Haut

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Die Schichten der Haut
Die Zellschichten der menschlichen Epidermis
Subkutane Injektion (Schema)

Die Haut (ahd. , mhd. hūt, von idg. [s]keu- „bedecken, umhüllen“; griech. δέρμα derma; lat. cutis) grenzt das Innere des tierischen oder menschlichen Organismus nach außen ab und übernimmt vielfältige wichtige Funktionen. So dient sie etwa dem Stofftransport, der Wärmeregulation, dem Schutz vor UV-Strahlung und ist Träger verschiedener Sinneszellen wie Thermorezeptoren, Tastkörperchen, Vater-Pacini-Körperchen (Lamellenkörperchen) und Nozizeptoren (Schmerzsensoren), die für eine entsprechende Oberflächensensibilität sorgen. Die Hautfarbe, der Teint, wird durch eingelagerte Pigmente und die Struktur der Blutgefäße bestimmt.

Das medizinische Fachgebiet, dass sich mit dem Aufbau, der Funktion und den Erkrankungen der Haut beschäftigt, ist die Dermatologie.

Aufbau und Funktion

Die äußere Haut besteht aus drei weiter untergliederten Hauptschichten:

  • die Epidermis (Oberhaut), die sich beim Menschen und den Wirbeltieren in fünf Schichten untergliedert:
    • Basalschicht (Stratum basale),
    • Stachelzellschicht (Stratum spinosum),
    • Körnerschicht (Stratum granulosum),
    • Glanzschicht (Stratum lucidum)
    • und Hornschicht (Stratum corneum),
  • die Dermis (Lederhaut, lat. Corium) und
  • die Subcutis (Unterhaut).

Zusammen werden die Epidermis und die Dermis auch als Cutis bzw. Kutis bezeichnet.

Die durch die Sinneszellen der Haut bedingte Oberflächensensibilität und die mit dem Eigenbewegungssinn zusammenhängende Tiefensensibilität haben im Gehirn ihre neuronale Entsprechung im somatosensorischen Cortex. Auffallenderweise ist hier der ganze Körper - ähnlich wie beim benachbarten motorischen Cortex - als verkleinerter, auf dem Kopf stehender und je nach funktioneller Bedeutung in seinen Dimensionen teils stark verzerrter „Homunculus“ abgebildet.

Die menschliche Haut dient nach Rudolf Steiner insbesondere auch dazu, dass der Mensch sich selbst an seiner Außenhülle erleben kann. Zugleich ist die Haut Ausdruck der innersten Kräfte des menschlichen Organismus.

"Wenn wir uns also vorstellen, daß der menschliche Organismus, der sich selbst erleben kann an seinem äußeren Umfange, dies nur dadurch kann, daß er das Organ der Haut seinen gesamten Strömungen entgegenstellt, so müssen wir in der eigenartigen Formung der Haut einen der Ausdrücke sehen für die innersten Kräfte des menschlichen Organismus." (Lit.: GA 128, S. 101f)

"Aus den letzten Vorträgen konnten wir ersehen, daß der Mensch als physische Organisation sich gewissermaßen durch seine Haut nach außen abgrenzt. Wenn wir den menschlichen Organismus ganz in dem Sinne auffassen, wie wir das nach den bisherigen Erörterungen tun müssen, dann ist es notwendig, daß wir uns sagen: Es ist der menschliche Organismus mit seinen verschiedenen Kraftsystemen selber, der sich in der Haut nach außen einen bestimmten Abschluß gibt. Mit anderen Worten: Uns muß klar sein, daß im menschlichen Organismus ein solches Gesamtsystem von Kräften ist, welche sich durch ihr Zusammenwirken so bestimmen, daß sie sich genau den Formumriß geben, der durch die Haut als äußere Begrenzung der Menschengestalt zum Vorschein kommt. So müssen wir eigentlich sagen, daß für den Lebensprozeß des Menschen die interessante Tatsache vorliegt, daß uns in der äußeren Formbegrenzung ein gleichsam bildhafter Ausdruck gegeben ist für die gesamte Wirksamkeit der Kraftsysteme im Organismus. Wenn nun in der Haut selber ein solcher Ausdruck des Organismus gegeben werden soll, so müssen wir voraussetzen, daß innerhalb der Haut eigentlich in einer gewissen Weise der ganze Mensch irgendwie zu finden sein muß. Denn, wenn der Mensch, so wie er ist, so gebildet sein soll, daß die äußere Haut als Formbegrenzung das ausdrückt, was er ist, so muß in der Haut alles das gefunden werden können, was im Menschen zur Gesamtorganisation gehört. Und in der Tat, wenn wir auf dasjenige eingehen, was zur Gesamtorganisation des Menschen gehört, so können wir finden, wie sehr eigentlich dasjenige innerhalb der Haut vorhanden ist, was in den Kraftsystemen des Gesamtorganismus veranlagt ist.

Da haben wir zunächst gesehen, daß der Gesamtmensch, wie er uns als Erdenmensch entgegentritt, das Werkzeug seines Ich in seinem Blutsystem hat, so daß der Mensch dadurch Mensch ist, daß er in sich ein Ich birgt, und dieses Ich sich bis zum physischen System herunter einen Ausdruck, ein Werkzeug schaffen kann im Blut. Ist nun unsere Körperoberfläche, unsere Formbegrenzung ein wesentliches Glied unserer Gesamtorganisation, so müssen wir sagen: Diese Gesamtorganisation muß durch das Blut bis in die Haut hinein wirken, damit in der Haut ein Ausdruck der ganzen menschlichen Wesenheit, insofern sie physisch ist, vorhanden sein kann. Betrachten wir die Haut, wie sie sich, aus mehreren Schichten bestehend, über die ganze Oberfläche des Leibes spannt, so finden wir, daß in der Tat in diese Haut feine Blutgefäße hineingehen. Durch diese feinen Blutgefäße kann das Ich seine Kräfte senden und sich bis in die Haut hinein einen Ausdruck der menschlichen Wesenheit schaffen. Wir wissen ferner, daß für alles, was wir als Bewußtsein zu bezeichnen haben, das Nervensystem das physische Werkzeug ist. Wenn nun die Körperoberflächenbegrenzung ein Ausdruck der Gesamtorganisation des Menschen ist, so müssen auch die Nerven bis in die Haut hinein sich erstrecken, damit das menschliche Bewußtsein bis in dieses Organ gehen kann. Wir sehen daher neben den feinen Blutgefäßen innerhalb der Hautschichten die mannigfaltigsten Nervenendungen verlaufen, die man ja gewöhnlich - obwohl nicht mit vollem Recht - die Tastkörperchen nennt, weil man annimmt, daß der Mensch mit Hilfe dieser Tastkörperchen die äußere Welt durch den Tastsinn wahrnimmt, so wie er durch Augen und Ohren Licht und Schall wahrnimmt. Es ist das aber nicht eigentlich der Fall. Genauer betrachtet ist dieser Tastsinn der Ausdruck verschiedener Sinnestätigkeiten, zum Beispiel Wärmesinn und andere. Wir werden noch sehen, wie die Sache liegt. Wir finden also in der Haut dasjenige, was Ausdruck oder körperliches Organ des menschlichen Ich ist: das Blut. Wir sehen aber auch dasjenige, was Ausdruck des menschlichen Bewußtseins ist: das Nervensystem, das seine Ausläufer bis in die Haut hineinerstreckt.

Nun müssen wir uns umsehen nach dem Ausdruck dessen, was wir überhaupt betrachten können als das wesentliche Instrument des Lebensprozesses. Wir haben schon im letzten Vortrage auf dieses Instrument des Lebensprozesses aufmerksam gemacht bei der Besprechung der Absonderung. In der Absonderung, bei der, wie wir gesehen haben, gleichsam eine Art von Hemmnis auftritt, haben wir insofern den Ausdruck des Lebensprozesses zu sehen, als ein lebendiges Wesen, das in der Welt existieren will, notwendig hat, sich nach außen abzuschließen. Das kann nur dadurch geschehen, daß es in sich selber ein Hemmnis erlebt. Dieses Erleben eines Hemmnisses in sich selber wird vermittelt durch Absonderungsorgane, die man im weitesten Umfange als Drüsen bezeichnen kann. Drüsen sind Absonderungsorgane, und das Hemmnis tritt dadurch ein, daß sie den an sie herandrängenden Nahrungsstoffen sozusagen inneren Widerstand entgegensetzen. Wir müssen also voraussetzen, daß solche Absonderungsorgane, ebenso wie wir sie sonst im Organismus verteilt haben, auch der Haut angehören. Und sie gehören der Haut an; denn wir finden auch in der Haut Absonderungsorgane, Drüsen der verschiedensten Art, Schweißdrüsen, Talgdrüsen, welche dieses Absonderungsgeschäft - also einen Lebensprozeß - innerhalb der Haut betreiben.

Und wenn wir endlich nach dem fragen, was unterhalb des Lebensprozesses liegt, so werden wir da dasjenige finden, was wir nennen können den reinen Stoffprozeß, das Überleiten der Stoffe von einem Organ zum anderen. Ich möchte Sie jetzt an dieser Stelle bitten, genau zu unterscheiden zwischen einem solchen Absonderungsprozeß, der ein inneres Hemmnis schafft, der den Lebensprozessen angehört, und denjenigen Prozessen, die rein stoffliche Umlagerungen bewirken, also bloßes Transportieren der Stoffe von einem Orte zum anderen. Denn das ist nicht dasselbe. Für eine materialistische Anschauung könnte es so aussehen, aber für eine lebensvolle Erfassung der Wirklichkeit ist es nicht so. Wir haben es im menschlichen Organismus nicht bloß zu tun mit einer bloßen Transportierung der Stoffe. Allerdings findet überall ein Hinleiten der Stoffe, der Ernährungsprodukte, zu den einzelnen Organen statt. Aber in dem Augenblick, wo die Nahrungsstoffe aufgenommen werden, haben wir es mit einem Lebensprozesse zu tun, mit Absonderungsprozessen, die zugleich innere Hemmnisse schaffen. Es ist notwendig, dies zu unterscheiden von dem Prozeß der bloßen Stoffumlagerung, Wir steigen von dem Lebensprozeß hinunter zu den Prozessen des eigentliehen Physischen, wenn wir sagen, es sieht sich so an, wie wenn die aufgenommenen Nahrungsstoffe in die verschiedensten Teile des physischen Leibes transportiert würden. Es ist aber eine lebendige Tätigkeit, gleichsam ein Sichgewahrwerden des Organismus in seinem eigenen Innern, in dem durch die Absonderungsorgane innere Hemmnisse geschaffen werden.

Mit den Lebensvorgängen findet zugleich ein Transport der Stoffe statt, und das ist in der Haut ebenso wie in den anderen Teilen des Organismus. Durch die Haut werden die Abfälle der Nahrungsstoffe ausgeschieden, abgesondert, nach außen getragen durch den Prozeß der Schweißabsonderung, des Schwitzens, so daß auch hier ein rein physisches Transportieren der Stoffe vorhanden ist.

Damit haben wir im wesentlichen charakterisiert, daß in dem äußeren Organ der Haut sich finden sowohl das Blutsystem als Ausdruck des Ich als auch das Nervensystem als Ausdruck des Bewußtseins." (Lit.: GA 128, S. 110ff)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Weblinks