Liquor cerebrospinalis

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Der Liquor cerebrospinalis, die Zerebrospinalflüssigkeit oder Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, umgangssprachlich auch Gehirnwasser oder kurz Hirnwasser genannt, ist eine wasserklare, farblose, nur wenig Zellen enthaltende Körperflüssigkeit, die mit der Gewebeflüssigkeit des Gehirns eng verbunden ist und dieser auch in der Zusammensetung weitgehend gleicht.

Der Liquordruck, der im Liegen am Kreuz gemessen bei 70 bis 220 mmH2O liegt, schwankt mit dem Atemrhythmus und auch abhängig vom Herzschlag rhythmisch um bis zu 20 mmH2O. Die essentielle Bedeutung dieser rhythischen Bewegung des Gehirnwassers hat Rudolf Steiner immer wieder besprochen und auch auf den Zusammenhang mit dem der Erdentwicklung vorangegangenen alten Mond hingewiesen.

„Sie werden ja schon gehört haben, wie schwer ein menschliches Gehirn ist: im Durchschnitt etwa 1350 Gramm. Es hat also ein ziemliches Gewicht, dieses menschliche Gehirn, es wiegt fast anderthalb Kilo. Nun sind unter dem Gehirn sehr zarte Organe. Wenn Sie ein Kilo auf diese zarten Organe legen würden, so würden die sogleich zusammengequetscht werden, die könnten das gar nicht ertragen. Fortwährend ist das so, daß Sie ein Gehirn von einem Gewicht in sich tragen, das durch seine Schwere veranlagt ist, die Organe, die darunterliegen, an der Gehirnbasis liegen, zu zerdrücken. Es drückt aber nicht dieses Gewicht von einem Kilogramm, sondern in Wirklichkeit drücken höchstens zwanzig Gramm auf die Gehirnbasis! Woher kommt das ? Weil das Gehirn ganz schwimmt im Gehirnwasser. Und tatsächlich, bis auf zwanzig Gramm verliert das Gehirn von seinem Gewicht, weil es im Gehirnwasser schwimmt; nicht von dem Gewicht, das Abwiegegewicht ist, sondern von dem Gewicht, das unmittelbares Druckgewicht ist. Es drückt nur mit zwanzig Gramm auf die Basis. Man stellt sich die Sache ganz richtig vor, wenn man sich vorstellt: Das Gehirn (es wird gezeichnet), und das Gehirn im Gehirnwasser schwimmend, das Gehirnwasser dann durch die Rükkenmarkssäule heruntergehend.

Nun denken Sie sich aber, daß dieses Gehirnwasser rhythmisch auf und ab geht. So wie sich das Zwerchfell bei der Atmung auf und ab bewegt, so wie überhaupt die Ein- und Ausatmung vor sich geht, so bewegt sich rhythmisch dieses Gehirnwasser, in dem das Gehirn schwimmt und die Atmung mitmacht auf diese Weise. Und der ganze Gedankenprozeß, insofern das Gehirn sein Werkzeug ist, hat darin seinen physischen Zusammenhang mit dem Atmungsprozeß. Dadurch ist das Gehirn zu gleicher Zeit ein außerordentlich feines Empfindungsorgan für dasjenige, was im Irdischen als fortwährende Kräfte wirkt.

Goethe, der in diese Dinge eine tiefe Einsicht hatte, wollte es zum Beispiel durchaus nicht gelten lassen, was die grobklotzige Meteorologie über das Sinken und Steigen des Barometerstandes sagt, die bloß auf äußere Luftverdickung und Luftverdünnung, auf Steigen und Sinken des Luftdruckes sieht. Goethe hat unendlich viel Zeit seines Lebens darauf verwendet, die Barometerstände der verschiedenen Gegenden sorgfältig zu notieren, und er hat versucht, zu konstatieren, wie regelmäßig das Steigen und Sinken des Barometerstandes über die ganze Erde hin ist, und wie man das vergleichen kann mit dem, was einer inneren Kraft der Erde, einem Ausatmen und Einatmen der Erde entspricht, womit zusammenhängt selbstverständlich alles Regelmäßige und alles Unregelmäßige der Meteorologie. Man braucht sich - trotzdem Regelmäßigkeit herrscht im Einund Ausatmen der Erde - nicht über das Wetterwendische des Barometers zu wundern; denn schließlich bekommt ja der Mensch trotz aller Regelmäßigkeit seines Atmens auch den Schnupfen und andere Zustände, die ein Barometer dafür sind, daß etwas nicht stimmt.

Aber diese wunderbare Gesetzmäßigkeit in der Erdenschwere, dieses Innenleben des Irdischen, das nimmt der Mensch wahr. Im physischen Leben bleibt es unterbewußt. Aber so wie der Mensch hinausguckt in die Welt oder mit dem Ohr hinaushört, geradeso nimmt er in dem fortwährenden Aufundabwogen des Gehirnwassers geheimnisvolle innere Vorgänge des «Erdentieres» wahr, über das Goethe sich so ausdrückt: Ich denke mir die Erde mit ihrem Dunstkreis gleichnisweise als ein großes lebendiges Wesen, das im ewigen Einund Ausatmen begriffen ist. Dieses Miterleben der Erde nimmt der Mensch wahr, aber es bleibt im Unterbewußten. Aber sobald man den Ätherleib als ein Organ hat, beginnt man, dieses Leben der Erde wahrzunehmen und mitzumachen, dann ist man ein Glied an diesem großen Erdengetier. Es ist wirklich erst unsere Zeit dazu gekommen, ich möchte sagen, solchen Dingen ganz verständnislos gegenüberzustehen. Noch Kepler, der ja als ein großer Geist gilt auch für diejenigen, die heute alle spirituelle Erkenntnis totschlagen möchten, redet davon, daß unsere Erde, wie er sich ausdrückt, eine walfischartige Respiration in Perioden, ein von der Sonnenzeit abhängiges Schlafen und Erwachen, mit Anschwellen und Sinken des Ozeans hat. Hinuntergedrängt ins Unterbewußte und ausgedrückt durch einen physischen Vorgang, der aber nichts mit dem Bewußtsein zu tun hat, erlebt der Mensch diese Dinge.

Jetzt werden Sie sich nicht mehr wundern, wenn Ihnen nun die hellseherische Erkenntnis sagt: Auf dem alten Monde, wo traumhaftes Hellsehen vorhanden war, war insbesondere das, was jetzt in das Innere des Organismus zurückgetreten ist - dieser eigentümliche Zusammenhang zwischen der äußeren Luft und unserem Denkprozesse auf dem Umwege durch das Blut und durch das Aufundabwogen des Gehirnwassers -, ein Äußeres im Organismus. Da war draußen die sich bewegende Luft. Da war der Mensch selber noch - denn etwas wie Irdisches war ja noch nicht da, erst wässerig war der Mond oder höchstens verdichtetes Wasser -, wie ein Aufwirbeln in der Mondenmaterie. Und dann lebte in diesem Aufwirbeln dasjenige, was dieses Aufwirbeln wahrnahm, was da im Wasser als verdichtetes Wasser schwamm als Mensch, als Mondenmensch. Das, was wir waren als Mondenmensch, das steckt in uns drinnen. Und wenn man studiert, wie das Gehirn im Gehirnwasser drinnen ist und wie die ganzen Funktionen sind, wie das mit dem Atmungsprozeß zusammenhängt, dann sieht man: Ja, es ist so: da stehst du eigentlich, du Erbschaft vom alten Mond, du hast dich nur zurückgezogen in das Innere. Da bist du als Gehirn. - Drinnen im Gehirnwasser schwimmt das, wogt auf und ab.“ (Lit.:GA 163, S. 103ff)

Durch den Auftrieb der Gehirnflüssigkeit, in der das Gehirn schwimmt, ist es zum allergrößten Teil der Schwerkraft entzogen; erst dadurch kann sich die menschliche Intelligenz entfalten:

„Sehen Sie, unser Gehirn wiegt durchschnittlich 1250 Gramm. Wenn dieses Gehirn, indem wir es in uns tragen, wirklich 1250 Gramm wiegen würde, dann würde es so stark drücken auf die unter ihm befindlichen Blutadern, daß das Gehirn nicht in richtiger Weise mit Blut versorgt werden könnte. Es würde ein starker Druck ausgeübt werden, der das Bewußtsein sogleich umnebeln würde. In Wahrheit drückt das Gehirn gar nicht mit den vollen 1250 Gramm auf die Unterfläche der Schädelhöhle, sondern nur mit etwa 20 Gramm. Das kommt davon her, daß das Gehirn in der Gehirnflüssigkeit schwimmt. So wie der Körper hier im Wasser schwimmt, so schwimmt das Gehirn in der Gehirnflüssigkeit. Und das Gewicht der Gehirnflüssigkeit, die verdrängt wird durch das Gehirn, beträgt eben ungefähr 1230 Gramm. Um diese wird das Gehirn leichter und hat nur noch 20 Gramm. Das heißt, wenn man nun auch - und das tut man ja mit einem gewissen Recht - das Gehirn als das Werkzeug unserer Intelligenz und unseres Seelenlebens, wenigstens eines Teiles unseres Seelenlebens, betrachtet, so muß man nicht bloß rechnen mit dem wägbaren Gehirn - denn dieses ist nicht allein da -, sondern dadurch, daß ein Auftrieb da ist, strebt das Gehirn eigentlich nach aufwärts, strebt seiner eigenen Schwere entgegen. Das heißt, wir leben mit unserer Intelligenz nicht in abwärtsziehenden, sondern in aufwärtsziehenden Kräften. Wir leben mit unserer Intelligenz in einem Auftrieb drinnen.“ (Lit.:GA 320, S. 49)

In den rhythmischen Bewegungen des Gehirnwassers lebt das Gefühl. Das ist insbesondere auch für das Leben im Musikalischen bedeutsam - und ähnlich wohl auch für die Sprache.

„Dieses Leben im Musikalischen, es ist der allerbeste Beweis - zunächst einer von vielen, wir werden noch verschiedene kennenlernen, aber vielleicht einer der besten Beweise - für die besondere Zuordnung des Gefühlslebens zum rhythmischen Leben des Organismus. Dieses rhythmische Leben wird in seinem Zusammenhang mit dem Gefühlsleben wahrgenommen von dem Vorstellungsleben, das an den Nerven-Sinnes-Organismus gebunden ist. Wenn wir etwas Musikalisches hören, ja, wenn wir irgendwie uns einem Tonbilde hingeben, dann ist das allerdings scheinbar zunächst aufgenommen durch den Sinn. Aber diejenigen Physiologen, die etwas feiner beobachten können, merken, wie innerlich beteiligt ist an dem Verfolgen eines Tonbildes das Atmen, und wie wirklich unser Atmen etwas zu tun hat mit dem, was wir als dasjenige in uns erleben, was uns das Tonbild erscheinen läßt als etwas, das ästhetisch zu beurteilen ist, das in das Gebiet der Kunst zu versetzen ist.

Wir müssen uns nämlich klar sein, welch komplizierter Prozeß eigentlich in uns fortwährend vorgeht. Nehmen Sie einmal diesen unseren Organismus an. Dieser Nerven-Sinnes-Organismus, der zentralisiert ist im menschlichen Gehirn, er ist ja so zentralisiert, daß das Gehirn eigentlich nur zum geringsten Teil in einem gewissen festen Zustande ist; das ganze Gehirn schwimmt im Gehirnwasser. Ich versuche dasjenige, was da zugrunde liegt, durch folgendes klarzumachen: Es würde unser Gehirn, wenn es nicht im Gehirnwasser wirklich schwimmen würde, fortwährend auf die an der Schädelunterlage befindlichen Blutgefäße drücken und diese fortwährend zerdrücken. Unser Gehirn erleidet nämlich dadurch, daß es im Gehirnwasser schwimmt, einen fortwährenden Auftrieb - was man nach dem Archimedischen Prinzip den Auftrieb nennt, wie Sie aus der Physik wissen -, so daß von dem reichlich 1300 bis 1500 Gramm wiegenden Hirn eigentlich auf die Unterlage des Schädels höchstens 20 Gramm drücken. So daß also dadurch, daß das Gehirn einen mächtigen Auftrieb erleidet, auf die Unterlage des Schädels sehr wenig gedrückt wird. Aber dieses Gehirnwasser, das ist nicht minder beteiligt an unserem ganzen menschlichen Erleben als etwa das Feste des Gehirnes. Dieses Gehirnwasser, das ist nämlich in einer stetigen Auf- und Abbewegung. Es bewegt sich das Gehirnwasser rhythmisch auf und ab vom Gehirn durch den Rückenmarkskanal, strahlt dann aus in die Bauchhöhlung, wird bei der Einatmung zurückgestoßen in die Gehirnhöhlung, wieder herausgestoßen, und bei der Ausatmung fließt es wieder herunter. In fortwährendem Auf- und Abbewegen ist dieses Gehirnwasser, das heißt, seine Fortsetzung in den übrigen Organismus hinein, so daß eine fortwährende vibrierende Bewegung stattfindet, die im Grunde genommen den ganzen Menschen erfüllt und die mit dem Atmen zusammenhängt.

Indem wir irgendeiner Folge von Tönen gegenüberstehen, stehen wir ihr als atmende Menschen gegenüber. Fortwährend wird das Wasser aufwärts und abwärts getrieben. Und indem wir hören, schlägt innerlich der Rhythmus des auf- und absteigenden Wassers an dasjenige an, was da durch die Töne in uns im Gehörorgan als Sinneswahrnehmung figuriert, und ein fortwährendes Zusammenschlagen der innerlichen Vibrationsmusik unseres Atmens findet statt mit dem, was als Wahrnehmungsvorgang an unser Ohr schlägt. Darinnen besteht eigentlich das musikalische Erlebnis, in diesem Ausgleich zwischen der Gehörwahrnehmung und dem rhythmischen Atmungsprozeß. Und der schildert ganz falsch, der etwa das musikalische Wahrnehmen, das ja überall im wesentlichen durchzogen ist vom Fühlen, nur in Beziehung bringen möchte direkt mit den Nervenvorgängen. Die sind eigentlich beim musikalischen Wahrnehmen nur dazu da, daß wir dasjenige, was eigentlich vorgeht, tiefer mit unserem Ich verbinden, daß wir es so recht wahrnehmen, daß wir es ins Vorstellen umsetzen.“ (Lit.:GA 301, S. 34ff)

Auf den möglichen Zusammenhang der Sprache mit den Bewegungen des Gehirnwassers hat auch Armin Husemann aufmerksam gemacht. Rainer Patzlaff berichtet:

„Armin Husemann wies im Anschluss an seine Entdeckung der Lautformen im Blut mündndlich daraufhin, dass es einen weiteren Organbereich gibt, der vom gesprochenen Wort betroffen ist: das Wasser im Rückenmark und im Gehirn, der Liquor cerebrospinalis, wie ihn der Mediziner nennt. Es ist als sicher anzunehmen, dass die gesprochenen Laute (die ja durch die Knochenleitung des Schalls auch in das Körperinnere dringen) in der Flüssigkeit des Rückenmarks Bewegungsformen erzeugen, Wirbel, die sich bis zu dem vom Liquor umschlossenen Gehirn fortpflanzen. Aber was spielt sich dort ab? Man wagt kaum sich vorzustellen, wie die dynamischen Wasserbewegungen auf das noch weiche, in Entwicklung befindliche Gehirn eines Kindes einwirken. Und sofort taucht die Frage auf: Geschieht dieser Vorgang auch schon in der Zeit, in der das Kind zwar hören, aber noch nicht selber sprechen kann, also ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft und in den Monaten bis zum Beginn des eigenen Sprechens?

Da nachgewiesen ist, dass der hörfahige Fötus nicht nur die Sprache der Mutter wahrnimmt, sondern in einem gewissen Maße auch die von außen kommende Sprache z.B. des Vaters, sehen wir uns vor Fragen gestellt, auf die zuvor niemand gekommen wäre: Nehmen die Eltern und andere Personen in der Umgebung durch ihre Sprache Einfluss auf die Gehirnbildung des Kindes schon vor der Geburt und auch danach? Angenommen, dem wäre so, dann drängt sich geradezu erschütternd der Gedanke auf, welch eine gewaltige Verantwortung den Erwachsenen zukommt, auf ihre Sprache zu achten, denn wenn sie einen Einfluss hat, dann ist die Wirkung auch von der Beschaffenheit dieser Sprache abhängig. [...]

Was tatsächlich geschieht, wissen wir nicht, weil die Lautformen im Venenblut während des Hörens noch nicht untersucht sind und weil es für die Vorgänge im Liquor des Gehirns derzeit wohl keine ethisch vertretbare Technik zur Beobachtung gibt. Aber wir werden in jedem Falle gut daran tun, Steiners Wort von der leibgestaltenden Kraft der Sprache absolut wörtlich zu nehmen, noch tiefergehend, als wir es zuvor getan haben. Im Übrigen kann uns alles, was bisher aus der Forschung bekannt ist, in der Gewissheit bestärken, dass der Mensch im Sprechen und Hören mit der Sprache inniger verwoben ist, als es sich der aufgeklärte neuzeitliche Verstand jemals hätte träumen lassen. Sprache ergreift den Menschen bis in die Tiefen seines Leibesseins.“ (Lit.: Patzlaff, S. 281ff)

Im Pulsieren des Gehirnwassers empfängt der Mensch auch unbewusst Impulse aus der Sphäre der Erzengel bzw. der Volksseele.

„Wir sind ja zu weit über neunzig Prozent eine Wassersäule, das heißt eine Flüssigkeitssäule, aber dieses Flüssige im Menschen, das ja die äußere Wissenschaft heute noch sehr wenig berücksichtigt, ist gerade der Hauptträger des menschlichen Lebens. Und ich habe schon einmal darauf hingewiesen, wie das luftförmige Element durch das flüssige in das feste Element hineinwirkt, das im Gehirn verankert ist. Wir atmen ein; dadurch, daß wir den Luftstrom einatmen, also unseren Leib mit dem Luftstrom ausfüllen, wird das Organ, das wir Zwerchfell nennen, gesenkt. In diesem Einsaugen des Luftstromes und allem, was damit zusammenhängt, bis zum Senken des Zwerchfelles, haben wir jene Sphäre, in der die aus dem Reiche der Archangeloi ausgehenden Impulse wirksam sind. Und so wie dies alles im Unterbewußten bleibt, so bleibt auch die wahre Gestalt der Wirkungen der Volksseele im Unterbewußten, sie wird nur, wie ich gestern vergleichsweise sagte, wie Wogen heraufgeschlagen, aber in ganz anderer Gestalt, als sie in Wirklichkeit da unten lebt. Wenn das Zwerchfell heruntergedrückt ist, beginnt eine Art Stauung des Blutes in den Venen des Unterleibes. Dadurch wird der Strom des Gehirnwassers durch den Rückenmarkskanal heraufgedrückt und in das Gehirn, also um die verfestete Gehirnmasse herum, hineinergossen; so daß jetzt infolge des Einatmens das Gehirnwasser im Gehirn selber ist, heraufgestoßen ist. In diesen Wirkungen der Pulsation des Gehirnwassers liegt alles das, was an Impulsen aus der Sphäre der Archangeloi in den Menschen läuft, alles dasjenige, was der Mensch an Vorstellungen, Empfindungen gewinnen kann, die ihn ins Überpersönliche oder Unterpersönliche erheben, also ihn verbinden mit den Gewalten, die hinausgehen über Geburt und Tod. Und im Gehirn selbst, da stößt dann das Gehirnwasser an das Feste.

Dem parallel geht der Vorgang, der darinnen besteht, daß in unserem Flüssigen auch die Vorstellungen, die Begriffe wogen, denn die Vorstellungen und Begriffe sind geistige Entitäten, welche in dem flüssigen Element wogen, und als unsere alltäglichen, auf die Sinneswelt bezüglichen Vorstellungen kommen sie dadurch hervor, daß sie auf das Feste stoßen, von dem Festen zurückgespiegelt werden und dadurch zum Bewußtsein kommen.

Wenn wir wieder ausatmen, tritt dafür in den Blutgefäßen des Gehirns eine Stauung ein, und das Gehirnwasser wird durch den Rückenmarkskanal in den Unterleib heruntergedrängt. Es kann da hinein, weil infolge des Ausatmens das Zwerchfell gehoben wird und dadurch Raum ist für das Hinunterfließen des Gehirnwassers in den Unterleib. Das Denken, Vorstellen und so weiter ist eben nicht jener Prozeß, von dem die anatomisch-physiologische Wissenschaft heute als von einem bloßen Gehirnprozeß träumt, sondern es hängt das, was im Gehirn vor sich geht als die Spiegelung an einem Festen, mit dem zusammen, was nicht mehr spiegelt, sondern im Flüssigen bleibt, und von da, auf dem Umwege durch die Atmung, den Einfluß des luftförmigen Elementes regelt. Das ist auch der Umweg, auf dem alles, was uns mit dem Klima, mit Erdenverhältnissen, die an ein bestimmtes Terrain gebunden sind, und mit sonstigen äußeren Einflüssen, die mit der Atmung zusammenhängen, vermittelt wird. In dem, was niemals ins Bewußtsein hereinfließt, im Atmungsprozeß, der nichts anderes ist als ein wogendes Meer, wogen geistige Realitäten. Der Atmungsprozeß steht auf dem Umwege durch das Gehirnwasser in Verbindung mit dem Gehirn.“ (Lit.:GA 174, S. 151f)

Wenn der Mensch zur irdischen Inkarnation herabsteigt, hat er schon einen Ätherleib, den er sich aus dem ganzen Kosmos zusammengezogen hat, und dieser Ätherleib bildet sich in den Bewegungen des Gehirnwassers ab.

„Sehen wir nur einmal auf das Gehirnwasser. Das hat in sich gewisse Bewegungen. Die sind ein Abbild des Ätherleibes. Aber den Ätherleib, den bekommt der Mensch, indem er aus den geistigen Welten in diese physische Welt heruntersteigt; innerhalb der geistigen Welten hat er ihn noch nicht. Aber indem der Mensch überhaupt seinen physischen Leib ergreift, hat er schon seinen Ätherleib. Er zieht gewissermaßen den Äther aus dem Kosmos heran. Und erst indem er den Äther herangezogen hat aus dem Kosmos, kann er sich mit dem Physischen, das ihm dann durch die Vererbung vermittelt wird, verbinden. So daß wir dasjenige, was innerlich im Ätherleib des Menschen lebt, schon mitbringen, indem wir unseren physischen Leib ergreifen.

Nehmen Sie also an, im Leib des mütterlichen Organismus entsteht der Menschenkeim. Wir untersuchen dasjenige, was an diesem Menschenkeim das Flüssige ist. Man tut es nicht in der gewöhnlichen Physiologie. In der gewöhnlichen Physiologie untersucht man nur den Keim insofern, als er Festes enthält oder wenigstens sich so wie das Feste beobachten läßt. Das Flüssige wird gar nicht untersucht. Würde man aber das Flüssige untersuchen, dann würde man entdekken, wie in dem Flüssigen, namentlich im Gehirnwasser, ein Abbild dessen ist, was da hereingeschlüpft ist in den physischen Menschen und was zunächst schon im Ätherleib sich ausdrückte, als der Äther herangezogen worden ist.

Zeichnung aus GA 212, S. 58 (Tafel 6)

So können wir sagen: Wenn hier der physische Leib ist (siehe Zeichnung), der physische Menschenkeim sich bildet - ich zeichne jetzt das Feste gar nicht; was ich da zeichne, soll der flüssige Menschenkeim sein (rot) - , es kommt aus der geistigen Welt herunter dasjenige, was als Ich und Astralisches vorhanden ist. Was schon an Äther herangezogen ist (gelb), das schlüpft hier hinein. Indem einfach der Mensch untertaucht in den physischen Leib, wird im flüssigen Organismus aufgenommen das, was der Mensch von außen hereinbringt. Würden Sie also das Gehirnwasser des Kindes in seinen Bewegungen untersuchen, so müßten Sie sagen: Das ist eigentlich eine Photographie dessen, was der Mensch war, bevor er sich mit seinem physischen Leib verbunden hat. Sehen Sie, das ist sehr wichtig, daß man eigentlich sagen kann: Im Gehirnwasser, das heißt, in den Bewegungen des Gehirnwassers würde man eine Photographie von dem, was der Konzeption vorangegangen ist, finden.

Nun, vom Gehirnwasser können Sie das gut begreifen, daß Sie da eine Art Photographie finden dessen, was vorangegangen ist. Aber bedenken Sie den Atmungsprozeß. Der Atmungsprozeß tritt uns als ein sehr physischer Prozeß dadurch entgegen, daß unsere Lunge in einer gewissen Beziehung organisiert ist, daß die Luft eingesogen wird, daß der Atmungsprozeß sich sogar abspielt unter dem Einfluß der Außenwelt, wenn wir schlafen, wenn also unser Ewiges gar nicht mit unserem Zeitlichen verbunden ist. Man möchte sagen, für den Atmungsprozeß ist es ja so: er verläuft sowohl, wenn wir schlafen, als auch wenn wir wachen. Wenn wir schlafen, nun, dann geht eben die Bewegungswelle des Atmungsprozesses durch unseren Organismus; wenn wir wachen, trägt diese Welle den astralischen Leib. Sie kann ihn also tragen; sie braucht ihn auch nicht zu tragen. Das tut sie beim Schlafen, da trägt sie ihn nicht.

Was folgt daraus? Daraus folgt, daß das Gehirnwasser, weil das im Inneren abgeschlossen ist, sich fortsetzen kann, eine Art Fortsetzung sein kann dessen, was früher da war. Nicht so innig kann sich aber in dieser selben Art etwa in unserem Atmen irgend etwas fortsetzen von früher. Daher geschieht folgendes: Wenn wir den menschlichen Kopf betrachten und dann den menschlichen Brustorganismus, so finden wir, daß da drinnen im menschlichen Kopf, gewissermaßen sagen wir durch das Gehirnwasser, also im physischen Organismus, richtig die Fortsetzung des vorgeburtlichen geistigen Menschen drinnen ist. Beim Atmungsprozeß ist es nicht so. Da verläuft der physische Atmungsprozeß für sich (siehe Zeichnung, gelb), und das Geistige ist viel weniger stark mit dem physischen Prozeß verbunden (rot).

Zeichnung aus GA 212, S. 60 (Tafel 6)

Man möchte sagen: Im Kopf ist der geistige Mensch, der geistig-seelische Mensch mit dem physischen Menschen fest zusammen verbunden; sie sind eine Einheit geworden. Im Brustmenschen ist das nicht so, da sind sie mehr getrennt; da ist der physische Organismus mehr für sich und das Geistig-Seelische auch wiederum für sich.“ (Lit.:GA 212, S. 58ff)

Literatur

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