Finger

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die menschliche Hand mit fünf Fingern.

Finger (lat. digitus Pl. digiti) sind Teile der Hand und werden anatomisch zu den Akren (von griech. ἄκρος akros „äußerst“), zu den am weitesten vom Rumpf entfernten, äußersten Körperteilen gezählt. Die menschliche Hand hat überlicherweise, außer bei der relativ seltenen Fehlbildung überzähliger Finger (Polydaktylie), fünf deutlich unterschiedliche Finger, nämlich Daumen (Pollex), Zeigefinger (Index), Mittelfinger (Digitus medius), Ringfinger (Digitus anularis) und kleinen Finger (Digitus minimus). Diese Fünfstrahligkeit ist auch bei den Tieren veranlagt. Während der Embryonalentwicklung sind die Finger anfangs noch durch Zwischenhäute (Interdigitalhäute, bei Tieren Schwimmhäute) verbunden, aus denen sie erst später durch Apoptose, also durch einen gezielten Zelltod, befreit werden. Mit Ausnahme des zweigliedrigen Daumens sind die Finger dreigliedrig. Der Daumen nimmt beim Menschen auch insoferne eine Sonderstellung ein, als er eine Oppositionsstellung zu den anderen Fingern erlaubt und damit der Hand eine besondere Geschicklichkeit und damit das spezifisch menschliche und zugleich schicksalsbildende Handeln ermöglicht. In den Fingerspitzen bzw. Fingerkuppen (auch Fingerbeeren), die alle an der Oberseite einen verhornten Fingernagel haben, ist der Tastsinn an der Vorder- und Unterseite besonders fein ausgebildet. Durch den Tastsinn spürt der Mensch sich selbst, d.h. sein Ich, an der Welt. Die Papillarleisten an den Kuppen verleihen dem menschlichen Fingerabdruck überdies eine einzigartige individuelle Gestalt.

„Ich habe zum Beispiel selten gesehen, daß einer, wenn er einen besonders feinen Stoff befühlen will oder so irgend etwas, daß er das auf die Schultern legt. Wenn das der Fall wäre, daß das vorteilhafter wäre, würden wir daher schon etwas machen, daß, wenn wir etwas Feines befühlen sollten, wir uns da oben auf der Schulter frei machen könnten und es befühlen könnten. Aber das hilft uns nichts. Wir befühlen es mit den Fingerspitzen. Und an den Fingerspitzen sind wir für das Gefühl von Sachen besonders empfindlich. Da haben Sie ja wieder dieselbe Sache. Wenn das Nervensystem dasjenige wäre, was eigentlich das Gefühl ausmacht, müßte man dort, wo man in der Nähe vom Gehirn ist, am meisten fühlen. Aber wir fühlen ja gar nicht in der Nähe vom Gehirn am meisten, sondern da, wo es vom Gehirn am weitesten weg ist, fühlen wir, gerade in den äußersten Fingerspitzen, weil das Ich am meisten an der Oberfläche des Körpers sitzt. Dasjenige, was der Mensch in seinem Innern als Ich ist, das kann man an der äußersten Oberfläche am besten erkennen.“ (Lit.:GA 352, S. 73f)

Bedeutsam sind die Finger auch für die Entwicklung unserer intellektuellen Fähigkeiten. Das Zählen ist primär keine Tätigkeit des Kopfes, des Gehirns, sondern wird mit dem ganzen Körper, insbesondere aber mit den Fingern erlebt und das Gehirn spiegelt diese Erlebnisse nur ab. Wenn wir als Erwachsener auch nicht mehr äußerlich mit den Fingern zählen, so tun wir es doch mit den Fingern des Ätherleibs.

Im Bereich der Finger ist der Ätherleib besonders reich differenziert ausgebildet und strahlt weit über die Finger hinaus. Diese ätherischen Fingerausstrahlungen variieren sehr stark mit der wechselnden Seelenstimmung um mit dem geistigen Entwicklungsgrad des Menschen und können auch heilende Wirkungen haben. Häufiges Händewaschen fördert nicht nur die taktile Sensitivität sondern vor allem auch die seelisch-geistige Feinsinnigkeit.

„Es gibt Menschen, die sich oft die Hände waschen, und es gibt solche, die waschen sich selten die Hände. Nun, in gewisser Beziehung ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den einen und den anderen. Der Mensch ist hinsichtlich seiner verschiedenen Körperteile tatsächlich ganz unterschiedlich vom Übersinnlichen durchdrungen. So sind zum Beispiel nicht Brust und Oberschenkel in gleicher Weise vom Ätherleib durchdrungen wie die Hände. Gerade von den Fingern aus gehen mächtige Strahlen des Ätherleibes. Weil das bei den Händen so ist, können wir gerade in den Händen ein wunderbar intimes Verhältnis zum äußeren Leben entwickeln. Die Menschen, die sich oft die Hände waschen, stehen in feinerer Beziehung zu ihrer Umgebung, sind in feinerer Weise empfänglich für ihre Umgebung, weil durch den im Blut materialisierten Geist die Wirkung ausgeübt wird, daß der Mensch in seinen Händen sensitiver wird. Dickhäuter in bezug auf die äußere Welt waschen sich nicht oft die Hände. Sehen Sie, wie wenig solche robusten Leute zugänglich sind für die Eigentümlichkeiten ihrer Mitmenschen, während die, welche sich öfter die Hände waschen, geistig in ein intimeres Verhältnis zur Umwelt treten. Würde ein Mensch versuchen, an einer anderen Stelle dasselbe bewirken zu wollen, zum Beispiel an den Schultern, so würde sich zeigen, daß er, wenn er diese auch so viel waschen würde, neurasthenisch werden würde. Was den Händen gesund ist, ist den Schultern nicht gesund. Der Mensch ist so organisiert, daß er dieses intime Verhältnis zur Umwelt durch die Hände einzugehen vermag.“ (Lit.:GA 127, S. 110)

„Wenn der Hellseher die Hände des Menschen ansieht, sind sie tatsächlich wunderbar verschieden von allen andern Gliedern, selbst vom Gesicht. Aus den Fingern gehen hervor und leuchten weit hinein in den umliegenden Raum strahlende Gebilde des Ätherleibes, die sich bald glimmend, schwach, bald stechend in den Raum hineinerstrecken. Je nachdem der Mensch froh oder betrübt ist, strahlen seine Finger verschieden aus, und anders strahlt der Handrücken aus und anders die innere Handfläche. Und für den, der geistig zu beobachten versteht, ist die Hand, allerdings mit ihrem Ätherteil und ihrem astralischen Teil, ein ganz wunderbares Gebilde. Alles aber in unserer Umgebung, wenn es auch Stoff ist, ist die Offenbarung des Geistes. Stoffliches ist so zum Geistigen zu denken wie Eis zum Wasser; es ist aus dem Geistigen herausgebildet. Wenn Sie wollen, sagen Sie, es ist verdichteter Geist. Treten wir also zu irgendeinem Stoffe in eine Beziehung, so treten wir zu dem Geistigen in dem Stoffe in eine Beziehung. Alle unsere Berührung mit dem Stoffe ist in Wahrheit, soweit es Stoffliches ist, Maya. In Wahrheit ist es der Geist, mit dem wir in irgendeine Beziehung kommen.

Die Art und Weise nun, wie wir mit dem Geiste im Wasser in Beziehung kommen, wenn wir unsere Hände waschen, ist so, daß man sagen muß, wenn man feinsinnig das Leben zu beobachten versteht, daß es einen großen Einfluß hat auf die Gesamtstimmung des Menschen, wie oft er sich die Hände wäscht. Es gibt Naturen, die eine gewisse Vorliebe dafür haben, sich die Hände zu waschen; die können gar nicht anders, wenn irgendein Schmutz an den Händen sein könnte, als ihn wegzuwaschen. Das sind diejenigen Naturen, die in einer ganz bestimmten Weise eine gewisse Beziehung haben - oder bekommen - namentlich zu ihrer Umgebung. Die beschränkt sich dann nicht bloß auf das Stoffliche, sondern es ist, wie wenn feine Kräfte im Stoffe anfingen auf den Menschen zu wirken, wenn er so die geschilderte Beziehung zwischen seinen Händen und dem Element des Wassers herstellt. Solche Menschen werden uns schon im Leben zeigen, daß sie in einer gewissen Weise - und zwar im gesunden Sinne - sensiblere, sensitive Naturen werden, feiner beobachten zum Beispiel, wenn ein Mensch mit brutalem Sinn oder mit gutem Gemüt in ihrer Nähe steht, während Menschen, welche Schmutz an ihren Händen dulden, tatsächlich auch im Leben gröbere Naturen sind und in der Tat zeigen, daß sie zwischen sich und den intimeren Beziehungen in ihrer Umgebung etwas wie Wände aufrichten. Es ist das so, und Sie können es selbst, wenn Sie wollen, ethnographisch beobachten. Gehen Sie durch die Länder und versuchen Sie die Menschen zu beobachten. Es gibt die Möglichkeit zu sagen, es werden da oder dort mehr die Hände gewaschen. Untersuchen Sie, wie die Beziehungen zwischen den Menschen sind, wie ganz anders Freund zum Freunde, Bekannter zum Bekannten steht in Gegenden, wo die Hände mehr gewaschen werden, als in Gegenden, wo die Menschen eine Mauer aufrichten dadurch, daß sie weniger oft die Hände waschen.“ (Lit.:GA 124, S. 139f)

Die ätherischen Hände und Finger sind viel geschicktere Organe, um das das Geistige zu erfassen, als das Gehirn.

„Den physischen Händen entsprechen elementarische Teile. Aber abgesehen davon, daß in den Händen, in den Bewegungen das zum Ausdruck kommt, was dem elementarischen Teile entspricht, sind diese ätherischen Organe innerhalb des Ätherleibes wahrhaftige Geistorgane. Ein höheres, viel intuitiveres, geistigeres Tun wird verrichtet in den Organen, die in den Händen und ihren Funktionen zum Ausdruck kommen, als durch das Äthergehirn. Wer auf diesem Gebiete Fortschritte gemacht hat, wird sagen: Ja, das Gehirn, auch das ätherisch zugrunde liegende, ist eigentlich das ungeschickteste geistige Organ, das der Mensch an sich trägt. Denn sobald man sich betätigt in dem elementarischen Teile des Gehirns, hat man verhältnismäßig sehr bald diesen Fremdkörper des Gehirns zu spüren. Diejenigen geistigen Verrichtungen aber, die gebunden sind an die Organe, die den Händen zugrunde liegen und einen unvollkommenen Ausdruck in den Händen und ihren Funktionen gewinnen, dienen zu weit höherem, geistigerem Erkennen und Beobachten; diese Organe führen schon in übersinnliche Welten und können sich beschäftigen mit der Wahrnehmung und mit der Orientierung in den übersinnlichen Welten. Drückt man als geistiger Schauer einen solchen Tatbestand aus, so muß man - etwas paradox, aber eben zutreffend - sagen: Das menschliche Gehirn ist das ungeschickteste Organ als Forschungsorgan für die geistige Welt, und die Hände - was ihnen geistig zugrunde liegt - sind viel interessantere, viel bedeutungsvollere Organe für die Erkenntnis dieser Welt, vor allen Dingen viel geschicktere Organe als das Gehirn. Auf dem Wege zur Initiation lernt man gar nicht sonderlich viel, wenn man von dem Gebrauch des Gehirnes zum freien Gebrauch des elementarischen Gehirnes vordringt. Der Unterschied ist nicht besonders groß zwischen dem, was man erreicht durch ein geläutertes intuitives Gehirndenken und durch ein reguläres geistiges Erarbeiten in dem elementarischen geistigen Ebenbild des Gehirns. Aber ins Große wächst der Unterschied zwischen dem, was in der Welt die Hände verrichten, und dem, was mit demjenigen elementarischen Teile zu verrichten ist, der ebenso geistig zugrunde liegt den Händen wie das ätherische Gehirn dem physischen. Und nicht viel braucht man auszubilden auf dem Wege zur Initiation in bezug auf das, was dem Gehirn entspricht, denn das ist kein besonders wichtiges Organ. Aber was den Händen zugrunde liegt, das hängt zusammen - wie Sie es beschrieben finden in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» - mit der Tätigkeit der Lotosblume in der Herzgegend, die aber dann ihre Kraftstrahlen so ausstrahlt, daß sie die Organisation bilden, welche in unvollkommener Weise auf der Stufe, auf welcher der Mensch als physischer Mensch steht, in den Händen und ihren Funktionen dasteht. Wenn man zu einer solchen Sache aufrückt und sich eine Vorstellung machen kann von dem großen Unterschied, der besteht zwischen dem bloßen Gebrauch der physischen Hände und demjenigen, was man sich erarbeitet in bezug auf eine übersinnliche Welt durch die viel geschickteren elementarischen Organe, welche den Händen zugrunde liegen, als es die elementarischen Organe des Gehirnes sind, dann bekommt man einen lebendigen Begriff von dem Sich-Hineinleben in die Initiation, von dem Reicherwerden des Menschen.“ (Lit.:GA 138, S. 35f)

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.