Klartraum

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Klartraum oder auch luzider Traum (von lat. lux „Licht“) ist ein Traum, in dem der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt. Die Theorie des luziden Träumens geht davon aus, dass dies ebenso erlernbar ist, wie die Fähigkeit, Trauminhalte gemäß eigener Vorstellungen zu steuern.

Definition

Paul Tholey präzisiert den Unterschied zwischen gewöhnlichen Träumen und Klarträumen anhand von sieben Merkmalen:

  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Traum klar.
  3. Das Bewusstsein ist klar (im Gegensatz zu Trübungs-, Verwirrtheits- oder Dämmerungszuständen).
  4. Es besteht Klarheit über das Wachleben (Wer bin ich? Was habe ich mir für den Klartraum vorgenommen?).
  5. Auch in der Wahrnehmung über die fünf Sinne herrscht Klarheit.
  6. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traumes im Klaren.
  7. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.

Die Bedingungen 1 bis 4 sind unerlässliche Bedingungen, 5 bis 7 können erfüllt sein.

Durch das Bewusstsein über den eigenen Traumzustand ist es möglich, in bestimmten Grenzen in den Traum einzugreifen, geistige Ressourcen zu aktivieren und planvoll im Traum zu handeln. Es sind dann nicht nur die eigenen Handlungen kontrollierbar, sondern auch die Traumumgebung und die Traumfiguren. Die Wahrnehmung der Traumhandlung reicht dabei von verschwommen und unzusammenhängend, über realistische Wahrnehmung bis hin zu realistischer als die Realität selbst. Allerdings kann der Träumer keine komplizierten Aufgaben, wie etwa mathematische Berechnungen erledigen, da vor allem der logische Teil des Gehirns teilweise nicht funktionsfähig ist. Ob diese Beschränkungen zu überwinden sind, ist Teil der aktuellen Forschung; die Existenz von Klarträumen wurde jedoch bereits wissenschaftlich erwiesen.

Die meisten Menschen wissen wenig von der Möglichkeit des Klaren Träumens. Manche aber erleben Klarträume spontan ohne vorhergehendes "Training". Andere bedienen sich verschiedenster Techniken, um klares Träumen zu aktivieren und sich genau daran erinnern zu können. Menschen, die gezielt Klarträume erleben können, werden auch Oneironauten genannt. Tibetische Mönche und Yogis, sowie indianische Schamanen kultivieren diese Kunst schon seit Jahrhunderten, die westliche Traum-Forschung und Wissenschaft befasst sich jedoch erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit diesem Phänomen und dessen Möglichkeiten.

Literatur

  • Stephen LaBerge, Howard Rheingold: Exploring the world of lucid dreaming. Neuausgabe. Ballantine Books, 1997, ISBN 0345420128
  • Stephen LaBerge: Hellwach im Traum. Höchste Bewusstheit in tiefem Schlaf. Junfermann, Paderborn 1987, ISBN 3-87387-266-8
  • Paul Tholey, Kaleb Utecht: Schöpferisch träumen. 3. Aufl. Klotz, Eschborn 1997, ISBN 3-88074-275-8
  • Frederick E. Dodson: Illumination des Träumens. Bohmeier, 2004, ISBN: 3890944264
  • Brigitte Holzinger: Der luzide Traum. Phänomenologie und Physiologie. WUV, Wien 1994, ISBN 3-85114-110-5
  • Celia Green, Charles McCreery: Träume bewußt steuern. Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf. Krüger, Frankfurt a. M. 1996, ISBN 3-8105-0858-6
  • Paul Tholey: Haben Traumgestalten ein Bewußtsein? Eine experimentell-phänomenologische Klartraumstudie. In: Gestalt Theory., 7/1985. Krammer, S. 29-46, ISSN 0170-057X
  • Klaus Henner Spierling: Der Klartraum und seine Anwendung zur Angstreduktion und Streßbewältigung im Traum. Mikrofiche-Ausg. Tectum, Marburg 1997, ISBN 3-89608-750-9
  • Erlacher, D. (2005). Motorisches Lernen im luziden Traum: Phänomenologische und experimentelle Betrachtungen. Abrufbar auf dem Server der Heidelberger Universitätsbibliothek: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/5896
  • Aus der Sicht einer russischen Psychiaterin, autobiografisch und in Romanform: Olga Kharitidi: Samarkand. Eine Reise in die Tiefen der Seele. List 2003, ISBN 3-471-79478-6


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Klartraum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.