des Erlebens dessen, was im unteren Nervensystem sitzt, durchbrochen: die hellseherische Gabe hört auf, und die Anschauung von außen beginnt. Wirklich, dem Menschen war die Empfindung für Gut und Böse in sein Blut gelegt. In der dritten Unterrasse hörte der moralische Instinkt auf, und das Gesetz trat an seine Stelle. Aus der Nacht des Unterbewußten ging der moralische Instinkt hervor. Die Versenkung in das sympathische Nervensystem ist nach erwachtem Vollbewußtsein nicht mehr möglich. Darum tritt das Gesetz auf, und ablösend für dieses das Christus-Licht, das so bestimmend für den einzelnen sein sollte wie der moralische Instinkt für die Rassengemeinschaft. Durch das Eingreifen der Buddhi tritt die entscheidende Wendung ein. Der moralische Instinkt hört auf mit der Fernehe, dann haben wir das mosaische Gesetz als Hüter der Moral, und endlich das Christentum, das Christus-Licht, die spirituelle Führung.

Was der moralische Instinkt für den einzelnen Stamm war, das ist die Buddhi oder das Christus-Prinzip für die ganze Menschheit. In Christus ist dieser Vorgang Fleisch geworden. Christus kam, als die Stammesblutsbande genügend gelockert waren, so daß der Stammesgott nunmehr zu einem Gott aller Menschen sich wandeln kann, Blutsbrüderschaft zur Pflicht gegen jeden Mitmenschen, Stammestreue zu Selbst- und Gottestreue erweitert werden konnte und sollte. Was das Sonnenlicht der Materie, was die intelligible Wahrheit dem Verstande, das ist das Christus-Licht in der Buddhi, der von oben kommenden Gnade. Durch Buddhi ist das Frühere nun nicht mehr maßgebend, weder der durch die Blutsbande gegebene Moralinstinkt noch das Priestergesetz, weder Moses noch überhaupt Stammesautoritäten, deren letzte Jehova war. Nun gilt der Satz: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter und Bruder um meinetwillen, der kann nicht mein Jünger sein.» Das heißt, wer nicht vergißt die alten Stammesprinzipien, und die Blutsliebe nicht auf alle Menschen überträgt, der kann nicht Christus nachfolgen.“ (Lit.:GA 94, S. 251f)

Wotan ist der Begründer der Fernehe. Bei den verschiedenen Völkern ist die Fernehe zu verschiedenen Zeiten eingeführt worden, aber es existiert ein eigenartiger Zusammenhang zwischen dem Übergang zur Fernehe und der Ausbildung des Verstandes. Es ist ein okkulter Satz, daß die Fernehe auf einen Teil des Ätherkörpers tötend wirkt: das Vorderhirn wird belebt, während das alte Hellsehen abgetötet wird, das durch Blutsverwandtschaftsehen wächst. Die Verwandtenehe wirkt heute schädigend auf die geistige Tätigkeit der Kinder, besonders auf das Sinnesorgan, das mit der Verstandesentwickelung zusammenhängt, das Auge. Daher gibt es so viele Blinde in Verwandtenehen. Nur durch die Fernehe wird das Gehirn verbessert. Diese physiologische Tatsache steht in engem Zusammenhang mit der Menschheitsentwickelung. Sie war notwendig, um das Erscheinen des Christentums vorzubereiten. Die Völker werden überhaupt erst reif für das Christentum, wenn sie die Verwandtschaftsliebe überwunden haben. Die alten EingeweihtenÄgyptens stammten immer aus der gleichen Familie innerhalb langer Generationen. Die ältere Weisheit war intuitiver Art, was um so deutlicher hervortritt, je weiter man die Menschheit zurückverfolgt. Das verstandesmäßige Überlegen hängt mit der Grundlage des Christentums zusammen.“ (Lit.:GA 97, S. 172f)

Literatur

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