Frömmigkeit

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Frömmigkeit (von ahd. fruma, froma „Nutzen, Vorteil“; mhd. vrum, vrom), wenn sie aus ehrlichem Herzen kommt, besteht in einer ehrfurchtsvoll verehrenden Haltung gegenüber den Geheimnissen der geistigen Welt. Echte Frömmigkeit ordnet die Kräfte des Ätherleibs in rechter Weise und gibt dadurch dem Menschen Lebenssicherhait. Diese Kräfte prägen sich auch dem physischen Leib ein und werden mit dem Tod der Erde übergeben und helfen diese aufzubauen.

"Weisheit gibt dem Astralleib das, wodurch wir immer mehr über die hemmenden Kräfte hinwegkommen. Frömmigkeit regelt die Kräfte und die richtige Gliederung des Ätherleibes. Was aber so in unseren Leib hineinströmt dadurch, daß wir von unserem Zusammenhang mit dem Ewigen wissen, das ist Lebenssicherheit, und sie teilt sich bis in die Kräfte des physischen Leibes uns selber mit. Wenn wir diese besitzen, dann weichen von uns Maja, Illusion und Täuschung. Illusion ist es, wenn jemand sagt: Unser physischer Leib zerfällt bei unserem Tode nur in Erdenstaub. - Nein. Wie der physische Leib einmal zusammengefügt war, wie der Mensch ihn geformt hat, ist nicht gleichgültig. Wenn eine solche Sicherheit im Ewigen diesen physischen Leib durchzieht, dann geben wir der Erde das zurück, was wir als Sicherheit des Lebens uns angeeignet haben. Wir befestigen unseren Erdenplaneten mit dem, was wir uns während unseres Lebens erwarben. Unsere Lebenssicherheit geben wir durch den physischen Leib der Welt. In dem zerfallenden physischen Leib ist das Zerfallende nur Maja. Wer den physischen Leib durch den Tod verfolgt, sieht, daß der Grad von Lebenssicherheit, den der Mensch während des Lebens erworben hat, in unsere Erde hineinfließt.

So befestigen wir im Astralleib, im Ätherleib und im physischen Leib durch Weisheit, Frömmigkeit und Lebenssicherheit dasjenige, was wir als Mensch als unser Bestes erarbeiten können für die ganze Evolution unserer Erde. So arbeiten wir an unserem Erdenplaneten, erwerben wir uns aber auch ein Gefühl dafür, daß der Mensch nicht einzeln, isoliert dasteht, sondern daß das, was er erarbeitet in seiner Seele, Wert und Bedeutung für das Ganze hat. Und wie kein Sonnenstäubchen ist, das die Gesetze des Weltalls nicht in sich trägt, so ist kein Mensch, der nicht durch das, was er tut und läßt, das Weltall aufbaut und zerstört. Wir können ebensoviel dem fortschreitenden Weltprozeß geben, wie wir ihm nehmen, wie wir von ihm herausbröckeln können dadurch, daß wir uns nicht um den Werdegang kümmern, daß wir uns nicht mit Frömmigkeit durchdringen, uns nicht Lebenssicherheit erwerben. Durch diese Unterlassungen wirken wir ebenso an der Zerstörung des Planeten mit, wie wir durch die Aneignung von Weisheit, Frömmigkeit und Lebenssicherheit ihn aufbauen." (Lit.: GA 127, S. 84f)

"Die Frömmigkeit bringt Ordnung in die ungezügelte Leidenschaft. Sie gestaltet sie zur Harmonie, zur Schönheit. Die Frömmigkeit war der fehlende Balken an dem Tempel Salomonis, der die beiden Säulen verbinden sollte. Der mußte erst gefunden werden, ehe der Tempel errichtet werden konnte. Erst nachdem der Mensch die Frömmigkeit, die Hingabe an das Höhere erlangt hatte, konnte die Menschheit zur Vollendung geführt werden. Diese Hingabe an das Höhere konnte er erst lernen durch das Hindurchgehen durch das Ich-Bewußtsein und die Verfestigung in der physischen Welt. Die Frömmigkeit führt ihn auch dazu, das Meisterwort zu finden, welches ihn zur Vollendung führt. Nachdem er durch Frömmigkeit seinen Astralkörper in Harmonie gebracht hat, hat er das Meisterwort erlangt, die Weisheit, mit der er seinen Ätherkörper zu einem ewigen umgestaltet, zu dem tönenden Wort, welches produktiv ist." (Lit.: GA 265, S. 403)

"Aus der Leidenschaft der Kainssöhne sind alle Künste und Wissenschaften entstanden, aus der Abel-Seth-Strömung alle abgeklärte Frömmigkeit und Weisheit, ohne Enthusiasmus.

Diese zwei Typen waren immer vorhanden und das hat sich so fortgeführt bis zur vierten Unterrasse unserer Wurzelrasse. Dann kam die Begründung des Christentums. Dadurch wurde die frühere Frömmigkeit, die nur eine Frömmigkeit von oben war, eine Frömmigkeit, die vollständig kamafrei war. Sie wurde getaucht in das Element, das eben durch Christus auf die Erde kam. Christus ist nicht bloß die Weisheit, er ist die inkarnierte Liebe: ein hohes göttliches Kama, das zu gleicher Zeit Buddhi ist; ein rein flutendes Kama, das nichts für sich will, sondern alle Leidenschaften in unendlicher Hingabe nach außen richtet, ein umgekehrtes Kama ist. Buddhi ist umgekehrtes Kama.

Dadurch bereitet sich innerhalb des Typus der Menschen, die fromm sind, innerhalb der Söhne der Weisheit eine höhere Frömmigkeit vor, die nun allerdings enthusiastisch sein kann. Das ist christliche Frömmigkeit. Sie wird zunächst veranlagt in der vierten Unterrasse der fünften Wurzelrasse. Diese ganze Strömung ist aber noch nicht in der Lage, sich mit den Kainssohnen zu verbinden. Sie sind zunächst noch Gegner. Würde nämlich das Christentum unbedingt schnell alle Menschen ergreifen, so würde es sie zwar mit Liebe erfüllen können, aber das einzelne menschliche Herz, das individuelle menschliche Herz wäre nicht dabei. Es wäre keine freie Frömmigkeit, es wäre nicht das Gebären des Christus in sich selbst als Bruder, sondern bloß als Herrn. Dazu müssen noch durch die ganze fünfte Unterrasse hindurch die Kainssöhne wirken. Sie wirken in ihren Initiierten und bauen den Tempel der Menschheit, aufgebaut aus weltlicher Kunst und weltlicher Wissenschaft." (Lit.: GA 093, S. 63)

"Der also modern Initiierte weiß, daß das Pauluswort eine tiefe Wahrheit hat: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Den Christus in mir finde ich, wenn ich tief genug in meine Menschheit hineinsteige.

Dann aber braucht der Eingeweihte nicht etwa lauter Eingeweihte zu machen, um Christen zu machen, sondern dann findet er die Möglichkeit, mit dieser Christus-Erkenntnis ausgerüstet, die neuen Wege auch für die primitive, einfache Frömmigkeit zu finden. Diese einfache, primitive Frömmigkeit kann den Christus finden. Die Wege der heutigen Frömmigkeit, sie müssen allerdings etwas anders sein, wie die Wege der alten, zu den Füßen des Guru geoffenbarten Frömmigkeit. Diese muß eine innerliche sein, denn nicht mehr soll der Mensch den Strom seines Empfindens für das Göttliche hinaufsenden in eine übersinnliche Welt, er soll in sich hineindringen, um den Christus, der seit dem Mysterium von Golgatha lebendig auf der Erde lebt, in sich zu finden. Und wenn der einfache Fromme sich heraufrankt dadurch, daß ihm gesagt werden kann aus anthroposophischer Geisteswissenschaft heraus: Es ist keine Illusion, daß du, wenn du tief genug in dich hineindringst, den Christus findest, der ist keine Illusion, der ist in deinen Tiefen, weil er in deine eigenen Tiefen heruntergestiegen ist durch den Tod auf Golgatha -, dann weiß der anthroposophische Geisteswissenschafter, wenn er also zu dem einfachen Frommen spricht, daß er eben eine Wahrheit sagt, daß er ihm nicht nur etwas sagt zum Ausbilden der Gefühle, sondern daß er ihm ein Ziel zeigen kann, das auch der einfache Fromme finden kann. Und so können die modernen Wege von dem einfachen Frommen gegangen werden. Während es sich früher darum handelte, daß an der Guruverehrung und Guruachtung sich entwickelten die durchsichtigen Gedanken, das göttliche Tönen des Mantram, sich die Opfergeste entwickelte, so soll derjenige, der im modernen Sinne seinen Weg zu Christus finden will, vor allen Dingen Verinnerlichung der Seele finden. Er soll lernen können, in sein Inneres hineinschauen, um auch dann noch in seinem inneren Gefühl, in seinem inneren Erleben etwas zu haben, wenn er die Blicke abwendet von der äußeren Welt. Und er soll da finden können diejenige Kraft, die ihn durch die Pforte des Todes führt, indem er hier auf Erden mit ihr bekannt wird in der Hingebung an den Christus und das Mysterium von Golgatha." (Lit.: GA 218, S. 219f)

"Wenn ein Exoteriker, der nichts von Theosophie weiß, ein Gebet spricht, zum Beispiel das Vaterunser, so hat er leicht gleich bei den ersten Worten das Gefühl der Wärme, von warmer Frömmigkeit; das kommt aber aus einem persönlichen Gefühl heraus. Der Esoteriker wird bei seinem Gebet zuerst ein Gefühl der Kälte empfinden; nichts Persönliches darf er in sein Gebet hineintragen, nur den geistigen Inhalt desselben muß er wirken lassen. Die innere, wirkliche Wärme kommt dann aus dem Geistigen selbst heraus, nicht aus dem Persönlichen." (Lit.: GA 266c, S. 257f)

Frömmigkeit zeigt sich in der Aura in blauen und blau-violetten Farbtönen:

"Rosenrot deutet auf wohlwollende, liebevolle Wesenheit hin; blau ist hier das Zeichen von Frömmigkeit. Je mehr sich die Frömmigkeit der religiösen Inbrunst nähert, desto mehr geht das Blau in Violett über. Idealismus und Lebensernst in höherer Auffassung sieht man als Indigoblau." (Lit.: GA 034, S. 126)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Lucifer – Gnosis, GA 34 (1987), ISBN 3-7274-0340-3 html
  2. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende , GA 93 (1991), ISBN 3-7274-0930-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Mission der neuen Geistesoffenbarung, GA 127 (1989), ISBN 3-7274-1270-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus, GA 218 (1992), ISBN 3-7274-2180-0 {{Vorträge|218}
  5. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band III: 1913 und 1914; 1920 – 1923, GA 266c (1998), ISBN 3-7274-2663-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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