Johann Georg Gichtel

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"Theosophia. Darinnen Der Inwendige, Durchaus geheiliget Nach allen IIIen Principien." aus Johann Georg Gichtel: Eine kurze Eröffnung und Anweisung der dreyen Principien und Welten im Menschen, 1696, 1779

Johann Georg Gichtel (* 4. oder 14. März 1638 in Regensburg; † 21. Januar 1710 in Amsterdam) war ein deutscher Mystiker und Spiritualist.

Leben

Johann Georg Gichtel wurde 1638 als Sohn eines Steuerbeamten in Regensburg geboren. Er studierte zunächst in Straßburg Theologie, wechselte dann aber zur Rechtswissenschaft. Nach einer kurzen Tätigkeit als Advokat in Speyer kehrte er 1664 nach Regensburg zurück.

Entscheidend war für Gichtel die Begegnung mit dem Juristen Justinian von Welz und dessen Schrift De vita solitaria, in der dieser das Ideal eines weltabgewandten Christentums vertrat. In der Folge beschäftigte sich Gichtel mit weiteren religiösen, später besonders mit Jakob Böhmes Schriften, die er zuerst vollständig herausgab (1682).

Gichtel hatte persönlichen Kontakt mit anderen Gleichgesinnten, namentlich mit Pfarrer Friedrich Breckling von Zwolle. 1665 wurde er aus Regensburg ausgewiesen, 1668 kam er in Zwolle infolge seiner heftigen Kirchenkritik ins Gefängnis und an den Pranger und wurde auch aus Zwolle ausgewiesen. Er suchte nun eine Zufluchtsstätte in Amsterdam, wo er mit mehreren Hausbrüdern und -schwestern zusammen lebte. Seine strenge Lehre, dass man einzig auf den Gott in uns hören, dagegen um die Bedürfnisse des Lebens sich nicht bekümmern solle, rief dabei einige Zerwürfnisse hervor.

Gichtel arbeitete unermüdlich an seiner Theosophie. Dazu machte er asketische Übungen, die ihn zu intensiven mystischen Erfahrungen führten. Dass strenge asketische Übungen als Mittel der geistigen Schulung, allerdings nicht ganz unproblematisch sind, hat Rudolf Steiner aufgezeigt. (Lit.:GA 147, S. 36f)

Gichtels Werk wurde zuerst von seinem Schüler Gottfried Arnold unter dem Titel Theosophische Sendschreiben (1701-1708, 3 Bde.) herausgegeben.

Die Glieder der von ihm gestifteten kleinen Gemeinde in Holland hießen nach ihm Gichtelianer; sie selbst nannten sich Engelsbrüder, weil sie bis zur Reinheit der Engel sich zu erheben hofften, indem die vollkommenen Glieder (Melchisedeksche Priester) nur von freiwilligen Gaben lebten und sich des ehelichen Umganges enthielten, da der wahre Christ mit der himmlischen Sophia vermählt sei.

An die Spitze der Gemeinschaft stellte sich nach dem Tode Gichtels der Kaufmann Johann Wilhelm Überfeld in Leiden, während die Kreise in Altona und Hamburg Johann Otto Glüsing folgten. Johann Wilhelm Überfeld gab Gichtels Werk später nochmals unter dem Titel Theosophia practica (Leiden 1722, 6 Bde.) mit seiner Biographie heraus.

Die Lotosblumen in ihrer Beziehung zu den kosmischen Verhältnissen

Der ganz Irdische, Natürliche, Finstere Mensch in Sternen und Elementen, Johann Georg Gichtel: Theosophia Practica, Berlin/Leipzig 1736
Der wiedergeborene Mensch In seiner Geburt in Christo, im Herzen, Welcher die Schlange ganz zermalmet, Johann Georg Gichtel: Theosophia Practica, Berlin/Leipzig 1736
"Practica" aus Johann Georg Gichtel: Eine kurze Eröffnung und Anweisung der dreyen Principien und Welten im Menschen, 1696, 1779

Gichtel setzt in seinen Ausführungen über den Inneren Menschen[1] die Lotosblumen (allerdings ohne diese namentlich als solche zu bezeichnen) in Beziehung zu den Planetensphären:

Scheitelchakra Saturn 1000-blättrig
Stirnchakra Jupiter 2-blättrig
Halschakra Mars 16-blättrig
Herzchakra Sonne 12-blättrig
Nabelchakra Venus 10-blättrig
Sakralchakra Merkur 6-blättrig
Wurzelchakra Mond 4-blättrig

Die Zahl der Blätter der Lotosblumen hängt sehr deutlich mit planetarischen Rhythmen zusammen. So zeigen sich im Wurzelchakra die 4 Mondphasen, im Sakralchakra die drei oberen und die drei unteren Konjunktionen des Merkur (Merkur-Hexagramm) und dem Nabelchakra liegt das Venus-Pentagramm zugrunde. Diese Planetenkräfte wirken übrigens auch bei der Gestaltung äußerer Blütenformen mit: Merkur bei den sechsstrahligen Blüten (Liliengewächse) und Venus bei den fünfstrahligen Blüten (Rosengewächse). Im 12-blättrigen Herzlotos bildet sich der Weg der Sonne durch die 12 Tierkreiszeichen ab.

Zu beachten ist die okkulte Reihenfolge der Planeten (Mond – Merkur – Venus – Sonne – Mars – Jupiter - Saturn), bei der die Planeten Merkur und Venus gegenüber den heutigen Darstellungen nach dem heliozentrischen System vertauscht sind. Gichtel war diese okkulte Reihung ganz offenbar vertraut. Rudolf Steiner hat auch auf diese Vertauschung der Reihenfolge von Merkur und Venus mehrmals sehr hingewiesen.

Anmerkungen

  1. Johann Georg Gichtel: Eine kurze Eröffnung und Anweisung der dreyen Principien und Welten im Menschen, 1696, 1779 [1]

Literatur

  • Johann Gustav Reinbeck: Joh. Gustav Reinbecks Nachricht von Gichtels Lebens-Lauf und Lehren, da jener aus seinen eigenen Brieffen zusammen gezogen ist, diese aber nach der Heiligen Schrifft geprüfet worden, vormahls in denen so genanndten Berlinischen Heb-Opfern heraus gegeben, nun aber aus bewegenden Ursachen besonders wieder abgedrucket. Berlin: Rüdiger, 1732 (Digitalisat in der Google Buchsuche).
  • Adolf Harless: Jakob Böhme und die Alchymisten. Ein Beitrag zum Verständniß J. Böhme's. Nebst einem Anhang: J. G. Gichtel's Leben und Irrthümer. Von G. C. Adolf von Harleß. Berlin: Schlawitz, 1870 (Digitalisat der 2., vermehrten Auflage von 1882 im Internet Archive ).
  • Peter J.A. Nissen: Gichtel, Johann Georg. In: LThK3 4, 643.
  • Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der Schwelle, GA 147 (1997), ISBN 3-7274-1470-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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