Kardienstag

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Der Kardienstag (eng. Holy Tuesday) ist der dritte Tag der Karwoche bzw. der Heiligen Woche.

Der Kardienstag ist ganz im Zeichen des Mars den Streitgesprächen mit den Hohepriestern, Pharisäern und Sadduzäern gewidmet. Am Abend gibt der Christus seinen Jüngern auf dem Ölberg eine gewaltige apokalyptisch-eschatologische Belehrung, die den geistigen Blick weit in die zukünftige Menschheitsentwicklung eröffnet.

Streitgespräche

„Zuerst kommen die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten, also die Angehörigen des jüdischen Synedriums heran. Sie lassen an Jesus die Frage stellen, aus welcher Vollmacht er handelt. Er soll sich legitimieren. Dann kommen die anderen, die Pharisäer zusammen mit den Anhängern des Herodes, und stellen die verfängliche Frage: »Ist es recht, dem Cäsar den Zins zu zahlen?« Die Sadduzäer folgen; sie verlangen zu wissen, wie Jesus über die Auferstehung der Toten denkt. Schließlich kommt noch ein Einzelner und fragt in der Meinung, ihn vor allem Volk bloßstellen zu können, welches er für das vornehmste Gebot hält. Diese Angriffe, die den Ausbruch der Feindseligkeiten darstellen, sind der beste Beweis dafür wie stark das Hoheitsvolle im Wesen des Christus gefühlt wird. Wie die Hunde nur kläffen und beißen, wenn sie Angst haben, so gehen diese scheinbaren Fragen, die in Wirklichkeit Stiche des Hasses sind, aus der Angst hervor. Die Machte der Finsternis zittern, weil die Sonne aufgeht.

Jesus antwortet auf jede der vier Fragen. Aber er begnügt sich nicht damit, die Schläge, die gegen ihn geführt werden, zu parieren; er nimmt den Kampf an und streitet mit den Waffen des Geistes. Gewaltige Bilder entrollt er.“ (Lit.: Bock, S. 335)

Die Ölberg-Apokalypse

Die sog. «Ölberg-Apokalypse» ist in allen drei synoptischen Evangelien überliefert (Mt 24,2 EU - 25,46 EU; Mk 13,1-37 EU; Lk 21,5‐36 EU).

„Als der Tag zur Neige geht und Jesus mit seinen Jüngern wie allabendlich die Stadt verläßt und jenseits des Kidrontals den Gethsemanehügel emporsteigt, durch die Gärten, die die Stätte so mancher vertraulichen Unterweisung waren, lenkt er seine Schritte nicht weiter nach Bethphage und Bethanien hin. Auf dem Ölberggipfel, wo ein wunderbarer Hain des Friedens sie umfängt, läßt er die Jünger sich lagern. Noch bebend von der Schlacht, die während des Tages geschlagen worden ist, fängt er an, zum letzten Mal unter freiem Himmel zu den Jüngern zu sprechen. Und die Worte seiner Unterweisung sind ganz gewiß nicht weniger gewaltig als die Worte des Geisteskampfes mit den Gegnern. Die mutigen Seelentaten, die am Tage vollbracht worden sind, rufen das Echo der Götter herbei. Der Christus kann den Jüngern Offenbarungen spenden wie nie zuvor. Was er ihnen an diesem Abend gibt - wir sind gewohnt, es die »Ölberg-Apokalypse« zu nennen-, ist ein Griff in die großen Zukünfte der Menschheits-Schicksale. Der Vorhang vor der Zukunft zerreißt. Große apokalyptische Perspektiven tun sich auf.

So ist es im Leben immer. Wenn der Tag wirkliche Taten gezeitigt hat, rufen Abend und Nacht das Himmelsecho dieser Taten herein.“ (Lit.: Bock, S. 337)

Literatur