Glück und Unglück

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Das Thema Glück und Unglück behandelte Rudolf Steiner 1911 in einen Vortrag (Das Glück, sein Wesen und sein Schein), ausführlich.

Über das Glück heißt es dort unter anderem:

"Von Glück spricht der Mensch im Grunde genommen dann, wenn er nicht will, dass das, was er an Erfolg, an Wirkung hat, nur von ihm abhänge, sondern wenn er gerade Wert darauf legt, dass es nicht von ihm, sondern von etwas anderem abhängt." (Lit.: GA 061, S. 174)

Der Glückserfolg ist als Anfang, bzw. Ursache für eine weitere Entwicklung zu betrachten:

"Mein unverdienter Erfolg, mein Glückszufall zeigt mir, was mir fehlt. Ich muss von ihm lernen." (Lit.: GA 061, S. 182)

Im Gegensatz dazu steht das Unglück am Ende:

"Jegliches Unglück kann sich uns so darstellen, dass wir uns sagen, wir sind in dasselbe hineinversetzt wegen eines unvollkommenen Zustandes in uns, es weist uns das Unglück darauf, dass irgend etwas an uns noch nicht so vollkommen ist, wie es sein sollte. Da haben wir den umgekehrten Fall von dem Erfolg: das Unglück als eine Wirkung, als ein Ende dessen aufgefasst, was in früheren Zeiten unserer Entwickelung von uns selber verursacht ist." (Lit.: GA 061, S. 184)

"Es kann sich Glück in Unglück verwandeln (und umgekehrt). Was kann uns vom Glück niemals genommen werden? Das, was wir aus den äußeren Glücksfällen machen, sei es aus den Erfolgsfällen, sei es aus den Misserfolgen." (Lit.: GA 061, S. 190)

Ahrimanische Glückskultur im Westen

Das vor allem vom Westen ausgehende, von Ahriman impulsierte Streben nach einer rein äußerlichen Glückskultur würde die Menschen letztlich ichlos machen. «Das Gute ist das Glück der größtmöglichen Menschenanzahl auf der Erde» - ist ein rein ahrimanisches Ideal.

"Der Sinn wird auf die Triebe gelenkt; und daraus entwickelt sich allmählich eine gewisse Lebensgesinnung unter dem Einflüsse des Triebproblems. Man kann sagen: Es wandelt sich das Triebproblem um in das Glücksproblem, und das Glücksproblem bekommt eine ganz bestimmte Färbung. Daher sehen Sie gerade im fünften nachatlantischen Zeitraum an den verschiedenen Stellen, insbesondere in der westlichen Kultur, Sinnen und Trachten nach dem Glücksproblem gerichtet, nach dem Glück, nach dem Schaffen des Glückes im Leben. Das ist unter diesen Einflüssen, die ich geschildert habe. Da sehen wir zum Beispiel, wie nachgeforscht wird, was man tun kann, damit die Menschen auf der Erde ein möglichst glückliches Leben führen. Herstellung des Erdenglückes, das wird ein Ideal. Ich sage nicht: bloß unter ahrimanischen Kräften; es sind darinnen auch regulär fortschreitende Kräfte. Also es soll natürlich über das Glück nachgedacht werden. Aber eine bestimmte Färbung bekam es unter Ahrimans Einwirkung durch einen rein teuflischen Satz: «Das Gute ist das Glück der größtmöglichen Menschenanzahl auf der Erde.» Dieser Satz ist ein rein teuflischer Satz, denn er definiert das Gute so, daß er es durch das Glück ausdrückt, und noch dazu das Glück der größtmöglichen Anzahl, womit verknüpft sein würde das Elend der Minderzahl; so ungefähr, wie wenn man einen Organismus schildern wollte dadurch, daß man ihn bis zu den Knien nur ausbildet und dann von den Knien nach abwärts verkümmern läßt. Es ist aber überhaupt das Zusammenstellen von Glück und Güte, von Glück und Tugend etwas, was einen ahrimanischen Charakter hat. Glück und Tugend, Glück und das Gute: die Griechen waren in ihren besten Persönlichkeiten ganz unzugänglich für die Zusammenstellung der Begriffe Glück und das Gute. Aber gerade durch ahrimanische Einflüsse sollte in der fünften nachatlantischen Menschheit eine Gesinnung erzeugt werden, welche das Gute im Glücke sucht. Sie müssen alles, was Sie kennen als Saint-Simonismus, die verschiedenen Bestrebungen, nationalökonomische Ordnungen zu finden, namentlich im Westen Europas, unter diesem Gesichtspunkte betrachten, dann können Sie sie nur verstehen; selbst der Rousseauismus ist nicht frei von diesem Impulse. Man muß diese Dinge durchaus in sachlicher Beziehung studieren." (Lit.: GA 171, S. 108f)

"Im Westen liegt die Gefahr vor des Verstricktwerdens in das Sinnenleben, wodurch das Sinnenleben ichlos werden würde. Denn wenn auf der Erde nur das Glück begründet werden soll, so könnte niemals das Ich auf der Erde leben. Wenn das Gute nur dadurch begründet werden sollte, daß Glück über die Erde ausgebreitet werden sollte, so würde folgendes nämlich eintreten, das zeigt schon die Erfahrung der alten Atlantis: Auch in der Mitte der Atlantischen Kultur waren große Impulse gegeben, die im weiteren Verlaufe zu einem Glücke geführt hätten. Die Menschen hatten, was sie zuerst als Antrieb des Guten empfunden haben, in seiner Form, in seinen Wirkungen gesehen als ein gewisses Glück. Da gibt sich der Mensch dem Glücke hin, da geht der Mensch in Glück auf. Und die Erde mußte in bezug auf die atlantische Kultur gewissermaßen hinweggefegt werden, weil die Menschen nur zurückbehalten hatten das Glück von dem Guten. In der nachatlantischen Zeit will nun Ahriman direkt eine Glückskultur begründen. Das würde heißen: auspressen die Zitrone, weg mit ihr! - Die Iche würden nicht mehr leben können, wenn nur eine Glückskultur begründet werden sollte. Glück und Gutes, Glück und Tugend sind keine Begriffe, die füreinander gesetzt werden können." (Lit.: GA 171, S. 112f)

Glückskritik bei Joachim Stiller

Auch der Anthroposoph Joachim Stiller übt neuerdings eine schafe Glückskritik. Für ihn sind "Fügung, Glück und Pech reine Illusionen". Das trägt natürlich einen eminent neobuddhistischen Zug. Stiller macht denn auch aus seiner Liebe zum Neobuddhismus keinen Hehl.

Siehe auch

Literatur

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