Sublunare Sphäre

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Die sublunare Sphäre ist im antiken und mittelalterlichen geozentrischen Weltbild die Region innerhalb bzw. unterhalb der Mondsphäre. Sie gliedert sich, geordnet nach abnehmender Schwere, in die Bereiche der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. In diesem Sinn gibt es vier sublunare Sphären.

Sublunare Sphäre und Kamaloka

Die sublunare Sphäre ist nicht vordringlich als äußerer räumlicher Bereich anzusehen, sondern viel mehr als Teil der Ätherwelt und der Seelenwelt, deren vier niedere Bereiche mit der sublunaren Sphäre korrespondieren. Hier ist das Kamaloka (Fegefeuer), in dem der Mensch nach dem Tod seine Bindung an das vergangene Erdenleben abstreift. Es ist dort, wo sich die drei obersten Bereiche der physisch-ätherischen Welt (Lichtäther, Klangäther und Lebensäther) mit den drei untersten Regionen der Astralwelt (Begierdenglut, fließende Reizbarkeit und Region der Wünsche) überschneiden:

"Wenn wir vom physischen Plan ausgehen, so haben wir hier (es wird gezeichnet) sieben Unterabteilungen des physischen Planes; dann kämen sieben Unterabteilungen des Astralplanes. Von diesen fallen die drei untersten mit den drei obersten des physischen Planes zusammen. Wir müssen den Astralplan mit dem physischen Plan so zusammengeschoben betrachten, daß die drei obersten Partien des physischen Planes zugleich die drei untersten Partien des Astralplanes sind. Wir können von einer Randzone sprechen, das ist die, welche unsere Seelen nach dem Tode nicht verlassen können, wenn sie durch Begierden noch an die Erde gefesselt sind. Man nennt sie Kamaloka." (Lit.: GA 101, S. 223)

Kamaloka


physisch-ätherische Welt Astralwelt
Region des Seelenlebens
Region der tätigen Seelenkraft
Region des Seelenlichtes
Region von Lust und Unlust
Lebensäther Region der Wünsche
Klangäther Region der fließenden Reizbarkeit Kamaloka
Lichtäther Region der Begierdenglut
Feuer/Wärmeäther
Luft
Wasser
Erde

Sublunare Sphäre und Gedankenleben

„Nun kann man sich ja, weil das Zeitalter des Intellektes heute da ist, durch das Miterleben der Gegenwart allenfalls eine rechte Vorstellung machen von dem, was Intellektualismus ist, was eben im 14. und 15. Jahrhundert an die Oberfläche der Zivilisation gekommen ist. Aber die Seelenverfassung, die vorangegangen ist, die fühlt man heute eigentlich nicht mehr in lebendiger Art. Wenn man Geschichte betrachtet, so projiziert man eigentlich dasjenige, was man in der Gegenwart zu sehen gewöhnt ist, auch weiter nach rückwärts im geschichtlichen Ablauf, und man bekommt nicht viel Vorstellung davon, wie ganz andersartig die Geister vor diesem Zeitraum waren. Und wenn man Urkunden sprechen läßt, so liest man eben in die Urkunden zum großen Teil schon dasjenige hinein, was heutige Denkungs- und Anschauungsart ist.

Der geisteswissenschaftlichen Betrachtung stellt sich eben manches ganz und gar anders dar. Und wenn man zum Beispiel den Blick auf jene Persönlichkeiten hinwendet, die aus dem Arabismus, aus der Kultur Asiens heraus auf der einen Seite beeinflußt waren von dem, was im Mohammedanismus als Religion sich ausgelebt hat, auf der anderen Seite aber auch beeinflußt waren von dem Aristotelismus, wenn man auf diese Persönlichkeiten schaut, die dann den Weg herüber über Afrika nach Spanien gefunden haben, die dann tief beeinflußt haben die Geister Europas, bis zu Spinoza und über Spinoza hinaus wiederum weiter die Geister Europas beeinflußt haben, dann gewinnt man über sie keine Anschauung, wenn man sich ihre Seelenverfassung so vorstellt, wie wenn sie einfach Menschen der Gegenwart gewesen wären, nur daß sie so und so viele Dinge noch nicht gewußt haben, die später gefunden worden sind. Denn so ungefähr stellt man sie sich ja vor. Aber die Denk- und Anschauungsweise auch noch derjenigen Persönlichkeiten aus der angedeuteten Zivilisationsrichtung, die etwa im 12. Jahrhundert lebten, war ganz anders als die heutige.

Heute fühlt sich der Mensch, wenn er so auf sich selbst zurückblickt, als der Besitzer von Gedanken, Gefühlen, Willensimpulsen, die dann zur Tat werden. Vor allen Dingen schreibt sich der Mensch eben zu das «ich denke», das «ich fühle», das «ich will». Bei diesen Geistern, bei diesen Persönlichkeiten, von denen ich jetzt rede, war das «ich denke» noch gar nicht von solcher Empfindung begleitet, mit der wir heute sagen: Ich denke - , sondern nur das «ich fühle» und «ich will». Diese Menschen haben ihrer eigenen Persönlichkeit nur ihr Fühlen und ihr Wollen zugeschrieben. Aus altzivilisatorischen Untergründen heraus lebten sie viel mehr in der Empfindung «es denkt in mir», als daß sie gedacht hätten «ich denke». Sie dachten wohl: «ich fühle, ich will», aber sie dachten durchaus nicht in demselben Maße: «ich denke», sondern sie sagten sich - und das ist eine ganz reale Anschauung gewesen, die ich Ihnen jetzt mitteilen will - : Gedanken sind in der sublunarischen Sphäre, da leben die Gedanken. - Überall sind diese Gedanken in derjenigen Sphäre, die gegeben ist dadurch, daß wir uns die Erde (siehe Zeichnung, blau) vorstellen an einem gewissen Punkt, den Mond hier an einem anderen, dann Merkur, Venus und so weiter. Sie dachten sich die Erde als dichte, feste Weltenmasse, aber sie dachten sich als zweites, was dazu gehört, die lunarische Sphäre bis zum Monde hinauf (gelb).

Tafel 1

Und so wie wir sagen, in der Luft, in der wir atmen, ist Sauerstoff, so sagten diese Leute - es ist eben ganz vergessen worden, daß das so war - : In dem Äther, der bis zum Mond hinaufreicht, sind Gedanken. - Und wie wir sagen, wir atmen den Sauerstoff der Luft ein, so sagten diese Menschen allerdings nicht: wir atmen die Gedanken ein, aber: wir perzipieren die Gedanken, wir nehmen die Gedanken auf. Und sie waren sich dessen bewußt, daß sie sie aufnehmen.

Sehen Sie, heute kann ein Mensch sich so etwas meinetwillen auch als Begriff zu eigen machen. Er kann vielleicht sogar aus der Anthroposophie heraus so etwas einsehen. Aber er vergißt es ja gleich wieder, wenn es aufs praktische Leben ankommt. Wenn es aufs praktische Leben ankommt, dann macht er sich gleich eine ganz merkwürdige Vorstellung, er macht sich die Vorstellung, daß die Gedanken in ihm entspringen, was ganz gleich wäre, wie wenn er meinte, daß der Sauerstoff, den er aufnimmt, nicht von außen aufgenommen würde, sondern aus ihm heraus entspränge. Für die Persönlichkeiten, von denen ich spreche, war eben ein tiefes Gefühl, ein unmittelbares Erlebnis: Ich habe nicht meine Gedanken als meinen Besitz, ich darf eigentlich nicht sagen, «ich» denke, sondern «Gedanken sind», und ich nehme sie auf, diese Gedanken.

Nun, vom Sauerstoff der Luft wissen wir, daß er in verhältnismäßig kurzer Zeit den Kreislauf durch unseren Organismus durchmacht. Wir zählen solche Kreisläufe nach den Pulsschlägen. Das geschieht schnell. Die Persönlichkeiten, von denen ich spreche, stellten sich schon das Aufnehmen der Gedanken wie eine Art von Atmen vor, aber ein sehr langsames Atmen, ein Atmen, das darin besteht, daß im Beginne des Erdenlebens der Mensch fähig wird, die Gedanken aufzunehmen. So wie wir den Atem eine gewisse Zeit zwischen der Einatmung und der Ausatmung in uns halten, so stellten sich diese Menschen auch einen Tatbestand vor, dahingehend, daß sie nun die Gedanken halten, aber eben nur so, wie wir den Sauerstoff, der der äußeren Luft angehört, halten. So stellten sie sich es vor: sie halten die Gedanken, und zwar während der Zeit ihres Erdenlebens, und sie atmen sie wieder aus, hinaus in die Weltenweiten, wenn sie durch die Pforte des Todes gehen. So daß man es also zu tun hatte mit einem Einatmen: Lebensbeginn; Atemhalten: Dauer des Erdenlebens; Ausatmen: Hinaussenden der Gedanken in die Welt. Menschen, die so innerlich erlebten, fühlten sich mit allen anderen, die gleich erlebten, in einer gemeinschaftlichen Gedankenatmosphäre, die nicht bloß einige Meilen über die Erde hinaufging, sondern die eben bis zum Mondenumkreis ging.“ (Lit.:GA 237, S. 15ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Theosophie - Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904), Kapitel Die Seele in der Seelenwelt nach dem Tode pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Dritter Band, GA 237 (1991), ISBN 3-7274-2370-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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