Gesang

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Im Gesang wird die menschliche Stimme, in der das Ich des Menschen tätig ist, zum (vermutlich ursprünglichsten) Ausdrucksmittel der Musik. Anders als beim reinen Sprechen werden beim Singen aber nur bestimmte Tonhöhen innerhalb eines vorgegebenen Tonsystems verwendet und in ihrem Zeitverlauf meist durchgängig metrisch-rhythmisch organisiert. Zur Schulung des Gesangs ist eine entsprechende Stimmbildung förderlich.

Gesangspädagogik

„Wenn wir das Ich ins Auge fassen, so haben wir eigentlich ein vierfaches Ich in uns. Wir haben in uns dasjenige, was das Ich aus dem physischen Leibe macht [Ich 1]. Wir haben dann dasjenige, was das Ich aus dem Ätherleibe macht [Ich 2], dann das, was es aus dem Astralleibe macht [Ich 3] und dann das Ich selbst in dem Ich [Ich 4].“ (Lit.:GA 161, S. 12)

„Der Ätherleib, der beim Musikalischen, beim Singen und auch beim Sprechen eigentlich veranlaßt ist, in eurythmischen Bewegungen zu leben, der wird durch die Schwere des physischen Leibes, also durch Ahriman, abgehalten, diese Bewegungen wirklich auszuführen und kann sie nur durch ein einziges Glied zum Ausdruck bringen: er kann sie nur in Lunge und Kehlkopf hineinlegen, indem er die Luft durch sie hindurchpreßt. Dadurch kommt die Sprache und der Gesang zustande. Wir können also sagen, daß das Ich 2, indem es den ätherischen Leib durchorganisieren, durcheurythmisieren will, sich, statt den ganzen Menschen zu ergreifen, mit einem Teile des Menschen begnügen muß im Gesang und in der Sprache.

Wenn der Mensch singt oder spricht, dann kommt im Tone und in der Vokalisierung eigentlich immer ein Spektrum des ganzen Menschen zum Vorschein. Das, was man hört, ist der Ton, ist der Vokal. Dasjenige, was aber alles zum Vorschein kommt für das hellseherische Bewußtsein, das ist im Grunde genommen ein ganzer Mensch, der ganze Mensch in einer gewissen Bewegungsform.“ (S. 16)

„So daß wir sagen können: die Sprache und der Gesang sind zusammengedrängt durch Ahrknan aus der ganzen Menschennatur. Wenn das einmal richtig verstanden werden wird, wird sich etwas außerordentlich Wichtiges für das wirkliche Leben ergeben. Erstens wird sich ergeben für die Gesangspädagogik der Grundsatz, daß man ein Bewußtsein hervorrufen muß bei dem Singen-Lernenden von dem Anteil, den der Ätherleib dabei hat: gleichsam von dem fortwährenden Überleiten der Töne auf den Ätherleib. Erst dann, wenn diese Anteilnahme des Ätherleibes beim Singen wirklich in Betracht gezogen werden wird, wird auch jener Umwandlungsimpuls eintreten, der mit Bezug auf die Gesangspädagogik notwendigerweise aus unseren Prinzipien heraus erfolgen muß. Praktisch gesprochen wird sich das darin zeigen, daß die Gesangslehrer und -lehrerinnen den Schüler immer mehr dahin bringen werden, weniger mit Bewußtsein zu verbinden das Gefühl in den physischen Organen, dafür aber mehr Bewußtsein zu entwickeln in dem, was gewissermaßen diesen physischen Organen anliegt. Der Singende muß ein Gefühl haben, nicht so sehr von der Bewegung der Organe, sondern von dem, was die Luft in ihm und um ihn in ihrer Bewegung tut. Eine Emanzipation des bewußten Erlebens des Tones in der Luft von dem Erleben des Tones im Organe ist dasjenige, was aus dem richtigen Erkennen der geisteswissenschaftlichen Grundsätze in der Gesangspädagogik folgen wird.

Ebenso wird man mit Bezug auf die Sprachtechnik, namentlich was das Rezitieren betrifft, immer mehr darauf kommen, daß auch da es sich handelt um ein wirkliches Bewußtwerden von dem elementarischen Umwobensein, während man künstlerisch spricht.

Dadurch nun ist es möglich, daß der Ton zum wirklichen Kunstton wird, daß der Sprecher ein Gefühl erhält von dem Bewußtsein, daß man, indem man künstlerisch spricht, nicht bloß in seiner Haut eingeschlossen lebt; sondern ich möchte es so ausdrücken: derjenige, der künstlerisch spricht, wird den Ton fühlen in der Luft, den Laut fühlen in der Luft als lebendiges Wesen, und durch dieses Den-Laut-Fühlen als lebendiges Wesen wird er etwas wie einen Unterton haben, wie eine Unternuance im Sprechen. Den Laut fühlen im lebendigen Sprechen: das wird wiederum eine Bereicherung der Rezitationspädagogik ergeben.“ (S. 23f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Wege der geistigen Erkenntnis und der Erneuerung künstlerischer Weltanschauung, GA 161 (1999), ISBN 3-7274-1610-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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