Sommerwille und Winterwille

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Sommerwille und Winterwille sind zwei Formen des Willens, die sich im Wechsel der Jahreszeiten einstellen. Der Sommerwille trägt die Gedanken hinaus in die Weiten der Welt; der Winterwille hingegen trägt die Gedanken in den menschlichen Kopf hinein.

"Aber man kann auch das Jahr erleben. Und zwar ist das dann möglich, wenn man achtgibt darauf, wie der Wille an einem wirkt; wenn man achtgibt darauf, wie man es verhältnismäßig leicht hat, den Willen zur Geltung zu bringen, wenn man es recht warm hat, während es schwer wird — einem feineren Aufpassen auf sich selber wird das schon klar -, seinen Willen durch den Körper strömen zu lassen, wenn man friert. Wer so recht einen Zusammenhang zwischen dem Willen und dem Warmhaben und Frieren innerlich erleben kann, der bekommt allmählich, wenn so etwas ausgebildet ist, die Möglichkeit, bei sich zu sprechen von einem Winterwillen und einem Sommerwillen.

Man findet nämlich, daß man am besten die Bezeichnung dieses Willens von den Jahreszeiten hernimmt. Achten wir zum Beispiel auf einen Willen, der einem gewissermaßen die Gedanken hinausträgt ins Weltenall, der es einem leicht macht, seinen Körper zu handhaben, so daß in der Handhabe, in der Geste des Körpers die Gedanken wie hinausgetragen werden in das Weltenall... sie entschlüpfen einem aus den Fingerspitzen: man fühlt förmlich, wie man es leicht hat, den Willen zu entfalten. Man steht einem Baum gegenüber, es gefällt einem etwas besonders da oben: es werden, wenn der Wille in uns warm wird, die Gedanken bis an den Gipfel des Baumes hinaufgetragen - ja, manchmal gehen sie bis zu den Sternen, wenn man sich so recht in Sommernächten zugleich begabt findet mit warmem Willen.

Wenn der Wille innerlich erkaltet, dann ist es so, als ob alle Gedanken nur in unserem Kopfe getragen würden, als ob alle Gedanken nicht in die Arme könnten, nicht in die Beine könnten. Alles geht in den Kopf. Der Kopf erträgt die Willenskälte, und wenn die Willenskälte nicht überwältigend wirkt, so daß ein frostiges Gefühl eintritt, dann wird der Kopf warm durch seine innere Gegenwirkung, und er entfaltet dann Gedanken.

So daß man sagen kann: der Sommerwille führt uns hinaus in die Weiten der Welt. Der Sommerwille, der warme Wille trägt überallhin unsere Gedanken. Der Winterwille, der trägt die Gedanken in unseren Kopf, in unser Haupt herein. Man kann seinen Willen so unterscheiden. Und man wird dann den einen Willen, der uns überall hinträgt ins Weltenall, den wird man fühlen als verwandt mit dem Verlauf des Sommers; den Willen, der die Gedanken in unseren Kopf hineinträgt, den wird man fühlen als verwandt mit dem Winter. Man erlebt so, wie man sonst den Tag erlebt, so an dem Willen das Jahr." (Lit.: GA 232, S. 53f)

Rudolf Steiner hat dazu auch zwei Sprüche gegeben (Lit.: GA 232, S. 56):

Winterwille:
O Welten-Bilder,
Ihr schwebet heran
Aus Raumesweiten.
Ihr strebet nach mir,
Ihr dringet ein
In meines Hauptes
Denkende Kräfte.

Sommerwille:
Ihr meines Hauptes
Bildende Seelenkräfte,
Ihr erfüllet mein Eigensein,
Ihr dringet aus meinem Wesen
In die Weltenweiten,
Und einigt mich selbst
Mit Weltenschaffensmächten.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mysteriengestaltungen, GA 232 (1998), ISBN 3-7274-2321-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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