Psychische Störung

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Klassifikation nach ICD-10
F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzminderung
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Eine psychische oder seelische Störung äußert sich durch eine krankhafte Veränderung der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Wollens und des daraus resultierenden Verhaltens. Früher wurde eine schwere psychische Störung, insbesondere eine Psychose, fälschlich auch als Geisteskrankheit oder Geistesstörung bezeichnet. Psychische Störungen zählen zu den weltweit verbreitetsten Krankheiten. Nach einer Schätzung der WHO leiden weltweit etwa 300 Millionen Menschen an Depressionen, 47,5 Millionen an Demenz und 21 Millionen an Schizophrenie.[1][2]

Schwere psychische Störungen haben laut Rudolf Steiner stets eine organische Ursache, die vor allem im unteren Menschen, d.h. hauptsächlich im Stoffwechsel-Bereich und am wenigsten im Nervensystem zu suchen sei.

„Sie dürfen mir glauben, daß der Geisteswissenschafter eigentlich, wenn ich drastisch reden darf, schon geärgert wird bei dem bloßen Ausdruck Geisteskrankheit, denn es ist töricht, den Ausdruck Geisteskrankheit zu gebrauchen, weil der Geist immer gesund ist und eigentlich nicht erkranken kann. Es ist ein Unsinn, von Geisteskrankheiten zu sprechen. Es handelt sich immer darum, daß der Geist in seiner Fähigkeit, sich zu äußern, von dem physischen Organismus gestört wird, und nie um eine eigentliche Erkrankung des geistigen oder seelischen Lebens selber. Das sind alles nur Symptome, was da auftritt.

Nun aber muß man seinen Blick für die konkreten einzelnen Symptome schärfen. Und da wird es sich darum handeln, daß Sie vielleicht sich entwickeln sehen, was man etwa nennen könnte die erste Anlage und dann die weitere Fortentwickelung von, sagen wir, so etwas wie einem religiösen Wahnsinn oder was dem ähnlich ist — nicht wahr, die Ausdrücke sind alle nicht genau, weil die Bezeichnungsweise auf diesem Gebiete eine außerordentlich konfuse ist, aber wir müssen doch eben die Worte gebrauchen. Das alles sind selbstverständlich nur Symptome. Aber nehmen wir an, daß sich so etwas entwickelt, so wird es sich dann darum handeln, allerdings ein Bild gewinnen zu können von diesem ganzen Entwicklungsgang. Dann aber, wenn man dieses Bild gewonnen hat, wird es nötig sein, bei einem Menschen, der dieses Bild zeigt, genau hinzuschauen auf irgendwelche Abnormitäten im Lungenbildungsprozeß, nicht im Atmungsprozeß, sondern im Lungenbildungsprozeß, im Stoffwechsel der Lunge. Denn auch der Ausdruck Gehirnkrankheit ist eigentlich ein nicht ganz richtiger. Wenn der Ausdruck Geisteskrankheit ganz falsch ist, so ist der Ausdruck Gehirnkrankheit eigentlich halb falsch, denn auch dasjenige, was an Entartungen im Gehirn auftritt, ist eigentlich immer sekundär. Das Primäre liegt bei den Krankheiten niemals in dem, was sich in dem oberen Menschlichen, sondern immer in dem unteren Menschlichen abspielt. Das Primäre liegt eigentlich immer in den Organen, zu denen die vier Organsysteme gehören, dem Leber-, Nieren-, Herz- und Lungensystem. Und wichtiger als alles andere ist bei jemandem, der zu denjenigen Formen des Wahnsinns neigt, wo das Interesse am äußeren Leben abstirbt und der Mensch innerlich brütend wird und Wahnvorstellungen nachgeht, daß man eine Vorstellung von der Beschaffenheit seines Lungenprozesses bekommt. Das ist außerordentlich wichtig.

Ebenso ist es wichtig, daß man bei Leuten, bei denen dasjenige auftritt, was man Eigensinn, Dickköpfigkeit, Rechthaberei nennen könnte, also alles dasjenige, was eine gewisse Unbeweglichkeit des Begriffssystems darstellt, ein starres Stehenbleibenwollen beim Begriffssystem, daß man durch das sich dazu führen läßt, nachzusehen, wie es mit dem Leberprozeß des betreffenden Menschen steht. Denn bei einem solchen Menschen ist immer der innere organische Chemismus dasjenige, was nicht ordentlich wirkt. Selbst dasjenige, was man gewohnt worden ist als Gehirnerweichung etwa zu bezeichnen im trivialen Leben, das sind alles sekundäre Dinge. Das Primäre liegt gerade bei den sogenannten geistigen Erkrankungen in den Organsystemen, wenn es auch manchmal schwieriger zu beobachten ist. Und weil es in den Organsystemen liegt, deshalb ist es manchmal so trostlos, zu sehen, wie man gerade durch geistige Behandlung diesen Dingen am allerwenigsten beikommt, wie man tatsächlich viel eher bei wirklichen organischen Erkrankungen durch geistige Behandlung etwas ausrichten kann als gerade bei sogenannten Geisteskrankheiten. Man wird sich geradezu angewöhnen müssen, Geisteskrankheiten mit Heilmitteln zu behandeln.“ (Lit.:GA 312, S. 256ff)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011): Seele aus der Balance - Erforschung psychischer Störungen, S. 16.
  2. Mental disorders fact sheet. Weltgesundheitsorganisation, April 2017. Abgerufen am 2018-01-17. (en)
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