Helena Petrovna Blavatsky

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Helena Petrovna Blavatsky (1877)
Helena Petrovna Blavatsky 1876 in New York
Helena Petrovna Blavatsky (1879)
Helena Petrovna Blavatsky (1881)
Helena Petrovna Blavatsky, Gemälde von Hermann Schmiechen, gemalt 1885 in Elberfeld.

Helena Petrovna Blavatsky (* 12. August 1831 in Jekaterinoslaw, Russland (heute Dnipropetrowsk, Ukraine); † 8. Mai 1891 in London), genannt Madame Blavatsky oder gelegentlich kurz HPB, war eine deutsch-russische (später mit amerikanischer Staatsbürgerschaft) Schriftstellerin und Mitbegründerin der Theosophie sowie der Theosophischen Gesellschaft.

Sie wurde als Helena von Hahn geboren. Nach ihrer Heirat war ihr Name eigentlich Jelena Petrowna Blawazkaja (Елена Петровна Блавацкая, in englischer Umschrift: Yelena Petrovna Blavatskaya).

Leben

Blavatskys Kindheit und Jugend verlief typisch für eine Adelige. Als sie elf Jahre alt war starb ihre Mutter.

Mit siebzehn heiratete sie, um mehr Freiheit zu erlangen, Nikifor Blavatsky, Offizier und Vizegouverneur einer Provinz, und verließ ihn einige Monate später wieder, um Reisen in Europa und Afrika zu unternehmen. Die Heirat als solche bedeutete ihr nichts; die Ehe soll nie vollzogen worden sein.

Das persönliche Siegel, das H.P.B. auf ihrem Briefpapier verwendete

Blavatsky will in Kairo bei einem Kopten studiert und Kontakt mit Drusen aus dem Libanon und anderen Mystikern aufgenommen haben. In 1851 traf sie an ihrem zwanzigsten Geburtstag nach eigenen Angaben in London den „Meister Morya“, den sie schon in Visionen in ihrer Kindheit gesehen haben will. Nach Blavatskys Aussage sind Meister Menschen, die auf dem spirituellen Pfad sehr weit fortgeschritten sind. Sie sollen eine Brüderschaft von Individuen bilden, die für das spirituelle, intellektuelle, psychische und ethische Wohl der Menschheit sorgen und die manchmal mit Menschen öffentlich in Kontakt treten, um sie mit ihren Lehren zu inspirieren und zu helfen.

Sie bereiste weiterhin Europa, Afrika, Nord- und Südamerika und Asien. In Kanada soll sie Medizinmänner getroffen haben, und auch auf ihren anderen Reisen soll sie häufig in Kontakt mit Mystikern und Meistern gekommen sein.

1868 reiste sie nach eigenen Angaben nach Tibet, wo sie den „Meister Koot Hoomi“ zum ersten Mal getroffen haben will. In Griechenland will sie den „Meister Hilarion“ getroffen haben. 1871 versuchte sie in Kairo die Société Spirite („Spirituelle Gesellschaft“) zu gründen, was aber misslang.

Ende 1875 gründete sie mit Henry Steel Olcott und William Quan Judge in New York die Theosophische Gesellschaft.

1877 veröffentlichete Blavatsky mit Isis Unveiled ihr erstes größeres Werk. 1879 reiste sie wieder nach Indien. Im selben Jahr erschien mit The Theosophist ihre erste theosophische Zeitschrift.

1880 bekannten sich Helena Blavatsky und Henry Steel Olcott in Sri Lanka zum Buddhismus. 1882 wurde der Hauptsitz der Theosophischen Gesellschaft nach Adyar, nahe Madras, verlegt.

1884 wurde Blavatsky in einem umstrittenen Fall von dem Ehepaar Coulomb, Missionaren und von Richard Hodgson, Mitglied der Society for Psychical Research (SPR), der Fälschung von Briefen bezichtigt. 1885 kam Hodgson in einem Bericht zu dem Schluss, Blavatsky habe tatsächlich Briefe gefälscht, was gleichzeitig bedeutet hätte, sie habe paranormale Phänomene vorgespiegelt. 1986 veröffentlichte die SPR eine Studie von Vernon Harrison, die den Hodgson Report als zweifelhaft bezeichnete.

Blavatsky verließ Indien 1885 mit gesundheitlichen Problemen endgültig. 1887 erschien die erste Ausgabe ihrer Zeitschrift Lucifer. 1888 veröffentlichte Blavatsky ihr wichtigstes Werk, The Secret Doctrine, das die Grundlagen der Theosophie erläutert. Ebenfalls 1888 gründete sie die esoterische Sektion der Theosophischen Gesellschaft. 1889 veröffentlichte sie Die Stimme der Stille, das sie in Fontainebleau, nahe Paris, geschrieben hatte. Der bedeutende Zen-Gelehrte Daisetz Teitaro Suzuki bezeichnete die in diesem Buch vermittelt Philosophie als echten Mahāyāna-Buddhismus und mutmaßte, Blavatsky müsse in diese Richtung des Buddhismus eingeweiht worden sein.

Blavatskys letzte Worte über ihr Werk sollen gewesen sein: „Keep the line unbroken! Laßt meine letzte Inkarnation nicht vergebens sein.“

Rudolf Steiner über Madame Blavatsky

„Wie Darwin um die Mitte des 19. Jahrhunderts wirkt aus dem Milieu des Westens heraus, so wirkt aus der Aura des Ostens heraus dasjenige, was in der Seele der Blavatsky veranlagt war. Nur konnte es noch nicht, weil es noch nicht an der Zeit war, vollständig zur Entwickelung kommen. Wir haben ja gesehen, wie der Westen mit Bezug auf dasjenige, was er gerade anstrebt, schon in einer gewissen Weise vorwärts- gekommen ist, und wie der Osten am Anfänge erst ist. Und so tritt denn auch ein Anfangs-Seelengebilde in der Seele der Blavatsky auf. Und ein merkwürdiges Schicksal erlebt dieses Anfangsgebilde der Blavatsky. Ganz herausgeboren ist diese Seele aus der russischen Aura, mit allen möglichen Eigenschaften einer russischen Seele ist Blavatsky trotz ihrer Abstammung, die ja nicht eine rein russische war, ausgestattet. Aber diese Seele, die bis in ihr visionäres Leben herauf, bis in ihre Genialität, die in so hohem Sinne bei der Blavatsky ausgebildet war, russisch ausgestattet ist, sie wird im Verlaufe ihres Lebens eigentlich ganz geführt in die Westkultur, sie wird so weit geführt in die Westkultur, daß sie in einer westlichen Sprache ihre Werke schreibt. Bis nach Amerika hinüber - ich habe ja die Schicksale der Blavatsky schon erzählt - wurde die Blavatsky verwoben mit der Westkultur der neueren Zeit. Man kann sagen, daß in ihr der Versuch gemacht wird, wie sich die beiden Dinge miteinander verschmelzen, durcheinanderorganisieren lassen. Ein außerordentlich interessanter Versuch. Aus all dem, was ich Ihnen dargestellt habe, und auch aus all dem, was Sie erlebt haben in der Entwickelung dessen, was sich an den Namen Blavatsky knüpft, werden Sie ja wissen, daß dasjenige, was mit der Blavatsky versucht worden ist, gescheitert ist, daß ihm gewissermaßen der Sinn entrissen worden ist. Denn schon die Werke der Blavatsky selber - ich habe es ja oft gesagt - sind chaotisch. Große, bedeutende Wahrheiten stehen in ihnen, vermischt mit konfusem Zeug, und nur derjenige, der solches sondern kann, ist gewachsen dem, was in den Büchern der Blavatsky steht.“ (Lit.:GA 171, S. 235)

„Was H. P. Blavatsky angeregt hat, ist zwar etwas tief Einschneidendes; aber was hat alles Frau Blavatsky durch ihre erste Tat nicht tun können? - Was jetzt erst in dieser Stunde bewiesen worden ist: Die Notwendigkeit der theosophischen Bewegung für das Christus-Erlebnis, das ist etwas, was der Blavatsky ganz verschlossen war. Ihr oblag es, hinzuweisen auf den Wahrheitskern in den Religionen der arischen Völker; vollständig verschlossen war es ihr, die alt- und neutestamentlichen Offenbarungen zu verstehen. Wir verehren das, was die Persönlichkeit positiv geleistet hat, und blicken nicht auf das, was sie nicht konnte und was ihr verschlossen war und was wir eben hinzufügen müssen. Wer sich durch H. P. Blavatsky anregen läßt und weitergehen will, als sie selbst gegangen ist, der wird sich sagen: Wenn die Anregung, die H. P. Blavatsky gegeben hat, in der theosophischen Bewegung weitergeführt wird, dann wird man dazu kommen, das Christus-Ereignis zu begreifen.

Das aber war gerade der Mangel der ersten theosophischen Bewegung, daß das alttestamentliche und neutestamentliche religiöse und geistige Leben nicht begriffen werden konnte. Daher ist im Grunde alles schief, was in dieser ersten Anregung darüber enthalten ist. Und die theosophische Bewegung hat die Aufgabe, das wieder gut zu machen und dasjenige, was in den ersten Anregungen überhaupt nicht enthalten war, hinzuzufügen. Wenn wir diese Tatsache in uns heute fühlen, ist sie zugleich eine Anforderung an unser theosophisches Gewissen.“ (Lit.:GA 116, S. 156f)

Okkulte Gefangenschaft

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Okkulte Gefangenschaft

Rudolf Steiner erwähnt die «okkulte Gefangenschaft» namentlich in einzelnen Vorträgen über die Geschichte der okkulten Bewegung im 19. Jahrhundert (GA 254), wo er verschiedentlich berichtet, wie H.P. Blavatsky zeitweilig durch westliche Okkultisten gezielt in eine «okkulte Gefangenschaft» gesetzt wurde. (Lit.: GA 162, S. 214ff, 11. Vortrag)

„1879, auf einer von Okkultisten der verschiedensten Länder besuchten okkultistischen Versammlung wurde dies beschlossen und über die Blavatsky verhängt. Und so lebte jetzt eine größere Anzahl von Jahren Blavatsky wirklich in okkulter Gefangenschaft.“ (Lit.: GA 167, 3. Vortrag)

„H. P. Blavatsky wurde in okkulte Gefangenschaft gesetzt. Diese besteht darin, daß durch gewisse Dinge, die nur gemacht werden können von gewissen Brüdern - und die nur Brüderschaften machen, die sich auf eigentlich nichterlaubte Künste einlassen -, daß also durch gewisse Künste und Machenschaften erzielt wurde, H. P. Blavatsky in gewisser Zeit in einer Welt leben zu lassen, die all ihr okkultes Wissen nach innen warf.

Wenn Sie sich denken, das wäre - symbolisch gezeichnet - Blavatsky und in ihrer Aura wäre das okkulte Wissen, so wurde durch gewisse Vorgänge erzielt, daß für lange Zeit hindurch, was in dieser Aura lebte, in ihre Seele zurückgeworfen wurde. Also alles das, was sie an okkultem Wissen hatte, sollte eingesperrt werden; sie sollte abgeschlossen werden in bezug auf die äußere Welt und in bezug auf ihren Okkultismus.“ (Lit.: GA 254, 2. Vortrag)

Werke

Biographien

  • Sylvia Cranston: HPB: The Extraordinary Life and Influence of Helena Blavatsky
  • Daniel H. Caldwell: The Esoteric World of Madame Blavatsky Dieses Buch enthält eine Sammlung von Beschreibungen über Blavatsky verfasst von über siebzig Zeitgenossen Blavatsky's.
  • Charles Ryan: H.P. Blavatsky and the Theosophical Movement [1]
  • Marion Meade: Madame Blavatsky
  • Katherine Tingley: Helena Petrowna Blavatsky - Ein Genius verändert die Welt. Hannover, 1992

Zitate

Ich bin ein alter buddhistischer Pilger, der in der Welt umherreist, um die Wahrheit, die die einzige wahre Religion ist, zu lehren. (H. P. Blavatsky)

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.

Weblinks

Werke online

Englischsprachige Weblinks

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