Japanische Sprache

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Japanisch (jap. 日本語, nihongo, selten auch nippongo) ist die Amtssprache Japans. Es ist die Muttersprache von rund 99 % der Bevölkerung Japans. Die großen japanischen Sprechergruppen in Brasilien und den USA sind Nachfahren japanischer Emigranten. Eine Besonderheit der Sprache ist ihr komplexes Schriftsystem, das eine Mischung aus chinesischen Schriftzeichen und den Silbenschriften Hiragana und Katakana ist. Durch ihren agglutinierenden Sprachbau weist die japanische Sprache Parallelen zu den altaischen Sprachen, den austronesischen Sprachen, den dravidischen Sprachen sowie dem Koreanischen auf, Herkunft und Einordnung der Sprache sind jedoch umstritten. Eine Rekonstruktion der Morphologie des Proto-Japanischen zeigt große Ähnlichkeiten mit südostasiatischen Sprachen auf.[1]

Verbreitung

Mit etwa 127 Mio. Sprechern und einem Sprecheranteil von 2,4 % an der Weltbevölkerung steht Japanisch in der Liste der Weltsprachen (die am häufigsten gesprochenen Sprachen) auf Rang 9. Außerhalb Japans wird es hauptsächlich im Einwanderungsland USA (ca. 200.000 Sprecher auf dem nordamerikanischen Festland, ca. 220.000 Sprecher auf Hawaii) und in Südamerika (ca. 380.000 Sprecher, vor allem in Brasilien) gesprochen. Dies ist vor allem auf die drei großen Auswanderungswellen am Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.

Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 5 % aller Webseiten des Internets auf Japanisch verfasst sind (Rang 4 hinter Englisch, Russisch und Deutsch).[2] Trotz dieses hohen Anteils an Sprechern gilt Japanisch nicht als eine Weltsprache, da deren 127 Millionen Sprecher nahezu ausnahmslos Muttersprachler sind (Vergleich: Deutsche Muttersprachler 105 Millionen, Zweitsprachler aber bis zu 80 Millionen), die japanische Sprache also relativ zu den Weltsprachen nur wenige Zweitsprachler hat und damit lokal auf Japan und die Japaner begrenzt bleibt. Die japanische Minderheit in Mikronesien stammt von Einwanderern während der Kolonialzeit ab, welche allerdings auch nur noch teilweise das Japanische ihrer Vorfahren beherrscht.

Dialekte

Karte der japanischen Dialekte und Akzentschemata (blau: Tokio-Akzent (Standardakzentmuster), orange: Kyōto-Ōsaka-Akzent, weiß: akzentlos)

Das Japanische besteht auch aus einer Vielzahl von Dialekten, die aufgrund der Besiedelung abgelegener Landstriche in der gebirgigen Landschaft des Archipels, der politischen Zersplitterung und damit des begrenzten sprachlichen Austausches der Menschen aus verschiedenen Regionen entstanden sind. Die lange Geschichte der inneren und äußeren Abschottung Japans trugen ebenfalls zur Entstehung dieser sprachlichen Diversität bei. Dialekte unterscheiden sich in ihrem Akzent, ihrer Flexion, im Vokabular und auch im Gebrauch von Partikeln. In einigen wenigen Dialekten weicht auch das Inventar an Vokalen und Konsonanten von der Standardsprache ab.

Bei japanischen Dialekten wird grob zwischen dem östlichen Dialekten des Tokio-Typs (東京式 Tōkyō-shiki) und den westlichen Dialekten des Kyoto-Osaka-Typs (京阪式 Keihan-shiki) unterschieden. Letztere werden hauptsächlich in der Zentralregion gesprochen, die grob aus der Region Kansai, der Insel Shikoku und dem Westen Hokurikus zusammensetzt. In jeder dieser beiden Hauptgruppen gibt es zahlreiche Untergruppierungen.

Die Dialekte aus den Randgebieten, beispielsweise aus Tōhoku oder Kagoshima, können für Sprecher aus anderen Landesteilen unverständlich sein. Darüber hinaus existieren in Bergdörfern und auf isolierten Inseln auch Sprachinseln wie auf der Insel Hachijō-jima, dessen Dialekt sich auf die östliche Variante des Altjapanischen zurückführen lässt. Hingegen werden die Dialekte der Kansai-Region bei vielen Japanern gesprochen oder verstanden und speziell der Dialekt aus Ōsaka wird mit Unterhaltung assoziiert (siehe Kansai-Dialekt). Im Gegensatz dazu werden die Dialekte aus Tōhoku und der nördlichen Kantō Region als typische Bauerndialekte angesehen.

Die Ryūkyū-Sprachen, welche in der Präfektur Okinawa und auf den Amami-Inseln der Präfektur Kagoshima gesprochen werden, sind derart verschieden, dass sie als eigener Zweig der japanischen Sprachen betrachtet werden: Sie sind nicht nur für Muttersprachler des Japanischen, sondern auch untereinander unverständlich. Aus politischen Gründen werden sie aber entgegen der linguistischen Meinung oft als Dialekte des Japanischen betrachtet.

Die japanische Hochsprache, welche sich aus dem in Tokio gesprochenen Dialekt ableitet, ist aufgrund der Verbreitung durch das Bildungssystem, dem Gebrauch in den Massenmedien, einer zunehmenden Durchmischung der japanischen Bevölkerung und der wirtschaftlichen Eingliederung im ganzen Land verbreitet.

Siehe auch

Literatur

  • 大野晋 日本語の起源 (Ōno Susumu: Nihongo no kigen = Die Entstehung der Japanischen Sprache), Tokyo 1957.
  • Association for Japanese-Language Teaching: Japanisch im Sauseschritt 1 Universitätsausgabe mit Kana und Kanji. Doitsu Center Ltd., Tokyo 2002, ISBN 4-9900384-5-2. (offiziell an den deutschen Volkshochschulen verwendetes Lehrbuch)
  • Jonathan Bunt: The Oxford Japanese Grammar and Verbs. 2003, ISBN 0-19-860382-7.
  • Detlef Foljanty, Hiroomi Fukuzawa: Japanisch intensiv. 3 Bände. 1998, ISBN 978-3-87548-137-2.
  • Bruno Lewin: Abriß der japanischen Grammatik auf der Grundlage der klassischen Schriftsprache. Harrassowitz, Wiesbaden 1959.
  • Christine Liew: Japan 2.0 - Eine Lesetour durch Social Media und andere Welten. Buske, 2012. ISBN 978-3-87548-625-4
  • Roy Andrew Miller: Die japanische Sprache. iudicium, München, ISBN 3-89129-484-0. (aktuelle Auflage 2000)
  • Keiichiro Okutsu / Akio Tanaka: Japanisch. Eine Einführung in Grammatik und Wortschatz, Julius Groos Verlag Tübingen 2013. ISBN 978-3-87276-883-4.
  • Jens Rickmeyer: Japanische Morphosyntax. Groos, Heidelberg, ISBN 3-87276-718-6. (Auflage 1995)
  • Eriko Sato: Japanese Demystified, 2008, ISBN 978-0-13-135838-6. (gute Einführung in die japanische Sprache und Schrift für Anfänger)

Japanisch und Koreanisch:

  • Barbara E. Riley: Aspects of the Genetic Relationship of the Korean and Japanese Languages. Ph. D. Thesis, University of Hawaii, 2003.

Japanisch und die Sprache von Koguryo:

  • Christopher I. Beckwith: Koguryo – The Language of Japan's Continental Relatives. 2. Aufl. Brill, Leiden u. Boston 2007.

Japanisch und Austronesisch:

  • Paul K. Benedict: Japanese – Austro-Tai. Karoma, Ann Arbor 1990.
  • Shichiro Murayama: The Malayo-Polynesian component in the Japanese language. Journal of Japanese Studies. Bd. 2/2, 1976, S. 413–436.
  • Alexander Vovin: Is Japanese related to Austronesian? Oceanic Linguistics. Bd. 33/2, 1994, S. 368–390.

Sprachzertifizierung

  • JLPT – Japanese Language Proficiency Test
  • T.JL – Test of Japanese as Foreign Language
  • JETRO-Test – Business Japanese Proficiency Test

Weblinks

 Wiktionary: Japanisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Japanische Wörter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Japanisch – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikibooks: Wikijunior Sprachen/ Japanisch – Lern- und Lehrmaterialien
Commons-logo.png Commons: Japanische Sprache - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1.  Alexander Vovin: Proto-Japanese beyond the accent system. In: Current Issues in Linguistic Theory. (https://www.academia.edu/19253123/Proto-Japanese_beyond_the_accent_system).
  2. Usage of content languages for websites


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