Geld

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Geld ist im Wesentlichen eine Funktion und kann daher verschiedene äusserliche Formen annehmen, wie z.B. Metallmünzen und Papiernoten, Gold und elektronisches Buchgeld. Dies lässt sich aus der Entstehung von Geld leicht nachvollziehen. Wir beziehen uns im Folgenden auf Geld wie es üblicherweise als Bargeld und Buchgeld in einer modernen, arbeitsteiligen Wirtschaft vorhanden ist. Um Geld ganz verstehen zu können, muss man es sich beweglich vorstellen können als lebendige Begriffe. (Lit.:GA 340, S. 202) Geld nimmt im Laufe der Zeit verschiedene funktionelle Zustände ein, die Rudolf Steiner als Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld bezeichnete. (Lit.:GA 340, S. 176)

Kaufgeld

Wenn man Geld gegen eine Ware tauscht, dann hat das Geld in diesem Augenblick Kaufgeld-Charakter. (Lit.:GA 340, S. 172) Im Wesentlichen ist dann Geld ein Tauschvermittler. (Lit.:GA 340, S. 173) Es vermittelt den Tausch von wirtschaftlichen Leistungen zwischen Menschen. (Lit.:GA 23, S. 130) Es ist eigentlich ein reiner Wertmesser der Waren und Dienstleistungen, die in einer Wirtschaft zirkulieren. (Lit.:GA 23, S. 132) Der Wert des (Kauf-) Geldes ergibt sich in diesem Fall aus dem volkswirtschaftlichen Wert der Ware. (Lit.:GA 340, S. 174)

Leihgeld

Geld ermöglicht, dass es zu Geldkapital zusammengesammelt und als Kredit einem Menschen verliehen werden kann. (Lit.:GA 340, S. 60) In der Folge kann dieser Mensch ein Unternehmen gründen bzw. eine Idee verwirklichen. Der Wert des (Leih-) Geldes ergibt sich in diesem Fall aus dem Geist des Unternehmers, d.h. ob der Schuldner das Geldkapital wirtschaftlich erfolgreich einsetzen kann oder nicht. (Lit.:GA 340, S. 176) Die Entstehung von Leihgeld, d.h. Geld, welches die Funktion von Geldkapitalbildung ermöglichte, stellt sich als einen zwingenden Entwicklungsschritt in der Geschichte dar, damit der Mensch mit seinem Geist (Synonym (vereinfacht): Intelligenz) in das Wirtschaftsleben ergreifen konnte. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass Geld notwendig war, um den Entwicklungsschritt hin zur modernen, arbeitsteiligen Wirtschaftsweise zu ermöglichen. (Lit.:GA 340, S. 58)

Schenkungsgeld

Schenkungsgeld ergibt sich aus der Tatsache, dass die Warenwerte verderblich sind und damit Geld als Warenäquivalent auch „sterben“ bzw. seinen Wert verlieren muss. (Lit.:GA 340, S. 176)

Zeitlicher Zusammenhang

Mit der Erzeugung von Waren entsteht parallel dazu Kaufgeld, welches dann in Leihgeld übergeht, um dann später als Schenkungsgeld aus dem wirtschaftlichen Kreislauf zu verschwinden. (Lit.:GA 340, S. 202) Selbstverständlich muss das Verschwinden wieder verknüpft sein mit der erneuten wirtschaftlichen Leistung und der Erneuerung (Neuausgabe) von Geld. (Lit.:GA 340, S. 182)

Wertentstehung von Geld selbst

Die Wirklichkeit ist, dass Geld mit der Zeit an Wert verliert, weil Geld wie eine Parallelströmung zur Warenströmung ist. Deshalb ist frisches, „junges“ Geld wertvoller als „altes“ Geld. (Lit.:GA 340, S. 180) Diese Tatsache ist heute aber scheinbar nicht sichtbar, weil dem Geld kein Alterungsmechanismus eingebaut ist. Die Geldalterung ist eine Wirklichkeit, die technisch umgesetzt werden muss, um ungesunde Störungen des Wirtschaftslebens zu beheben. Geschichtliche Beispiele einer solchen technischen Umsetzung existieren (z.B. das Experiment von Wörgl) und zeigen das enorme Potential für eine Gesundung der Wirtschaft.

Zins

Der Zins ergibt sich aus dem Leihen und Gegenleihen von Geldkapital. Er ist der Preis für die Ablösung der Gegenseitigkeit beim Leihen. (Lit.:GA 340, S. 148) Zins auf Zins, d.h. Zinseszins, ergibt aus anthroposophischer Sicht keinen Sinn. (Lit.:GA 23, S. 133)

Geldschöpfung

Die Ausgabe von Geld, d.h. das Drucken, Prägen, die Herausgabe und Anerkennung (sowie Rücknahme) von Geld müsste durch die von Rudolf Steiner angeregten wirtschaftlichen Assoziationen übernommen werden. Dies sind Zusammenschlüssen von Produzenten-Händlern-Konsumenten-Vertretern einer bestimmten Branche oder von Warengattungen. Es wären also Organisationen oder eine Institution des Wirtschaftslebens, welche die Geldschöpfung (und die Bankentätigkeiten) übernehmen sollten. (Lit.:GA 340, S. 182)

Zitate

„Das Geld ist nichts anderes als der äußerlich ausgedrückte Wert, der durch Arbeitsteilung erwirtschaftet ist und der von einem auf den anderen übertragen wird.“ (Lit.:GA 340, S. 57)

„Was ist eigentlich für den heutigen sozialen Organismus das Geld? Es ist das Mittel, um gemeinsame Wirtschaft zu führen. Stellen Sie sich nur einmal die ganze Funktion des Geldes vor. Sie besteht darinnen, daß ich einfach für dasjenige, was ich selber arbeite, Anweisung habe auf irgend etwas anderes, was ein anderer arbeitet. Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus.“ (Lit.:GA 329, S. 140)

„Die Funktion, die Bedeutung, die das Geld heute hat, muß geändert werden. Das Geld wird in Zukunft eine Art wandelnde Buchführung sein, gleichsam ein Aufschreiben dessen, was man hervorgebracht hat und was man dafür eintauschen kann. Dies alles ist nicht etwas, was erst in Jahrzehnten angestrebt werden kann, sondern unmittelbar angestrebt werden kann, wenn nur genügend viele Menschen es verstehen. Alles andere ist im Grunde Wischiwaschi.“ (Lit.:GA 331, S. 173)

„Geld nimmt man ein. Mit Geld wirtschaftet man. Durch das Geld befreit man sich von der Gediegenheit des produktiven Prozesses selbst. Man abstrahiert gewissermaßen das Geld im Wirtschaftsprozesse, wie man im Gedankenprozeß die Gedanken abstrahiert. Aber geradesowenig wie man aus abstrakten Gedanken irgendwelche wirklichen Vorstellungen und Empfindungen hervorzaubern kann, so kann man aus dem Gelde etwas Wirkliches hervorzaubern, wenn man übersieht, daß das Geld bloß ein Zeichen ist für Güter, die produziert werden, daß das Geld gewissermaßen bloß eine Art Buchhaltung ist, eine fließende Buchhaltung, daß jedes Geldzeichen stehen muß für irgendein Gut.“ (Lit.:GA 332a, S. 60)

„Also es handelt sich da darum, daß man wirklich auf das Prinzip sieht, daß man aus der Wirklichkeit heraus denkt, nicht aus vorgefaßten grauen Theorien heraus denkt. Sehen Sie, manchmal haben diejenigen, die gesund aus der Wirklichkeit heraus denken, von einzelnen Erscheinungen her schon ein sehr gesundes Urteil. Ich habe Ihnen heute ausgeführt, daß die Geldherrschaft eigentlich verwirrend wirkt über die wirklichen sozialen Zustände. Das muß man nur durchschauen. Sie wirkt tatsächlich so, daß das Geld Machtverhältnisse, tyrannisierte Verhältnisse bewirkt, daß an die Stelle alter Eroberermächte und dergleichen einfach Geldmacht tritt. In Europa durchschaut man solche Dinge noch wenig. Ein amerikanisches Sprichwort gibt es, das sagt ungefähr: Reich geworden durch bloße Kapitalwirtschaft bedeutet, nach drei Generationen wiederum in Hemdsärmeln herumgehen! — Da wird das Imaginäre der Kapitalwirtschaft ganz deutlich hingestellt, dieses Sich-Auflösen, dieses Imaginäre. Man kann Milliardär werden, und nach drei Generationen gehen die Nachkommen selbstverständlich in Hemdsärmeln herum, weil das Geld der Herrscher wird über den Menschen.“ (Lit.:GA 332a, S. 67)

„Ohne daß diese drei Glieder darinnen sind, gibt es keinen sozialen Organismus. Man kann heute noch so viel wettern gegen die Stiftungen, Schenkungen, sie müssen da sein. Die Menschen machen sich nur etwas vor. Sie sagen sich: Ja, in einem gesunden sozialen Organismus gibt es keine Schenkungen. Aber sie zahlen ihre Steuern. Die Steuern sind ja nur der Umweg; denn darin sind die Schenkungen, die wir an die Schulen und so weiter abgeben, das sind die Schenkungen.

Die Menschen sollten aber eine solche soziale Ordnung haben, wo sie immer sehen, wie die Dinge laufen, und sich nicht etwas vormachen. Wenn sie das soziale Leben herauskriegen allmählich aus demjenigen, was jetzt konfundiert alles in sich enthält, dann werden sie, wie sie jetzt in dem gesunden menschlichen Organismus das Blut laufen sehen, so das Geld laufen sehen als Produktionsgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld. Und sie werden sehen, wie mit dem Menschen zusammenhängt auf der einen Seite im Handels-, Zirkulations-, Produktions- und Erwerbsgeld dasjenige Geld, das angelegt wird, damit es auf dem Wege des Leihens, indem es verzinst wird, wiederum in die Produktion übergeht, und auf der anderen Seite das Schenkgeld, das zufließen muß dem, was freies Geistesleben ist.“ (Lit.:GA 305, S. 238)


„Außer dem gewöhnlichen Kaufgeld haben wir das Leihgeld, das Leihgeld, das also jemand bekommt, um irgendeine Unternehmung zu entrieren, das für ihn kein Kaufgeld ist, sondern für ihn eben Unternehmergeld wird. Dieses Unternehmergeld, dieses Leihgeld hat einen wesentlich anderen Wert, eine wesentlich andere Eigenschaft. Es ist eigentlich im Grunde genommen dieses Leihgeld etwas ganz anderes als das Kaufgeld. Es bleibt nicht viel übrig, wenn Kaufgeld Leihgeld wird, als, sagen wir, daß Gold oder Silber oder Papier hineingetragen wird in das andere Lebensgebiet. Wert wird die Sache durch ganz andere Dinge. Denn es handelt sich ja jetzt, wenn das Leihgeld in Zirkulation kommt, darum, daß der Geist des Menschen eingreift, daß menschliches Denken eingreift, und durch dieses Eingreifen des menschlichen Denkens bekommt nun das Leihgeld seinen eigentlichen Wert. Es wäre viel wichtiger, auf die Banknote, die geliehen wird dem Mann, der etwas unternimmt, in dem Momente, wo er diese Banknote in Gebrauch überführt, darauf zu schreiben, ob der Mann ein Genie ist in wirtschaftlichen Dingen, oder ob er ein Idiot ist; denn von der Art und Weise, wie er sich damit verhält, hängt nun der Wert dieses Leihgeldes in der volkswirtschaftlichen Situation ab.

Und wenn wir nun von dem Leihgeld zu demjenigen übergehen, was ich Ihnen als eine dritte Art genannt habe, was heute gewöhnlich gar nicht besprochen wird, aber die denkbar größte Rolle spielt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn wir übergehen von dem Leihgeld zu dem Schenkungsgeld - Schenkungsgeld ist im Grunde genommen alles, was für die Erziehung ausgegeben wird, das spielt eben eine ungeheure Rolle im volkswirtschaftlichen Leben; Schenkungsgeld ist auch alles dasjenige, was für Stiftungen ausgegeben wird, und alles dasjenige, was bewirkt, daß sich nicht in einer störenden Weise Kapital staut auf Grund und Boden durch die Kapitalisierung von Grund und Boden, wodurch die Volkswirtschaft eben ruiniert wird -, wenn wir uns dieses Schenkungsgeld anschauen, so müssen wir sagen: Dieses Schenkungsgeld, das wird für denjenigen, der angewiesen ist für sein Leben auf Kaufgeld, einfach wertlos. Es verliert seinen Wert. Schenkungsgeld in bezug auf Kaufgeld ist das Entgegengesetzte nämlich, was ja auch schon daraus hervorgeht, daß derjenige kaufen kann, der Schenkung kriegt, während derjenige, der nicht Schenkung kriegt, nicht kaufen kann mit diesem Geld.

Sie haben also drei Arten von Geld, die qualitativ ganz voneinander verschieden sind, Kaufgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld. Nun, wie es sich aber verhält zwischen Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld, das ist nur dann zu beurteilen, wenn wir volkswirtschaftliche Zusammenhänge, sagen wir, so privat wirtschaftlicher Natur, wie wir es gestern hypothetisch angenommen haben, daß sie in gewisser Weise eine Art abgeschlossenen Gebietes darstellen, wenn wir solche betrachten. Da werden wir nämlich finden, daß nach einer bestimmten Zeit alles dasjenige, was Leihgeld ist, in Schenkungsgeld übergeht. Anders kann es auch nicht sein bei dem geschlossenen Wirtschaftsgebiet, das die Weltwirtschaft ist. Leihgeld muß nach und nach ganz in Schenkungsgeld übergehen. Leihgeld darf sich gewissermaßen nicht zurückstauen in das Kaufgeld hinein, um das zu stören. Leihgeld geht in das Schenkungsgeld hinein. So muß es sich im geschlossenen Wirtschaftskreislauf darstellen. Was tut es auf dem Gebiet, wo das Schenkungsgeld arbeitet? Da entwertet es sich. So daß wir sagen können: Indem wir das Gebiet des Kaufgeldes haben, wird das Geld einen gewissen Wert darstellen. Auf dem Gebiet des Schenkens hat das Geld für alles dasjenige, was auf dem Gebiet des Kaufens besteht, einen negativen Wert, läßt diesen Kaufwert verschwinden. Und dazwischen drinnen wird der Übergang bewirkt beim Leihgeld. Das Leihgeld verschwindet allmählich hinein ins Schenkungsgeld.“ (Lit.:GA 340, S. 176ff)

„Wir sehen also im Verfolg der Arbeitsteilung den Kapitalismus auftreten, wir sehen im Verfolg des Kapitalismus, und zwar ziemlich bald, auftreten die Geldwirtschaft. Das Geld ist gegenüber den besonderen wirtschaftlichen Geschehnissen ein vollständiges Abstraktum. Wenn Sie fünf Franken in der Tasche haben, können Sie sich dafür ebensowohl ein Mittagsmahl kaufen und ein Abendbrot, wie Sie sich einen Anzugsteil kaufen können. Für das Geld ist es irrelevant, was dafür erworben wird, gegen was es sich im volkswirtschaftlichen Prozeß austauscht. Das Geld ist das für die einzelnen Volkswirtschaftsfaktoren, insofern sie noch von der Natur beeinflußt sind, absolut Gleichgültige. Deshalb wird das Geld aber der Ausdruck, die Handhabe, das Mittel für den Geist, um einzugreifen in den volkswirtschaftlichen Organismus, der in der Arbeitsteilung steht.

Ohne daß das Geld geschaffen wird, ist es überhaupt nicht möglich, daß der Geist eingreift in den volkswirtschaftlichen Organismus, wenn wir von der Arbeitsteilung sprechen. So können wir sagen: Da wird dasjenige, was ursprünglich zusammen ist im volkswirtschaftlichen Zustand, was jeder einzelne in seinem Egoismus erarbeitet, das wird verteilt auf die Gesamtheit. - So ist es ja in der Arbeitsteilung. Im Kapital werden Einzelheiten wiederum zusammengefaßt zu einem Gesamtprozeß. Die Kapitalbildung ist eine Synthese, durchaus eine Synthese. So wird derjenige, der in dieser Art als Kapitalbildner aufgetreten ist, der durch die Notwendigkeit des Auftretens des Geldes eben sein Kapital in Geldkapital verwandeln kann, der wird zum Leiher für einen, der nichts anderes hat als Geist. Der empfängt das Geld. Das ist der richtige Repräsentant von durch den Geist aufgebrachten wirtschaftlichen Werten.

Wir müssen die Sache durchaus volkswirtschaftlich betrachten. Es mag religiös und ethisch das Geld eine noch so schlimme Sache sein; im volkswirtschaftlichen Sinn ist das Geld der in dem volkswirtschaftlichen Organismus drinnen wirksame Geist. Es ist nicht anders. Also, es muß im volkswirtschaftlichen Prozeß das Geld geschaffen werden, damit überhaupt der Geist seinen Fortschritt findet von dem Ausgangspunkt aus, wo er sich nur an die Natur wendet. Er würde in primitiven Zuständen bleiben, wenn er sich nur auf die Natur anwenden würde. Er muß, um nun auch die Errungenschaft des Geistigen in den volkswirtschaftlichen Prozeß wiederum hineinzugießen, als Geld sich realisieren. Geld ist realisierter Geist. Es kommt aber gleich wieder das Konkrete herein. Zunächst ist das Geld ein Abstraktum, von dem man sagen kann: Es ist gleich, ob ich mir um fünf Franken einen Teil des Anzugs kaufe oder die Haare schneiden lasse - es braucht ja nicht ein einziger Haarschnitt zu sein -, ich meine, für das Geld ist es gleichgültig. Aber indem das Geld an die Person des Menschen und damit an den Geist des Menschen zurückkommt, in dem Moment wird das Geld dasjenige, was nun wiederum in seiner konkreten besonderen Tatsache volkswirtschaftlich tätig ist. Das heißt: der Geist ist in dem Geld drinnen volkswirtschaftlich tätig.“ (Lit.:GA 340, S. 57ff)


„Das Geld wird im gesunden sozialen Organismus wirklich nur Wertmesser sein; denn hinter jedem Geldstück oder Geldschein steht die Warenleistung, auf welche hin der Geldbesitzer allein zu dem Gelde gekommen sein kann. Es werden sich aus der Natur der Verhältnisse heraus Einrichtungen notwendig machen, welche dem Gelde für den Inhaber seinen Wert benehmen, wenn es die eben gekennzeichnete Bedeutung verloren hat. Auf solche Einrichtungen ist schon hingewiesen worden. Geldbesitz geht nach einer bestimmten Zeit in geeigneter Form an die Allgemeinheit über. Und damit Geld, das nicht in Produktionsbetrieben arbeitet, nicht mit Umgehung der Maßnahmen der Wirtschaftsorganisation von Inhabern zurückbehalten werde, kann Umprägung oder Neudruck von Zeit zu Zeit stattfinden. Aus solchen Verhältnissen heraus wird sich allerdings auch ergeben, dass der Zinsbezug von einem Kapitale im Laufe der Jahre sich immer verringere. Das Geld wird sich abnützen, wie sich Waren abnützen. Doch wird eine solche vom Staate zu treffende Maßnahme gerecht sein. «Zins auf Zins» wird es nicht geben können. Wer Ersparnisse macht, hat allerdings Leistungen vollbracht, die ihm auf spätere Waren-Gegenleistungen Anspruch machen lassen, wie gegenwärtige Leistungen auf den Eintausch gegenwärtiger Gegenleistungen; aber die Ansprüche können nur bis zu einer gewissen Grenze gehen; denn aus der Vergangenheit herrührende Ansprüche können nur durch Arbeitsleistungen der Gegenwart befriedigt werden. Solche Ansprüche dürfen nicht zu einem wirtschaftlichen Gewaltmittel werden. Durch die Verwirklichung solcher Voraussetzungen wird die Währungsfrage auf eine gesunde Grundlage gestellt. Denn gleichgültig wie aus andern Verhältnissen heraus die Geldform sich gestaltet: Währung wird die vernünftige Einrichtung des gesamten Wirtschaftsorganismus durch dessen Verwaltung. Die Währungsfrage wird niemals ein Staat in befriedigender Art durch Gesetze lösen; gegenwärtige Staaten werden sie nur lösen, wenn sie von ihrer Seite auf die Lösung verzichten und das Nötige dem von ihnen abzusondernden Wirtschaftsorganismus überlassen.“ (Lit.:GA 23, S. 132f)

„Und so werden wir finden, dass auf diesem, ich möchte sagen, die fliegende Buchhaltung der Weltwirtschaft darstellenden Geld, so etwas Ähnliches wird stehen müssen wie auf einer so und so viel Quadratmeter großen Bodenfläche herstellbarer Weizen, der dann mit den anderen Dingen verglichen wird. (...) Damit haben Sie zurückgeführt die Währung auf die brauchbaren Produktionsmittel, an denen körperliche Arbeit geleistet wird – Produktionsmittel irgendeines Wirtschaftsgebiets -, und das ist die einzige gesunde Währung: die Summe der brauchbaren Produktionsmittel.“ (Lit.:GA 340, S. 209f)


„Wenn gesagt wird, daß die Menschen Interesse gewinnen müssen, der einzelne für den anderen, so darf das nicht nur im Sinne der Gesinnung betrachtet werden, wie es in den Sonntagnachmittagpredigten angegeben wird, sondern das muß so betrachtet werden, wie es tief hineinweist in die soziale Struktur der Gegenwart. Nehmen sie einen konkreten Fall. Wie viele Menschen gibt es heute, die eine ganz abstrakte, konfuse Vorstellung von dem leben, von ihrem eigenen, persönlichen Leben haben!

Wenn sie sich zum Beispiel fragen: Wie lebe ich? – sie tun es ja meistens nicht, aber wenn sie es schon einmal täten -, dann sagen sie sich: Nun, von meinem Gelde. – Unter denen, die sich sagen: Von meinem Gelde – sind sehr viele, die haben dieses Geld zum Beispiel ererbt von ihren Eltern und glauben nun, sie leben von ihrem Gelde, das sie ererbt von ihren Vätern haben. Aber, meine lieben Freunde, von Geld kann man nicht leben! Geld ist nicht irgend etwas, wovon man leben kann. Da muß erst angefangen werden, nachzudenken. Und diese Frage hängt innig zusammen mit dem wirklichen Interesse, das man von Mensch zu Mensch hat.

Wer da glaubt, dass er von dem Gelde, das er ererbt oder das er auf irgendeine andere Weise bekommen hat, außer, wie es heute normalerweise der Fall ist, dass man Geld durch Arbeit bekommt, wer so lebt und glaubt, dass er vom Gelde leben kann, der hat kein Interesse für seine Mitmenschen, weil vom Geld niemand leben kann. Der Mensch muss essen, und was gegessen wird, das muß von irgendwelchen Menschen erarbeitet werden. Der Mensch muss sich kleiden. Dasjenige, was er anzieht, müssen Leute arbeiten. Damit ich einen Rock anziehen kann oder ein Beinkleid, müssen Menschen stundenlang ihre Arbeitskraft verwenden, das zustandezubringen. Die arbeiten für mich. Davon lebe ich, nicht von meinem Gelde.

Mein Geld hat keinen anderen Wert, als dass es mir die Macht gibt, des anderen Arbeit zu benützen. Und so wie die sozialen Verhältnisse heute liegen, fängt man erst an, Interesse für seine Mitmenschen zu haben, wenn man sich diese Frage in der entsprechenden Weise beantwortet, wenn man im Geiste sieht, soundso viele Menschen müssen soundso viele Stunden arbeiten, damit ich in der sozialen Struktur drinnen leben kann. Nicht darum handelt es sich, dass man sich selber wohltut, indem man sich sagt: Ich liebe die Menschen. – Man liebt nicht die Menschen, wenn man glaubt, man lebe von seinem Gelde, und sich nicht im geringsten vorstellt, wie die Menschen für einen arbeiten, damit man nur des Lebens Minimum überhaupt hat.“ (Lit.:GA 186, S. 45ff)

Literatur

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Pressemeldungen

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