Rugjer Josip Bošković

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Büste von Ruđer Josip Bošković in Zagreb
Rudjer Josip Bošković, Gemälde von R. Edge Pine, 1760
Philosophiae naturalis theoria, 1758

Rugjer Josip Bošković, SJ (* 18. Mai 1711 in Dubrovnik (ital. Ragusa), Republik Ragusa; † 12. Februar 1787 in Mailand, Herzogtum Mailand) war ein dem Jesuitenorden angehöriger kroatischer Mathematiker, Physiker, der sich darüber hinaus auch mit Astronomie, Naturphilosophie, Technik, Geodäsie und Dichtkunst beschäftigte.

Bošković gilt nicht nur als einer der letzten Universalgelehrten Südeuropas, sondern auch als einer der wesentlichsten Begründer der modernen Atomtheorie. In seiner 1758 in Wien veröffentlichten «Theoria philosophiae naturalis» beschreibt er die Atome als nicht ausgedehnte unteilbare Massepunkte zwischen denen, abhängig von ihrer Distanz, rhythmisch wechselnde abstoßende und anziehende Kräfte wirken. Werner Heisenberg nannte ihn ob dieser originellen Ideen den „kroatischen Leibniz“.

„7. Die primären Elemente der Materie sind meiner Meinung nach vollkommen unteilbare und nicht ausgedehnte Punkte; sie sind so in einem ungeheuren Vakuum verstreut, dass sie alle durch einem bestimmten Abstand voneinander getrennt sind; dieses Intervall kann unbegrenzt vergrößert oder verkleinert werden, kann aber niemals ganz verschwinden, ohne dass sich die Punkte selbst durchdringen; denn ich gebe keinen unmittelbaren Kontakt zwischen ihnen zu. Ich bin im Gegenteil der Ansicht, dass es sicher ist, dass, wenn die Entfernung zwischen zwei Punkten der Materie absolut nichts werden sollte, derselbe unteilbare Punkt des Raums, gemäß der üblichen Idee davon, von beiden gemeinsam besetzt werden muss, d.h. wir haben in jeder Hinsicht eine echte Durchdringung. Deshalb gebe ich zwar nicht die Idee des Vakuums in der Materie auf, aber ich denke, dass Materie in einem Vakuum eingestreut ist und darin schwebt.

8. Als ein Merkmal dieser Punkte gestehe ich ihnen eine inhärente Neigung zu, in demselben Ruhezustand oder in einer gleichförmigen Bewegung in gerader Linie zu bleiben, in der sie ursprünglich festgelegt sind, wenn jeder für sich selbst in der Natur existiert...

9. Ich denke daher, dass zwei beliebige Punkte der Materie der Bestimmung unterliegen, sich in einer bestimmten Entfernungen einander anzunähern und in gleichem Maße in anderen Entfernungen voneinander zurückzutreten. Diese Bestimmung nenne ich "Kraft"; im ersten Fall "anziehend", im zweiten Fall "abstoßend". Dieser Begriff bezeichnet nicht die Wirkungsweise, sondern die Neigung selbst, welchen Ursprungs auch immer, deren Größe sich ändert, wenn sich die Entfernungen ändern; dies entspricht einem bestimmten bestimmten Gesetz, welches durch eine geometrische Kurve oder durch eine algebraische Formel dargestellt werden kann, und in der bei den Mechanikern üblichen Weise visualisiert werden kann...

10. Nun ist das Gesetz der Kräfte folgender Art: Die Kräfte sind in sehr kleinen Entfernungen abstoßend und werden unendlich größer, wenn die Entfernungen unendlich verringert werden, sodass sie in der Lage sind, jede Geschwindigkeit zu zerstören, egal wie groß sie auch sein mag, mit der sich ein Punkt dem anderen nähern kann, bevor die Entfernung zwischen ihnen verschwindet. Wenn der Abstand zwischen ihnen vergrößert wird, werden sie so verkleinert, dass in einer bestimmten Entfernung, die extrem klein ist, die Kraft nichts wird. Wenn die Entfernung noch weiter erhöht wird, werden die Kräfte in Anziehungskräfte umgewandelt; diese steigern sich zuerst, dann vermindern sie sich, verschwinden und werden abstoßende Kräfte, die auf dieselbe Weise zuerst zunehmen, dann verschwinden, verschwinden und wieder attraktiv werden; und so weiter, für eine sehr große Anzahl von Entfernungen, die alle noch sehr klein sind: bis schließlich, wenn wir zu verhältnismäßig großen Entfernungen kommen, sie beginnen, immer anziehend und ungefähr umgekehrt proportional zu den Quadraten der Entfernungen zu sein. Dies gilt auch, wenn die Entfernungen bis zu einem gewissen Grad unbegrenzt zunehmen, jedenfalls bis wir zu Entfernungen kommen, die weit größer sind als alle Entfernungen der Planeten und Kometen (siehe Fig. 8-1).“

Rudjer Boskovic: Theoria philosophiae naturalis
Fig. 8-1 aus Rugjer Josip Bošković: Theoria philosophiae naturalis redacta ad unicam legem virium in natura existentium, 2. Auflage Venedig 1763

Werke (Auswahl)

  • De expeditione ad dimetiendos duos meridiani gradus, Rom 1755
  • Journal d’un voyage de Constantinople en Pologne, Paris 1772
  • Theoria philosophiae naturalis redacta ad unicam legem virium in natura existentium, Wien 1758, 2. Auflage Venedig 1763.

Literatur

Weblinks