Stadt Dis

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William Blake: Der Engel am Tor der Stadt Dis (1824-27)

Die Stadt Dis, benannt nach dem römischen Unterweltgott Dis Pater, wird in Dante Alighieris «Göttlicher Komödie» (Inferno 9) beschrieben. Sie befindet sich nach Dante im 6. Kreis der Hölle. Hier büßen die Ketzer in rotglühenden Sarkophagen für ihre Vergehen.

118 Denn zwischen Gräbern sieht man Flammen lodern,[1]
Und alle sind so durch und durch entflammt,
Daß Künste keine mehr vom Eisen fodern.[2]
121 Halb offen ihre Deckel allesammt,
Und draus erklingen solche Klagetöne,
Daß man erkennt, wer drinnen, sei verdammt.
124 „„Wer, Meister,““ fragt’ ich, „„sind die Unglückssöhne,
Die, hier begraben, sonder Ruh noch Rast
Vernehmen lassen solch’ ein Schmerzgestöhne?““
127 Und Er: „Hauptketzer hält der Ort umfaßt,
Und die den Sekten angehangen haben,
In größrer Zahl als du gerechnet hast.
130 Denn Gleiche sind zu Gleichen hier begraben,
Und mehr und minder glüht jedwedes Maal.“
Er sprach’s, worauf wir rechtshin uns begaben,
133 Fortschreitend zwischen hoher Mau’r und Qual.
                                                  (Inferno 9)

Dem 6. Höllenkreis entspricht nach der Schilderung Rudolf Steiners die 6. Schicht des Erdinneren, die sog. Feuererde. Sie besteht aus purem Willen und ist die Quelle alles beseelten tierischen Lebens und zugleich das materielle Reich Ahrimans.

„Die sechste Schicht ist die Feuer-Erde, eine Substanz, die aus purem Willen besteht, Element des Lebens, der Bewegung, ohne Unterlaß durchzogen von Impulsen, von Leidenschaften, ein wahrhaftes Reservoir von Willenskräften. Würde man einen Druck auf diese Schicht ausüben, so würde sie Widerstand leisten und sich verteidigen.

Sieht man in Gedanken von diesen drei neuen Schichten [also von der 4., 5. und 6. Schicht] ab, so kommt man zu dem Zustand, in dem die Weltkugel sich befand, als Sonne, Mond und Erde zusammen noch einen Körper bildeten.“ (Lit.:GA 94, S. 109)

Hier büßen auch die Ketzer wider den Geist, die Materialisten:

„In der Stadt Dis ist Epikur, der Vertreter der Weltanschauung, die auf den Ausbau des Diesseits geht. Die Stadt Dis soll den Repräsentanten des physisch Wirklichen ausdrücken. Da sind die Menschen in Särgen. Die Materialisten sind lebendige Tote. Sie sagen, der Mensch sei ein bloßer Leichnam. Nun müssen sie als tote Seelen in Särgen liegen.“ (Lit.:GA 97, S. 34f)

„In dieser Schicht wirkt materiell im Grunde genommen das Reich des Ahriman und von dieser Schicht aus wirkt es. Was in den äußeren Naturerscheinungen zutage tritt in Luft und Wasser, in Wolkenbildungen, was als Blitz und Donner erscheint, das ist sozusagen ein letzter Rest - aber ein guter Rest - auf der Erdoberfläche von dem, was an Kräften schon mit dem alten Saturn verbunden war und das sich mit der Sonne abgetrennt hat. Von dem, was in diesen Kräften wirkt, sind die inneren Feuerkräfte der Erde in den Dienst des Ahriman gestellt. Da hat er das Zentrum seines Wirkens. Und während seine geistigen Wirkungen in der geschilderten Art zu den Menschenseelen hinziehen und sie zum Irrtum führen, sehen wir, wie er - in einer gewissen Weise gefesselt - im Inneren der Erde gewisse Angriffspunkte seines Wirkens hat. Wenn man die geheimnisvollen Zusammenhänge kennen würde von dem, was auf der Erde unter dem Einflüsse Ahrimans geschehen ist, und dem, was dadurch das eigene Karma Ahrimans geworden ist, so würde man in dem Beben der Erde den Zusammenhang erkennen zwischen dem, was als Naturereignisse in so furchtbar trauriger, tragischer Art vor sich geht, und dem, was auf der Erde waltet. Das ist zurückgeblieben seit den alten Zeiten als etwas, was auf der Erde in Reaktion tritt gegen die lichten, die guten Wesenheiten.“ (Lit.:GA 107, S. 178f)

Literatur

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Einzelnachweise

  1. 118–127.[WS 1] Die Ketzer sind zur Strafe eingeschlossen in Gräber, welche von Flammen durchglüht werden. Die Deckel derselben sind halb offen (sospesi, d. h. schwebend und so gestellt, daß sie sich zum Herablassen neigen). Einst beim Weltgerichte werden diese Gräber, wie wir Ges. 10 V. 10 erfahren, verschlossen werden. [Dante begreift unter „Ketzerei“ sowol im mittelalterlichen Sinn die Sektirer und Irrthumstifter als auch im Allgemeinen, wir könnten sagen, im protestantischen Sinn, die Irrreligiösen und Gottesläugner, die frechen Spötter gegen die christliche Lehre, sowie gegen die Religion überhaupt. Daher sind auch Heiden hier, z. B. Epicur.] – Denn nur ein lebendiger Glaube an Gott, der da ist Einer in Dreien, in Macht, Liebe und Weisheit, an eine Versöhnung und ewige Vereinigung mit ihm, gibt der menschlichen Seele Leben. Dieser Glaube lag schon vor der Offenbarung durch Christus seinem Wesen nach in jedem reinen Gemüthe als Ahnung, die Gott hintergelegt hat. Wer von ihm abweicht, sei es, daß er ihn ganz verläßt, oder daß er ihn um des minder Wesentlichen willen aus den Augen verliert, ist, mag er Heide oder Christ sein, ertödtet, und er liegt im Grabe, ohne darin Ruhe zu finden. Denn Ruhe findet das Gemüth nur in jenem Glauben und wird ohne denselben gepeinigt von zweckloser Sehnsucht nach den irdischen Gütern, welche, wenn sie kaum erlangt sind, ihren Werth verlieren. Diese zwecklosen Wünsche sind Flammen, welche hier die Gräber durchglühen. Versinkt einst das Irdische ganz und mit ihm jeder Gegenstand eines solchen Wunsches, dann schließen sich die Gräber und der Unglückliche verliert sich ganz in der grauenvollen Nacht seines Bewußtseins.
  2. 120. D. h. Kein Kunsthandwerk braucht glühenderes Eisen zur Verarbeitung als hier diese Gräber glühten.
  1. Reihenfolge der vertauschten Anm. 118–127 und 120 korrigiert.