Silvio Gesell

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Silvio Gesell

Johann Silvio Gesell (* 17. März 1862 in Sankt Vith (Rheinprovinz), heute: Provinz Lüttich, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens; † 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg) war Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre.

Rudolf Steiner über Silvio Gesell und seine Freiwirtschaftslehre

„Überhaupt, der ganze Gedanke von der Indexierung des Geldes — abgesehen davon, daß ja, solange es in irgendeinem maßgebenden Lande Goldwährung gibt, davon keine Rede sein kann -, der ganze Gedanke ist ein rein utopistischer. Ich will das nur andeuten, es müßte ausführlich darüber gesprochen werden, aber der ganze Gesellsche Gedanke ist nichts als ein Gedanke, der herausgeboren ist aus einer vollständigen Unkenntnis des Wirtschaftslebens als solchem. Wenn man wirklich ins Wirtschaftsleben eingreifen will, daß dabei etwas herauskommt, so handelt es sich darum, daß man nicht beim Gelde eingreift, sondern daß man in die Konsumtion und Produktion in lebendiger Weise eingreift. Da kommt es darauf an, daß Assoziationen sich bilden, welche die Möglichkeit haben, auf den Wirtschaftsprozeß einen wirklichen Effekt auszuüben.“ (Lit.:GA 337b, S. 150)

„Wir erleben es heute, daß allerlei Leute, Gesell und andere - es gibt ja sonderbare «Gesellen» des Lebens - heute herumtanzen und vom freien Gelde reden. Das sind Utopisten. Das sind Abstraktlinge. Um was es sich handelt, ist, daß man durch eine Erkenntnis des praktischen Lebens darauf kommt, wo eigentlich die Schäden liegen. Und ein Schaden liegt darin, daß sich das Bankwesen wirtschaftlich so gestaltet hat, wie es heute ist. Im wirtschaftlichen Leben steht heute das Bankwesen so drinnen, wie die Gedanken im Seelenleben eines Menschen drinnenstehen, der alles gleich in Abstraktionen umsetzt und der sich nicht um einzelne konkrete Dinge kümmert, mit denen man es zu tun hat, sondern alles in hohe Abstraktionen umsetzt. Der Mensch, der alles in hohe Abstraktionen umsetzt - und das sind die meisten heutigen Menschen -, ein solcher Mensch kommt niemals zu einer wirklichen Erfassung der Wirklichkeit. (...) Und dasselbe, was für das einzelne Seelenleben die wesenlose Abstraktion ist, die sich hinauf in ein Wolkenkuckucksheim flüchtet, das ist für das wirtschaftliche Leben das bloß im Geld sich auslebende Bankwesen. (...) [Es] handelt es sich darum, daß wir das Geld hineinstellen ins wirkliche Wirtschaftsleben. Wir wollen Wirtschaftszweige betreiben und nicht uns hineinsetzen in eine Bank und nur Geldgeschäfte machen, denn Geldgeschäfte an sich sind der größte Schaden unseres Wirtschaftslebens seit dem 19. Jahrhundert und dem Beginn des 20. Jahrhunderts.“ (Lit.:GA 337a, S. 190f.)

„Ich habe den Vortrag ähnlich neulich in Bern drüben gehalten. Ein Herr kam dazumal, nicht nur in der Diskussion, sondern am nächsten Tag zu einer Unterredung zu mir, sprach auch über «Freiland, Freigeld». Wir konnten uns allerdings nach einer Stunde darüber verständigen, daß ja dasjenige, was eigentlich gewollt wird in der Regulierung der Währungsfrage, in der Herstellung einer absoluten Währung, einfach dann erreicht wird, wenn sachgemäß - allerdings sachgemäß - diese Dreiteilung durchgeführt wird, von der ich Ihnen heute gesprochen habe, wenn einfach die Verwaltung der Werte, die Verwaltung des Geldes weggenommen wird vom politischen Staate und in das Wirtschaftsleben hineinversetzt wird. Wie gesagt, ich werde in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» zeigen, daß dann die Grundlage der Währung eine ganz andere sein wird als dasjenige, was sie heute ist, außerdem international wird. So lange natürlich der führende Staat, England, an der Goldwährung festhält, wird außenpolitisch die Goldwährung gelten müssen; aber im Innern werden diejenigen das Gold im sozialen Organismus nicht mehr brauchen, die nun wirklich die eine wahre Währung haben; die einzig wirkliche wahre besteht nämlich in den Produktionsmitteln, die dann da sein werden, um Währung zu sein für das Geld. Das Geld verkennt man eben heute vollständig. Geld begreift man nur dann, wenn man es fassen kann als den vollen Gegensatz zu der alten Naturalwirtschaft. (...) Das ist dasjenige, was auch durch die Art dieser Dreiteilung [gemeint ist die soz. Dreigliederung] erreicht werden kann, und was partiell, einzeln angestrebt wird von der Freiland-Freigeld- Bewegung; deshalb habe ich in einem solchen Falle gesagt: Ich bin ganz mit dieser Bewegung einverstanden - weil ich immer versuche, die einzelnen Bewegungen in ihrer Berechtigung einzusehen, und ich möchte sie in einen gemeinsamen großen Strom leiten, weil ich eben nicht glaube, daß ein Mensch, oder selbst eine Gruppe von Menschen das Richtige finden kann, sondern weil ich demokratisch glaube, daß die Menschen zusammen in der Wirklichkeit, im Zusammenwirken, allein richtig organisiert, erst das Rechte finden werden.“ (Lit.:GA 329, S. 139)

Siehe auch

Literatur

  • Werner Onken: Silvio Gesell und Rudolf Steiner. Wegbereiter einer sozialen Zukunft, in: Fragen der Freiheit, Jan/Febr 1990, Heft 202, PDF

Weblinks

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