Motorischer Cortex

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Funktionelle Organisation der Großhirnrinde:
  • Primär-motorisches Areal
  • Prä/Supplementär-motorische Areale
  • Primär-sensible Areale
  • Sensible Assoziationsareale
  • Hörfelder
  • Sehfelder
  • Schematische Darstellung der Funktionen des Motorcortex.

    Der motorische Cortext (von lat. motor „Beweger“ und cortex „Rinde“), auch Moto(r)cortext, motorische oder somatomotorische Rinde genannt, ist ein dem Pyramidalen System übergeordneter, histologisch abgrenzbarer Bereich im hinteren Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, welcher mit den willkürlichen Bewegungen des Körpers zusammenhängt.

    Funktionell werden im Motorcortext mehrere Bereiche unterschieden:

    • der primär-motorische Cortex (auch: primär-motorische Rinde; eng. primary motor cortex) ist im dorsalen Bereich des Frontallappens überwiegend auf dem Gyrus praecentralis lokalisiert und deckt sich mit dem Brodmann-Areal 4. Bemerkenswerterweise ist hier der ganze Körper - ähnlich wie im benachbarten somatosensorischen Cortex - als verkleinerter, auf dem Kopf stehender und je nach funktioneller Bedeutung in seinen Dimensionen teils stark verzerrter „Homunculus“ abgebildet.
    • der prämotorische Cortex (auch: prämotorische Rinde; eng. premotor cortex) umfasst die ausgedehnten Brodmann-Areale 6 und 8 und auch das für die Sprachproduktion wichtige Broca-Areal (Brodmann-Areale 44 und 45). Hier liegen auch einige Spiegelneurone, die sowohl bei der Planung und Ausführung eigener Bewegungen wie auch bei der passiven Beobachtung derselben Bewegung bei anderen Individuen tätig werden.
    • der supplementär-motorische Cortex (auch: supplementär-motorische Rinde; eng. supplementary motor area) ist bedeutsam für das Erlenen und Vorbereiten komplexer Bewegungsmuster.
    • die Pyramidenbahn (lat. Tractus corticospinalis) leitet die Nervenzellfortsätze aus der primär-motorischen Rinde an das Rückenmark oder an die Hirnnervenkerne weiter.

    Rudolf Steiner hat vielfach darauf hingewiesen, dass kein prinzipieller Unterschied zwischen den sog. motorischen und sensorischen Nerven bestehe; alle Nerven seien in Wahrheit sensorisch. Die Willenstätigkeit entstehe durch den unmittelbaren Eingriff des Astralleibs in das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System; die sogenannten motorischen Nerven nehmen nur die daraus resultierende Bewegung wahr.

    „Ich habe gestern gesagt, daß unsere physiologische Wissenschaft in einem furchtbaren Irrtum befangen ist, in dem Irrtum nämlich, daß es zweierlei Nerven gebe, motorische und sensitive, während in Wahrheit alles sensitive sind und kein Unterschied besteht zwischen motorischen und sensitiven Nerven. Die sogenannten motorischen Nerven sind nur dazu da, daß wir innerlich unsere Bewegungen wahrnehmen, das heißt, daß wir sensitiv sind mit Bezug auf das, was wir selbst als Men­schen tun. Geradeso wie der Mensch mit dem sensitiven Augennerv die Farbe sich vermittelt, so vermittelt er sich die eigene Beinbewegung durch die «motorischen» Nerven, die nicht da sind, um das Bein in Bewegung zu setzen, sondern um wahrzunehmen, daß die Bewegung des Beines ausgeführt werde.“ (Lit.:GA 192, S. 172)

    „Man unterscheidet heute, wie ja genugsam bekannt ist, zwischen den sogenannten sensitiven Nerven, die vom Zentrum zu den Sinnen gehen sollen und die sinnlichen Wahrnehmungen vermitteln, und den sogenannten motorischen Nerven, welche etwas zu tun haben sollen mit dem Willen.

    Es gibt in Wahrheit zwar anatomisch-physiologisch metamorphosierte Nerven, aber es gibt nur einerlei Art von Nerven. Jeder Nerv ist nur physischer Vorstellungsvermittler. Und diejenigen Nerven, die wir heute motorische Nerven nennen, die sind in ihrer Funktion nicht anders als die sogenannten sensitiven Nerven. Während der sensitive Nerv zu den Sinnen geht, um die Außenwelt wahrzunehmen, geht der sogenannte motorische Nerv, der auch nichts anderes ist als ein innerlicher sensitiver Nerv, in das Innere und vermittelt die Wahrnehmungen, die ich zum Beispiel habe, wenn ich ein Glied bewege, die ich habe, wenn ich irgendwie eine innerliche unbewußte Bewegung auszuführen habe. Der Nerv ist nur der Vermittler der Wahrnehmung für irgend etwas Äußeres oder Inneres. Es gibt nicht zwei Arten von Nerven, nicht sensitive und motorische Nerven. Meinetwillen, die Terminologie ist mir dann einerlei, ob man sie dann sensitive oder motorische nennt, das ist gleichgültig, aber nur einerlei Art und anatomisch-physiologisch etwas metamorphosiert, nur einerlei Art von Nerven gibt es.“ (Lit.:GA 319, S. 56f)

    Literatur

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    Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
    Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
    Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
    Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
    Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
    Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
    Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.


    Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Motorischer Cortex aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.