Reflex

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Ein Reflex ist eine unwillkürliche, rasche und gleichartige Reaktion eines Organismus auf einen bestimmten Reiz. Reflexe werden neuronal vermittelt.

Reflexe können vom einfachen Reflexbogen bis hin zu Reflexkreisen „höherer“ Art unterschiedlich komplex sowie angeboren oder erworben sein; im letzteren Fall wird auch von gelernten, erworbenen, bedingten oder konditionierten Reflexen geredet. Angeborene oder unbedingte Reflexe stellen biologisch vorgeformte Reaktionsweisen dar. Sie werden als evolutionäre Anpassung an Lebensbedingungen gedeutet.

Reflexe ermöglichen Lebewesen ein Leben in einer langfristig konstanten Umwelt: durch ein auf derartige Lebensbedingungen eingestelltes automatisches, schematisches oder stereotypes Reagieren, das unter gleich bleibenden Umständen dazu ausreicht, bis zur Geschlechtsreife zu leben und Nachkommen zu zeugen.

Eigenschaften von Reflexen

Voraussetzung für das Auftreten von Reflexen ist die Fähigkeit eines Organismus, Wahrnehmungen zu machen, diese automatisch zu verarbeiten und in einem eben solchen Zusammenspiel von Sinnesorganen, Nerven und Muskeln auf spezifische Reize reizadäquate Reaktionen zu entwickeln (Reizbarkeit), die ihm ein eigenständiges Leben ermöglichen oder sichern.

Genetisch verankerte und reflektorisch zustande kommende Reaktionsweisen sind dabei quasi evolutionär „erprobte“ Reaktionsweisen; sie bilden sich nur bei Lebewesen aus, bei denen sie sich im Hinblick auf langfristige konstante Lebensbedingungen als effektiv für das eigene Leben erwiesen haben. Mit angeborenen Reflexen stehen einem Lebewesen Anpassungsleistungen und Überlebensfähigkeiten zur Verfügung, die es nicht selbst erst erlernen muss. Einige Reflexe, die den Körper oder einzelne Organe vor Schädigungen schützen – wie zum Beispiel der Lidschlussreflex – werden daher auch als Schutzreflexe bezeichnet.

„Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz. Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann - , wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.“ (Lit.:GA 120, S. 127f)

Reflexformen

Verhaltensbiologen unterscheiden folgende Reflexarten:

  • Unbedingte, unkonditionierte oder angeborene Reflexe: sie sind entweder bereits mit Geburt eines Lebewesens voll ausgebildet oder entwickeln sich im Verlaufe seiner Entwicklung bis zur Geschlechtsreife und dem Wachstumsende (Reifung); typisch für derartig biologisch angelegte Reaktionsweisen ist es, dass jedes Individuum einer Art identische Reaktionen und Reaktionsabläufe auf gleichartige Reizkonstellationen zeigt, die nur in der jeweiligen Intensität wie Schnelligkeit oder Heftigkeit variieren (können). Ein Beispiel ist der Lidschlussreflex.
  • Bedingte oder konditionierte Reflexe: so werden reflexartige Reaktionsweisen genannt, die nicht angeboren sind, sondern erlernt wurden. Sie werden auch als erworbene Reflexe bezeichnet. Bei dieser Form des Lernens können auch viszerale Reaktionen konditioniert werden; um die Erforschung dieses Phänomens hat sich besonders der russische Wissenschaftler Iwan Petrowitsch Pawlow (1849–1936) verdient gemacht. Beispiel dafür ist sein berühmtes Hunde-Experiment: Einigen Hunden wurde immer dann, wenn sie Futter vorgesetzt bekamen, zugleich ein Glockenton zu Gehör gebracht. Nach einiger Zeit begannen die Hunde, Verdauungssekrete auch dann zu produzieren, wenn sie nur den Glockenton hörten. Der ursprünglich neutrale (weil für die Fütterung irrelevante) Glockenton hatte bei den Hunden augenscheinlich die gleiche Auslöserfunktion übernommen wie das Futter selbst; man spricht in derartigen Fällen auch davon, dass Fütterung und Glockenton sich assoziiert haben und nennt diese Art des Lernens "Klassische Konditionierung". Wie dann in der vor allem in den USA durchgeführten behavioristischen Lernforschung gezeigt wurde, können durch derartiges assoziatives Lernen alle dazu fähigen Lebewesen eine Unzahl von Reaktionsweisen ausbilden, ein Wissen, das bei Tierdressuren schon immer und gezielt angewandt wurde.
  • Eigenreflexe werden Reflexe genannt, bei denen der auslösende Reiz und die Reflexantwort im selben Organ (meist Muskel) stattfinden. Ein Beispiel für einen Eigenreflex ist der bekannte Knie- oder Patellarsehnenreflex, der mit einem kurzen Schlag knapp unterhalb des Knies auf die Sehne des entspannten Musculus quadriceps femoris ausgelöst werden kann. Durch den Schlag werden Dehnungsrezeptoren im Muskel, die Muskelspindeln, angeregt und über einen im Rückenmark verschalteten Reflexbogen eine Kontraktion des M. quadriceps erreicht, der zu einer kurzdauernden Streckbewegung im Kniegelenk führt. Der Sinn derartiger muskulärer Reflexe besteht darin, bei Stößen von außen oder plötzlicher Lageänderung durch Gegenregulation die jeweilige Haltung aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen: bei einem kurzen Tritt von hinten in die Kniekehle (plötzliche Beugung und damit Dehnung des Musculus quadriceps femoris) kann der Patellarsehnenreflex beispielsweise dazu beitragen einen Sturz zu verhindern; ähnlich verhält es sich beim Stolpern. Bei Eigenreflexen findet, anders als bei Fremdreflexen, keine Habituation (Abschwächung oder Ausbleiben der Reflexantwort bei wiederholter Reizung) statt.
  • Fremdreflexe: so werden Reflexe genannt, wenn das reizwahrnehmende Organ nicht das Organ ist, das die Reflexantwort ausführt. Ein Beispiel ist der Kornealreflex: Wenn die Hornhaut des Auges etwa durch einen Luftzug gereizt wird, wird das Augenlid reflektorisch geschlossen. Die Reizung folgt an einer Stelle, die mangels Muskeln selbst nicht reagieren kann; und der Lidmuskel, der zum Schutz der Hornhaut aktiviert wird, wurde seinerseits nicht gereizt. Fremdreflexe sind, im Gegensatz zu Eigenreflexen, habituierbar.
  • Koordinierte Reflexbewegungen: von solchen spricht man, wenn auf einen Reiz eine mehr oder weniger große Gruppe von Muskeln aktiviert wird (eventuell unter Einschluss der Aktivierung weiterer Organe wie Drüsen oder Herz und Darm und Auslösung sonstiger vegetativer Reaktionen). Hierher gehören zum Beispiel der Saugreflex und der Greifreflex des Säuglings, zwei Reflexe, die zudem nach einiger Zeit nicht mehr oder nur unter pathologischen Bedingungen noch oder wieder ausgelöst werden können. Vor allem bestehen aber sämtliche gefühlsmäßigen Reaktionen, also die im allgemeinen kurz, aber immer im Plural so genannten Gefühle in reflektorisch zustande kommenden hochgradig koordinierten Reflexbewegungen, die allerdings wegen genau dieser Komplexität in gewissem Rahmen auch bewusst beeinflussbar oder steuerbar bzw. „beherrschbar“ sind.
  • Frühkindliche oder primitive Reflexe: → Frühkindlicher Reflex.

Die Bezeichnung atavistischer Reflex stammt nicht aus der Verhaltensforschung, sondern ist eher ein Ersatz für den Ausdruck „primitiver“ Reflex und allgemein eine jargonhafte Bezeichnung für situationsinadäquates Reagieren – etwa durch Regression auf kulturell für überwunden oder obsolet gehaltene, eventuell auch für Kinder typische Verhaltensweisen u. Ä.

Siehe auch

Literatur

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Weblinks

 Wiktionary: Reflex – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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