Jagd

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Ein Jäger beobachtet vom Hochsitz aus die Umgebung mit einem Fernglas.
Forstbeamte in Wense mit einem Jagdgast und erlegtem Damschaufler
Jägerin und Stöberhunde mit moderner Ausrüstung (Quelle: Mross/DJV)
Jäger in Kenia

Jagd (auch Weidwerk oder Waidwerk) ist das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen, Erlegen und Aneignen von Wild durch Jäger. Jagdwesen ist die Bezeichnung für die Gesamtheit aller jagdlichen Dinge.[1] Unerlaubte Jagd bezeichnet man als Wilderei.

Aufgaben und Motive

Ostafrikanische Jäger mit Trophäen (1906–1918)

Die Jagd in Deutschland unterliegt gesetzlichen Regelungen im Bundesjagdgesetz und den Landesjagdgesetzen. Die rechtmäßige Jagd unterliegt weiterhin wesentlich dem für jeden Jäger bestehenden Ehrenkodex waidgerecht zu jagen.[2]

Die Jagd als einer der ursprünglichen Arbeitsprozesse des Menschen erfolgte historisch aus unterschiedlichen Gründen:

Im 20. Jahrhundert kamen weitere Gründe hinzu:

Nach den Ausführungsbestimmungen des niedersächsischen Jagdgesetzes ist das Ziel die Erhaltung

  • eines gesunden, sozial richtig strukturierten Bestandes von Schalenwild in angepasster Zahl
  • bei größtmöglicher faunistischer und floristischer Artenvielfalt (Biodiversität)
  • unter Beachtung der gesetzlichen Vorgabe, Beeinträchtigungen der Land- und Forstwirtschaft möglichst zu vermeiden, sowie
  • die in einem Waldgebiet vorkommenden Hauptbaumarten müssen sich in der Regel ohne Schutzmaßnahmen verjüngen lassen und daher vor Wildverbiss geschützt werden.

Auch heute sind die genannten Motive weiterhin nebeneinander zu finden. Darüber hinaus ist ein wesentlicher und gesetzlich verpflichtender Bestandteil des Jagdrechts die Hege gemäß § 2 Bundesjagdgesetz und bedeutet in Kurzform Schutz und Erhaltung einer artenreichen und gesunden freilebenden Tierwelt sowie die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen. Im Rahmen der Hege sind daher auch Maßnahmen des Naturschutzes einbegriffen. Dazu zählen Maßnahmen zum Schutz wertvoller Biotope, Biotopverbesserungen (etwa durch Anlage von Hecken) und Renaturierungen. Im Speziellen obliegt dem Jagdberechtigten die Pflicht zum Jagdschutz. Dazu gehört die Einhaltung der Schonzeiten, der Schutz des Wildes vor wildernden Hunden gemäß § 23 BJagdG, die Fütterung des Wildes in Notzeiten (Winterfütterung), die Verhinderung bzw. Eindämmung von Wildseuchen sowie die Anlage von Wildäckern, womit der Nahrungsengpass im Winter überbrückt werden soll. Dieser entsteht vor allem dadurch, dass den Tieren ihre natürlichen Nahrungsquellen durch Winterbrache und überbaute Tallagen nicht mehr zugänglich sind.

Eine Interessensvertretung der Jäger, der Deutsche Jagdverband, erklärt in einer Pressemitteilung über die Ergebnisse einer eigenen Umfrage unter deutschen Jägern, der durchschnittliche Jäger gäbe für solche Maßnahmen im Jahr 220 Euro aus. Zur genannten jährlichen Gesamtausgabe von 4.340 Euro für die Jagdausübung beträgt der Ausgabenanteil eines Jägers für Biotop- und Tierschutz davon 5 %. Nur für seine Hunde und Sonstiges zusammen gibt ein Jäger mit 180 € weniger aus. Höchster Ausgabenanteil sei die Jagdpacht (1.570 €), gefolgt von PKW-Kosten und Infrastruktur (910 €), Reviereinrichtung (520 €), Waffen und Werkzeuge (390 €), Jagdkleidung (280 €) und Wildschaden/Verbissschutz (270 €).[4]

Siehe auch

Portal
 Wikipedia:Portal: Jagd – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Jagd

Literatur

  • Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner: Der Wald-Wild-Konflikt. Analyse und Lösungsansätze vor dem Hintergrund rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Zusammenhänge. Göttinger Forstwissenschaften – Band 5, Göttinger Universitätsverlag: Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-84-5, online; PDF; 4,51 MB
  • Kurt G. Blüchel, Sigrid Schwenk, Erik Zimen, Heribert Kalchreuter et al.: Die Jagd. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-1560-7.
  • Wilhelm Bode, Elisabeth Emmert: Jagdwende. Vom Edelhobby zum ökologischen Handwerk. Beck’sche Reihe. Beck, München 2000, ISBN 978-3-406-45993-1.
  • Bundesjagdgesetz (BJagdG), Ausfertigungsdatum: 29. November 1952. Vollzitat: „Bundesjagdgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976 (BGBl. I S. 2849), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 29. Mai 2013 (BGBl. I S. 1386) geändert worden ist“
  • Walter Frevert, Dietrich Stahl: Das jagdliche Brauchtum. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-08251-2.
  • Jagd heute. Deutscher Jagdschutzverband e. V., ZDB-ID 1239893-7.
  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon, Weltbild, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5
  • Gerhard Immler: Jagd, Jagdwesen (Mittelalter), in: Historisches Lexikon Bayerns, 2017
  • Heribert Kalchreuter: Die Sache mit der Jagd. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09323-9.
  • Herbert Krebs: Vor und nach der Jägerprüfung. BLV, München 2003, ISBN 3-405-16372-2.
  • Alexander Krethlow: Hofjagd, Weidwerk, Wilderei. Kulturgeschichte der Jagd im 19. Jahrhundert. Schöningh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-78258-8.
  • Kurt Lindner: Die Jagd in der Vorzeit. Geschichte des Weidwerks, Band I. de Gruyter, Berlin und Leipzig 1937.
  • Kurt Lindner: Die Jagd im frühen Mittelalter. Geschichte des Weidwerks, Band II. de Gruyter, Berlin 1940.
  • Kurt Lindner: Deutsche Jagdtraktate des 15. und 16. Jahrhunderts. 2 Bände, Berlin 1959 (= Quellen und Studien zur Geschichte der Jagd, 5–6).
  • Et multum et multa: Beiträge zur Literatur, Geschichte und Kultur der Jagd. Festschrift Kurt Lindner. Hrsg. von Sigrid Schwenk, Gunnar Tilander und Carl Arnold Willemsen, Berlin und New York 1971.
  • Klaus Friedrich Maylein: Die Jagd. Funktion und Raum. Ursachen, Prozesse und Wirkungen funktionalen Wandels der Jagd. Dissertation, Universität Konstanz 2005 (Volltext online (PDF)).
    • verlegt als: Die Jagd – Bedeutung und Ziele. Von den Treibjagden der Steinzeit bis ins 21. Jahrhundert. Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum-Verlag, Reihe Sozialwissenschaften, Band 28. Tectum-Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2182-8. (Inhaltsverzeichnis online (PDF)).
  • Fritz Nüßlein: Das praktische Handbuch der Jagdkunde. BLV, München 2002, ISBN 3-405-16456-7.
  • José Ortega y Gasset: Meditationen über die Jagd. Dürckheim Verlag, München 2012 ISBN 978-3-935078-69-6
  • Ferdinand von Raesfeld: Das deutsche Waidwerk. Nachdruck der Erstausgabe von 1914. Parey, Hamburg 1996, ISBN 3-490-14412-0.
  • Riesenthals Jagdlexikon, Neudamm 1916, Weltbild Verlag Augsburg 1999 ISBN 3-8289-4143-5
  • Werner Rösener: Die Geschichte der Jagd. Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit. Patmos, Düsseldorf; Artemis, Zürich 2004, ISBN 3-538-07179-9. (Rezension).
  • Gerhard Seilmeier (Hrsg.): Jagdlexikon. 7. Auflage, BLV, München 1996, ISBN 3-405-15131-7.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Jagd - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
 Wikisource: Jagd – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Jagd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Jagd – Zitate

Einzelnachweise

  1. Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Augsburg 2000, S. 440, ISBN 3-8289-1579-5
  2. Duden:Bedeutung:Jagdwesen; Handwerk des (weidgerechten) Jägers. Herkunft: mittelhochdeutsch weidewerc = Jägerei; die zur Jagd gehörigen Tiere
  3. JagdOnline: Jagdscheininhaber in der Bundesrepublik Deutschland
  4. Deutscher Jagdverband: Wert und kosten der Jagd.


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Jagd aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.