Utopie

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Titelholzschnitt von Thomas MorusUtopia“ in der Ausgabe von 1516

Als Utopie („Nicht-Ort“, von griech. οὐ- ou- „nicht-“ und τόπος tópos „Ort“) wird eine fiktive, meist als positives Ideal dargegestellte zukünftige Gesellschaftsordnung bezeichnet, die nicht an die Beschränkungen der gegenwärtigen historischen Situation gebunden ist. Spielt dabei auch die künftige wissenschaftlich-technologische Entwicklung, insbesondere der Raumfahrt, und die Entdeckung fremder, extraterrestrischer Welten eine wesentliche Rolle, überschneidet sich der Begriff der Utopie mit dem der Science-Fiction-Literatur.

Die Bezeichnung „Utopie“ entstammt dem Titel des 1516 erschienenen Romans De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia („Vom besten Zustand des Staates oder von der neuen Insel Utopia“) des englischen Staatsmanns Thomas Morus.

Der von John Stuart Mill geprägte Gegenbegriff dazu ist die Antiutopie oder Dystopie (von griech. δυς dys „schlecht, übel“), die ein düsteres, pessimistisches Bild der Zukunft zeichnet.

Tatsächlich handelt es sich bei Thomas Morus Schilderungen laut Rudolf Steiner um Erlebnisse in der Astralwelt, die dieser aufgrund seiner geistigen Übungen teilweise aus dem Schlaf in das Wachbewusstsein mitgenommen hat.

„... in Thomas Morus haben wir einen Menschen vor uns, der im Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums steht, jenes Zeitraumes, den wir ja so oft charakterisiert haben durch seine tiefste Eigenart: daß zurückgegangen sind die alten okkulten Fähigkeiten. Sie sind für das gewöhnliche menschliche Erleben zurückgegangen, aber erlangbar sind sie wiederum durch geistige Übungen. Und Thomas Morus hat solche geistigen Übungen gemacht.

Nun kann ein bestimmter Fall eintreten. Man kann durch solche geistigen Übungen, wie es jetzt eigentlich immer beim richtigen Üben angestrebt wird, dahin kommen, gleich ordentlich zu durchschauen, wie der Zusammenhang ist zwischen dem gewöhnlichen menschlichen Vorstellen des Alltagslebens und dem, was aus den Tiefen der Seele heraufzieht als Anschauung einer höheren spirituellen, geistigen Welt. Aber es kann auch anderes eintreten. Und bei Thomas Morus ist eben etwas anderes eingetreten. Thomas Morus hat sich durch seine geistigen Übungen versetzt während seiner Schlafenszeit in die astralische Welt, so daß er in dieser astralischen Welt ganz andere Erfahrungen machen konnte als der gewöhnliche Mensch, der keine geistigen Übungen in der astralischen Welt macht, aber er konnte sie nicht unmittelbar bewußt herüberbringen. Er konnte ausführlich erleben gewisse Dinge in der geistigen Welt, er konnte sie zwar nicht bewußt herüberbringen, aber er brachte sie herüber, und was er herübergebracht hat aus dieser astralischen Welt, das hat er in seinem Buche «Utopia» beschrieben. Dieses Buch «Utopia» ist nur für die, verzeihen Sie, ganz gescheiten Leute ein Phantasiebild. Es ist für den, der die Tatsachen kennt, ein geistiges Erlebnis, bei dem nur der Zusammenhang zwischen dem gewöhnlichen Denken und dem geistigen Erlebnis nicht voll zum Bewußtsein gekommen ist. Aber um so zwingender sind solche geistigen Erlebnisse. Man kann gut frommer Katholik sein, man kann sogar so frommer Katholik sein, daß man nachher selig und heilig gesprochen worden ist, man kann Märtyrer für seinen Katholizismus werden, wie Thomas Monis: Wenn man solche geistigen Erfahrungen gehabt hat, wie er sie gehabt hat auf dem astraüschen Plan, dann schreibt man sie doch nieder! Denn man hat sie erlebt. Und das Erleben wirkt mit elementarer Gewalt.

Es ist mir entgegengetreten, daß immer oder wenigstens sehr häufig der Versuch gemacht wird, Utopia, den Inselnamen, zu übersetzen. Und ich glaube, daß die deutsche Literatur den Leuten die Übersetzung: «Nirgendheim» aufgemutzt hat, also die Insel, die nirgends ist. Das ist solch eine von denjenigen Übersetzungen, die man macht, wenn man eben von der ganzen Sache nichts versteht. Man muß schon die ganze Sache durchschauen, wenn man den Namen Utopia richtig übersetzen will. Wenn man nämlich wirklich hineinkommt in die astralische Welt, so ist es zum ersten gehörig, was man in dieser astraüschen, elementarischen Welt erlebt, daß die Gesetze des Raumes in der Weise aufhören, wie sie hier im gewöhnlichen dreidimensionalen Räume sind. Diese Gesetze, wie wir sie in der Geometrie kennen lernen, haben wirklich nur für die äußere Sinneswelt Geltung. Und es ist unmöglich, in der gleichen Weise von dem zu sprechen, was man in der astraüschen Welt erlebt. BildÜch kann man es; aber in Wirklichkeit muß man wissen, daß das Bildliche etwas anderes bedeutet. Es ist unmögÜch, von dem, was man in der astraüschen Welt erlebt, in derselben Weise zu sprechen, wie man hier von Dingen und Wesen der Sinneswelt spricht. Nicht wahr, ich darf von diesen Dingen und Wesen der Sinneswelt sprechen, spreche auch davon: diese Dame sitzt hier, diese Dame sitzt dort, an dem einen, an dem anderen Orte. Das so unmittelbar auf die astralische Welt zu übertragen, hat nicht den geringsten Sinn. Das wird man bald gewahr in dieser Welt, daß man da in der Welt der NichtÖrtÜchkeit, der Nicht-Topigkeit, des Nicht-Topismus, steht, daß man also, wenn man etwas reden will über diese Welt, das Örtlichsein der sinnlich-physischen Welt verneinen muß. Und man müßte übersetzen «Utopia»: Nicht-Örtüchkeit. Auf die Qualität der Welt, in die Thomas Monis hineingeschaut hat, kommt es dabei an.“ (Lit.:GA 167, S. 195f)

Literatur

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Siehe auch