Lachen

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Lachende Mädchen
Lachen
Anschlagplakat auf offener Straße

Lachen ist eine allein dem Menschen vorbehaltene mimische Ausdrucksform, die meist durch erheiternde, komische Situationen ausgelöst wird, oder oft auch als erleichterte Reaktion auf überwundene Gefahren auftritt. Ganz allgemein hat Lachen eine befreiende, ja sogar gesundende Wirkung. Das eigentliche individuell typische Lachen und Weinen eines Menschen kommt erst mit dem voll ausgereiften Charakter zum Vorschein.

Für Rudolf Steiner ist das Lachen und Weinen ein unmittelbarer Ausdruck der tiefinnersten Geistigkeit des Menschen, des Ichs:

"Das Ich nur kann sich ausdrücken im Lachen oder Weinen. Wir sehen daraus, daß wir es mit der tiefinnersten Geistigkeit des Menschen zu tun haben, wenn wir die Offenbarungen des Menschen im Lachen oder Weinen vor uns haben." (Lit.: GA 59, S. 56)

"Daher können wir es auch begreiflich finden, daß das Ich, das den Menschen zum Menschen macht, in gewisser Weise Voraussetzung ist des wahren Lachens und des wahren Weinens." (Lit.: GA 59, S. 54)

Beim Lachen kann oder will das Ich nicht in ein richtiges Verhältnis mit einem Gegenstand oder einem Wesen treten, daher versucht es sich davon frei zu machen.

"Das Ich muß es sein, was im Lachen oder Lächeln sich zu befreien sucht von den Gegenständen;" (Lit.: GA 59, S. 56)

Was das Ich erlebt setzt es dann fort auf den Astralleib, der sich beim Lachen erweitert.

"... weil wir unseren physischen Leib weniger in der Hand haben als unseren astralischen Leib, ziehen wir unseren astralischen Leib für einen Augenblick zurück aus dem physischen Leib, ja auch aus dem Ätherleib heraus und bewahren ihn dadurch davor, daß er sich berühren läßt von dem anderen Wesen. Dieses Zurückziehen des astralischen Leibes, der sonst seine Kraft im physischen Leibe verbraucht, um dessen Kräfte zusammenzuhalten, stellt sich für das hellseherische Bewußtsein so dar, daß der astralische Leib sich ausdehnt; er geht gleichsam auseinander bei einer solchen Befreiung. Wo wir uns über ein Wesen erheben, lassen wir unseren astralischen Leib wie eine elastische Substanz sich erweitern, schlaff werden, während wir ihn sonst angespannt haben. Indem sich der astralische Leib erweitert, befreien wir uns von irgendeinem Bande mit der betreffenden Wesenheit; wir ziehen uns gleichsam in uns selber zurück, erheben uns über die ganze Situation. Und weil alles, was im astralischen Leibe geschieht, sich im physischen Leibe ausdrückt, so drückt sich auch dieses Zurückziehen des astralischen Leibes im physischen Leibe aus; der Ausdruck der Erweiterung des astralischen Leibes im physischen Leibe ist das Lachen oder das Lächeln; so dass mit jedem Lachen oder Lächeln, das aus keiner anderen Stimmung als aus der geschilderten hervorgehen kann, verbunden ist ein elastisches Ausdehnen des astralischen Leibes. - Wir dürfen also sagen: Was durch das Ausdehnen des astralischen Leibes und seinen physiognomischen Ausdruck als Lachen oder Lächeln an der menschlichen Wesenheit auftritt, ist ein Sich-Erheben über das, was in der Umgebung geschieht, weil wir nicht Verständnis aufwenden wollen, und nach der ganzen Art, wie wir zu der betreffenden Sache stehen, dafür auch nicht Verständnis aufwenden sollen." (Lit.: GA 59, S. 50)

"... das Weinen, das Traurigwerden - es ist ein Aspekt wenigstens des Ernstes, der Aspekt aber, der uns das enthüllt, was im Ernste überhaupt lebt - er ist ein Mehr-sich-zusammen-Pressen, es ist ein das Seelisch-Geistige inniger mit dem Physisch-Leiblichen-Verbinden, als es verbunden ist, wenn wir in gleichgültiger, weder humoristischer noch ernster Stimmung sind. Humorvolle Stimmung, ein Weiten des Seelisch- Geistigen; ernste Stimmung, ein In-sich-zusammen-Pressen der geistig-seelischen Natur mit der physisch-leiblichen. Wir könnten ja auch sagen, weil wir ja nicht uns pedantischen oder tantenhaften Lehren hingeben dürfen über diese Dinge, in dem Lachen wird der Mensch altruistisch, in dem Ernste wird der Mensch egoistisch.

Diese Behauptung wird Ihnen anfechtbar erscheinen. Gewiß, alle Behauptungen sind im Grunde genommen anfechtbar, weil sie nicht für die ganze Welt, sondern immer nur für ein beschränktes Gebiet gelten. Wenn ich sage: der Ernst macht egoistisch, so muß man natürlich sich klar darüber sein, daß man ja gut predigen kann, der Mensch soll den Egoismus bekämpfen; aber was kommt denn viel dabei heraus, wenn der Mensch den Egoismus - ich will jetzt etwas recht Radikales sagen - , wenn der Mensch den Egoismus bekämpft aus Egoismus, damit man ihn recht unegoistisch finde, recht selbstlos finde, damit er sich seiber auch, wenn er über sich nachdenkt, die Wollust, selbstlos zu sein, verschaffen kann? Es ist viel besser, in solchen Dingen sich nicht Illusionen hinzugeben, sondern sich klar darüber zu sein, daß, wenn jemand so egoistisch ist, daß er einen Gefallen daran hat, viele Menschen zu lieben, wenn das seinen Egoismus befriedigt, das für ihn eine bessere Mitgabe ist, als wenn jemand so selbstlos ist, daß er wegen dieser Selbstlosigkeit alle möglichen Arten des Eigenlobes einernten will oder wenigstens sich beim Nachdenken über sich selbst sie sich selbst auch geben wird. Diese Dinge müssen so betrachtet werden, wie sie der Wirklichkeit der menschlichen Natur entsprechen, nicht wie man zur Erhöhung der seelischen Wollust sie deuten oder definieren will. Worauf es eben ankommt, ist, daß das Wechselspiel im Menschen zwischen humorvoller Stimmung und ernster Stimmung das seelisch-geistige Leben so unterhält, wie das physische Leben durch Einatmen und Ausatmen unterhalten wird. Und wie das Ausatmen eine Art Hingabe an die Außenwelt ist, wie das Ausatmen etwas ist, wo der Mensch sich fremder wird, das Einatmen etwas ist, wo der Mensch seinem Egoismus physisch frönt, so ist der Humor etwas, wo der Mensch in die Weiten zerfließt, und es ist der Ernst etwas, wo der Mensch sich in sich egoistisch sammelt." (Lit.: GA 301, S. 111f)

„Nehmen wir einmal an, irgend etwas mache auf uns einen solchen Eindruck, den wir im gewöhnlichen Leben eben einen komischen Eindruck nennen. Was tut denn das in Wirklichkeit, was auf uns einen komischen Eindruck macht? Etwas ganz Ähnliches tut es, wie wenn wir — also physisch —, statt daß wir unser normales Quantum einatmen, ein wenig draußen lassen und über die Umgebung verbreiten würden. Unser Ich und unsern astralischen Leib, die strecken wir gleichsam aus uns hervor. In dasjenige, was uns komisch vorkommt, ergießen wir unser Ich und unseren astralischen Leib hinein. Also denken Sie: Wenn Sie über irgend etwas lachen, so besteht die Tatsache, die sich da abspielt, darinnen, daß Sie Ihr Ich und Ihren astralischen Leib gewissermaßen darüber verbreiten. Sie strecken den astralischen Leib und das Ich heraus und verbreiten es darüber. Es ist ein geistiger Vorgang, der ja nicht so eine Abweisung ist, wie wenn dieser astralische Leib in einem anderen Gefühl etwas vom physischen Leibe mitzieht, wo auch dasjenige, was wir als astralischen Leib haben, sich ergießt in die Umgebung, aber etwas vom physischen Leibe mitzieht: es ist unartig, denn das, was mitgezogen wird, ist die Zunge! Das tun unartige Kinder, die die Zunge herausstrecken. Wenn wir lachen, lassen wir die Zunge zwar drinnen; aber es ist schon eine ähnliche Verfassung des Astralleibes, der herausgezogen wird, und sogar so stark herausgezogen wird, daß er das einnebelt, was auf ihn einen komischen Eindruck macht. Dem Lachen liegt eine Verbreiterung des astralischen Leibes sogar bis zum Ätherleib zugrunde. Der unsichtbare Mensch verbreitert sich, dehnt sich wie elastisch aus. Das ist also der Vorgang beim Lachen.

Genau der entgegengesetzte Vorgang findet statt beim Weinen. Da zieht sich der astralische Leib sogar mit dem Ätherleib zusammen, preßt dadurch, daß er sich zusammenzieht, den physischen Leib und preßt die Tränen heraus. Das ist ja viel leichter zu verstehen. Aber Sie sehen: Lachen und Weinen und damit natürlich auch Traurigsein — denn Traurigsein ist ja nur derselbe Seelenvorgang, nur daß es eben nicht zu Tränen kommt —, Lachen, also Heitersein und Traurigsein beruht auf Ausdehnung und Zusammenziehung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen, beruht also in einer Kraftentfaltung der unsichtbaren Wesenheit des Menschen.“ (Lit.:GA 167, S. 262f)

Auch die Atmung wird beeinflusst:

"Wenn beim lachenden Menschen der astralische Leib schlaff wird, und wenn der physische Leib in seiner feineren Gliederung auch erschlafft, dann tritt so etwas ähnliches ein, wie wenn wir einen leeren Raum erzeugen, indem wir die Luft aus ihm auspumpen und diesen leergemachten Raum dann der äußeren Luft aussetzen: dann pfeift die Luft da hinein. Eine Art Freimachen der äußeren Leiblichkeit tritt also im Lachen ein, und dann dringt in einem langen Atemzuge die Luft nach innen." (Lit.: GA 059, S. 60)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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