Taotl

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Taotl, ein ahrimanisierter Nachkomme und Widerpart des Großen Geistes Tao der Atlantis, war nach Rudolf Steiner der schwarzmagische Führer der mittelamerikanischen Mysterien, deren letzte Ausläufer der Opferkult der Azteken war. „Taotl erschien nicht in einem physischen Leib, sondern nur in elementarischer Gestalt.“ (Lit.:GA 171, S. 101) Er ist eine Wesenheit, „die als eine Art kosmischer Allgeist in allen Wolken webt, in allen Wassern brandet, im Regenbogen scheint, im Blitz und Donner lebt, die aber auch unter gewissen Voraussetzungen durch Kulthandlungen in geweihtes Wasser hereingebracht werden kann ...“ (Lit.:GA 236, S. 215f) Als Geist des Todes will Taotl die menschlichen Seelen von der Erde vertreiben und ein ganz mechanisiertes Erdenreich herstellen.

„Auf dem Boden, der betreten worden ist durch die Entdeckung Amerikas, hatten sich ja allmählich im Laufe der Jahrhunderte, die verflossen sind, auf der westlichen Halbkugel ganz besondere Verhältnisse herausgebildet. Eine allgemeine Bevölkerung war dort, die weit entfernt war, diejenigen Eigenschaften auszubilden, die mittlerweile auf der östlichen Halbkugel, in Asien, in Europa, entwickelt worden sind. Eine den allgemeinen Denkfähigkeiten, die auf der östlichen Halbkugel sich ausgebildet haben, fernestehende Bevölkerung war dort, aber innerhalb dieser Bevölkerung eine große Anzahl von Menschen, die eingeweiht waren in gewisse Mysterien. Mysterien der allerverschiedensten Art gab es auf dieser westlichen Halbkugel vor der Entdeckung Amerikas, Mysterien, die breite Anhängerschaften für gewisse Lehren hatten, welche aus diesen Mysterien heraus kamen. Und gewissermaßen wie eine einheitliche Macht, der alles gehorchte, der alles folgte, wurde ein gespensterartiger Geist verehrt, ein Geist, der ein Nachkomme war des Großen Geistes der Atlantis, ein Geist, der aber allmählich einen ahrimanischen Charakter angenommen hatte, indem er mit all denjenigen Kräften wirken wollte, die in der Atlantis die richtigen waren, oder schon in der Atlantis ahrimanische waren. So wollte er wirken. Wenn der Atlantier von seinem Großen Geiste sprach, so drückte er das aus, wie schon angedeutet worden ist in unseren Betrachtungen, in dem Worte, das ähnlich klang dem noch in China erhaltenen Worte Tao. Und eine ahrimanische Karikatur, ein ahrimanischer Widerpart, Gegner dieses Großen Geistes Tao, der aber doch mit ihm verwandt war, der wirkte so, daß er nur vor dem atavistischvisionären Schauen sichtbar werden konnte, aber den Leuten, die namentlich in Beziehung standen zu den weit ausgebreiteten Mysterien dieses Geistes, auch immer, wenn sie ihn haben wollten, erschien, so daß sie seine Aufträge und seine Gebote empfangen konnten. Diesen Geist nannte man mit einem Worte, das so ähnlich klang: Taotl.[1] Das war also eine ahrimanische Abart des Großen Geistes, Taotl, eine mächtige, nicht bis zur physischen Inkarnation kommende Wesenheit.

In die Mysterien des Taotl wurden viele eingeweiht. Aber die Einweihung war durchaus eine solche, die einen ahrimanischen Charakter trug; denn diese Einweihung hatte einen ganz bestimmten Zweck, ein ganz bestimmtes Ziel. Sie hatte das Ziel, alles Erdenleben, auch das Erdenleben der Menschen, so weit zu erstarren, zu mechanisieren, daß über diesem Erdenleben der ja schon in verschiedener Weise in diesen Betrachtungen angedeutete besondere luziferische Planet angelegt werden könnte, daß die Seelen der Menschen herausgebracht würden; herausgepreßt werden sollten sie. Das, was in der römischen Kultur durch die ahrimanischen Mächte in der gestern angedeuteten Weise versucht worden ist, war nur ein schwacher nachatlantischer Nachklang desjenigen, was durch furchtbarste magische Künste erreicht werden sollte in einem viel umfänglicheren Maße von denjenigen, welche unter der Führung des Taotl standen. Ein ganz auf Ertötung jeder Selbständigkeit, jeder Seelenregung von innen heraus gerichtetes allgemeines Erden- Todesreich, könnte man sagen, sollte erstrebt werden, und in den Mysterien des Taotl sollten diejenigen Kräfte erworben werden, welche den Menschen befähigten, ein solches ganz mechanisiertes Erdenreich herzustellen. Dazu hätte man vor allem kennen müssen die großen kosmischen Geheimnisse, alle die großen kosmischen Geheimnisse, die sich beziehen auf dasjenige, was wirkt und lebt im Weltenall und seine Wirkungen äußert im Erdendasein. Diese Weisheit vom Kosmos, die ist im Grunde genommen in allen guten und schlechten Mysterien ja immer dem Wortlaute nach dieselbe, weil die Wahrheit immer dieselbe ist. Es handelt sich nur darum, sie in solcher Weise zu bekommen, daß sie entweder in gutem oder in schlechtem Sinne gewendet wird.

Die Weisheit nun von dem Kosmos, die an sich keine schlechte war, die in sich sogar heilige Geheimnisse enthielt, diese Weisheit wurde sorgfältig von den Initiierten des Taotl verborgen. Sie wurde niemandem mitgeteilt anders als dadurch, daß er eben im richtigen Sinne in der Taotl-Manier initiiert worden ist. Es handelte sich also darum, daß jemand in der richtigen Weise initiiert werden mußte; dann wurde ihm erst als Lehre mitgeteilt, was die Geheimnisse des Kosmos sind. Nun handelte es sich darum, diese Geheimnisse durch Initiation in einer ganz bestimmten Seelen Verfassung zu erhalten, in einer solchen Seelenverfassung, daß man in sich die Neigung, die Sympathie dazu verspürte, diese Geheimnisse so zu verwenden auf der Erde, daß sie dieses mechanische, starre Todesreich auf der Erde aufrichteten. So sollte man sie bekommen. Und man bekam sie, man empfing sie in einer besonderen Weise: Keinem wurde die Weisheit mitgeteilt, der nicht vorher in einer gewissen Art einen Mord begangen hatte. Und zwar wurden ihm beim ersten Mord nur gewisse Geheimnisse mitgeteilt. Erst bei folgenden Morden wurden ihm weitere und höhere Geheimnisse mitgeteilt. Die Morde mußten aber auch unter ganz bestimmten Bedingungen begangen werden. Derjenige, der gemordet werden sollte, der wurde auf einen Aufbau gelegt, der so eingerichtet war, daß man durch ein oder zwei Stufen von allen Seiten zu einer Art von katafalkartiger Vorrichtung kam, die oben abgerundet war, so daß, wenn man den betreffenden zu Ermordenden darauf legte, er im Rücken stark gekrümmt wurde, und durch das besondere Anschnüren an jene Vorrichtung wurde ihm der Magen herausgetrieben. So wurde ihm der Magen herausgetrieben, daß mit einem Schnitt, zu dem der betreffende Einzuweihende vorbereitet worden ist, der Magen ausgeschnitten werden konnte.

Diese Art des Mordes erzeugte ganz bestimmte Gefühle, und diese Gefühle, die erregten die Empfindungen, welche fähig machten, die Weisheit, die dem Betreffenden später mitgeteilt wurde, in der angedeuteten Weise zu verwenden. Wenn dann der Magen ausgeschnitten worden war, so wurde er dem Gotte Taotl geopfert, wiederum unter ganz besonderen Zeremonien. Das bewirkte, daß die Initiierten dieser Mysterien in einer ganz bestimmten Absicht lebten, in der Absicht eben, die ich Ihnen angedeutet habe. Das bewirkte ganz bestimmte Gefühlsrichtungen. Wenn die Betreffenden, die initiiert werden sollten, reif waren auf diesem Initiationswege, dann erfuhren sie auch, um was es sich handelte; dann erfuhren sie, wie die Wechselwirkung war zwischen dem also Ermordeten und demjenigen, der initiiert worden war. Der also Ermordete, der sollte dadurch vorbereitet werden in seiner Seele, in das luziferische Reich hinaufzustreben, und derjenige, der initiiert werden sollte, sollte die Weisheit bekommen, diese Erdenwelt so zu gestalten, daß die Seelen aus ihr vertrieben werden. Und dadurch, daß eine Verbindung geschaffen war zwischen dem Ermordeten und dem Initiierten - nicht Mörder, kann man sagen, sondern Initiierten -, dadurch war dann die Möglichkeit gegeben, daß der Initiierte mitgenommen wurde von der anderen Seele, also selber im rechten Augenblicke die Erde verlassen konnte.

Es sind ja, wie Sie wohl ohne weiteres zugeben werden, diese Mysterien solche der allerempörendsten Art, solche, die eben nur einer Anschauung entsprechen, die man im vollsten Sinne eine ahrimanische nennen kann.“ (Lit.:GA 171, S. 57ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit. Goethe und die Krisis des neunzehnten Jahrhunderts, GA 171 (1984), ISBN 3-7274-1710-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Zweiter Band, GA 236 (1988), ISBN 3-7274-2360-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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  1. Taotl: Für die äußeren Angaben über die Azteken und ihre Gebräuche, sowie der Namen ihrer Gottheiten diente Rudolf Steiner das Werk von Charles William Heckethorn, «Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren», Leipzig 1900. Es enthält im «Ersten Buch» mit der Überschrift «Alte Mysterien» ein Kapitel (5 Seiten) über «Mexikanische und peruvianische Mysterien». Von hier stammt auch das von Rudolf Steiner erwähnte Detail, daß die Priester den Opfern den Magen ausschnitten, was verschiedentlich - als angeblich nicht mit der Überlieferung übereinstimmend - beanstandet worden ist. Auch die Transkription der Namen der Gottheiten ist bei den späteren Forschern anders geworden. Im übrigen ist zu beachten, daß es Rudolf Steiner weniger um die in der einschlägigen Literatur vornehmlich behandelten Gebräuche der in Dekadenz verfallenen Azteken ging, sondern um deren in vorgeschichtlicher und mythologischer Zeit liegenden Hintergründe.