Nostradamus

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Porträt des Nostradamus
Das nach dem Erdbeben von 1909 sanierte Nostradamus-Haus und Museum in Salon-de-Provence
Michel de Nostredame, Porträt von seinem Sohn César de Nostredame
Eine Ausgabe der Centurien aus dem Jahr 1589

Nostradamus, latinisiert für Michel de Nostredame, (* 14. Dezember 1503 in Saint-Rémy-de-Provence, Provence; † 2. Juli 1566 in Salon-de-Provence) war ein französischer Apotheker, Arzt und Astrologe, der schon zu Lebzeiten für seine Prophezeiungen berühmt wurde, die er in den vieldeutigen Centurien in Gruppen von je 100 Vierzeilern (Quatrains) zusammenfasste. Nostradamus war ein jüngerer Zeitgenosse des historischen Johann Georg Faust (* wahrscheinlich um 1480; † um 1541).

"Wenn wir Nostradamus verfolgen, so ist es interessant, seine Lebensverhältnisse ins Auge zu fassen. Er war ein Mensch, der solche hellseherischen Kräfte besaß, die auf Anlage beruhen, so daß sie bei der ganzen Familie sich fanden. Bei ihm aber kamen sie in besonderer Weise herauf dadurch, daß er ein hingebungsvoller, wunderbarer Arzt war. Großartiges hat er besonders bei einer Pestepidemie in der Provence geleistet. Aber dann kam auf, daß man sagte, er sei ein geheimer Calvinist. Das schadete ihm so, daß er nicht anders konnte, als seine ärztliche Praxis aufzugeben. Was das heißt, muß man verstehen! Die Kräfte sind doch in der Persönlichkeit! Die Physiker finden: Wenn irgendwo Kräfte in der Natur sich auflösen, dann werden sie anderweitig verwertet. - Nur auf geistigen Gebieten, da wollen die Menschen so etwas nicht wissen.

Wenn nun der Mensch solche Kräfte entwickelt in seinem Beruf, so segensreich entfaltet wie dieser als Arzt, so müssen solche Kräfte, die da frei werden, anderweitig sich kundtun. Und sie wandelten sich bei Nostradamus alle in hellseherische Kräfte um, weil er ein gewisses ursprüngliches Hellsehen hatte, wie es auch Paracelsus hatte. Nun sehen Sie: da schildert uns gerade Nostradamus recht schön, wie er dazu kam, zukünftige Ereignisse vorauszusehen. Er hatte ein Laboratorium. Das war aber kein Laboratorium, wie es die Chemiker haben. Es war ein Raum, ein Zimmer, neben seiner Wohnung, mit einem Glasdach. Von dort betrachtete er den Gang der Gestirne, ließ die Umformung der Sternbilder auf seine Seele wirken. Und da kamen ihm diejenigen Dinge, die er von der Zukunft sagen konnte. Das ergab sich als eine Intuition. Das sprang aus seinem Gemüte heraus. Aber damit ihm solche Dinge kamen, mußte er ganz frei sein von Kummer und Sorgen und Gemütsaufregungen. Da haben wir ein Beispiel, wie beim Hellsehen, ebenso wie beim gesunden Schlaf, ein Freisein von Gemütsbewegungen da sein muß." (Lit.: GA 143, S. 32f)

"... wer sich in das eigentümliche Seelenleben Tycho de Brahes hineinlebt, der findet, daß es nicht gar so weit entfernt war von dem Seelenleben des Nostradamus. Aber vollends sehen wir bei Nostradamus, daß er nicht zu rechnen braucht, sondern daß er in seiner oben offenen Kammer sitzt und den Sternenraum auf sich wirken läßt. Daß er dazu die entsprechenden Fähigkeiten hat, das schreibt er besonders günstigen Vererbungsverhältnissen zu, die sein Organismus besitzt, der ihm keine Hindernisse entgegensetzt. Dann braucht er aber noch etwas anderes, wie er sagt: eine ruhige, gelassene Seele, die alles ausschaltet, was ihn sonst im Leben umgeben hat, die alle Gedanken und Bewegungen, vor allem alle Sorgen, Aufregungen und Bekümmernisse des gewöhnlichen Lebens entfernt, alle Erinnerungen an das tägliche Leben. Rein und frei muß sich die Seele ihren Sternen entgegenstellen. Dann taucht in der Seele auf, taucht in Nostradamus' Geist — man sieht es ganz genau geistig — in Bildern dasjenige auf, was er verkündet. Er sieht es wie in Bildern, in Szenen vor sich. Und wenn er in astronomischen Ausdrücken sprechen würde, und ein Menschenschicksal voraussagen und zum Beispiel sagen würde, der Saturn sei schädlich, oder der Mars sei schädlich, so würde er bei Schicksalsvoraussagungen nicht an den physischen Saturn oder an den physischen Mars da draußen direkt denken, sondern er würde denken: Dieser Mann hat einen kriegerischen Charakter, hat ein kriegerisches Temperament, zugleich aber etwas, was Melancholie ist, was ihn gewissen trübsinnigen Stimmungen aussetzen kann, die bis in die Leiblichkeit hineingehen können. - Das sieht er. Das läßt er im Geiste zusammen wirken, und da entsteht ihm dann ein Bild für die Zukunftsereignisse des betreffenden Menschen; da wirken die Neigung zur Melancholie und die kriegerische Stimmung des Menschen zusammen: Saturn und Mars. Das sind nur Sinnbilder. Wenn er Saturn und Mars sagt, so will er sagen, daß in dem Menschen etwas drinnen ist, das zu dem hindrängt, was sich ihm wie eine Szene, ein Bild hinstellt, was man aber mit der Oppositionsstellung oder Konjunktionsstellung von Mars und Saturn am Himmel vergleichen kann. Aber das ist nur Ausdrucksmittel, nur Sinnbild für das, was er sagen will. Für Nostradamus lösen die Betrachtungen der Harmonie der Sterne die Stimmung der Sehergabe aus, die es ihm möglich macht, daß er tiefer in die Seelen hineinsehen kann, als man es sonst vermag.

Das heißt also, wir sehen in ihm einen Menschen, der durch ein besonderes Verhalten die inneren Kräfte der Menschenseele erwecken kann, die sonst verborgen im Menschen ruhen. Deshalb ist es Stimmung der Andacht, der Ehrfurcht vor dem Göttlichen, die er in sich hervorruft, wenn Sorgen und Bekümmernisse völlig stillestehen, und auch das Hinneigen der Seele zur äußeren Welt verschwunden ist. Er hat sich dann vollständig vergessen, fühlt sich nicht selbst und kann dann sagen, daß sich in solchen Momenten in seiner Seele bewahrheite, was immer sein Wahlspruch war: Es ist der Gott, der hier durch meinen Mund sich ausspricht. Ist, was ich zu sagen vermag, etwas, was dich berührt, o Mensch, so nimm es hin, als dir gesagt von der Gnade deiner Gottheit! - Diese Ehrfurcht gehört dazu! Sonst ist Sehergabe nichts Echtes. Diese Stimmung aber sorgt von vornherein dafür, daß der, welcher sie hat, diese Sehergabe nicht in einem unmoralischen oder in irgendeinem unedlen Sinne mißbraucht." (Lit.: GA 061, S. 88f)

Im ersten Teil von Goethes Faust-Tragödie wird die Erscheinung des Erdgeists durch Fausts Studium der Werke des Nostradamus ausgelöst.

"Faust hat vor sich den Erdgeist. Und wir sehen, daß er aus der Anschauung gewisser die Meditation erregender Dinge, die ihm, wie es da heißt im «Faust», aus dem Buche von Nostradamus werden, in jenen Zustand versetzt wird, durch den ihm das anschaulich werden kann, was als Erdgeist zu ihm spricht [...]

Durch dasjenige, was dem Faust an Anschauungen wird aus diesem sogenannten Buch des Nostradamus, wird im Zusammenhange mit Seelenübungen, die Faust selbstverständlich schon früher gemacht hat, der Ätherleib freigelegt, losgetrennt zum Teil von dem physischen Leib, wie es zu einer Anschauung der geistigen Welt notwendig ist. Dadurch aber wird der Mensch in einen ätherischen Zusammenhang gebracht mit der Außenwelt und er erlebt wirklich das Dasein, die Wirksamkeit geistiger Wesenheiten, die in der ätherischen Welt allein sich verkörpern können, deren Verkörperung nicht bis zur physischen Welt herunterkommt. Das ist der Fall bei dem, was sich Goethe unter dem Erdgeiste vorstellt, eine geistige Wesenheit, welche nur herunterkommt bis zur ätherischen Welt. So muß sich also Faust bereit machen, das Leben und Weben der ätherischen Welt in diesem Augenblicke zu schauen. Und das tut er. Es ist also wirklich ein Zusammenspielen des Erdgeistes mit dem ätherisch freigewordenen Leibe des Faust. Dies ist selbstverständlich, so wie ich es jetzt beschrieben habe, ein für die äußere Sinneswelt unwahrnehmbarer Vorgang, ein Vorgang, der nur geistig erlebt werden kann." (Lit.: GA 171, S. 296ff)

"So klingt in einer ganz wunderbaren Weise aus dem ersten Teil des «Faust» ein Wort heraus, das oftmals zitiert wird, von dem man aber findet, daß es kaum wirklich verstanden wird. Es ist das Wort, das ertönt im «Faust», nachdem Faust das Buch des Nostradamus aufgeschlagen hat, das Zeichen des Makrokosmos erblickt und dann in die Worte ausbricht:

Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen
Und sich die goldnen Eimer reichen,
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!

Ein großartiges Bild, von dem man eigentlich, wenn man Goethe kennt, nur sagen kann, daß er es in der Empfindung erfaßt hat. Denn das, was ja Goethe offenbar aus seiner Lektüre aus alten Traditionen geschöpft hat, herausgenommen hat für sein Gefühl, steht eigentlich erst ganz vor unserer Seele, wenn wir das vor uns haben, was ich Ihnen darlegen konnte in den vier großen kosmischen Imaginationen, der Herbstes-Imagination des Michael, der Weihnachts-Imagination des Gabriel, der Oster-Imagination des Raphael, und der Hochsommer-, der Johanni-Imagination des Uriel. Denn von allen diesen Wesenheiten, Gabriel, Raphael, Uriel, Michael, sollen Sie sich eigentlich vorstellen, daß durch den Kosmos hin Kräfte ausstrahlen, Kräfte wiederum einströmen in den Menschen, den Menschen bilden. Um das zu verstehen, muß man schon etwas hinschauen, wie, ich möchte sagen, rein materiell der Mensch im Kosmos drinnensteht." (Lit.: GA 229, S. 69f)

Siehe auch

Literatur

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