Johan Baptista van Helmont

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Johan Baptista van Helmont (fälschlich „Robert Hooke“ zugeschrieben), Porträt von Mary Beale.
Der romanische Turm der Kirche Sankt Peter und Paul in Neder-Over-Heembeek im Norden von Brüssel, wo Jan Baptist van Helmont seine alchemistisachen Experimente durchführte. Zeichnung des Architekten Leon Van Dievoet, 1963

Johan Baptista van Helmont, auch Jan Baptist van Helmont und Jean(-)Baptiste van Helmont (* 12. Januar 1580[1] in Brüssel; † 30. Dezember 1644 in Vilvoorde bei Brüssel), war ein flämischer Universalwissenschaftler und vor allem als Arzt, Naturforscher und Alchemist tätig. Er entwickelte die Iatrochemie und gilt als einer der Wegbereiter der modernen Chemie.

Leben

Johan Baptista van Helmont wurde in eine begüterte flämische Landadelsfamilie geboren. Er studierte Philosophie, Theologie, Naturkunde und Medizin in einem Jesuitenseminar in Löwen und promovierte 1599 zum Dr. med. und wirkte bereits im Alter von 17 Jahren selbst als Lehrer. Nach Studienreisen in die Schweiz, nach Italien, Frankreich, Deutschland und England kehrte er 1605 zunächst nach Amsterdam zurück und war während einer Pestepidemie als Arzt tätig. 1606 ließ er sich als Arzt und Naturforscher auf seinem Gut Vilvoorde bei Brüssel nieder. Dort führte er in seinem Privatlabor auch chemische und physiologische Experimente durch. Van Helmont beschäftigte sich mit den Werken von Galenus, Hippokrates, Avicenna und Paracelsus, der sein Vorbild wurde. 1609 heiratete er Margarite van Ranst. Durch das Erbe von seinem Vater, der bereits 1580 gestorben war, und dem Ertrag aus den Lehen seiner Frau war er zeitlebens finanziell unabhängig.

„Sehen Sie, es gab im 17. Jahrhundert einen Gelehrten, van Helmont. Dieser Gelehrte, der hatte noch viel von demjenigen in sich, was man früher gewußt hat. Denn eigentlich sind die Dinge des früheren Wissens erst im 19. Jahrhundert ganz verlorengegangen. Im 17. Jahrhundert waren sie ziemlich stark noch da, und im 18. Jahrhundert, da begann schon das Zugrundegehen. Aber eben erst im 19. Jahrhundert sind die Leute ganz gescheit geworden nach ihrer eigenen Meinung!

Dieser van Helmont hat nachgesonnen, wie man mehr wissen könnte, als man es durch den gewöhnlichen menschlichen Verstand haben kann. Heute denken die Menschen ja nicht nach darüber, wie man mehr wissen könnte, als man durch den gewöhnlichen Verstand wissen kann, weil sie glauben, daß der menschliche Verstand alles wissen kann. Aber van Helmont, der Arzt war, hat nicht sehr viel gegeben auf diesen menschlichen Verstand. Er wollte ein geistiges Wissen.

Aber das geistige Wissen auf geistige Art zu erringen, so wie wir es heute in der Anthroposophie versuchen, das war dazumal noch nicht möglich. So weit war die Menschheit nicht. So hat van Helmont noch ältere Methoden angewendet. Da hat er folgendes gemacht, wovon ich natürlich nicht irgendwie die Empfehlung geben möchte, daß es nachgemacht werde. Das kann man nicht. Heute wirkt es auch nicht mehr so wie dazumal. Aber van Helmont hat das noch gemacht.

Sehen Sie, er nahm eine gewisse Pflanze, die eine giftige Heilpflanze ist. Bei gewissen Krankheiten verschreibt man sie. Die nahm er. Von dieser Pflanze wußte er natürlich, da er Arzt war, daß er sie nicht essen kann, weil sie eben den Tod bringen würde. Aber er leckte etwas an der Spitze der Wurzel, am unteren Teil der Wurzel. Und nun beschreibt er den Zustand, in den er da gekommen ist, in der folgenden Weise. Er sagt, er hätte so etwas empfunden, wie wenn sein Kopf ganz ausgeschaltet worden wäre, wie wenn er kopflos geworden wäre. Er war ganz kopflos geworden davon. Es war natürlich nicht etwa der Kopf heruntergefallen, aber er hat ihn nicht mehr gespürt. Da hat er durch den Kopf nichts mehr wissen können. Aber jetzt hat angefangen, seine Bauchgegend so zu wirken wie ein Kopf. Und siehe da, er hat große Erleuchtungen bekommen in Form von Bildern, was wir heute in der Anthroposophie Imagination nennen, in Form von Bildern von der geistigen Welt her. Und das hat ihm einen großen Ruck gegeben im Leben, einen furchtbaren Ruck; denn jetzt wußte er: Man kann nicht nur durch den Verstand etwas sagen über die geistige Welt, sondern man kann auch wirklich die geistige Welt sehen. Er hat nicht etwa durch das Nervensystem, das im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem des Menschen ist, gedacht, sondern er hat angeschaut, gesehen wirklich die geistige Welt. Er hat also von der geistigen Welt dadurch Imaginationen bekommen.

Das hat zwei Stunden gedauert. Nach diesen zwei Stunden hat er ein ganz klein wenig Schwindelanfall gehabt. Dann ist er gesund geworden. Nun können Sie sich denken, das hat natürlich seinem Leben einen bedeutenden Ruck gegeben; denn von diesem Zeitpunkt an hat er gewußt, daß man die geistige Welt sehen kann. Aber er hat noch etwas anderes gewußt. Er hat gewußt, daß der Kopf mit seinem Denken ein Hindernis ist für das Schauen der geistigen Welt.“ (Lit.:GA 353, S. 175ff)

Die galenische Humoralpathologie, die van Helmonts eigenen Forschungsergebnissen widersprach, lehnte er ab. Die von ihm entwickelte Iatrochemie setzte er der rein physikalistisch-mechanizistischen Iatromechanik, wie sie etwa von René Descartes (1596-1650) vertreten wurde, entgegen. Er führte dabei die Lebensprozesse auf chemischeGärungsvorgänge“ zurück, die von luftartigen Fermenten bewirkt würden. Für den von ihm entdeckten „wilden Geist“, der von brenndem Holz oder Kohle aufsteigt (Kohlendioxid), prägte er in seinem Buch über die „Ursprünge der Medizin“ (1609) die Bezeichnung „Gas“, abgeleitet von Chaos, Geist, Gaze, blasen, …[2] Als erster erkannte van Helmont die Bedeutung der Salzsäure für die Verdauung im Magen. Er war auch einer der ersten, die die Waage verwendeten. Der Übergang von den eher qualitativen Aussagen der Alchemisten zur quantitativen Analyse bereitete den Weg zur modernen Chemie.

Van Helmonts wissenschaftlichen Ansichten brachten ihn in Konflikt mit der Römisch-Katholischen Kirche. 1625 verurteilte die für die Spanischen Niederlande zuständige Spanische Inquisition 27 seiner Aussagen als Häresie, vermessene Arroganz und wegen ihrer Nähe zur lutherischen und calvinistischen Lehre. Die Universität Löwen verwarf seine Lehren, da sie von Paracelsus inspiriert waren. Von 1633 bis 1636 stand er unter Hausarrest. Zwischen 1624 und 1642, bis kurz vor seinem Tod, konnte er nichts veröffentlichen. Die Verfolgungen durch die Kirche endeten erst 1642, als er das Imprimatur für eine Abhandlung über Fieber erhielt. Die volle Rehabilitation erfolgte erst 1646 nach seinem Tod.

Sein Sohn, der berühmte theosophische Arzt Franciscus Mercurius van Helmont (1614–1699), publizierte seine hinterlassenen Werke. Es wird angenommen, dass er seinem Sohn den Namen Mercurius (griechisch Hermes) gegeben hatte, um damit seine Nähe zur Hermetischen Lehre anzudeuten.

Werke

  • 1621 – De magnetica vulnerum naturali et ligitima curatione. Disputatio, contra opinionem d. Ioan. Roberti (…) in brevi sua anatome sub censurae specie exaratam, Paris
  • 1642 – Febrium doctrina inaudita, Antwerpen
  • 1644 – Opuscula medica inaudita, 2. Aufl. Amsterdam 1648
  • 1648 – Ortus medicinae, id est Initia physicae inaudita … Ludovicus Elzevirius, Amsterdam (Digitalisat)
  • 1659 – Dageraad ofte Nieuwe Opkomst der Geneeskonst, Amsterdam.
  • 1681 – Tumulus pestis. Das ist: Gründlicher Ursprung der Pest / Dero Wesen / Art / und Eigenschafft; als auch deroselben zuverlässig- und beständiger Genesung. Nebenst Beyfügung der wahren Ursach und Grund allerhand Fieber; Und worinnen biß zu dato in Curirung derselben ist geirret worden. Durch Johannem Baptistam von Helmont, Herrn von Merode / Royenborg / Orschot und Pellines / u. in Nieder-Teutsch; und folgend auch Lateinisch beschrieben. Anjetzo aber / bey ob-schwebenden gefährlichen Läuffen und grassirenden Seuchen / männiglich zum besten / aus dem Niederländischen übersetzt. Durch Johannem Henricum Seyfried, Sultzbach 1681.
  • 1683 – Aufgang der Artzney-Kunst, Das ist: Noch nie erhörte Grund-Lehren von der Natur: zu einer neuen Beförderung der Artzney-Sachen ... Johann Andreae Endters Söhne, Sultzbach 1683 (Digitalisat)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Johan Baptista van Helmont aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
  1. J. R. Partington: Joan Baptista van Helmont. In: Annals of Science. Band 1, Heft 4, 1936, S. 359–384, doi:10.1080/00033793600200291.
  2. Wolf Schneider: Wörter machen Leute. Magie und Macht der Sprache, 15. Auflage, Piper-TB 479, München / Zürich 2009, S. 35, ISBN 978-3-492-20479-8