Infektionskrankheit

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Eine Infektionskrankheit (von lat. īnficere „anstecken“, „vergiften“; wörtlich: „hineintun“), verkürzt auch Infekt genannt, ist eine ansteckende, durch Krankheitserreger hervorgerufene Erkrankung, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht jede Infektion („Ansteckung“) notwendig zu einem Krankheitsausbruch führt. Krankheitserreger können Algen, Bakterien, Parasiten, Pilze, Prionen, Protisten, Viren oder Viroide sein. Besondere Probleme treten auf, wenn die Primärinfektion das Immunsystem so schwächt, dass es zu einer Sekundärinfektion durch weitere, oft noch gefährlichere Erreger kommt.

Häufen sich innerhalb einer Population die Erkrankungen, spricht man von einer Seuche bzw. Epidemie, die sich durch die zunehmende Globalisierung bis zu einer weltweiten Pandemie steigern kann. Die Ausbreitung und Eindämmung von Infektionskrankheiten wird durch die Infektionsepidemiologie, einem Teilgebiet der allgemeinen Epidemiologie, untersucht.

Geistige Ursachen für den Ausbruch und Verlauf von Infektionskrankheiten

Konstitution des Menschen

Entscheidend für den Ausbruch und Verlauf einer Infektionskrankheit ist nicht nur die Pathogenität und Verbreitung des Erregers, sondern vor allem auch die Konstitution des befallenen Organismus. Der Erreger ist zwar notwendig, um die Krankheit zu erregen, aber er ist nicht deren eigentliche Ursache. Psychische Ursachen spielen hier eine wesentliche Rolle und geben den Krankheitserregern überhaupt erst die Möglichkeit, sich zu entfalten. Das wird heute durch die interdisziplinären Forschungsgebiete der Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie weitgehend bestätigt. Es hat sich gezeigt, dass Botenstoffe des Nervensystems auf das Immunsystem und Botenstoffe des Immunsystems auf das Nervensystem wirken. Wichtige Schnittstellen dieser biologisch-mentalen Regelkreise sind das Gehirn mit der Hirnanhangdrüse, die Nebennieren und die Leukozyten (Immunzellen). Psychische, neurologische und hormonelle Faktoren und ihre komplexe Wechselwirkung sind für die Immunabwehr entscheidend.

Im Zusammenhang mit Betrachtungen zur Darmflora wehrt sich Rudolf Steiner gegen die Anschauung, die im Erreger die primäre Ursache einer Krankheit sieht:

„Es ist schon wirklich eigentlich schrecklich, wenn man heute an die Prüfung der pathologischen Literatur herangeht und bei jedem Kapitel aufs Neue darauf stößt: für diese Krankheit ist der Bazillus entdeckt, für jene Krankheit ist der Bazillus entdeckt und so weiter. ...Für das Kranksein hat das keine andere Bedeutung als höchstens die eines Erkennungszeichens, eines Erkennungszeichens insofern nämlich, als man sagen kann: Wenn die oder jene Krankheitsform zugrunde liegt, so ist im menschlichen Organismus die Gelegenheit geboten, dass sich diese oder jene interessanten kleinen Tier- oder kleinen Pflanzenformen auf einem solchen Unterboden entwickeln, aber sonst weiter nichts. Mit der wirklichen Krankheit diese Entwickelung der kleinen Fauna und kleinen Flora in einem sehr geringen Maße etwas zu tun, höchstens in einem indirekten Maße.“ (Lit.:GA 312, S. 81f)

Der Blick sei vielmehr auf die tieferliegenden Ursachen zu richten, die es den Krankheitserregern überhaupt erst ermöglichen, sich zu entwickeln, und in der Folge allerlei Erscheinungen wie z. B. Entzündungen hervorzurufen.

„Denn bedenken Sie nur, wenn im Verlaufe irgendeiner Krankheit in irgendeinem Körperteile Bazillen in größerer Menge auftreten, ist es ja natürlich, daß diese Bazillen Erscheinungen hervorrufen, wie jeder Fremdkörper im Organismus Erscheinungen hervorruft, daß infolge des Vorhandenseins dieser Bazillen allerlei Entzündungen auftreten. Schreibt man nun alles der Wirksamkeit dieser Bazillen zu, so lenkt man die Aufmerksamkeit tatsächlich nur auf dasjenige, was eigentlich die Bazillen machen. Man lenkt dabei aber diese Aufmerksamkeit ab von dem eigentlichen Ursprung der Erkrankung. Denn jedesmal, wenn im Organismus niedere Organismen einen geeigneten Boden für ihre Entwicklung finden, so ist eben dieser geeignete Boden durch die eigentlichen primären Ursachen schon geschaffen. Auf dieses Gebiet der primären Ursachen muß einmal die Aufmerksamkeit gelenkt werden.“ (Lit.:GA 312, S. 328f)

Heinz Grill schildert am Beispiel der Tollwuterkrankung, wie aus seelisch-geistiger Sicht der Mensch selbst die Ursache für Virusinfektionen bildet: "Der Rabiesvirus entstand zu einer Zeit, als der Mensch erstmals eine eigenartige Entdeckung leisten konnte und diese äußert sich in der lasterhaften Verführung zur Bequemlichkeit. Bis zur Zeit der Antike war die Genusswelt der Bequemlichkeit für den Menschen eine völlig unbrauchbare Wirklichkeit, so ungeeignet, wie wenn heute jemand nur noch im warmen Bett verweilen möchte und jede Aktivität scheut. Indem er aber die Bequemlichkeit entdeckte und sich dieser mit emotionalen Wonnegefühlen hingeben lernte, sendete er förmlich eine zerstörende Kraft auf die Weltenschöpfung aus und es kam ein Virus in das Tierreich, der eine heftige Attackierung auf das Nervensystem mit Aggression und Kämpfen bis hin zum unweigerlichen Tode verursachte. Nicht vom Tier zum Menschen sondern von den Verhaltensweisen, die die menschliche Entwicklung hervorbrachte, entsandte sich der Virus, der zum Tierreich überging und von diesem wieder zurück zum Menschen kam."[1]

Die höheren Wesensglieder des Menschen

Aus anthroposophischer Sicht müssen neben dem physischen Leib aber auch die höheren Wesensglieder des Menschen, deren Tätigkeit sich in den physischen Organen widerspiegelt, mit einbezogen werden. Das Drüsensystem ist der unmittelbarste physische Ausdruck des Ätherleibs, der eigentliche Träger der Lebens und damit auch der Heilkräfte ist. Im Nervensystem wirkt am stärksten der Astralleib. Das Ich, die einzigartige Individualität des Menschen, bildet den Mittelpunkt der Seele, wobei sich diese wiederum in drei unterschiedliche seelische Wesensglieder, die durch die, allerdings weitgehend unbewustte Tätigkeit des Ich ausgebildet werden. Die Empfindungsseele, das in gewissem Sinn niederste seelische Wesensglied, entsteht, indem das Ich mehr oder weniger unbewusst den Astralleib umwandelt. Durch die Arbeit des Ich am Ätherleib bildet sich die Verstandes- oder Gemütsseele und durch die - natürlich nur sehr zarte - Umwandlung des physischen Leibes entfaltet sich die Bewusstseinsseele. Je mehr der Mensch durch Selbsterziehung an diesen seelischen Wesensgliedern arbeitet, desto wirksamer werden auch die Selbstheilungskräfte, die das Immunsystem stärken.

Diese ganzheitliche Betrachtung des Menschen führt Otto Wolff zu der Beobachtung, dass „das Phänomen Ansteckung keineswegs nur bei den Infektionskrankheiten existiert. Dieselbe Erscheinung ist auf geistigem und auf seelischem Gebiet genauso zu beobachten. ... Die Begeisterung für eine Sache wirkt ebenso ansteckend wie eine negative Seelenhaltung, ein Sachverhalt, auf den R. Steiner für die Pädagogik wiederholt hingewiesen hat, der aber heute kaum berücksichtigt wird. Auch bei der Suggestion handelt es sich un eine bewusste, gewollte Infektion, d.h. das Eindringen einer Fremdwirksamkeit. Der Begriff Infektion wäre hier viel eher angebracht als bei den Mikroorganismen, da es sich um einen vom Eindringling gewollten Prozess handelt, was man den Bakterien oder Viren nicht unterstellen kann. Von hier zur Reklame gibt es alle Übergänge, wobei oft die Freiheit und Widerstandsfähigkeit des Menschen bewusst ausgeschaltet oder umgangen werden. ... Es handelt sich bei diesen Phänomenen keineswegs um Analogien oder Ähnlichkeiten, sondern um dieselben Vorgänge auf körperlicher, seelischer oder geistiger Ebene.“[2]

Furcht vor Ansteckung

Durch die Furcht vor der Ansteckung wird das Immunsystem geschwächt. Angststörungen führen nachweislich zu einer verringerten Produktion von Lymphozyten, die für die Immunabwehr unerlässlich sind. Wie man das Infektionsrisiko verringern kann, erläutert Rudolf Steiner am Beispiel der Pockenerkrankung so:

„Man kann sagen, daß die Ansteckungsgefahr doch eine außerordentlich starke ist bei der Pockenerkrankung. Nur sollte man nicht so leichtsinnig sein, just immer gleich an physische Vermittlung zu denken bei der Übertragung, sondern es sind sogar bei der Pockenerkrankung besonders stark vorliegend die psychischen Anlagen. Dafür könnte ein Beweis der sein, daß man sich sehr gut schützen kann, wenn man in der Lage ist, sich in rechter Art abzuschließen. Ich darf darüber deshalb sprechen, weil ich einmal als zweiundzwanzigjähriger Mensch - die Umstände brauche ich nicht zu erwähnen - einen Schüler unterrichtet habe, dessen Mutter mit schwarzen Pocken unmittelbar daneben lag, nur durch eine spanische Wand getrennt von der Stube, in der ich meinen Unterricht gab. Ich habe nichts dagegen gemacht, habe den Unterricht die ganze Zeit fortgesetzt, bis die Mutter wieder gesund geworden ist. Aber ich habe das ganz gern getan, namentlich auch, um zu sehen, wie man sich schützen kann, wenn man absolut den Pockenkranken, also auch den an schwarzen Pocken Erkrankten, nimmt ganz objektiv wie ein anderes Objekt, wie einen Stein oder einen Strauch, dem gegenüber man gar keine weiteren Furchtgefühle noch sonst psychische Regungen hat, sondern ihn nimmt als eine objektive Tatsache. Da ist in der Tat der Ansteckungsgefahr in hohem Maße zu begegnen. Daher kann schließlich der psychische Faktor auch bei der Ansteckung stark mitspielen.“ (Lit.:GA 314, S. 286f)

Materialistische Gesinnung

Die Entstehung von Epidemien wird auch durch eine weit verbreitete materialistische Gesinnung gefördert.[3] Das gibt den ahrimanischen und luziferischen Widersachermächten nicht nur die Gelegenheit verschiedenste Krankheitserreger hervorzubringen, sondern auch die Abwehrkräfte gegen diese zu schwächen.

„Nun wird selbstverständlich jeder Mensch in der Gegenwart sagen, es wäre töricht, Bazillen geradezu zu mästen, zu pflegen, sie zu veranlassen, möglichst zahlreich zu werden. Aber es handelt sich nicht darum, daß man Grundsätze hat, und welche Grundsätze man hat, sondern darum, daß man die Sache vom richtigen Gesichtspunkt aus anzusehen vermag. Und nun kann vor der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis nicht geleugnet werden, daß zum Beispiel ein Ich und ein Astralleib, die sich nur füttern mit materialistischen Vorstellungen, die abweisen alle spirituellen Vorstellungen, die abweisen allen Spiritualismus, davon nichts wissen wollen, wenn sie schlafend aus dem Leibe hinausgehen, aus der geistigen Welt Kräfte in die Organe hineinstrahlen, die geradezu förderlich sind für das Bazillenleben. Man kann, wenn man Bazillen recht mästen will, nichts Besseres tun, als rohe materialistische Vorstellungen in den Schlaf mit hineinnehmen und dadurch ahrimanische Kräfte aufrufen, welche einstrahlen in den Organismus und zu Bazillenpflegern werden.

Nun müssen wir, wenn wir eine solche Sachlage in der richtigen Weise beurteilen wollen, uns klar machen, daß in dem Augenblick, wo wir die Betrachtung auf das geistige Leben erstrecken, wir sogleich ins Auge zu fassen haben, was menschliche Gemeinschaft heißt. Denn das Zusammenwirken in der menschlichen Gemeinschaft erweist sich sogleich in ungeheurem Maße größer, wenn es sich handelt um geistige Wirkungen, als um diejenigen, die sich bloß vollziehen auf dem physischen Plan. Man könnte nämlich sagen, nun könnte also jemand am besten tun, um ja keine Bazillen in seinem Leibe schädlich werden zu lassen, als Heilmittel anzuwenden, sich mit spirituellen Vorstellungen schlafen zu legen. Vielleicht wäre das sogar ein Mittel, wenn man es äußerlich klinisch beweisen würde, daß die hartgesottensten Materialisten der Zukunft sich verschreiben ließen geradezu spirituelle Vorstellungen, und auf diese Weise einiges erhofft werden könnte für das spirituelle Leben. Nun aber, so einfach liegt die Sache nicht, denn es beginnt gleich die Bedeutung des gemeinschaftlichen Lebens, wenn es sich um Geistiges handelt, und da können wir sagen: Es nützt vielleicht gar nichts dem einzelnen, wenn er solche spirituellen Vorstellungen hegt, wenn die anderen ringsherum mit materialistischen Vorstellungen zu Bazillenpflegern werden, denn da pflegt einer für den anderen, - Das ist das Wichtige, was wir ins Auge fassen müssen. Deshalb muß immer wiederum betont werden, was ich auch hier schon besprochen habe: Geisteswissenschaft als solche kann das eigentlich Fruchtbare, das sie zu leisten hat für die Menschheit, sozusagen nicht bloß individuell leisten; es genügt nicht, daß der einzelne die geisteswissenschaftlichen Dinge aufnimmt, sondern Geisteswissenschaft muß in Geduld warten, bis sie ein Kulturfaktor wird, bis sie die Herzen und Seelen vieler durchzieht; dann erst wird sich zeigen, was sie den Menschen sein kann.

Es gibt allerdings etwas, was ebenso stark auf die ahrimanischen Wesenheiten wirkt, die wir in den Bazillen zu beobachten haben. Ich sage: ahrimanische Wesenheiten. Ich kann Ihnen leicht einen Unterschied sagen zwischen ahrimanischen Wesenheiten und anderen Wesenheiten, es geht leicht, das zu unterscheiden auch äußerlich. Wir sehen gewissermaßen rund um uns herum die Natur mit ihren Geschöpfen erfüllt. Alles, was unmittelbar draußen lebt in der Natur, hat gewissermaßen sein Leben von den fortschreitenden guten weisen Schöpfern. Alles das, was sein Dasein aufschlägt in anderen Organismen und da vorzugsweise gedeiht, ist unter den Geschöpfen luziferischer oder ahrimanischer Art. Alles Parasitäre ist auf luziferischen oder ahrimanischen Ursprung zurückzuführen; das muß festgehalten werden, denn dadurch können wir im Reiche der Natur sehr leicht unterscheiden. Eines, sagte ich, gibt es noch, was außerordentlich förderlich ist diesen ahrimanischen Geschöpfen, die als Parasiten im menschlichen Leibe leben, das ist das Folgende. Nehmen wir an, wir leben in einer Epidemie drinnen oder in einer Seuche. Selbstverständlich muß da einer für den anderen stehen, und da tritt das menschliche Gemeinschaftswesen und all das, was damit zusammenhängt, in ungeheurer Stärke auf, weil tatsächlich die karmischen Zusammenhänge so sein können, daß der, der durch individuelle Betätigung am wenigsten geeignet scheint, der Epidemie zu verfallen, doch ihr verfällt. Aber im allgemeinen gilt trotzdem - wir dürfen uns durch den Schein nicht täuschen lassen - , was ich jetzt sagen werde: Wenn man umgeben ist von den der Krankheit verfallenen oder sterbenden Menschen und diese Bilder zunächst aufzunehmen hat und dann mit diesen Bildern in den Schlaf zieht und nichts hineindringt als die egoistische Furcht, dann durchtränkt sich die Imagination, die aus diesen Bildern entsteht und während des Schlafes in der Seele lebt, mit der egoistischen Furcht, und das bewirkt, daß da schädliche Kräfte einschlagen werden in den menschlichen Leib. - Furcht-Imaginationen sind dasjenige, was tatsächlich pflegende Kräfte für des Menschen ahrimanische Feinde abgibt. Wenn sich ausbreitet eine edle Gesinnung, so daß die egoistische Furcht zurücktritt, und das liebende Helfen unter den Menschen wirkt und in den menschlichen Schlaf nun hineingeht, nicht mit Furcht-Imaginationen, sondern mit dem, was das liebende Helfen bewirkt, dann bedeutet das Schäden für die ahrimanischen Feinde des Menschen. Und es ist tatsächlich wahr, daß man erfahren würde, was die Ausbreitung einer solchen Gesinnung auf das Beendigen von Epidemien wirken könnte, wenn man sich danach benehmen würde. Ich deute Ihnen damit an, wie einmal, was heute noch nicht sein kann, von der Erkenntnis des geistigen Lebens heraus im sozialen Menschenleben gewirkt werden wird, wie die menschlichen Seelen in geistiger Erkenntnis erstarken werden und wie die in die Gesinnung übergehenden geistigen Erkenntnisse vom Geiste heraus gesundend auch auf das materielle Erdenleben wirken werden.“ (Lit.:GA 261, S. 15ff)

Karmische Ursachen

Infektionskrankheiten hängen wie alle Krankheiten stets auch mit dem Karma des Menschen zusammen. So kann beispielsweise mangelndes Selbstgefühl dazu führen, dass man sich in der nächsten Inkarnation einer Seuche aussetzt, um in deren Überwindung das Selbstgefühl zu stärken.

„Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem Ich- Gefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!

Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten, das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.“ (Lit.:GA 120, S. 80f)

Bei Seuchen, die ganze Völker betreffen, steht das Volkskarma im Hintergrund, bei weltweiten Pandemien das ganze Menschheitskarma.

„Das Innere drückt sich immer später im Äußeren aus. Eine Krankheit ist die karmische Folge einer früheren verkehrten Tat, zum Beispiel einer Lüge. Wenn eine solche real wird, so wird sie eine Krankheit. Seuchen gehen auf weit zurückliegendes Unrecht der Völker zurück. Sie sind etwas Unvollkommenes, das von innen nach außen gerückt ist.“ (Lit.:GA 93a, S. 73)

Bedeutsam ist die von Ahriman geschürte Angst namentlich dann, wenn sie ganze Völker ergreift und unbewusst als Gruppenkarma in die folgende Inkarnation hinüberwirkt. Infektionskrankheiten erreichen dann sehr leicht ein epidemisches Ausmaß. Rudolf Steiner nennt als Beispiel die Ängste, die mit dem Einfall der Hunnen in Europa verbunden waren und im späteren Mittelalter die Lepraepidemien auslösten.

„Sie müssen in diesem Falle, wenn Sie geistig die tiefere Ursache dieser Krankheit erklären wollen, zurückblicken auf ein bedeutsames historisches Ereignis: auf das Ereignis, als von Osten her große Völkermassen über Europa hinwegstürmten und dieses Europa in Furcht und Schrecken setzten. Diese asiatischen Scharen waren Volker, die auf der alten Atlantierstufe stehengeblieben und daher im Niedergang begriffen waren, also Völker, die den Niedergangs-, sozusagen den Fäulnischarakter besonders stark in ihrem Asträlleib hatten. Wären diese Völkerschaften über Europa herübergestürmt, ohne daß die Europäer sich erregt oder erschreckt hätten, dann wäre nichts passiert. So aber verursachten diese Horden Angst und Schrecken und Bestürzung; ganze Völkerschaften in Europa erlebten diese Angstund Schreckenszustände. Und nun mischte sich der faule Astralstoff der Hunnen mit den von Angst und Furcht und Grauen durchwühlten Astralleibern der Überfallenen Völker. Die degenerierten Astralleiber der asiatischen Stämme luden ihre schlechten Stoffe auf diese furchtdurchwühlten Astralleiber der Europäer ab, und diese Fäulnisstoffe bewirkten eben, daß später die physische Wirkung der Krankheit auftrat. Das ist in Wahrheit die tiefe geistige Ursache des Aussatzes im Mittelalter. Es tritt also etwas, was geistig verursacht ist, in späterer Zeit im physischen Körper auf. Nur wer dieses Gesetz von Karma kennt und es zu durchschauen vermag, ist dazu berufen, in den Geschichtsverlauf tätig einzugreifen.“ (Lit.:GA 100, S. 87f)

Das Leid, das der Mensch den Tieren zufügt, hat seine unmittelbaren Folgen im Leben nach dem Tod, wenn er das Kamaloka durchschreitet. Darüber hinaus hat es aber auch karmische Folgen, die sich in einer späteren Inkarnation durch Infektionskranheiten manifestieren.

„Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviel Tiere er getötet hat. Was bedeuten diese Schmerzen, diese Tode im Laufe der Evolution?

Da zeigt uns das okkulte Studium, daß jeder Schmerz, der einem schmerzempfindenden Wesen außer dem Menschen zugefügt wird, daß jeder Tod eine Aussaat ist für die Zukunft. So wie die Tiere gewollt sind durch die fortschreitende göttliche Entwickelung, sind sie nicht bestimmt, Inkarnationen zu haben wie die Menschen. Aber wenn eine Änderung eintritt in diesem weisheitsvollen Weltenplan, wenn der Mensch eingreift und die Evolution der Tiere nicht sein läßt, wie sie sein sollte ohne den Menschen, was geschieht dann? Nun, die okkulte Forschung lehrt uns, daß jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, daß diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation, sondern weil den Tieren Schmerzen und Leiden zugefügt wurden. Diese Schmerzen, diese Leiden rufen die Tierheit wieder hervor. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder. Es kommt so wieder, daß die Schmerzen der Tiere ausgeglichen werden, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl hinzugefügt wird. Diese Schmerzen, diese Leiden, dieser Tod, sie sind die Saat, die der Mensch gestreut hat; sie kommen so wieder, daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen: Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Aus den Empfindungen und Gefühlen dieser Menschen heraus wird der Ausgleich geschaffen werden zu ihren Schmerzen. Das ist die okkulte Wahrheit, die man objektiv und ungeschminkt sagen kann, wenn es auch dem heutigen Menschen nicht angenehm ist. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben. Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens, so sonderbar es scheint. Warum werden denn die Menschen gequält von Wesen, die eigentlich weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zwischen beiden stehen, die ein Wohlgefühl daran haben, wenn der Mensch leidet, von Bazillenarten und dergleichen Geschöpfen? Dieses Schicksal haben sie in früheren Inkarnationen dadurch, daß sie Leiden und Tod den Tieren zugefügt haben, sich geschaffen. Denn das Wesen, wenn es auch nicht in derselben Form erscheint, das empfindet hinüber über die Zeiten und empfindet den Ausgleich der Schmerzen in den Leiden, die der Mensch erfahren muß. So ist alles dasjenige, was an Leiden und Schmerzen geschieht, durchaus nicht ohne Folgen. Es ist eine Aussaat, aus der dasjenige hervorgeht, was durch Schmerz und Leid und Tod bewirkt worden ist. Es kann kein Leid, kein Schmerz, kein Tod geschehen, ohne daß dadurch etwas bewirkt wird, was später aufgeht.“ (Lit.:GA 143, S. 139ff)

Einwirkungen von Toten

Menschen mit mangelnder moralischer Gesinnung, deren Erdenleben von Gewissenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit geprägt war, werden im Leben nach dem Tod zu Dienern furchtbarer geistiger Wesen, die an der Entstehung von epidemischen Krankheiten beteiligt sind.

„Da sehen wir die physische Welt durchzogen von Krankheiten, Seuchen, sehen diese physische Welt durchzogen in früheren Zeiten von jenen Seuchen, die ja hinlänglich bekannt sind. Man braucht nur die verheerenden Züge unter der älteren europäischen Bevölkerung durchzugehen, wo die Pest, Cholera und dergleichen hinzog über die Lande. In dieser gegenwärtigen Zeit sind wir in bezug auf solche Dinge - man kann das Wort dafür gebrauchen - noch verhältnismäßig glücklich daran. Allein schon bereiten sich gewisse Epidemien vor, auf die bereits in unseren Vorträgen aufmerksam gemacht worden ist. So sehen wir also den gleichsam zur Unzeit eintretenden Tod über die Erde hinziehen, und so auch sehen wir Krankheiten und Seuchen über die Erde hinziehen. Und der Seher sieht Seelen, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, jenen Geistern helfen, die aus den übersinnlichen Welten in die Sinneswelt die Kräfte tragen, welche Seuchen, Krankheiten bringen, welche sozusagen unzeitige Tode bringen. Es gehört zu den furchtbaren Eindrücken, Menschenseelen in gewissen Zeiten ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wahrzunehmen, die Diener geworden sind der schlimmen Geister von Krankheit und Tod, und die sich selber dazu verurteilt haben, solche Diener der schlimmen Geister von Krankheit und Tod zu werden.

Versucht man nun das Leben solcher Menschen zurückzugehen bis vor die Zeit, da sie die Pforte des Todes durchschritten haben, dann findet man immer bei denjenigen Menschen, die sich das eben erwähnte Schicksal bereitet haben, daß sie in ihrem Leben auf dem physischen Plan Mangel an Gewissenhaftigkeit, Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl gehabt haben. Das ist ein ständiges Gesetz, welches sich dem Seher zeigt, daß Seelen, die durch die Pforte des Todes schreiten, und die vorher gewissenlose Seelenanlagen gehabt haben oder in Gewissenlosigkeit gelebt haben, sich zu einer bestimmten Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu den Dienern machen derer, die mitarbeiten müssen an dem Hereintragen von Seuchen, Krankheiten und unzeitigen Toden in die physisch-sinnliche Welt. Da sehen wir naturgemäßes Geschehen, dem diese Seelen unterliegen, und von dem wir nicht sagen können, es sei, wie eine Kristallisation oder wie der Stoß zweier elastischer Kugeln oder dergleichen, unabhängig von irgendwelchen moralischen Fehlern; sondern an dem, was da geschieht, was diese Seelen uns zeigen, sehen wir, wie sich in den höheren Welten durcheinandermischt dasjenige, was als Naturgesetzmäßigkeit in den höheren Welten wirkt, mit der moralischen Weltordnung, Wie die Dinge in den höheren Welten geschehen, das hängt ab von Wesenheiten, an denen das eine oder das andere geschieht, je nachdem diese sich moralisch in die Welt hineingestellt haben.“ (Lit.:GA 144, S. 32f)

Atmosphärische und kosmische Einflüsse

Menschen, die zu einem unregelmäßigen Atemrhythmus neigen, sind dazu disponiert, die jahreszeitlichen atmosphärischen Erscheinungen und auch bestimmte kosmische Rhythmen zu stark auf ihren Organismus wirken zu lassen. Erreger von Atemwegserkrankungen können sich dann leichter entfalten. Dies kann zu epidemischen Erkrankungen führen, wie Rudolf Steiner am Beispiel der Grippe bzw. Influenza erläutert:

„Denn bei all denjenigen Menschen, die zum Beispiel leicht zu einer Schädigung ihres Kopf-Brust-Rhythmus, der das Gröbste im Atmungsrhythmus hat, neigen, ist eine Disposition vorhanden, gewisse atmosphärische Erscheinungen, auch gewisse außertellurische Erscheinungen, stark auf sich wirken zu lassen. Andere, die von vornherein in gesunder Weise in bezug auf ihr Atmungssystem eingerichtet sind, bei denen wird Widerstand geleistet gegen solche Einflüsse. Denken Sie sich zum Beispiel — ich will etwas herausgreifen: es ist immer natürlich wieder so, daß andere Ursachen wiederum störend eingreifen können, aber verstehen, worauf es ankommt, kann man doch, wenn man in dieser Weise die Sache schildert —, denken Sie sich, man hätte es einmal zu tun in einem Winter mit einer starken Beeinflussung der Sonnentätigkeit — ich sage jetzt nicht der Lichtwirkung, sondern der Sonnentätigkeit — durch die äußeren Planeten Mars, Jupiter, Saturn. Eine solche Winterkonstellation wirkt anders, als wenn die Sonnentätigkeit durch das Fernabstehen von Mars, Jupiter und Saturn für sich allein zur Geltung kommt. Wenn ein solcher Winter da ist — man kann es schon bemerken an den atmosphärischen Erscheinungen, sie sind anders, als sie sonst sind —, dann wird ein starker Einfluß bei dazu disponierten Personen geübt auf die rhythmische Tätigkeit, die zwischen Brust und Kopf verläuft und die ihren gröbsten Ausdruck in der Atmungstätigkeit findet. Man kann sagen: Die Neigung, diesen Rhythmus regelmäßig zu machen, die wird durch eine solche kosmische Konstellation wesentlich verstärkt bei den Menschen, die zum Beispiel herausgeboren sind aus gesunden Verhältnissen, die robust sind in bezug auf ihr Inneres. Sie können dabei äußerlich sehr schmächtig sein. Bei denen ist ein sehr stark geregelter Atmungsrhythmus da, und entsprechend ist der Kopf-Brust-Rhythmus überhaupt dann stark geregelt. Ein solcher innerlich gefestigter Rhythmus, der läßt sich nicht leicht bestimmen von dem, was außen wirkt. Da müssen schon starke Insulte kommen, wenn Sie ihn bestimmen wollen. Bei wem aber schon dieser Rhythmus in einer gewissen Weise unregelmäßig verläuft, auf den wirkt ein solcher Einfluß, wie ich ihn geschildert habe, außerordentlich stark, denn der schon geschädigte Rhythmus hat die Tendenz, sich noch weiter schädigen zu lassen, und alle diejenigen Menschen, die dann auftreten mit solchen Dispositionen an denjenigen Orten der Erde, auf die diese Konstellation des Himmels besonders wirkt, sind zum Beispiel die Kandidaten für die sogenannte Influenza und für die Grippe. Diese Dinge müssen durchaus da sein, wenn der besondere Grund und Boden für so etwas wie für Influenza und Grippe geschaffen werden soll.“ (Lit.:GA 312, S. 338f)

Religiöser Fanatismus

Nach den Ausführungen von Heinz Grill ist im religiösen Fanatismus eine weitere geistige Ursache für den Ausbruch von Infektionskrankheiten zu suchen: „Es ist nach esoterischer Betrachtung eine unbewusste Dimension im Menschen, eine astrale Wirklichkeit, die von innen heraus eine Art Anziehung nach außen über ein gestörtes Lebenskräftegleichgewicht aussendet und auf dieser Grundlage zielsicher den genau passenden Keim aufnimmt. Die Krankheit beginnt deshalb nicht mit einem Virus, sondern sie beginnt mit einer misslichen, geschwächten und in eigenen Ungleichgewicht befindlichen Konditionierung. ... Viele Personen haben sich gegen religiös fanatische Suggestionen und heftigste Eingriffe in die Privatsphäre nicht ausreichend gewehrt und förderten dadurch ein Verhältnis, dass sie durch ihr mangelndes Reagieren die reiche und autoritativ bevormundende Macht stärkten. Sie nahmen sich auf falsche Weise in ihren Selbstgefühlen zurück und verminderten ihre psychischen Ausstrahlungen und physischen Verhältnisse. Die religiöse Bedeutung, die innere Aufrichtekraft des Menschen, die zu einer moralischen Haltung zählt, werden in der Coronakrise nicht mehr gesehen, sie nehmen aber eine ganz tiefe und verborgene Ursache ein. Der Mensch wird in ein passives Glaubensschema befördert und verliert zunehmend das Vertrauen in seine Selbstkräfte. Der Virus tritt nun an jenen Orten auf, die am meisten die Projektionen aus einer degenerativen und scheinbar emanzipierten Glaubensliga empfangen. Es gibt tatsächlich eine Zahl von Personen, die religiöse Fanatiker sind und die größten Vorteile mit der Coronakrise für sich verbuchen.“[4]

In dem Sinne, dass eine Infektion dann auftritt, wenn das Lebenskräftegleichgewicht über längere Zeit gestört ist, weist Rudolf Steiner auf die Bedeutung von Sorgen und Kümmernissen über einen längeren Zeitraum hin:

„Vor allen Dingen wird Ihnen die Erfahrung den merkwürdigen Zusammenhang des ätherischen Leibes mit dem Astralleib dann ergeben, wenn Sie beobachten, wie im Menschen Sorge, Kümmernisse und so weiter fortwirken. Sie dürfen da nicht etwa bloß beobachten die Sorge und die Kümmernisse, die sich am letzten Tage oder in der letzten Woche abgespielt haben, die sind schließlich das allerwenigst Bedeutsame, sondern diejenigen, die weiter zurückliegen. Denn es muss immer eine gewisse Periode verfließen von der Zeit, wo Sorgen und Bekümmernise auf einen Menschen wirken, bis zu der Zeit, wo sie gewissermaßen organisch geworden sind, wo sie in das Wirken des Organismus übergegangen sind. Sorgen und Kümmernisse, wenn sie einen gewissen Grad erreichen, sind immer so, dass sie in einer späteren Zeit erscheinen als Anomalien im organischenWirken. Sie gehen bis zur Verunregelmäßigung des Rhythmusorganismus, und erst dann können sie weiter wirken auf den Stoffwechselorganismus und so weiter. Das müssen wir als eine Grundtatsache ins Auge fassen.“ (Lit.:GA 313, S. 53)

Infektionswege

Krankheitserreger können über verschiedene Infektionswege in den Blutkreislauf gelangen, was die notwendige Voraussetzung für ihre Vermehrung ist. Praktisch alle Lebewesen, also sowohl Menschen als Tiere und Pflanzen, können von einer Infektion betroffen werden. Neben der Ansteckung von Mensch zu Mensch, findet oft auch eine Übertragung von Tieren zum Menschen statt; in diesem Fall spricht man von einer Zoonose (von griech. ζῶον zōon „Tier“ und νόσος nósosKrankheit“).

Bei einer autogenen bzw. endogenen Infektion (auch: Autoinfektion), die bei geschwächtem Immunsystem auftreten kann, entstammt der Erreger der normalerweise völlig harmlosen körpereigenen Flora und gelangt über den Darm, die Haut oder die Lunge in den Blutkreislauf.

Bei einer exogenen Infektion wird der Erreger hauptsächlich über vier Infektionswege aus der Umwelt aufgenommen:

  • Bei einer Tröpfcheninfektion wird Sekret aus den Atemwegen auf die Schleimhäute anderer Lebewesen übertragen. Eine Tröpfchenübertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit den Sekrettröpchen, eine aerogenen Übertragung hingegen durch in der Luft zerstäubte Aerosole, die Tröpfchenkerne mit Erregern enthalten.
  • Eine Kontaktinfektion oder Schmierinfektion erfolgt durch die Berührung anderer Lebewesen, entweder direkt (beispielsweise bei Hautkontakt) oder indirekt durch verseuchte Gegenstände.
  • Die Infektion kann auch durch den Austausch von Körperflüssigkeiten geschehen.
  • Viele Erreger werden durch blutsaugende Insekten übertragen, wie es etwa bei der Malaria der Fall ist.

Epidemiologische Kennzahlen

Prävalenz

Die Prävalenz (von lat. praevalēre „sehr stark sein“) oder Krankheitshäufigkeit gibt an, welcher Anteil einer Population gegebener Größe zu einem bestimmten Zeitpunkt erkrankt ist (die sog. Punktprävalenz). Sie wird in der Regel aufgrund von Stichproben abgeschätzt. Bei zeitlich enger begrenzten Erkrankungen, wie beispielsweise einer Grippewelle, ist oft die auf einen bestimmten Zeitraum, etwa „die letzten sieben Tage“, bezogene Periodenprävalenz zu bevorzugen.

Inzidenz

Die Inzidenz (von lat. incidere „vorfallen“) gibt an, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum neu erkranken und unterscheidet sich dadurch von der Prävalenz. Im einfachsten Fall wird sie durch die Anzahl der Neuerkrankungen ausgewiesen, die in einem Jahr pro 100.000 Menschen auftreten.

Risiko

Zur Risikoabschätzung dient die kumulative Inzidenz (eng. cumulative incidence, CI). Sie gibt die Anzahl LaTeX: N_I der Menschen an, die in einer definierten Zeitspanne mindestens einmal von der Krankheit betroffen werden, bezogen auf die Anzahl LaTeX: N_0 der gesunden Personen zu Beobachtungsbeginn.[5][6]

LaTeX: \text{CI} = \frac{N_I}{N_0}

Die kummulative Inzidenz CI entspricht damit der Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person im gegebenen Zeitraum erkrankt[7]. Dieses Risiko bzw. Inzidenzrisiko ist eine dimensionslose Zahl, die zwischen 0 und 1 liegt. Ist der Zeitraum nicht gesondert ausgewiesen, ist ein Jahr gemeint.

Mortalität

Die Inzidenz von Todesfällen wird Mortalität (von lat. mortalitas „Sterblichkeit“), Mortalitätsrate, Sterblichkeit oder Sterberate genannt.

Kontagiosität und Infektiosität

Ein Maß für die Überragungsfähigkeit eines Erregers auf den erregertypischen Infektionswegen ist die Kontagiosität. Sie wird u. a. durch die im Labor gemessene Anzahl neuer Pathogene pro Zelle ermittelt. Die Infektiosität gibt hingegen jenen Anteil an, bei dem es nach erfolgter Übertragung zu einer immunologisch nachweisbaren Infektion kommt. unabhängig davon ob diese in der Folge auch zu einer tatsächlichen Erkrankung führt. Dies wird durch den Manifestationsindex angegeben. Der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptom der manifesten Krankheit wird als Inkubationszeit (von lat. incubare „ausbrüten“) bezeichnet. Findet eine Immunisierung ohne Krankheitsausbruch oder Impfung statt, spricht man von einer stillen Feiung.

Im englischen Sprachraum - und daher auch in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen - werden die Begriffe Kontagiosität (eng. contagiosity) und Infektiosität (eng. infectivity) in gleicher Bedeutung verwendet. Der Kontagiositätsindex oder Kontagionsindex (von lat. contagium „Ansteckung“ und index „Anzeiger“) gibt entsprechend den Anteil einer Population an, bei der es zu einer Infektion kommt. Er wird entweder in Prozent oder als Zahl zwischen 0 und 1 angegeben. So haben etwa Masern eine sehr hohe Kontagiosität von etwa 0,98 (98%)[8], während die Poliomyelitis (kurz „Polio“) bei 0,001 bis 0,003 (01-0,3 %) liegt.

Gruppen- oder Herdenimmunität

Eine Gruppen- oder Herdenimmunität tritt auf, wenn bereits ein großer Anteil einer Population bzw. Herde gegen einen spezifischen Erreger immunisiert ist, sei es durch eine überwundene Infektion oder durch Impfung. Durch diesen Herdeneffekt (eng.herd effect) wird indirekt auch der nicht-immunisierte Anteil der Population geschützt, da die Infektionskette unterbrochen und so die Verbreitung des Erregers eingedämmt wird. Die für einen Herdeneffekt notwendige minimale Herdenimmunität LaTeX: \operatorname{HI}_{\min} (eng. herd immunity threshold, HIT) lässt sich aus der Basisreproduktionszahl LaTeX: R_0 errechnen. Unter idealen Bedingungen gilt:

LaTeX: \operatorname{HI}_{\min} = 1 - \frac{1}{R_0}

Da in der Praxis keine idealen Bedingungen vorliegen, ist die zur Erzielung der Herdenimmunität nötige minimale Durchimpfungsrate LaTeX: D_{\min} meist größer als LaTeX: \operatorname{HI}_{\min}. Zur Berechnung ist daher noch ein Effizienzfaktor LaTeX: E für die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen zu berücksichtigen:

LaTeX:  D_{\min} = \frac{\operatorname{HI}_{\min}}{E}

Basisreproduktionszahl

Die in der Epidemiologie gebräuchliche Basisreproduktionszahl oder Grundvermehrungsrate LaTeX: R_0 gibt an, wieviele Mitglieder einer nicht immunisierten Population durchschnittlich von einer infizierten Person angesteckt werden. Sie beträgt z. B. bei Poliomyelitis 6, bei Masern 15[9], bei Covid-19 schätzungsweise 2,4 bis 3,3[10].

Nettoreproduktionszahl

Die Nettoreproduktionszahl LaTeX: R_t berücksicht auch den bereits zu einem bestimmten Zeitpunkt immunisierten Anteil der Population LaTeX: P_i und errechnet sich aus der Basisreproduktionszahl LaTeX: R_0 wie folgt:

LaTeX: R_t = (1 - P_i) \cdot R_0

Um die weitere epidemische Verbreitung eines Infekts zu verhindern und diesen langfristig ganz auszurotten, muss LaTeX: R_t durch geeignete Schutzmaßnahmen auf einen Wert kleiner 1 gesenkt werden.

Infektionsschutz

Gebotszeichen M016: Maske benutzen

Der Infektionsschutz bzw. die Infektionsprävention (veraltet Seuchenschutz) soll die Übertragung und Verbreitung von Krankheitserregern verhindern oder zumindest eindämmen und die Häufigkeit und Schwere des Erkrankung verringern. Zu diesem Zweck können u. a. folgende Maßnahmen gesetzt werden:

  • Expositionsprophylaxe durch verschiedene hygienische Maßnahmen wie Händewaschen oder Händedesinfektion und das Tragen von Schutzkleidung, Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmasken.
  • Dispositionsprophylaxe zur Verringerung der individuellen Krankheitsempfänglichkeit, wie etwa die vorbeugende Einnahme von Antibiotika bzw. Virostatika oder durch erregerspezifische Impfung.
  • Erregerentfernung bzw. Erregerinaktivierung durch Desinfektion und Sterilisation.
  • Gesetzlich geregelte Maßnahmen wie die häusliche oder stationäre Isolierung bzw. Quarantäne infizierter und erkrankter Personen, die Schließung öffentlicher und eventuell auch privater Einrichtungen und Betriebe, die Absage von Großveranstaltungen, Stilllegung des öffentlichen Verkehrs, Versammlungsverbote, Einreiseverbote usw.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Heinz Grill, Die Steigerung der Immunkompetenz durch bewusstseinsbildende Übungen, https://heinz-grill.de/corona-geistige-verantwortung/
  2. Husemann/Wolff, Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst, Band III, Verlag Freies Geistesleben 1993, ISBN 3772505317, S.291
  3. siehe dazu auch: Axel Burkart TV - Coronavirus-Spiritueller Angriff auf die Menschheit?, https://www.youtube.com/watch?v=0hONX12nIXk
  4. Heinz Grill, Die geistige Ursache des Coronavirus[1]
  5. Lothar Sachs, Jürgen Hedderich: Angewandte Statistik: Methodensammlung mit R. 8., überarb. und erg. Auflage. Springer Spektrum, Berlin/ Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-56657-2, S. 197
  6. Uwe Truyen, Peter Valentin-Weigand: Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Georg Thieme Verlag (2015).
  7. Robert Koch-Institut: GBE-Glossar.
  8. H. W. Doerr, W. H. Gerlich (Hg.): Medizinische Virologie, 2. Auflage Stuttgart 2010 ISBN 978-3-13-113962-7 S. 549
  9. Klaus Krickeberg, Pham Thy My Hanh, Pham Van Trong, Epidemiology, Springer 2012, S. 45
  10. SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), Robert-Koch-Institut, Szand vom 21. März 2020
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