Liturgisches Gewand

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Angaben Rudolf Steiners zu den liturgischen Gewändern der Christengemeinschaft :
  • TAUFE: dunkelviolett
  • TRAUUNG: rot
  • BEERDIGUNG: schwarz
  • JAHRESZEITEN (Farbe der Formen auf der Casula in Klammer):
    • Advent: blau (dunkelblau)
    • Weihnachten: weiß (hellviolett)
    • Epiphanias: rotviolett (dunkelrotviolett)
    • Passionszeit: schwarz (tiefschwarz)
    • Ostern: rot (grün)
    • Himmelfahrt: rot (gold)
    • Pfingsten: weiß (hellgelb)
    • Johanni: weiß (hellgelb)
    • Michaeli: Heckenrosenfarbe (meergrün)
    • Grundfarbe in den Zwischenzeiten: hellviolett (orange)
(Tafel 12 aus GA 343)

Kultische bzw. Liturgische Gewänder, in denen der Gottesdienst und sakramentale Handlungen durchgeführt werden, sind in den meisten Religionen gebräuchlich.

Die liturgischen Gewänder der Christengemeinschaft bestehen nach den Angaben Rudolf Steiners, ähnlich wie auch in anderen christlichen Kirchen, aus folgenden Teilen, die - wie alle Gewandformen - die übersinnlichen Wesensglieder des Menschen repräsentieren:

  • ein knöchellanges weißes Chorhemd als Untergewand, auch Albe (von lat. albus „weiß“) genannt, repräsentiert den Ätherleib
  • eine farbige, über der Brust gekreuzte Stola, zusammen mit dem gleichfarbigen Zingulum (von lat. cingulum „Gürtel“), das als bandartiger Gürtel die Albe rafft, stellt die Verbindung zwischen Ätherleib und Astralleib dar
  • das eigentliche Messgewand, die Kasel (von lat. casula „Zelt, Häuschen“), steht für den Astralleib und ist, wie die Stola und das Zingulum, in jahreszeitlich oder traditionell festgelegten Farben gehalten. Die Formen auf der Casula sind dabei durch eine eigene Farbgebung hervorgehoben (siehe nebenstehende Zeichnung).
  • die Kopfbedeckung, die ihr Vorbild in der Kopfaura hat, und alles, was der Priester äußerlich bei sich trägt und abgelegt werden kann, stellt den Bezug zur Außenwelt bzw. zum Ich her

Rudolf Steiner gibt dazu folgende Erläuterungen:

„Mit dem Meßopfer hängt ja das ganz innig zusammen, wie der Priester selbst sich zu dem Meßopfer stellt. Das soll nun schon zur Erscheinung kommen in der äußeren Erscheinung, in der der Priester an den Altar herantritt. Es ist in der Tat so, daß der Priester, indem er an den Altar herantritt, schon in seinen entsprechenden Gewändern darauf hinweist, daß es sich bei dem Meßopfer um etwas handelt, für das ich gestern den Terminus «ganzmenschlich» gebraucht habe. Der ganze Mensch in unserem Zeitalter ist ja nur zu erschöpfen, wenn wir sprechen von dem physischen Menschen, von dem ätherischen Menschen oder dem Menschen der Bildekräfte, von dem astralischen Menschen, der schon in der Verinnerlichung auftritt, aber in Zusammenhang steht mit dem Astralischen des Kosmos, und dem Ich-Menschen. Die höheren Glieder braucht man dabei nicht zu berücksichtigen, weil sie sich ja vorläufig im Laufe der Erdenentwickelung im Innern des Menschen als bloße Wirkenskräfte verbergen. Nun handelt es sich darum, daß für eine ganzmenschliche Einsicht der Mensch, wie er zunächst vor uns steht, der physische Mensch ist und daß, wenn das Ganzmenschliche zur Anschauung kommen soll, wenigstens nach außen hin angedeutet werden muß, wie die anderen Glieder der menschlichen Natur zu dem Menschen stehen. Das ist für das Meßopfer angedeutet in den Gewändern. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel geschrieben.)

Der physische Leib des Priesters steckt zunächst in dem Ätherleib, den im wesentlichen eine Art erweitertes weißes Chorhemd darstellt, das bis zum Boden reicht. Ich werde schreiben «weißes Gewand». Es hat ja noch verschiedene Teile, die abgetrennt sind von dem eigentlichen Chorhemdschnitt, aber diese Dinge sind auch zum Teil im Laufe der Zeit hinzugekommen aus verschiedenen Gründen, und ich werde hier nur von dem Wesentlichen sprechen. Wenn wir auf das Weiße des Chorhemdes sehen, dann müssen wir uns eben klar sein, daß darin eine Andeutung desjenigen menschlichen Wesensgliedes liegt, das eingegliedert ist in den Kosmos, so wie der physische Mensch selber eingegliedert ist den Erdenkräften. Und wie man in den Erdenkräften zu suchen hat des Menschen Schuld, so hat man in dem weißen Gewände, das der Mensch sich überstülpt, die Schuldlosigkeit zu sehen.

Nun handelt es sich darum, wie Sie wissen, daß der Mensch, so wie er auf der Erde wandelt, zunächst in einer festen Verbindung hat den physischen und den ätherischen Leib, und dann diese in einer loseren Verbindung hat mit dem astralischen Leib und dem Ich - während des Schlafens werden ja diese beiden abgegliedert -, und dann wieder in einer festen Verbindung hat den astralischen Leib und das Ich. Im Schlafe trennen sich der astralische Leib und das Ich von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Während des ganzen Lebens bleiben also auf der einen Seite sowohl physischer Leib und Ätherleib, wie auch auf der anderen Seite astralischer Leib und Ich bis zu einem gewissen Grade im Leibe verbunden, aber sie können jetzt wohl innerhalb des Bewußtseins abstrakt getrennt werden, wie sie auch gegliedert auftreten, indem der Mensch im Denken, im Erfühlen und im Wollen eine deutliche Differenzierung des Innenwesens hat. Im Wollen ist ein starker Impuls des Ich, im astralischen Leib ist von der Seite des Ätherleibes und von der Seite des physischen Leibes herüberschlagend ein starker Impuls des Denkens und Fühlens, so daß der Mensch also schon in bezug auf Ich und astralischen Leib für sein Bewußtsein differenziert ist, während die Differenzierung des ätherischen und des physischen Leibes ihm ja gar nicht entgegentritt. Gerade aber dasjenige, was sonst naturhaft beim Menschen einen loseren Zusammenhang bildet zwischen dem ätherischen und dem astralischen Leib, das muß angedeutet werden bei der eigentlichen priesterlichen Zentralhandlung, bei dem Meßopfer und auch sonst bei priesterlichen Handlungen dadurch, daß für den Priester das Durcheinanderweben des Ätherischen und des Astralischen eigentlich immer unmittelbare Gegenwart ist. Es muß also in irgendeiner Weise angedeutet sein das Herüberwirken des astralischen Leibes in den ätherischen Leib, und das ist ja der Fall, indem der Priester die Stola trägt. Indem der Priester die Stola trägt, deutet sich in der Stola an das Verbindungsglied des astralischen und des ätherischen Leibes. Wir haben da (es wird gezeichnet) den astralischen Leib. Sehen Sie, die Verbindung mit dem Ätherischen des Kosmos, die ist gewissermaßen in sich selber eine bleibende beim Menschen von der Geburt bis zum Tode und wird nur tingiert von dem, was der astralische Leib als solcher in den ätherischen und in den physischen Leib hineinschickt, was also von menschlichen Willensemotionen, von Gefühlsinhalten ausgeht. Mit all den Willensemotionen, Gefühlsinhalten muß sich nun der Mensch in dasjenige hineinstellen, wovon ich Ihnen gestern als dem Jahreslauf gesprochen habe. Ich versuchte, Sie in Anlehnung an die Hauptfeste aufmerksam zu machen auf die verschiedene Stellung des Menschen zum Universum in seinem Innern, wenn er diese Feste in der originalen Weise begreift.

Er stellt sich dann mit seiner Stimmung in diese Feste hinein, wenn eben sein astralischer Leib entsprechend hineingestellt ist. Der astralische Leib kommt nun entsprechend zum Ausdruck bei dem Gewände, das der Priester trägt beim Meßopfer, in dem eigentlichen Meßgewande, in demjenigen, was der Hauptsache nach so gebildet ist, daß der Priester oben durchschlüpfen kann, und das dann nach vorne und rückwärts nicht ganz gleichartig in dieser Form herabhängt. Es ist das also, ich möchte sagen, das Symbolum des astralischen Leibes. Dieses Symbolum des astralischen Leibes muß also eigentlich angepaßt werden den Stimmungen, die die menschliche Seele gegenüber dem Jahreslaufe haben muß, und sie wird dadurch angepaßt, daß diesem, ich sage jetzt «astralischen Leib», die Farbenstimmung gegeben wird, die ausdrückt, wie die Seelenstimmung zu dem ganzen Zeitenverlauf in der Jahreswende, in der Jahresfolge steht. (Siehe Zeichnung Tafel 12.)

Beginnen wir da zunächst mit der Vorbereitung zum Weihnachtsfeste. Ich sage das, was ich jetzt sage, aus dem Bewußtsein heraus, aus dem es für den heutigen Menschen kommen muß. Sie werden ja in der katholischen Kirche die mannigfaltigsten Abweichungen von dem, was ich Ihnen zu sagen habe, finden, allein, das sind eben Abweichungen, die aus Mißverständnissen im Laufe der Zeit entstanden sind. Wenn wirklich die Farben der Meßgewänder aus dem Geist der übersinnlichen Welt hervorgeholt würden, so müßten sie so sein, wie ich Ihnen das jetzt zeigen will. Wir müssen also eine gewisse Stimmung haben, die die Erwartungsstimmung zum Weihnachtsfeste hin ist. Diese Stimmung kann sich farblich nur dadurch ausdrücken, daß alles dasjenige, was zum Meßgewande gehört, für diese Zeit blau ist. Wir haben also für die Adventszeit Blau. Das drückt in der Tat jene hingebungsvolle Stimmung aus, in der der Mensch dasjenige, was um ihn herum ist, nicht so fühlt, sagen wir, als wenn die Sonnenlichtkräfte aus ihm wirkten, sondern so, daß er aus der Erde wirken fühlt das ins Geistige verwandelte, von den Lichtkräften her Konservierte.

Eine der Hoffnung zugehende Stimmung wird sich aber auszudrücken haben im Weihnachtsfeste selber. Es ist das Fest der Erwartung, es ist das Fest der Hoffnung, es ist dasieniee Fest also, welches aufhellen muß, welches schwaches Licht haben muß in demjenigen, was das frühere Blau war. Wir werden daher zu Weihnachten das Meßgewand in der Farbe haben, daß wir dem Blau ein Rot beigemischt haben, in einer Art von Lila. Wir haben dann dieses Lila stufenweise heller werdend, indem wir uns hinneigen zu der Zeit, die die ersten Wochen des Jahres umfassen, und wir kommen dann in die Erwartung des Osterfestes, des Todes, wo wir das Meßgewand, um die richtige Stimmung anzudeuten, nunmehr schwarz haben. Für die Vorosterzeit ist das Meßgewand schwarz. Wir kommen nun zur Osterzeit selber, und da wird das Meßgewand zu dem früheren Blaurot-Lila in ziemlich schroffem Übergange - gerade wie von Lila zu Schwarz ein schroffer Übergang ist — dann gelbrot.

Wir nähern uns der Pfingstzeit. In der Pfingstzeit hat das Meßgewand im wesentlichen weiß zu sein und erhält sich dann des weiteren, bis es wiederum ganz zum Blau zurückkehrt, in weißen Nuancen mit allerlei farbigen Stickereien, die da anzeigen, wie in der Sommerzeit, wo die Seele gewissermaßen mit dem Kosmos vereint ist, also die Erdenseele herabgedämpft ist, aus dem Kosmos herein die sie befruchtenden Wachstumskräfte gesendet werden. An einem richtigen Priestergewande müßte man also dasjenige im Symbolum sehen, was von den Himmeln hereingeschickt wird an Pflanzenwachstumskräften, an tierischen Wachstumskräften. Es würde das dann dem Herbste zugehend sich auszudrücken haben in demjenigen, was dem Fruchtenden der Ernte [entspricht], bis es wiederum in das Blau der Adventszeit hineinmündet.

In der Tat hat ja die katholische Kirche durchaus die rituellen Vorschriften für diese Abwechslung mit den Meßgewändern. Wenn sie anders auftreten, in anderen Farben, ist das eben nur durch ein Mißverständnis entstanden; aber im wesentlichen ist es schon so, daß das, was in der katholischen Kirche als Farbe der Meßgewänder auftritt, auf uralte Traditionen und auf uralte Schauungen zurückgeht, auf uraltes Erkennen der übersinnlichen Welt und der Beziehung des Menschen zur übersinnlichen Welt. So daß an dem Meßgewande selbst außerordentlich viel studiert werden kann, allerdings auch, wenn man die Irrtümer mit aufnimmt, sehr viel geirrt werden kann.

Wir haben also zunächst die Farbe des Meßgewandes zu berücksichtigen. Wir werden immer in einem etwas helleren Ton als das Meßgewand selbst die ja unter dem Meßgewande zu tragende Stola zu sehen haben, die über der Brust gekreuzt wird, aber im wesentlichen, da sie die Verbindung ist zwischen astralischem und ätherischem Leib, eben in einer helleren Farbe als der jahreszeitlichen des Meßgewandes. Wir haben dann, indem wir weitergehen, dasjenige zu suchen, was das Symbolum für das menschliche Ich ist. Zum Meßgewande möchte ich nur noch das sagen: Das Meßgewand ist also im wesentlichen eine Offenbarung des astralischen Leibes. Das wird, wenn man nun entweder guten alten Traditionen folgt, oder aber, wenn man direkt die Dinge hervorholt aus den geistigen Welten, auch in der Stickerei oder der sonstigen Tingierung des Meßgewandes schon durchaus zum Ausdruck kommen, sagen wir, in Goldstickerei, so daß immer auf der Vorderseite des Meßgewandes in irgendeiner Variante sich diese Figur finden wird (siehe Tafel 12, rechts oben) und auf der rückwärtigen Seite diese Figur (Tafel 12, rechts unten). Das soll andeuten, daß gewissermaßen die Strömungen aus dem Geistigen in das astralische Leben hineinragen, und der Mensch selbst - geradeso wie er die Augenachsen kreuzt, wie er die Hände falten kann, wie er mit der einen Hand die andere berühren kann - zu der Ichwahrnehmung kommt durch das Kreuzen der Kurven hier auf dem den astralischen Leib darstellenden Meßgewand.

Wenn wir nun zum Ich aufsteigen, so ist es so, daß dasjenige, was der Mensch sein Ich nennt, ja am meisten gesondert ist im menschlichen Bewußtsein; es ist so, daß der Mensch ja durch sein Ich zunächst wirklich sein besonderes Verhältnis zur Außenwelt hat, daß er dieses Verhältnis zur Außenwelt, das durch das Ich hergestellt ist, entweder bewußt herstellen kann, daß er aber auch in sein Ich sich zurückziehen kann, daß das also etwas ist, was mit dem unbewußten Wesen lose nur zusammenhängt. Daher deutet symbolisch auf das Ich alles dasjenige hin, was Außenwerk ist, also zum Beispiel die Kopfbedeckung, oder auch alles dasjenige, was der Priester nur trägt. Alles das gehört eigentlich in das Ich-Gebiet, was am Altare abgelegt werden kann, was also der Priester nur trägt, was also wirklich abgelegt oder angelegt werden kann. Es ruht in alledem, was der Priester so trägt, die Kraft des Ich; daher auch die Befehlskraft, die Gesetzeskraft, welche der kirchlichen Hierarchie innewohnt, sich vorzugsweise in der Kopfbedeckung ausdrückt. Wenn Sie die gewöhnliche Priesterkopfbedeckung nehmen, so ist diese die unscheinbarste; gehen Sie hinauf bis zum Probst, gehen Sie hinauf bis zum Bischof, so haben Sie die Kopfbedeckung immer komplizierter werdend, und Sie haben endlich die komplizierteste Kopfbedeckung bei dem Haupte der katholischen Kirche, dem Papst, die Tiara des römischen Papstes. In der dreifachen Kopfbedeckung des römischen Papstes drückt sich aus, daß keiner ein würdiger Papst ist, der nicht dazu gekommen ist, Denken, Fühlen und Wollen von seinem Ich aus in der Gewalt zu haben, und von dieser Organisation des Denkens, Fühlens und Wollens den Erdenkreis der Christenheit zu beherrschen.“ (Lit.:GA 343a, S. 406ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, II, GA 343a (1993), ISBN 3-7274-3430-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, II. Dokumentarische Ergänzungen GA 343b pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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