Schöpferische Resignation

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Die schöpferische Resignation ist eine geistige Tugend, die die Cherubim im Laufe der Weltentwicklung geübt haben. Wie Rudolf Steiner in seinen Vorträgen über "Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen" ausführlich geschildert hat, sind die Cherubim dadurch die eigentlichen Schöpfer der Ewigkeit geworden. Nachdem auf dem alten Saturn die Throne einen Teil ihres Wesens hingeopfert hatten und die Cherubim dieses Opfer entgegennahmen, war die Wärmesubstanz und zugleich auch die wesenhafte Zeit in Gestalt der Archai entstanden (Lit.: GA 132, S. 9ff). Die ganze Welt wurde dadurch aber auch in die Vergänglichkeit, in die Zeitlichkeit gerissen, bis schließlich ein Teil der Cherubim darauf verzichtete, das Willensopfer der Throne anzunehmen. Dadurch entrissen sie sich der Zeitlichkeit und begründeten die Region der Dauer, die Ewigkeit. Anfänge dieses Verzichts sind schon auf dem alten Saturn zu finden, deutlich bemerkbar wird er aber erst im Übergang von der alten Sonne zum alten Mond.

"Diejenigen Cherubim nun, welche verzichtet haben auf das Opfer, auf das, was gleichsam im Opferrauch liegt, sie haben darauf verzichtet aus dem Grunde, weil sie sich damit den Eigenschaften dieses Opferrauches entziehen. Und zu diesen Eigenschaften gehört vor allem die Zeit und damit Entstehen und Vergehen. In dem ganzen Verzicht der Cherubim auf das Opfer liegt daher ein den Zeitverhältnissen Entwachsen der Cherubim. Sie gehen über die Zeit hinaus, entziehen sich dem Unterworfensein unter die Zeit. Damit trennen sich gleichsam die Verhältnisse während der alten Sonnenentwickelung so, daß gewisse Verhältnisse, die in der geraden Linie vom Saturn aus weiter fortgehen, als Opferung und schenkende Tugend der Zeit unterworfen bleiben, während die anderen Verhältnisse, die von den Cherubim dadurch eingeleitet wurden, daß diese Cherubim auf das Opfer verzichteten, sich der Zeit entreißen und damit sich die Ewigkeit, die Dauer, das Nicht-unterworfensein dem Entstehen und Vergehen einverleiben. Das ist etwas höchst Merkwürdiges: wir kommen da während der alten Sonnenentwickelung zu einer Trennung in Zeit und Ewigkeit. Es ist durch die Resignation der Cherubim während der Sonnenentwickelung die Ewigkeit errungen worden als eine Eigenschaft gewisser Verhältnisse, die während der Sonnenentwickelung eintraten." (Lit.: GA 132, S. 49)

Indem ein Teil der Cherubim das Opfer der Thron zurückwies, bildete sich eine Art Ringwolke aus zurückgestauter Opfersubstanz.

"Wir haben in diesem Bilde die opfernden Throne und die das Opfer annehmenden Cherubim; wir haben aber auch solche Cherubim, die das Opfer nicht annehmen, sondern wieder zurückgeben, was als Opfer zu ihnen dringt. Das ist außerordentlich interessant in der Akasha-Chronik zu verfolgen. Denn dadurch, daß nun sozusagen die schenkende Tugend der Geister der Weisheit einfließt in die Opferwärme, dadurch sehen wir wie aufsteigend den Opferrauch während der alten Sonne, von dem wir gesagt haben, daß er dann durch die Erzengel in Form von Licht zurückgeworfen wird von dem äußersten Umfange der Sonne. Aber nun sehen wir etwas anderes noch, wie wenn innerhalb des alten Sonnenraumes noch etwas ganz anderes vorhanden wäre: Opferrauch, der aber jetzt nicht bloß durch die Erzengel im Licht zurückgeworfen wird, sondern der von den Cherubim nicht angenommen wird, so daß er wie zurückfließt, sich zurückstaut, so daß wir sich stauende Opferwolken im Sonnenraume haben: Opfer, das aufsteigt, Opfer, das absteigt; Opfer, das angenommen wird, Opfer, auf das verzichtet wird, das in sich zurückkehrt. Dieses Sich-Begegnen der eigentlichen spirituellen Wolkengebilde im alten Sonnenraum finden wir gleichsam zwischen dem, was wir das letzte Mal das Äußere und das Innere, diese beiden Dimensionen auf der Sonne, genannt haben, wie eine Trennungsschicht; so daß wir in der Mitte haben die opfernden Throne, dann die Cherubim in der Höhe, die das Opfer annehmen, dann solche Cherubim, die das Opfer nicht annehmen, sondern es zurückstauen. Durch dieses Zurückstauen entsteht gleichsam eine Ringwolke; und ganz außen haben wir die zurückgeworfenen Lichtmassen.

Stellen Sie sich dieses Bild ganz lebendig vor: daß wir also diesen alten Sonnenraum haben, diese alte Sonnenmasse, gleichsam eine kosmische Kugel, außerhalb welcher nichts vorzustellen ist, so daß wir nur den Raum uns zu denken haben bis zu den Erzengeln hin. Stellen wir uns weiter vor, daß wir in der Mitte diese Ringbildung aus den sich begegnenden angenommenen und zurückgewiesenen Opfern haben. Aus diesen angenommenen und zurückgewiesenen Opfern entsteht innerhalb der alten Sonne etwas, was wir nennen können eine Verdoppelung der ganzen Sonnensubstanz, ein Auseinandergehen. Mit einer äußeren Figur zu vergleichen ist die Sonne in dieser alten Zeit nur, wenn wir sie vergleichen mit unserer jetzigen Saturngestalt: der Kugel, die von einem Ring umgeben ist, indem diese sich stauenden Opfermassen nach einwärts werfen, was in der Mitte ist, und das, was außen ist, wird wie eine Ringmasse außen angeordnet. So haben wir die Sonnensubstanz eigentlich in zwei Teile getrennt durch die Kraft der sich stauenden Opfergewalten." (Lit.: GA 132, S. 47)

Indem die Opfersubstanz so zurückgewiesen wurde, verdichtete sie sich und erst dadurch konnte auf dem alten Mond das Wasser entstehen, wie auf dem alten Saturn durch das Opfer der Throne die Wärme und auf der alten Sonne durch die schenkende Tugend der Geister der Weisheit die Luft entstanden war.

"Was Opfer war, erscheint als Wärme in der Maja; was schenkende Tugend war, erscheint in der Maja als Gas oder Luft. Was nun Resignation ist, das erscheint in der äußeren Maja als Flüssigkeit, als Wasser. Wasser ist Maja, und es wäre nicht da in der Welt, wenn nicht geistig zugrunde läge Verzicht oder Resignation. Überall, wo Wasser ist in der Welt, ist Götterverzicht!" (Lit.: GA 132, S. 50)

Eine andere Folge dieser Resignation war allerding auch, dass die zurückgewiesene Opfersubstanz der Throne von den Widersachermächten ergriffen wurde.

"Es geschieht das, daß andere Wesen sich ihrer bemächtigen, die dadurch, daß sie jetzt diese Opfersubstanz nicht in den Cherubim haben, von den Cherubim unabhängig werden, selbständige Wesen werden, die neben den Cherubim da sind, während sie sonst dirigiert würden von den Cherubim, wenn diese die Opfersubstanz aufgenommen hätten. Darauf beruht die Möglichkeit, daß das Gegenteil von Resignation eintritt: daß Wesenheiten die ausgeflossene Opfersubstanz an sich heranziehen und in ihr handeln. Und das sind die Wesenheiten, die zurückbleiben, so daß das Zurückbleiben eine Folge der Resignation der Cherubim ist. Die Cherubim liefern durch das, worauf sie resignieren, den zurückbleibenden Wesenheiten selbst erst die Möglichkeit zum Zurückbleiben. Dadurch, daß ein Opfer abgewiesen wird, können andere Wesenheiten, die nicht resignieren, die den Wünschen und Begierden sich hingeben und ihre Wünsche zum Ausdruck bringen, sich des Gegenstandes des Opfers, der Opfersubstanz, bemächtigen und sind damit in der Möglichkeit, als selbständige Wesenheiten neben die anderen Wesen hinzutreten." (Lit.: GA 132, S. 51)

Diese Wesenheiten, die nun durch die Resignation der Cherubim ihre Selbstständigkeit entfalten konnten, indem sie sich in der zurückgewiesenen Opfersubstanz verkörperten, sind die luziferischen Wesenheiten. Indem sie sich von den höheren Wesenheiten abschnürten, erreichten sie aber auch nicht die volle Entwicklungshöhe, die ihnen sonst möglich gewesen wäre. Sie wurden dadurch zugleich zu (relativ) zurückgebliebenen Wesenheiten. Eins ist ohne das andere zunächst nicht zu haben. Selbstständigkeit bedingt zuerst einmal Zurückgebliebenheit! Und das gilt auch für die ahrimanischen Wesenheiten und für die Asuras, die dadurch entstehen, dass der hier geschilderte Prozess tatsächlich ja schon auf dem alten Saturn begonnen hat.

"So ist mit dem Hinübergehen der Entwicklung von der Sonne zum Mond, mit dem Unsterblichwerden der Cherubim die Möglichkeit gegeben, daß andere Wesenheiten sich abtrennen in eigener Substantialität von der fortlaufenden Entwickelung der Cherubim, überhaupt von den unsterblichen Wesenheiten. Wir sehen also, indem wir jetzt den tieferen Grund des Zurückbleibens kennenlernen, daß eigentlich die Urschuld, wenn wir von einer solchen Urschuld sprechen wollen, an diesem Zurückbleiben gar nicht diejenigen haben, welche zurückgeblieben sind. Das ist das Wichtige, daß wir das auffassen. Hätten die Cherubim die Opfer angenommen, so hätten die luziferischen Wesenheiten nicht zurückbleiben können, denn sie hätten keine Gelegenheit gehabt, sich in dieser Substanz zu verkörpern." (Lit.: GA 132, S. 51)

Hier, im Übergang von der alten Sonne zum alten Mond, haben wir den Ursprung des Bösen zu suchen. Hier findet das statt, was Rudolf Steiner an ganz anderer Stelle auch als den Streit am Himmel bezeichnet hat und dessen Spuren wir heute äußerlich noch in dem Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter beobachten können (vgl. GA 110, S. 162ff). Die Jupiterbahn umschreibt in gewissem Sinn den Raum, der einst von der alten Sonne eingenommen wurde und die Marsbahn korrespondiert mit dem alten Mond. Vorgebildet wird dieses kosmische Kampfgebiet durch die ringförmig zurückgestaute Opfersubstanz, die von den Cherubim nicht angenommen wird.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, GA 110 (1991), ISBN 3-7274-1100-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen, GA 132 (1999), ISBN 3-7274-1320-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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