Ludwig Deinhard

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Ludwig Deinhard (* 27. April 1847 in Deidesheim, Rheinland-Pfalz; † 1. April 1918 in München) war ein deutscher Ingenieur, Industrieller, Autor und Theosoph und später auch Anthroposoph.

Leben

Als Autor schrieb Deinhard Novellen, verfasste auch spiritistische Schriften und arbeitete an der Zeitschrift «Sphinx» von Wilhelm Hübbe-Schleiden und später an der von Rudolf Steiner 1903 begründeten theosophischen Zeitschrift «Luzifer» mit. Auf Reisen malte er gerne Aquarelle.

Ludwig Deinhard Das Mysterium des Menschen SW.jpg

Von 1894 bis 1896 leitete Deinhard den ersten theosophischen Zweig in München und bereitete ab 1900 gemeinsam mit Günther Wagner die Bildung einer eigenständigen Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (DSdTG) vor, zu deren Generalsekretär Rudolf Steiner am 20. Oktober 1902 auf Vorschlag Hübbe-Schleidens gewählt wurde. Deinhard, den Rudolf Steiner schätzte und öfter besuchte, wurde in den Vorstand berufen.

Auf der Fahrt nach München schreibt Steiner in einem Brief an Marie von Sivers vom 11. April 1905:

„Deinhard wird diesmal nicht in München sein während meiner Anwesenheit. Er geht zum Psychologen-Kongress nach Rom, um dort aufzupassen, ob die braven offiziellen Psychologen sich nicht doch herablassen, auf einige «metaphysische» (recte: spiritistische) Beobachtungen hinzuweisen. Es ist so erbarmenswürdig zu sehen, wie diese Leute gierig nach Schätzen graben und froh sind, wenn sie Regenwürmer finden.“ (Lit.:GA 262, S. 95)

Deinhards Werk «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung» [1] wurde von Steiner trotz des mediumistischen Ansatzes mehrmals anerkennend erwähnt.

„Es ist Mediumismus eben das Gegenbild des imaginativen Erkennens. Aber innerhalb gewisser Grenzen, wie eben gesagt, ist es möglich, weiteren Kreisen die Überzeugung zu bringen von etwas, das schwierig mitzuteilen ist. Wichtige Dinge können da schon zutage gefördert werden, und es muß schon als bedeutungsvoll anerkannt werden, wenn sich jemand auf dieses Gebiet wagt. Wer sich darüber näher unterrichten will, sei verwiesen auf das Buch «Das Mysterium des Menschen» von Ludwig Deinhard, auch auf die Schrift «Die Kardinalfrage der Menschheit» von Hofrat Seiling. Wie gesagt, diese Dinge sind durchaus bedeutungsvoll. Aber zugleich darf man nicht außer acht lassen, daß der Weg zur Wahrheit gepflastert sein muß nach dieser Richtung hin mit allen möglichen notwendigen Vorsichtsmaßregeln.“ (Lit.:GA 69a, S. 116f)

„Wenn wir den Menschen mit dem geschulten hellseherischen Bewußtsein zu der Wesenheit der Dinge hindurchdringen sehen, so kann das auch in gewisser Beziehung durch natürliche Veranlagung geschehen. In dem Vortrage über den «Sinn des Prophetentumes» ist es an Nostradamus gezeigt worden, wie durch natürliche Anlage eine solche Entfaltung der hellseherischen Kräfte stattgefunden hat. Wie das ins Leben hereinspielt, wie überhaupt das alles wirkt, was erweitertes Bewußtsein, was Wirken der Seelenkräfte ist, die außerhalb der gewöhnlichen Grenze des bewußten Seelenlebens liegen, das kann man aus einem Buche entnehmen, auf das ich hier hinweisen möchte. In ihm ist sehr schön dargestellt, wie sich für die äußere Wissenschaft das Wirken der verborgenen Seelen- und Geisteskräfte ausnimmt, wie auch der Zusammenhang dieser ohne besondere Schulung erreichten Geisteskräfte mit dem, was in meinem Buche dargestellt ist über die Beziehung des Menschen zu den höheren Welten. Sie finden das dargestellt in dem Buche «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus» von Ludwig Deinhard, das die beiden Methoden übersinnlicher Forschung darstellt, sowohl die, welche sich an die äußere Wissenschaft hält, wie auch jene, welche sich an das hält, was durch die wirkliche Schulung, durch Meditation, Konzentration und so weiter an Eindringen in die übersinnlichen Welten erreicht werden kann. Wer aber genauer in das eindringen will, was die Seele durchmacht, der wende sich an das, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt ist.“ (Lit.:GA 61, S. 159f)

Später rang sich auch Deinhard von der „psychische Forschung“, sprich vom Mediumismus, vermehrt zur modernen Geisteswissenschaft im Sinne Steiners durch.

Im Gedenken an Ludwig Deinhard sagte Steiner nach dessen Tod:

„Nicht umhin kann ich aber, gerade eines Mannes dem Namen nach zu gedenken, der nach mancherlei Hindernissen sich zuletzt gerade mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft so schön, so innig zusammengefunden hat, und der gerade in der letzten Zeit für die Vertretung dieser Geisteswissenschaft nach außen ganz Erhebliches und Bedeutsames geleistet hat. Ich meine unseren lieben Freund Ludwig Deinhard, bei dessen Übergabe des physischen Leibes an die physischen Elemente und Hinweggehen der Seele in die geistige Welt unser lieber Freund Seilin so schöne Worte gesprochen hat. Er mußte um so mehr geschätzt werden, als er nicht aus einem blinden Glauben, aus blinder Anhängerschaft, sondern gerade nach mancherlei Widerstand sich so schön mit unserer Strömung zusammengefunden hat, und in der letzten, immer schwieriger gewordenen Zeit rückhaltlos nichts gescheut hatte, um vor der breiteren Öffentlichkeit für diese geistige Strömung mit ganzer Seele einzutreten. Ich scheue mich nicht, ausdrücklich zu sagen, daß ich die Art und Weise, wie Ludwig Deinhard vor der breiten Öffentlichkeit für diese Bewegung eingetreten ist, zu dem ganz besonders Wertvollen zähle.“ (Lit.:GA 174a, S. 167f)

Werke (Auswah)

  • Die »Theosophische Kreuzspinne« bei näherer Beleuchtung, im Gegensatz zur Darstellung Prof. Sellins, Leipzig 1891
  • Die Geheimlehre. Nach H. P. Blavatsky's »Secret doctrine«, Braunschweig 1895 google
  • Karma, München 1897
  • Zur okkulten Psychologie der Gegenwart. Essays. 1902;
  • Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung, Berlin 1910 archive.org
  • Wer ist Mephistopheles? München 1915

Literatur

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Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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