Finnische Sprache

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Finnisch (Eigenbezeichnung suomi ˈsuomi oder suomen kieli) gehört zum ostseefinnischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen, die eine der beiden Unterfamilien des Uralischen darstellen. Damit ist es entfernt mit dem Ungarischen und eng mit dem Estnischen verwandt. Finnisch ist neben Schwedisch eine der beiden Amtssprachen in Finnland mit etwa 4,9 Millionen Muttersprachlern (89 % der Bevölkerung, im Jahr 2015)[1]. Daneben ist es eine der Amtssprachen in der EU. In Schweden, wo es von ca. 300.000 Menschen gesprochen wird, ist Finnisch als offizielle Minderheitensprache anerkannt. Außerdem gibt es kleinere finnischsprachige Minderheiten im nordnorwegischen Fylke Finnmark, in der nordwestrussischen Republik Karelien und in Estland.

Das Finnische unterscheidet sich als finno-ugrische Sprache erheblich von den indogermanischen Sprachen, zu denen der Großteil der in Europa gesprochenen Sprachen gehört. Der jahrhundertelange Sprachkontakt hat aber etwa im Gebiet der Syntax und des Wortschatzes zu einer gewissen Annäherung des Finnischen an die umliegenden indogermanischen Sprachen geführt. Zu den Besonderheiten der finnischen Sprache gehören der agglutinierende Sprachbau, die große Anzahl (15) an Kasus, eine komplexe Morphophonologie (Vokalharmonie, Stufenwechsel), das Fehlen des grammatikalischen Geschlechts und ein konsonantenarmer Lautbestand.

Sprachverwandtschaft

Das Finnische gehört zur Familie der finno-ugrischen Sprachen. Während die meisten in Europa gesprochenen Sprachen der indogermanischen Sprachfamilie angehören, zählen zu den finno-ugrischen Sprachen neben dem Finnischen nur die estnische, samische und die ungarische Sprache sowie eine Reihe von im europäischen Russland und in Nordsibirien gesprochenen Sprachen.

Die Verwandtschaft zwischen den verschiedenen dieser Familie angehörigen Sprachen lässt sich vielfach vor allem über die Sprachstruktur nachweisen, während der Wortschatz zuweilen nur noch wenige Ähnlichkeiten aufweist. So sind die Urformen des Finnischen und Ungarischen schon seit vielen Jahrtausenden getrennt, und die Verwandtschaft ist nicht näher als die Beziehung verschiedener indogermanischer Sprachen wie etwa Deutsch und Persisch.

Die finno-ugrischen Sprachen bilden zusammen mit der kleinen Gruppe der samojedischen Sprachen die uralische Sprachfamilie. Zusammen mit dem Estnischen, dem Ischorischen, dem Karelischen, dem Livischen, dem Võro, dem Wepsischen und dem Wotischen bildet das Finnische die Gruppe der ostseefinnischen Sprachen.

Geschichte

Frühgeschichte

Die uralischen Sprachen werden von Sprachwissenschaftlern auf eine gemeinsame uralische Ursprache zurückgeführt, die zunächst in die samojedische und die finno-ugrische Ursprache zerfiel. Letztere spaltete sich sodann in die finno-permische und die ugrische Ursprache auf. Die finno-permische Ursprache brachte durch weiteren Zerfall die frühesten Urformen des Ostseefinnischen hervor, von welchen sich wiederum die samische Sprache abspaltete.

Die Zeiträume dieser Entwicklungsvorgänge, deren Rekonstruktion in erster Linie auf der Analyse von Wortschatz und Sprachstruktur der heutigen Sprachen beruht, lassen sich nur mit großer Schwierigkeit bestimmen. Es wird jedoch angenommen, dass die Absonderung der samischen Sprache vom frühen Finnischen spätestens um 1000 v. Chr. abgeschlossen war. Das Finnische stand bereits in prähistorischer Zeit mit germanischen und baltischen Sprachen im Kontakt und übernahm aus ihnen zahlreiche Lehnwörter.

Obwohl die Bewohner des heutigen Finnlands durchweg finno-ugrische Sprachen sprachen, entwickelte sich eine gemeinsame finnische Sprache erst in der Neuzeit. In der vorangegangenen Zeit spalteten sich die Bewohner Finnlands im Wesentlichen in drei Hauptstämme auf, die sprachlich wie kulturell erhebliche Unterschiede aufwiesen. Im Südwesten lebte die später als die „eigentlichen Finnen“ (varsinaissuomalaiset) bezeichnete Bevölkerungsgruppe. In dieser Region hatten sich germanischstämmige Zuwanderer aus Skandinavien mit der Bevölkerung vermischt und viele germanische Lehnwörter mitgebracht. Im Osten lebten die Karelier und in den Wäldern des Binnenlandes die Hämeer, die sich anfangs wahrscheinlich noch nicht stark von den Samen unterschieden. Aus einer Vermischung der letztgenannten Bevölkerungsgruppen entstand später, aber noch vor dem Mittelalter, der Savo-Dialekt.

Entwicklung der Schriftsprache

Abckiria, das älteste Werk in finnischer Sprache

Die Entstehung einer einheitlichen finnischen Sprache, insbesondere der finnischen Schriftsprache, wurde begünstigt durch die Reformation. König Gustav Wasa brach 1524 die Beziehungen zur katholischen Kirche ab und ordnete die Übernahme der lutherischen Lehren an. Zu diesen gehörte, dass das Wort Gottes in der Sprache des Volkes verkündet werden müsse. In der Folge begannen die Pfarrer, die notwendigen liturgischen Texte auch schriftlich aufzuzeichnen.

Die Veröffentlichung der ersten gedruckten Texte in finnischer Sprache geht auf das Werk des späteren Bischofs Mikael Agricola zurück. Der Schüler Martin Luthers begann bereits während seiner Studienzeit mit der Übersetzung religiöser Texte, insbesondere des Neuen Testaments. Das erste gedruckte finnische Buch war die spätestens 1543 veröffentlichte „Fibel“ Abckiria, die sich in erster Linie an Geistliche richtete und einen Katechismus enthielt. Die finnische Übersetzung des Neuen Testaments erschien 1548.

Agricola schuf eine Rechtschreibung auf Grundlage des Lateinischen, Deutschen und Schwedischen und legte die Grundlagen für eine finnische Schriftsprache. Er benutzte dabei in erster Linie den in der Gegend von Turku gesprochenen Dialekt, der damit auch zur Grundlage der sich entwickelnden gemeinsamen finnischen Sprache wurde.

Von der Bauernsprache zur Kultursprache

Auch nach der Schaffung einer Schriftsprache blieb die schriftliche Verwendung des Finnischen über Jahrhunderte rudimentär. Ab dem 16. Jahrhundert wurden auch Gesetze teilweise auf Finnisch geschrieben, ein finnischsprachiges kulturelles Leben gab es jedoch nicht: Im zu Schweden gehörenden Finnland war Schwedisch die Sprache der Verwaltung, der Bildung und der Kultur.

Erst nachdem Finnland 1809 als Großfürstentum Finnland unter die Herrschaft des russischen Zaren gekommen war, begann sich ein finnisches Nationalbewusstsein zu entwickeln. Es formierte sich eine als „Fennomanen“ bezeichnete Bewegung, die die finnische Sprache zur Kultursprache entwickeln wollte. Im frühen 19. Jahrhundert fehlten der Sprache hierfür aber noch alle Voraussetzungen. Die Grammatik war nie systematisch erfasst worden, und der Wortschatz spiegelte das Alltagsleben der bäuerlichen Landbevölkerung wider, entbehrte aber fast aller für Verwaltungs- und Kulturzwecke erforderlichen Vokabeln.

Das 1835 von Elias Lönnrot veröffentlichte Nationalepos Kalevala bestärkte die Rolle der finnischen Sprache. Durch die Aktivitäten der Fennomanen entstand eine finnischsprachige Literatur und Presse. Viele, muttersprachlich meist schwedischsprachige Angehörige der gebildeten Oberschicht arbeiteten an einer Weiterentwicklung der finnischen Sprache. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Wörter geschaffen, die in der finnischen Sprache bis dahin nicht existiert hatten. Den Idealen der finnischen Nationalbewegung folgend, wurden die neuen Wörter dieser Zeit fast ausnahmslos nicht durch Lehnwörter, sondern gänzlich neu gebildet, oft durch Abwandlungen alter finnischer Wörter.

Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnene Aufbau eines finnischsprachigen Schulwesens führte bis zur Jahrhundertwende dazu, dass sich eine gebildete finnischsprachige Bevölkerungsschicht entwickelte. Bis zum zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hatte sich Finnisch zu einer vollwertigen Kultursprache entwickelt, die im Wesentlichen dem heutigen Finnischen entspricht.

Siehe auch

Literatur

Grammatiken

  • Fred Karlsson: Finnische Grammatik. Autorisierte Übersetzung aus dem Finnischen von Karl-Heinz Rabe, bearbeitet von Cornelius Hasselblatt und Paula Jääsalmi-Krüger, 4. Auflage. Buske, Hamburg 2004, ISBN 3-87548-203-4.
  • Eva Buchholz: Grammatik der finnischen Sprache. 4., korrigierte Auflage. Hempen, Bremen 2012, ISBN 3-934106-40-4.
  • Martin Putz: Finnische Grammatik. Praesens, Wien 2002, ISBN 3-7069-0128-5. Durchgesehene Auflage 2008 neu erschienen bei: www.lulu.com, ISBN 978-1-4092-0343-8 (mit zahlreichen diachronen Erklärungen).
  • Hans Fromm: Finnische Grammatik. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1982, ISBN 978-3-8253-3108-5 (Karton) oder ISBN 978-3-8253-3109-2 (Leinen).

Lehrbücher

Sprachführer

  • Hillevi Low: Finnisch – Wort für Wort (Kauderwelsch Band 15). 10. Auflage. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 3-89416-014-4.

Weblinks

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 Wiktionary: Finnisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kategorie:Finnisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Finnisch – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikivoyage: Finnisch – Reiseführer (suomi)
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Einzelnachweise

  1. Tilastokeskus


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