Karsamstag

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Rembrandt, Grablegung Christi, um 1639
Der Abstieg Christi in die Unterwelt im Albani-Psalter (Buchmalerei, England 12. Jh.)

Der Karsamstag (von ahd. kara „Klage, Kummer, Trauer“) ist der siebente und letzte Tag der Karwoche (Stille Woche). Im Christentum wird an diesem Tag der Grabesruhe des Christus und nach Eph 4,9 LUT und 1 Petr 3,19 LUT seines Abstiegs in die Unterwelt gedacht, wo der Christus gepredigt und einen Teil der hier im Limbus Gefangenen, nämlich all die bibelischen Gerechten seit Adam, befreit habe. Auch Rudolf Steiner weist darauf hin

„...daß das Ereignis von Golgatha nicht bloß ein Ereignis für die physische Welt war, sondern hinübergewirkt hat in alle geistigen Welten, wie der Hinabstieg des Christus in die Unterwelt eine wirkliche Tatsache war, ...“ (Lit.:GA 118, S. 127f)

Der Christus verband sich auf diese Weise mit der ganzen Erde und wurde derart zum neuen Geist der Erde, so wie er einstmals vor seinem Herabstieg aus den kosmischen Höhen der führende Geist der Sonne gewesen war.

Emil Bock, einer der Mitbegründer der Christengemeinschaft, erläutert dazu:

„Jetzt stehen wir zwischen Karfreitag und Ostern. Der Leichnam ist vom Kreuz genommen und ins Grab gelegt worden. Das ist von der Menschheit nicht beachtet worden, aber geheimnisvoll weben sich Urbilder-Gottgedanken in das Geschehen hinein. Die Vorsehung hat es so gefügt, daß sich Kreuz und Grab an einer Stelle befinden, die schon vor Jahrtausenden als ein Mittelpunkt der Erde erlebt worden ist. Zwischen Golgatha, dem Felsenhügel, der sich in der mondenhaften Felsmasse des Tempelbergs fortsetzt, und dem Grabe, dessen Umgebung den Anfang der Gartenlandschaft auf dem Zionsberg bildet, war einst ein Urriß in der Erdoberfläche. Die alte Menschheit sah in diesem grauenvollen Schlund das Grab Adams. Hier ist zum ersten Mal der Tod über die Menschheit gekommen. Und so verband sich von ganz alten Zeiten her mit dieser Urschlucht, die das Gesicht der Stadt Jerusalem in zwei Teile zerriß, die Vorstellung, daß hier die Pforte der Unterwelt sei. An dieser Stelle erhob sich gestern das Kreuz und steht heute das Grab.

Indem wir so in die Innenseite des Geschehens einzudringen versuchen, ist es, als ob noch einmal der Vorhang vor einer anderen Sphäre zerrisse. Das Nachtreich des Todes tut sich vor uns auf, das Allerheiligste, darin die Seelen der Toten weben, aber unter den magischen Bann der Todesgewalt gekommen sind. Da begegnet uns in dem saturnischen Dunkel der Todessphäre ein unerwartetes Licht. Der am Kreuze starb, ist in das Reich der Toten eingetreten. Jetzt weilt dort einer, der nicht der magischen Zwangsgewalt des Todes unterliegt, sondern frei ist von aller Betäubung. Er trägt das volle Sonnenlicht seines Genius unvermittelt durch den Tod hindurch. Dadurch geht, während auf der Erde der dunkle Grabessabbat herrscht, im Reich der Toten die Sonne auf. Das ist der Sinn der Höllenfahrt Christi. Im Reich der Verstorbenen erglänzt ein Hoffnungsschimmer. Der Bann des Todes lockert sich, weil der Ausblick frei wird auf einen künftigen Sieg der Menschenseele über das Schreckensgespenst der Unterwelt. Als es auf der Erde noch Karsamstag war, war im Reich der Toten bereits Ostern. Bevor die Erdenmenschen etwas von Ostern merkten, bemerkten es die Verstorbenen.

Wie wird das Drama weitergehen? Die Frage ist noch nicht entschieden, ob es auch in der Welt der irdischen Leiblichkeit ein Ostern geben wird. Wird der Sieg über den Tod, der im Seelenreiche aufglänzt, auch im Stoffgebiet errungen werden?

Der Erde, die im Sterben liegt, weil sie in Gefahr steht, den Zusammenhang mit dem Himmel völlig zu verlieren, ist eine Arznei gereicht worden. Sie hat Leib und Blut Christi in sich aufgenommen. Das waren die ersten Bestandteile irdischer Materie, die ganz und gar vom Geiste durchdrungen wurden. Sie sind der Keim einer neuen geistdurchleuchteten Materie.“ (Lit.: Bock, S. 361f)

„Das kosmische Kommunizieren unseres Erdenplaneten geschieht am Karfreitag und Karsamstag, bevor noch der Ostersieg voll errungen ist. Deshalb ist der physisch-wirkliche Leib und das physisch-wirkliche Blut des Menschen Jesus von Nazareth die Arznei gewesen, die die Erde empfing.“ (Lit.: Bock, S. 363)

Siehe auch

Literatur

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