Thelema

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Thelema (griech. θέλμαWille, Gebot, Begierde“) ist ein im klassischen Griechisch selten gebrauchter Begriff, der einerseits für den übergeordneten göttlichen Willen, der durch den Menschen vollzogen wird, anderseits auch für die sexuelle Begierde steht. Für den Willen des Einzelnen - als Vorläufer des modernen Willensbegriffs - wird in der Regel das Wort boule (βουλή) gebraucht. Das Verb thelo (θέλο) wird schon in frühen attischen Schriften und bei Homer (Homer Od. 3, 272) verwendet und bedeutet hier „bereit sein, belieben, geneigt sein, wünschen, wollen, entscheiden“ und „begehren“, auch mit geschlechtlichem Bezug. Für Aristoteles ist thelema die sittlich nicht weiter bewertete begehrende Triebkraft des Menschen. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, bezeichnet thelema einen erhabenen, über das gewöhnliche menschliche Wollen hinausragenden Willen, insbesonders den Willen Gottes, das religiöse Begehren des Gottesfürchtigen und den königlichen Willen eines weltlichen Herrschers. Im Lateinischen werden boule und thelema gleichermaßen mit voluntas - Wille - übersetzt und die feineren Unterschiede dadurch verwischt. Auch im Neuen Testament werden beide Begriffe weitgehend synonym verwendet.

Thelema in der Barbelo-Gnosis

In der Barbelo-Gnosis ist «Thelema» nach dem Bericht des Irenäus von Lyon einer der Äonen, die aus dem «unnennbaren Vater» emaniert wurden. Seine Partnerin ist das «Ewige Leben».

„In dem jungfräulichen Geiste befindet sich ein nie alternder Äon, den sie Barbelo nennen. Dort ist auch ein unnennbarer Vater, der sich des Barbelo offenbaren wollte. Die Barbelo oder Ennoia trat vor sein Angesicht und forderte von ihm die Prognosis. Da nun die Prognosis hervorgegangen war, erschien weiter auf Bitten beider die Aphtharsia[1], darauf das ewige Leben. Wie sie aber hierüber sich mächtig freute und erhob und über ihre Empfängnis sich ergötzte, da schuf er in sie hinein ein ihr ähnliches Licht. Das ist der Anfang aller Erleuchtung und Schöpfung. Wie der Vater das Licht erblickte, da salbte er es mit seiner Güte, damit es vollkommen werde. So wurde Christus[2]. Der wiederum verlangte, daß ihm der Nous gegeben werde, und der Nous ging hervor. Alsdann sandte der Vater den Logos aus. Darauf kamen die Verbindungen zustande zwischen der Ennoia und dem Logos, zwischen der Aphtharsia und Christus; das ewige Leben aber wurde mit dem Thelema verbunden und der Nous mit der Prognosis. Diese priesen das große Licht und die Barbelo.“

Irenäus von Lyon: Contra Haereses I 29,1 [1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Aphtharsia griech. ἀφθαρσία „Unversehrtheit, Unsterblichkeit, Unbestechlichkeit“
  2. der Gesalbte