Medusenhaupt

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Peter Paul Rubens: Haupt der Medusa (ca. 1617-1618)
Gorgonenhaupt im Medaillon
(Römisches Fresko aus dem Haus der Vettier, in Pompeji, 1. Jahrh.)
Edward Burne-Jones: Geburt des Pegasus und Chrysaor, circa 1876–1885

Das Medusenhaupt oder Grogonenhaupt (griech. Γοργόνειον Gorgoneion) ist nach der griechischen Mythologie das Haupt der Gorgone Medusa, das Perseus ihr abgeschlagen und den Göttern zum Geschenk dargebracht hatte.

Tasächlich erscheint in der hellsichtigen Wahrnehmung jeder Kopf als Medusenhaupt.

„Für das Hellsehertum ist aber ein Kopf etwas ganz anderes, als was er uns beim gewöhnlichen Menschen entgegentritt. Denn für den Hellseher ist das Gehirn etwas, was wie schlangenartig züngelnd aus dem Kopfe sich heraushebt. Jeder Kopf ist nämüch ein Medusenhaupt. Das ist etwas sehr Reales. Und das ist der Unterschied des menschlichen Hauptes gegenüber dem anderen Körper, daß der Mensch in bezug auf den anderen Körper erst durch eine weiterschreitende Evolution das erreichen wird, was beim Kopfe das gewöhnliche äußere Denken ist. Darin liegt sogar in gewisser Beziehung die Stärke des Denkens, daß der Mensch in die Lage kommt, möglichst bis in die feineren, unsichtbaren Bewegungen, die Nervenbewegungen, das Gehirn zur Ruhe bringen zu können, während er denkt. Dadurch, daß er das Gehirn ruhig haben kann, wenn er denkt, ruhig haben kann bis in die feineren Bewegungen, die sozusagen die Nervenbewegungen sind, werden die Gedanken feiner, ruhiger, logischer.

So können wir sagen: Wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, ist sein Kopf deshalb am meisten fertig, weil für ihn das schon eingetreten ist, was in bezug auf denjenigen Teil des Menschen, der sich durch Gesten ausdrückt, die Hände, erst in der Zukunft erreicht werden kann. In der alten Mondenzeit war das, was heute Gehirn ist, noch auf dem Standpunkt der heutigen Hände. Da war der Kopf nach vielen Seiten noch offen, war noch nicht durch die Schädeldecke geschlossen. Während er jetzt wie in einem Gefangnisse sitzt, konnte er sich damals nach allen Seiten herausbewegen. Das war allerdings auf dem alten Monde, wo wir den Menschen noch durchaus im flüssigen, nicht im festen Elemente haben. Selbst in einer gewissen Epoche der alten lemurischen Zeit, wo der Mensch eben jene Entwickelungsstufe erreicht hatte, welche die alte Mondenzeit wiederholt, selbst da war es auch noch so, daß zum Beispiel da, wo ein Gehirnspalt oben war, nicht nur das ja öfter erwähnte Organ war, sondern etwas wie ein Emporsprudelndes der Gedanken im flüssigen Elemente. Und eine Art feuriger Dunst, der sich in dem Menschenelement entwickelte, war sogar noch beim alten Atlantier vorhanden. Ohne ein übernormales Hellsehen zu haben, sondern mit einem Hellsehen, das einfach jeder Mensch hatte, konnte man beim Atlantier sehen, ob ein Mensch ein Denker war im Sinne der alten atlantischen Zeit, oder ob er keiner war. Wer ein Denker war, hatte eben einen leuchtenden Feuerschein, eine Art leuchtenden Dunst über seinem Haupt; und wer nicht dachte, ging ohne einen solchen herum.“ (Lit.:GA 141, S. 113f)

Damit sich das moderne Bewusstsein ausbilden konnte, musste die hellsichtige Wahrnehmung des Hauptes verschwinden - das Gorgonenhaupt musste durch das intellektuelle Bewusstsein abgeschlagen werden.

„Jemand, der den Übergang zu dem neuen Bewußtsein schon in der Art des alten Bewußtseins sich vorgestellt hätte, hätte sich gesagt: Wenn der Mensch früher in die Umwelt hinausblickte, so erblickte er überall geistig-göttliche Kräfte, allerdings in seinem alten Bilderschauen. Dieses alte imaginative Bewußtsein ist zurückgegangen, es hat allmählich etwas wie eine Abenddämmerung erlebt, und was zuletzt zurückgeblieben ist, das waren eigentlich die schlechtesten Kräfte geistiger, spiritueller Wesenheiten, die draußen wirkten. Die kamen einem Menschen, der sich das Neue in der Art des Alten vorgestellt hat, zum Bewußtsein als die Gorgonen, in denen die Menschen in ihrem Schauen nur mehr die schlimmsten Wesen schauten und daher auch so abbildeten als das, was ihnen in ihrem Bewußtsein auch nur als die schlimmsten Wesen aufstieg. Da erhebt sich der neue Mensch, Perseus, verstümmelt die Gorgonen, die Medusa, das heißt dasjenige Bewußtsein, das wie ein letzter Rest, dargestellt in dem Schlangenhaupt der Medusa, noch vorhanden war. Dann wird weiter dargestellt, wie aus der verstümmelten Medusa zwei Wesen entstehen: Chrysaor und Pegasus. Ich bin kein Freund der allegorisch-symbolischen Deutung von Mythen. Ich meine — auch nicht im Sinne einer allegorischsymbolischen Ausdeutung — es so, daß der, der mit den Bedingungen des alten Bewußtseins das Aufsteigen des Neuen erlebt hat, ganz mit den Bedingungen jenes alten Bewußtseins das, zu dem sich die Menschheit entwickeln sollte, hellseherisch noch geschaut hat als das Hervorgehen des Chrysaor und des Pegasus aus der Medusa. Was hat er geschaut? Chrysaor, das Bild, das der Mensch als Abschlagszahlung erhalten hat für das, was er als die alte hellsichtige Art verloren hat. Pegasus, die Personifikation der Phantasie. Denn dadurch ist die Phantasie verursacht, daß die alte Imagination in eine Art von Abenddämmerung hineingeht, und die Menschen nicht mehr die Kraft haben, mit einer alten Bewußtseinskraft in die neue Zeitepoche hineinzugehen. Und anstelle der alten Imagination, die in die geistige Realität ging, setzen sie das, was nicht in die geistige Realität geht, aber in das ewige Gestalten der Menschenseele, und das die neue Gestaltung der Menschenseele darstellen will. Pegasus ist nichts anderes als das, was als Ich-Kultur im Menschenleben ist. Das gestaltet sich weiter. Daher hören wir, wie das, was zur Ich-Kultur geführt hat, Chrysaor, sich verbindet mit Kallirrhoe. Da entsteht Geryoneus als das, was wir die moderne Verstandeskultur, die intellektuelle Kultur nennen müssen, wovon der Grieche empfand, daß sie den Menschen aus der alten hellseherischen Kultur hinausführte, daß sie ihn aber deshalb hinausführen mußte, weil er sonst nie zur Erfassung des Ich-Bewußtseins hätte kommen können. Wiederum hat die Gestalt des Chrysaor etwas merkwürdig Tragisches an sich, sie charakterisiert uns, wie es der menschlichen intellektuellen Kultur selber geht. Und wie es einer derjenigen, der das am tiefsten empfand, ein Dichter, Robert Hamerling, von dieser intellektuellen Kultur gesagt hat: Wir sehen im Laufe der Menschheitsentwickelung aus der alten unbewußten Kultur des Mythos die bewußte Kultur des Intellektuellen sich entwickeln. Aber diese Kultur hat den Sinn einer jeden Entwickelung, zu dem eigenen Tode zu führen! —Würde die bloße Verstandeskultur in der ihr eigenen Weise nur fortschreiten—das ist fürHamerling klar, und das muß für jeden klar sein, der die eigenartige Kultur des Verstandes wirklich im Innersten ermessen kann —, so würde sie zu einem Ziele hinführen, das ein Trockenwerden, ein Auslöschen aller Lebendigkeit, aller Ursprünglichkeit und aller Tatkräftigkeit der Kultur sein würde.“ (Lit.:GA 61, S. 335)

Die aus dem Kopf des Zeus entsprungene Athene, die den Übergang zu diesem neuen Bewusstsein repräsentiert, trug das Haupt der Medusa in der Mitte der Aigis, ihrem Schutzschild im Kampf um Troja, die einst von Hephaistos kunstfertig aus einem goldenen Ziegenfell als Schild oder Brustpanzer für Zeus geschaffen worden war.

Aber Pallas Athene, des Ägiserschütterers Tochter,
Ließ hingleiten das feine Gewand im Palaste des Vaters,
Buntgewirkt, das sie selber mit künstlicher Hand sich bereitet.
Drauf in den Panzer gehüllt des schwarzumwölkten Kronions,
Nahm sie das Waffengeschmeide zur tränenbringenden Feldschlacht.
Siehe sie warf um die Schulter die Ägis, prangend mit Quästen,
Fürchterlich, rund umher mit drohendem Schrecken umkränzet.
Drauf ist Streit, drauf Stärke und drauf die starre Verfolgung,
Drauf das gorgonische Haupt, des entsetzlichen Ungeheuers,
Schreckenvoll und entsetzlich, das Graun des donnernden Vaters!

Homer: Ilias 5,733-742 [1]

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Menschengeschichte im Lichte der Geistesforschung, GA 61 (1983), ISBN 3-7274-0610-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen, GA 141 (1997), ISBN 3-7274-1410-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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