Tehom

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Tehom (hebr. תְהוֹם, Tiefe, Kluft, Abgrund) ist der in der biblischen Genesis[1] erwähnte Schöpfungsurgrund, wo von der Finsternis gesprochen wird, die über der Tiefe waltet und damit vergleichbar dem gähnenden Abgrund Ginnungagap der nordischen Mythologie oder dem gahanam gabhîram aus dem Schöpfungsmythos des Rigveda 10.129. Dieser Abgrund bricht nochmals auf, als sich mit dem Untergang der Atlantis die Sintflut über die Erde ergießt[2]. In der altgriechischen Septuaginta wird dieses Wort als abussos (griech. ἄβυσσος, grundlos, unermesslich) und in der lateinischen Vulgata als abyssi übersetzt, was Abgrund bedeutet:

וְחֹשֶׁךְ עַל-פְּנֵי תְהוֹם

te‘hom pe‘ne al chóschäk 'we
(Tiefe der über Finsternis und)

Die deutschen Übersetzungen sind schwankend. Statt „über der Tiefe“ heißt es oft auch „über den Wassern“ oder "über der Urflut". Nach Rudolf Steiner ist damit die sog. Wassererde oder Formenschicht gemeint, eine rein astrale Stofflichkeit, die der Ursprung aller irdischen Materie war und heute die 4. Schicht des Erdinneren ist, damals aber, als der Mond noch mit der Erde vereinigt war, die äußerste Erdschicht bildete.

Ein noch genaueres Bild lässt sich gewinnen, wenn man sich die bildschaffende Kraft der Laute des hebräischen Wortes einfühlt. ת (Taw; T) bedeutet den Einschlag des bestimmenden und gestaltenden Geistes in die irdische Welt. ה (He; H) steht für den ausgehauchten Atem als Bild des Seelenlebens, verstärkt durch die Sympathiekräfte von וֹ (Waw mit Punkt darüber), auch Choläm Magnum genannt, das als langes O gesprochen wird. ם (Mem; M) - hier in der Schreibweise, wie sie am Ende eines Wortes gebraucht wird - ist ein stimmhafter bilabialer Nasallaut. Die starke Vibration der Lippen setzt sich deutlich spürbar bis zur Nasenwurzel fort, bis in jene Gegend, wo die zweiblättrige Lotosblume bzw. das Zentrum des Ich-Bewusstseins sitzt. Mit dem M verbindet sich die Empfindung, etwas kraftvoll mit den Lippen zu ergreifen, genießerisch zu verkosten und sich einzuverleiben; man ergreift von etwas Besitz und verbindet sich ganz damit. Nach kabbalistischer Auffassung ist Mem eine der drei Mütter des hebräischen Alphabets und entspricht dem leiblichen Aspekt des Menschen bzw. dem Wasserelement.

Insgesamt ist tehom ein Bild für den Leib, der das Seelisch-Geistige in sich aufnimmt, oder – allgemeiner ausgedrückt – für die Materie, die beseelt und durchgeistigt wird.

Auffallend und kaum zufällig ist auch der Gleichklang von hom mit homo, der lateinischen Bezeichnung für den Menschen, wobei das Wort homo wiederum urverwandt ist mit Humus, dem fruchtbaren (feuchten) Erdboden.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Gen 1,2 LUT
  2. Gen 7,11 LUT

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, GA 122 (1984), ISBN 3-7274-1220-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. GA 122 Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte - Textausgabe der Online-Bibliothek
Steiner big.jpg
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Weblinks

  1. Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte - der gesamte Text online.
  2. Rudolf Steiner: Genesis. Secrets of the Bible Story of Creation (1959) - Die Vorträge in englischer Übersetzung