Manly Palmer Hall

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Manly Palmer Hall (vor 1930)

Manly Palmer Hall (* 18. März 1901 in Peterborough, Ontario; † 29. August 1990 in Los Angeles) war ein kanadischer Autor, Mystiker und Gründer der Philosophical Research Society. Bekannt wurde er durch sein 1928 veröffentlichtes Werk „The Secret Teachings of All Ages“.[1] In einem Zeitraum von mehr als 70 Jahren hielt Hall etwa 8000 Vorträge und schrieb neben verschiedenen Zeitungsartikeln mehr als 150 Bücher und Aufsätze.

Leben

Halls Eltern waren der Zahnarzt William Samuel Hall (* 8. November 1871; † 26. Januar 1938[2]) und Louise Antist Palmer Hall (* 4. März 1877; † 25. Juni 1953[3]), die 15 Jahre lang als Chiropraktikerin in den Goldfeldern von Alaska praktiziert hatte. Die Eltern ließen sich schon bald scheiden und Manly Hall wuchs bei Florence Palmer (1849-1919), seiner Großmutter mütterlicherseits auf, mit der er unstet von Stadt zu Stadt zog. 1919 lebten sie gerade in New York City, als die Großmutter im Mai plötzlich starb. Daraufhin suchte Hall notgedrungen seine Mutter auf, die mittlerweile in Santa Monica lebte und Mitglied des zwischen 1909 und 1911 von Max Heindel gegründeten Rosicrucian Fellowship war. Durch die Begegnung mit seiner Mutter wurde Halls Interesse für die Mystik und die esoterische Philosophien geweckt und er sah auch, wie überall in Kalifornien religöse und spiituelle Bewegungen aufblühten. Er fühlte sich wie am Geburtsort einer spirituellen Revolution. Weniger als ein Jahr später hielt er schon seinen ersten Vortrag zum Thema Reinkarnation.[4]:15-18 Das Vermächtnis von Weisen wie Platon, Buddha, Paulus und der antiken heidnischen Mathematikerin und Philosophin Hypatia sah er als Heilmittel gegen den durch die Wissenschaften zunehmend geschürten Materialismus an.

Noch 1919 wurde der damals 18-jährige Hall Prediger in der Church of the People am Trinity Auditorium in der Innenstadt von Los Angeles. Er informierte sich ausführlich über „vergleichende Religion, Philosophie, Soziologie und Psychologie“ und „wurde scheinbar über Nacht... zur umfangreichen Quelle einer erstaunlichen Auswahl an eklektisch, geistigen Materialien, die sowohl mit dem Verstand, als auch mit dem Unterbewusstsein in Resonanz stehen.“[4]:21 Er wurde am 17. Mai 1923 in der Church of the People zum Priester geweiht, und „wurde wenige Tage später zum dauerhaften Pastor der Gemeinde gewählt.“[4]:28

Seine ersten Veröffentlichungen waren zwei kleine Broschüren, „The Breastplate of the High Priest“ (1920) und „Wands and Serpents“. Zwischen 1921 und 1923 schrieb er drei Bücher: „The Initiates of the Flame“ (Oktober 1922 [1]), „The Ways of the Lonely Ones“ (1922) und „The Lost Keys of Freemasonry“ (März 1923).

In den frühen 1920er Jahren begannen Carolyn Lloyd und ihre Tochter Estelle, deren Familie ein wertvolles Ölfeld in Ventura County, Kalifornien besaß, „einen beträchtlichen Teil ihrer Öleinnahmen an Hall zu übertragen“, der das Geld verwendete, um zu reisen und eine ausgiebige persönliche Bibliothek der antiken Literatur zu erwerben.[4]:38-43 Halls „erste Reise um die Welt, um das Leben, die Sitten und Religionen der Länder in Asien und Europa zu studieren“, die am 5. Dezember 1923 begonnen hatte, wurde durch Spenden von Carolyn Lloyd und seiner Gemeinde bezahlt.[4]:41 Leidenschaftlich sammelte Hall Bücher, Briefmarken, Kunstwerke - und gute Witze, mit denen er gerne seine Vorträge und Schriften auflockerte. Darüber hinaus war er eine sehr zwiespältige Persönlichkeit. Er wirkte charismatisch, arrogant und gelehrt, oft auch sehr intuitiv, humorvoll, manchmal auch trügerisch und selbstzerstörerisch.

Im Jahr 1928 veröffentlichte Hall „An Encyclopedic Outline of Masonic, Hermetic, Qabbalistic and Rosicrucian Symbolical Philosophy: Being an Interpretation of the Secret Teachings concealed within the Rituals, Allegories and Mysteries of all Ages“, besser bekannt als „The Secret Teachings of All Ages“[1]:vi, das ihn schlagartig einem weiten Publikum bekannt machte. Die wichtigsten Bücher, die darauf folgten, sind „The Dionysian Artificers“ (1936), „Freemasonry of the Ancient Egyptians“ (1937), and „Masonic Orders of Fraternity“ (1950).

Am 28. April 1930 heiratete Hall Fay B. deRavenne, die seit fünf Jahren seine Sekretärin gewesen war. Die Ehe war aber nicht glücklich und am 22. Februar 1941 beging Fay Selbstmord.[4]:55, 97 Hall entfernte danach alle Informationen über sie aus seinen Schriften. Am 5. Dezember 1950 heiratete Hall Marie Schweikert Bauer (1904-2005), mit der ihn schon eine lange Freundschaft verband.[4]:120, 127, 133, 278

1934 begründete Hall die Philosophical Research Society in Los Angeles. Nachdem Hall jahrelang über die Geschichte und die Aufgabe der Freimaurerei geschrieben hatte, wurde er am 28. Juni 1954 in die Jewel Lodge No. 374 in San Francisco aufgenommen und am 22. November des selben Jahres zum Meister erhoben. Ein Jahr später wurde er in das Hochgradsystem nach Schottischem Ritus eingeführt. Den Regeln entsprechend schrieb Hall danach niemals wieder über die Freimaurerei. Den 32° erhielt Hall später von der Valley of San Francisco AASR (SJ) und am 8. Dezember 1973 wurde ihm bei einer Zeremonie in der Philosophical Research Society der 33° - der höchste Grad nach Schottischem Ritus - feierlich zuerkannt.

1938 schrieb Hall für die Warner Brothers die Vorlage zu When Were You Born, einem Mystery-Krimi mit astrologischem Hintergrund und ermunterte die Chefs der Unterhaltungsindustrie, neue Märkte durch Filme und Radioprogramme mit mystisch angehauchten Themen zu erschließen. Filmstars wie Bela Lugosi, Lew Ayres und Gloria Swanson waren eng mit Hall befreundet.

Während des Zweiten Weltkriegs erwies sich Hall als rechter Patriot und verbreitete obskure Geschichten, wonach die Vereinigten Staaten Teil eines von einer uralten Liga der Nationen vorbereiteten Expirements sei, um ein weltweites „Philosophisches Reich“ zu errichten. Hall sah darin die „geheime Bestimmung Amerikas“, die schon lange zuvor durch die Reiche der Azteken und Maya vorbereitet worden sei. Immerhin hatte Harry S. Truman, von 1945 bis 1953 der 33. Präsident der Vereinigten Staaten Halls Schriften in seinem Bücherregal und der Gouverneur von Kalifornien Goodwin Knight engagierte sich für Halls Gesellschaft. Auch Ronald Reagan soll einige Ideen aus Halls 1944 erschienenem Buch „The Secret Destiny of America“ [2] übernommen haben, wie 2010 berichtet wurde.[5]

Manly Hall in späteren Jahren.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Ende der 1950er-Jahre fanden Halls Ideen nur mehr wenig Beachtung. Die alten Überlieferungen, von denen er schrieb, erschienen plötzlich nutzlos. Viele seiner Aussagen wurden auch durch den wissenschaftlichen Fortschritt relativiert. In der folgenden Ära der sexuellen Befreiung, der bewusstseinserweiternden Drogen und der Hippie-Kultur schienen Halls Ideen und moralische Ansprüche hoffnungslos veraltet. Dessen wurde sich Hall auch zunehmend bewusst. In den 1980er-Jahren sah er nur allzu klar, dass ihn die Unstimmigkeiten seiner Schriften und auch persönliche Fehler nun einholten. Zu sehr auch hatte er sich selbst zum großen Eingeweiten hochstilisiert.

Wenige Monate vor seinem Tod, am 26. Mai 1990, hielt Hall, mittlerweile hochbetagt und gebrechlich, einen Vortrag im Freimaurertempel am Wilshite Boulevard, in dem er das herannahende 21. Jahrhundert mit dem 21. Lebensjahr des Menschen verglich. Es komme nun für die Menschheit das Zeitalter des Erwachsenwerdens. Amerika müsse sich seiner Verantwortung bewusst werden und an seiner eigenen Reife arbeiten, in einem Zeitalter, das von der Ausbeutung der Natur, politischer Korruption, explosiv zunehmender Kriminalität und einer völlig verfehlten Erziehung der Kinder geprägt sei. Die Freimaurer, so betonte Hall, sollten sich daran erinnern, dass es etwas gibt, für das es sich zu leben lohnt. Die 30-minütige Rede, die er in seinem Rollstuhl sitzend hielt, war einer der letzten öffentlichen Auftritte von Manly Palmer Hall.

Im August 1990, sechs Tage nachdem Hall seinen Betreuer und Vertrauten Daniel Fritz zum Universalerben und künftigen Verwalter der Philosophical Research Society eingesetzt hatte, die immerhin einen Gesamtwert von gut 5 Millionen US-Dollar repräsentierte, starb Hall unter höchst mysteriösen Umständen. Nach der Aussage von Fritz wurde Halls Tod auf Wunsch seiner Gattin Marie 72 Stunden lang geheim gehalten. Am 29. August 1990 meldete Fritz telefonisch, dass Hall eines natürlichen Todes gestorben sei. Doch der Zustand des ungewöhnlich fahlen Leichnams, aus dessen Nase, Ohren und Mund Ströme von Ameisen krochen, machte den Arzt, der den Totenschein ausstellte, misstrauisch. Die Polizei vermutete, dass Fritz seinen Chef ermordet hatte, doch beweisen konnte sie es nicht.

Nach Halls Tod musste eine Reihe seltener alchemistischer Manuskripte verkauft werden, um den Betrieb der Philosophical Research Society aufrecht zu erhalten. 1995 erwarb das 1985 gegründete Getty Research Institute diese Schriften und baute mit der Manly Palmer Hall Collection eine der weltweit führenden Sammlungen alchemistischer, hermetischer und esoterischer Schriften auf.[6]

Literatur

  • Louis Sahagun: Master of the Mysteries. Process, Port Townsend 2008, ISBN 978-1-934170-02-1.
  • Manly P. Hall, Jimmy Deix: Die Eingeweihten der Flamme. 2016, ISBN 978-3-9524616-0-0. (deutsche Erstveröffentlichung von "The Initiates of the Flame")
  • Manly P. Hall, Jimmy Deix: Das Mysterium des Feuers. 2017, ISBN 978-3-9524616-1-7. (deutsche Übersetzung von "Melchizedek and the Mystery of Fire: A Treatise in Three Parts")

Weblinks

Videos

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Manly P. Hall: An Encyclopedic Outline of Masonic, Hermetic, Qabbalistic and Rosicrucian Symbolical Philosophy: Being an Interpretation of the Secret Teachings concealed within the Rituals, Allegories and Mysteries of all Ages. (= Diamond Jubilee ed.). The Philosophical Research Society, Los Angeles, California 1988, ISBN 0-89314-830-X. (Nachdruck der Ausgabe 1928)
  2. https://www.geni.com/people/William-Hall/6000000041413734533 abgerufen am 22.10.2017
  3. https://www.geni.com/people/Louise-Hall/6000000041413451751 abgerufen am 22.10.2017
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Louis Sahagun: Master of the Mysteries: The Life of Manly Palmer Hall. Process Media, Port Townsend, Washington 2006.
  5. "Reagan and the Occult" by Mitch Horowitz, The Washington Post, Political Bookworm, April 30th, 2010
  6. Alchemy: Special Collections. The Getty Research Institute. J. Paul Getty Trust. Abgerufen am 6 January 2015.


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Manly Palmer Hall aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.