Ideal

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Ein Ideal (von lat. idealis, von griech. ιδέα ideaIdee“) ist - etwa im Sinn der platonischen Ideenlehre - das wesenhafte geistige Urbild einer äußeren Erscheinung, sei es einer Sache oder einer Handlung.

Die geistige Realität der Ideale

"Ideale müssen, wenn sie Wert haben sollen, so tief in der geistigen Welt begründet sein wie Naturgesetze in der bloß natürlichen Welt. Gesetze der Entwickelung müssen solche wahren Ideale sein. Sonst entspringen sie aus einer wertlosen Schwärmerei und Phantasie und können niemals Verwirklichung finden. Alle großen Ideale der Weltgeschichte im weitesten Sinne sind aus schauender Erkenntnis hervorgegangen. Denn zuletzt stammen alle diese großen Ideale von den großen Geheimforschern oder Eingeweihten, und die Kleineren, die mitarbeiten an dem Menschheitsbau, richten sich entweder bewußt oder — allermeistem — unbewußt nach den von den Geheimforschern bestimmten Angaben. Alles Unbewußte hat zuletzt nämlich doch in einem Bewußten seinen Ursprung. Der Maurer, der an einem Hause arbeitet, richtet sich «unbewußt» nach Dingen, die anderen bewußt sind, welche den Ort bestimmt haben, an dem das Haus gebaut werden soll, den Stil, in dem es errichtet werden soll und so weiter. Aber auch diesem Bestimmen von Ort und Stil liegt etwas zugrunde, was den Bestimmern unbewußt bleibt, andern aber bewußt ist oder bewußt war. Ein Künstler zum Beispiel weiß, warum der betreffende Stil dort eine gerade, dort eine gewundene Linie verlangt und so weiter. Der, welcher den Stil zu seinem Hause verwendet, bringt sich dieses «Warum» vielleicht nicht zum Bewußtsein. — Es ist ebenso auch mit den großen Vorgängen in der Welt- und Menschheitsentwickelung. Hinter denen, welche auf einem bestimmten Gebiete arbeiten, stehen höhere bewußtere Arbeiter, und so geht die Stufenleiter der Bewußtheit auf- und abwärts. — Hinter den Alltagsmenschen stehen die Erfinder, Künstler, Forscher und so weiter. Hinter diesen stehen die geheimwissenschaftlichen Eingeweihten — und hinter diesen stehen übermenschliche Wesen." (Lit.: GA 011, S. 135f)

Dass sich Ideale in der äußeren Welt nicht unmittelbar verwirklichen lassen, war großen Geistern stets klar. Ideale sind zwar nie vollständig zu erreichen, aber sie geben die Zielrichtung für eine fruchtbare Entwicklung. So meinte etwa Johann Gottlieb Fichte:

„Dass Ideale in der wirklichen Welt sich nicht darstellen lassen, wissen wir anderen vielleicht so gut, als sie, vielleicht besser. Wir behaupten nur, dass nach ihnen die Wirklichkeit beurtheilt, und von denen, die dazu Kraft in sich fühlen, modificirt werden müsse. Gesetzt, sie könnten auch davon sich nicht überzeugen, so verlieren sie dabei, nachdem sie einmal sind, was sie sind, sehr wenig; und die Menschheit verliert nichts dabei. Es wird dadurch bloss das klar, dass nur auf sie nicht im Plane der Veredlung der Menschheit gerechnet ist. Diese wird ihren Weg ohne Zweifel fortsetzen; über jene wolle die gütige Natur walten, und ihnen zu rechter Zeit Regen und Sonnenschein, zuträgliche Nahrung, und ungestörten Umlauf der Säfte, und dabei - kluge Gedanken verleihen!“

J. G. Fichte: Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten. (Vorrede) [1]

Der Reichtum der höheren Welten, aus denen die Ideale entspringen, ist um vieles größer als das, was die äußere Welt zu fassen vermag. Ideale können darum grundsätzlich nur unvollkommen in der äußeren Welt verwirklicht werden.

"Es gehört eine gesunde Menschennatur dazu, eine allseitig gesunde Menschennatur, um in voller Größe die Hoheit der moralischen Ideale des Menschen zu empfinden. Und man kann den moralischen Idealen gegenüber etwas in sich entwickeln, was ebenso überwältigend wirken kann innerhalb der Seele, wie der Glanz und die Herrlichkeit der Offenbarungen des Weltalls durch den Menschen von außerhalb wirken. Das ist, wenn man in sich entzündet alle Liebe und allen Enthusiasmus, die sich anlehnen können an moralische Ideale und Ziele des Menschen. Da kann einen durchdringen eine ungeheure Wärme. Dann aber gliedert sich ganz notwendig als Gedanke an diese Empfindung der moralischen Ideale ein anderes an als das, was sich als Gedanke aus der vorhin genannten Weltenbetrachtung ergibt, die sich anlehnt an die Offenbarungen des Universums durch den Menschen. Gerade diejenigen, welche am höchsten, am kräftigsten empfinden die Gewalt der moralischen Ideale, gerade sie empfinden diesen anderen Gedanken auch am allerbedeutsamsten. Das ist, sie empfinden den Gedanken: Wie weit, o Mensch, bist du, so wie du gegenwärtig dastehst, entfernt von den hohen moralischen Idealen, die dir aufgehen können in deinem Herzen! Wie stehst du so winzig klein mit alledem, was du kannst, was du tust und vermagst, gegenüber der Größe der moralischen Ideale, die du dir vorsetzen kannst! Und nicht so empfinden, nicht so sich klein empfinden gegenüber den moralischen Idealen, das kann nur aus einer Seelenverfassung hervorgehen, die selber recht klein ist. Denn gerade mit dem Wachsen einer gewissen Seelengröße empfindet der Mensch seine Unangemessenheit gegenüber den moralischen Idealen." (Lit.: GA 134, S. 13f)

Sittliche Ideale und Geistesforschung

Sittliche Ideale entspringen aus den selben Kräften, durch die wir unseren Körper bewegen, nur sind uns diese Kräfte normalerweise nicht bewusst. Durch Geistesschulung können wir sie in Imaginationen bewusst erfassen.

Durch Luzifer können wir sittliche Ideale erfassen

Dass der Mensch überhaupt sittliche Ideale erfassen kann und frei verwirklichen kann, hat er Luzifer zu verdanken.

"Wenn der Mensch zum Geistesforscher wird, wenn er in die geistige Welt hineinzuschauen vermag, dann entdeckt er auch, wo die Kraft ist, die sittliche Ideen erzeugt. Sie arbeitet fortwährend in den unbewußten Kräften, sie ist im Menschen, wird aber in der gewöhnlichen Welt zu etwas ganz anderem verwendet. Wenn wir in der gewöhnlichen Welt handeln, bevor wir uns sittliche Ziele gesetzt haben, handeln wir unter dem Einfluß unserer Triebe, Begierden und Instinkte. Wir können aber nur handeln, wenn wir unseren Körper in Tätigkeit versetzen. Da arbeiten wir fortwährend mit unbewußten Kräften, denn wer weiß, wenn er sich nicht mit Geisteswissenschaft befaßt hat, mit welchen Kräften man einen Arm beugt, einen Fuß vor den anderen setzt und so weiter? Was das für Kräfte sind, die da im Menschen wirken, das weiß man ohne Geisteswissenschaft nicht. Kein Mensch weiß, wie seine Bewegungen, wie alles, was da wirkt, daß er ein handelnder Mensch sein kann in der physischen Außenwelt, wie das zustande kommt und welche Kraft da wirkt. Das merkt erst der Geistesforscher, wenn er zur sogenannten imaginativen Erkenntnis kommt. Da macht man sich zunächst Bilder, die dadurch wirken, daß sie stärkere Kräfte aus der Seele heraus schöpfen, als sie sonst im gewöhnlichen Leben angewendet werden. Woher kommt denn diese Kraft, die die Bilder des imaginativen Erlebens in der Seele entfesselt? Sie kommt dorther, wo die Kräfte wirken, die uns zu einem handelnden Menschen in der Welt machen, die uns unsere Hände und Füße bewegen lassen. Weil das der Fall ist, kommt man nur zur Imagination, wenn man in Ruhe verbleiben kann, wenn man den Willen seines Leibes zum Stillstand bringen kann, ihn beherrschen kann. Dann merkt man, wie diese Kraft, die sonst die Muskeln bewegt, heraufströmt in das Seelisch-Geistige und die imaginativen Bilder erbildet. Man vollbringt also eine Umlagerung der Kräfte [...]

Wenn wir nicht Geistesforscher sind, haben wir über diese Kraft keine Gewalt, wir müssen sie da unten im Unterbewußtsein lassen, aber sie tut doch etwas, diese Kraft. Sie wirkt auf unsere moralischen Ideen. Wenn sie bewußt heraufströmt, erzieht man sich mittels dieser Kraft zu der imaginativen Erkenntnis; wenn sie nicht bewußt dazu verwendet wird, dient sie dem Menschen bei seinem Handeln in der Welt. Nun ist aber der Mensch nicht immer in Handlung, in Tätigkeit; dann wird unbewußt diese Kraft frei, die da unten sitzt, und sie arbeitet dann auch an dem Zustandekommen der moralischen Ideen. Dieselbe Kraft also, welche die Glieder bewegt, die geistig den Leib durchdringt, damit der Mensch greifen, gehen kann und so weiter, die macht sich bisweilen frei im menschlichen Leibe und erzeugt die sittlichen Ideale. Wenn man irgendwo einen sittlichen Denker bewundern kann, der einsam hohe Ideale ausbildet, so sieht man in diesen Idealen das Freiwerden derselben Kräfte, die in seinen Handbewegungen und so weiter spielen. Zum Ausbilden der sittlichen Ideale muß also der Mensch gewissermaßen erst zur Ruhe kommen.

Man kann aber auch sittliche Ideale ausbilden und ihnen dann nicht folgen, denn die Kräfte, die wir gebrauchen zum Ausbilden der sittlichen Ideen, gebrauchen wir auch dazu, uns zu bewegen und sie können für das eine und für das andere verwendet werden. Sittliche Ideale ausbilden, bedeutet noch nicht, sittlich zu sein. Erst ihnen folgen, heißt sittlich handeln. Die sittlichen Ideale tauchen dann wie Erinnerungen auf. Solange man sich noch zu ihnen erziehen muß, muß man dieselbe Kraft zu ihrer Erzeugung verwenden, welche man später braucht, um ihnen zu folgen. Wir tragen sie als Erinnerungsbilder in uns als unsere sittlichen Normen. Daher muß der Mensch zur Sittlichkeit erzogen werden, damit diese Erinnerungsbilder als seine sittlichen Normen in ihm aufsteigen und er ihnen folgen kann.

Wer ist es denn, der da in uns wirkt, um diese sittlichen Ideale so aus unserer Natur hervorzuzaubern? Das ist Luzifer. Er nötigt uns, unsere sittlichen Ideen, unsere freie Sittlichkeit aus uns selbst heraus zu erzeugen. Luzifer verdankt es der Mensch, daß er seine sittliche Freiheit aus sich selber heraus erzeugen muß. Freiheit gibt es nicht in der Natur. Freiheit findet man nur, wenn man ausführt, zur Ausführung bringt, was als Geistig-Seelisches den Menschen durchdringt. Indem Luzifer in die niederen Begierden des Menschen eindrang, wurde er nicht nur der Verführer des Menschen, sondern zugleich der Schöpfer der menschlichen Freiheit. Durch Luzifers Impuls wurde der Mensch frei gemacht." (Lit.: GA 150, S. 92ff)

Ideal und Intellekt

Der Intellekt reicht nicht aus, um aus seelisch erlebten Idealen wirksame Kräfte zu machen.

"Woher kommt es, daß manches so schöne moderne Ideal wie in Nebel zerrinnt, das bei wenigen Menschen allerdings von großem Enthusiasmus begleitet ist, aber dennoch bald zerronnen ist, während religiöse, künstlerische Ideale und Stile der alten Zeiten nicht nur Jahrhunderte, sondern Jahrtausende hindurch in die Menschheit ihre volle Kraft tragen? - Wenn wir uns fragen, warum dies so ist, kommen wir immer wieder und wiederum darauf zurück, daß diese Ideale gesammelt sind aus einem wirklich geistigen Leben, einer gewissen Spiritualität der Menschheit. Während unsere gewöhnlichen Ideale zumeist nur Schattenbilder des Intellektes sind - der Intellekt kann niemals dem Menschen aus dem Inneren seines Wesens heraus wirkliche Kraft geben -, zerrinnen manche moderne Ideale gegenüber demjenigen, was an alten Religionsbekenntnissen, aus alten Kunststilen aus dem grauesten Altertum zu uns herauf spricht." (Lit.: GA 304, S. 201f)

Ideale und ihre Wirkung für die folgende Inkarnation

Ideale prägen in ganz individueller, nicht verallgemeinerbarer Form die Schädelbildung in der nächsten Inkarnation:

"Der Mensch kann die höchsten Empfindungen und Ideen und Ideale, die er überhaupt zunächst in diesem Zeitenzyklus haben kann, in sein Bewußtsein aufnehmen; zum Beispiel unsere ethischen Ideale, die ja allein schon für den Menschen ein Beweis vom Dasein einer geistigen Welt sein müßten. Wenn wir uns durch eine innere Stimme für diese ethischen Ideale begeistern, uns diesen hohen Idealen hingeben, so kann die Anregung dazu nicht von außen kommen. Nun kann das so weit gehen, daß der Mensch etwas, was er ohne Ideale empfindet, in diese erhebt, so daß er nicht aus Pflichtgefühl einer bestimmten Idee nachlebt, sondern weil er eben nicht mehr anders kann. Für den, der sich durchdringen läßt von einer sittlichen Idee, wird eintreten, daß er sich so hineinlebt in diese Idee, daß er sich selbst befiehlt, was in ihrem Sinne recht ist. So müssen die Ideale in der Bewußtseinsseele aufleuchten, dann strömen sie hinunter und werden Instinkte. Wenn dies geschieht, daß der Mensch so seine Empfindungen mit seinen Idealen durchdrungen hat, dann macht sich etwas Besonderes geltend. Diese Instinkte haben das Bestreben, bis zum physischen Körper sich zum Ausdruck zu bringen. Der Mensch kann aber zwischen Geburt und Tod nicht mehr an seinem physischen Körper arbeiten. So gehen gewisse Strömungen durch den Brustkorb zum Kopfe hin. Wenn jemand für ein Ideal begeistert ist, für dasselbe glüht und voll Feuer ist, so daß er mit Liebe empfindet: das soll geschehen -, so wird er sich in diesem Leben ihm hingeben, wird alles dafür tun. Aber dies ist nicht alles. Durch diese Tätigkeit gehen Strömungen in den oberen Teil bis zum Kopfe des Menschen. Das sind Kräfte, die bis zum physischen Körper zu wirken suchen; aber sie können in diesem Leben den Kopf nicht mehr ändern, weil des Menschen physischer Leib auch dann, wenn man sich selbst in solcher Weise veredelt, nicht mehr gestaltungsfähig ist. Diese Kräfte strömen aber dennoch nach oben. Diese Strömungen bleiben dem Menschen erhalten in seiner Seele, und wenn der Mensch durch den Tod und eine neue Geburt geht, bringt er sie mit in ein neues Dasein. Hier tritt das auf, was der Phrenologie eine individuelle Berechtigung gibt: in den Höckerbildungen des Schädels kommen diese Kräfte, die so erworben sind, heraus. Man kann nicht sagen, dieser Höcker drückt das allgemein aus, sondern das, was die Individualität während des vorhergehenden Lebens auf diese Weise oft mit sich verbunden hat und was doch den Körper nicht mehr hat umbilden können, das drückt sich da aus." (Lit.: GA 108, S. 107f)

Die Verwirklichung der Ideale durch die Hilfe des Christus

Durch Luzifer erleben wir die Ideale in unserer Seele, er gab uns die Erkenntnis des Guten und des Bösen. Aber er verleiht uns nicht die Kraft, dass sich die Ideale in der äußeren Welt verwirklichen. Dazu bedürfen wir der Hilfe des Christus:

"Es ist eine starke Gewalt, welche Luzif er hat gerade über unsere Ideale, weil sie so schön aus der menschlichen Seele herausquellen, aber eben nur aus der menschlichen Seele, und nicht in der äußeren Wirklichkeit wurzeln. Deshalb hat Luzifer eine solche Gewalt, und es ist eigentlich der magnetische Zug des Luzifer, den wir in unseren Idealen nach dem Tode spüren. Luzifer kommt an uns heran, und gerade wenn wir Ideale haben, sind sie ihm besonders wertvoll, er kann uns auf dem Umweg durch diese Ideale zu sich hinziehen. Aber wenn wir dasjenige, was wir geistig durchdringen, mit dem Christus durchziehen, wenn wir den Christus in uns erfühlen, und wenn wir wissen: Dasjenige, was wir aufnehmen, nimmt der Christus mit in uns auf - «Nicht ich, sondern der Christus in mir» (Gal 2,20 EU) -, dann ist es, wenn wir durch die Pforte des Todes treten, nicht so, daß wir auf unsere Ideale so zurückblicken, als ob sie uns der Welt entfremden wollten, sondern dann haben wir unsere Ideale gleichsam dem Christus übergeben; dann erkennen wir, daß der Christus es ist, der unsere Ideale zu seiner eigenen Sache macht. Er nimmt unsere Ideale auf sich. Und der Einzelne kann sich sagen: Nicht ich kann meine Ideale allein so auf mich nehmen, daß sie ebenso sichere Keime für die Menschheit der Erde sind, wie die Pflanzenkeime des heutigen Sommers sichere Keime für die Pflanzendecke des nächstens Sommers sein werden; aber der Christus in mir kann es. Der Christus in mir durchzieht meine Ideale mit der Realität der Substanz. — Und die Ideale, die wir so in uns hegen, daß wir uns sagen: Ja, als Mensch fassen wir sie, die Ideale, auf diesem Erdenrund, aber in uns lebt der Christus, und er übernimmt unsere Ideale — diese Ideale sind reale Keime für zukünftige Wirklichkeit. Durchchristeter Idealismus ist mit dem Keim der Realität durchsetzt." (Lit.: GA 155, S. 171f)

Ideale bestimmen die Naturordnung der Zukunft

Gegenüber der vergänglichen Materie und der daran gebundenen Naturordnung sind die Ideale das eigentlich Reale; aus ihnen entspringt die Naturordnung der Zukunft.

"Würde der Mensch bei Tag das Normalbewußtsein, das ahrimanfreie Bewußtsein haben: Ich bin als Persönlichkeit nicht anders gebunden an meinen physischen Leib und an meinen Ätherleib, als ich gebunden bin, wenn ich vor einem Spiegel stehe und der Spiegel mir mein Bild zurückstrahlt -, würde der Mensch dieses Bewußtsein über sein Ich und seinen astralischen Leib haben, würde er dieses Ich und diesen astralischen Leib als ein Wirkliches, nicht als ein bloßes Spiegelbild erkennen, dann würde er auch durch dasjenige, was er als Ideale hat, anerkennen: Das sind reale Kräfte wie Elektrizität und Magnetismus, nur wirken sie nicht in der Gegenwart, sondern sie erobern sich ihre Wirksamkeit von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Inkarnation, von diesem Erdendasein bis in das nächste Erdendasein hinüber.

Und würde der Mensch im Wachzustande erkennen, daß sein Ich und sein astralischer Leib verbunden sind mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie, würde der Mensch mit andern Worten sich wirklich voll durchschauen, nicht bloß erfühlen als freie Persönlichkeit, als Mensch und als Erdenmensch, würde der Mensch das so in sich erfühlen, wie er falsch nacherfühlt, er sei ein Mensch aus Fleisch und Blut, dann würde er auch nicht glauben, daß die Naturordnung draußen, die sich seinen Sinnen darbietet, dasjenige ist, was stark genug ist an Wirklichkeit, um der Kraft der Ideale zu widerstehen. Er würde wissen, daß dasjenige, was heute Naturordnung ist, zerfällt mit allen Stoffen, daß es keine Erhaltung des Stoffes gibt, sondern daß dasjenige, was Natur ist, sich vernichtet. Und wenn das nicht mehr da ist, was heute Natur ist, dann wird ein anderes äußeres sinnenfälliges Wirkliches an die Stelle getreten sein: das, was heute Ideale sind, wird die Natur der nächsten Zeiten sein." (Lit.: GA 184, S. 38f)

"Man sagt, daß es gewisse Naturkräfte gibt, die bewirken, daß die Pflanzen nach oben getrieben werden, und diesen Kräften spricht man Realität zu. Aber wenn man in den Menschen hineinschaut und dort die Triebkräfte sittlicher und religiöser Ideale auffindet, dann will man diesen keine Realität zusprechen. Da sind sie aber und wirken nicht nur in jedem Menschen, sondern auch auf die Kulturen der ganzen Menschheit. Durch höhere Erkenntnis lernt man erkennen, daß die sittlichen Ideale dadurch im Menschen leben, daß Materie verbrannt wird. Materie wird vernichtet durch das Fassen sittlicher Ideale. Abbau von Materie ist die Voraussetzung zum Aufbau sittlicher Ideale. Auf die Art und Weise, wie der Mensch Materie abbaut, wie er sie wieder aufbauen kann, kommt es an. Die äußere Forschung ist zwar noch befangen in dem Vorurteil von der Unvergänglichkeit der Materie, doch Geisteswissenschaft zeigt, daß die Naturkräfte draußen durch den Menschen durchbrochen werden. Im Besitz anthroposophischer Weltanschauung lernt man sich trösten über die Vorstellung vom Wärmetod der Erde. Denn gerade durch die Vernichtung der Materie sichert sich der Mensch den Aufbau seiner moralischen Persönlichkeit." (Lit.: GA 210, S. 247f)

Literatur

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